BGH · V BLw 55/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ob die Veräußerung eineslandwirtschaftlichen Grundstücks an einen Nlchtlandwirt zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung führt? so kann die Genehmigung zu einer späteren Übertragung eines dieser Grundstücke von einem Miterben auf den anderen grundsätzlich nicht aus dem Gesichtspunkt einer ungesunden; Verteilung der Bodennutzung versagt werden und sind auch an die Wirtschaftsfähigkeit des Erwerbers keine strengeren Anforderungen zu stellen als bei Vollziehung der A,usein-andersetzungc Dies gilt insbesondere dann? wegen Genehmigung eiiieroG-rundstücksveräußerung hat der V0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs als Senat für Landwirtschaftssachen in der Sitzung vom 60 Mai 1958 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Lr* Tasche, der Bundesrichter Ar, Hückinghaus und ,Lr. Piepenbrocm sowie der landwirtschaftlichen Beisitzer Peldmann und Schädel beschlossene Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluß des Senats für Landwirtschaftssachen des Oberlandesgerichts in Celle vom 14« Oktober 1957 wird zurückgewiesen „j 3705 Mark Einheitswert Der Karl Heinz KflBB zugeteilte Grundbesitz wurde im Grundbuch von Bd., 150 eingetragene Von den Ludolf zugeteilten Grundstücken wurde damals die Haus- : Die Landwirtschaftsbehörde', hat mit der Begründung, daß der Erwerber nicht in der läge sei., die Weide selbst landwirtschaftlich zu nutzen,' so daß die Veräußerung an ihn eine ungesunde Verteilung der Bodennutzung bedeute., Von den Versagungsgründen des Art, IV Abs, 4 KRG Nr0 45 und des Art, III BrMilRegVO Er, 84 kommen für die Beurteilung lediglich der Gesichtspunkt der ungesunden Verteilung der Bodennutzung und die etv/aige Wirtschaftsunfähigkeit des Erwerbers in Betracht, lo) Das Oberlandesgericht hält diese Versagungsgrün-, de nicht für gegeben. Es geht davon.aus, daß die Veräußerung eines landwirtschaftlichen Grundstücks an einen Nichtlandwirt grundsätzlich zu einer ungesunden Verteilung der Boden- nutsung führe, meint jedoch, der vorliegende Fall biete insofern eine Besonderheit; als auch der Veräußerer kein Landwirt; sondern ein im Ausland lebender Kaufmann sei» Ein solcher Fall sei anders zu beurteilen, als wenn ein Landwirt ein- landwirtschaftliches Grundstück an einen Nichtlandwirt veräußeret Nach dem Wortlaut und Sinn des Gesetzes müsse angenommenwerden, daß Veräußerungen nur dann nicht genehmigt werden dürften, wenn dadurch eine ungesunde Verteilung der Bodennutzung erst herbeigeführt werde» Bas Gesetz stelle sonach darauf ab, ob die bisherige Verteilung der Bodennutzung durch die Veräußerung verschlechtert .werde«. Derartigen Verschlechterungen könne und solle mit der Versagung der Genehmigung entgegengetreten werdeno Dagegen sei es nicht Aufgabe der Genehmigungsbehörden, die Verteilung der Bodennutzung zu verbessern, insbesondere mit Hilfe einer Auflage dafür zu sorgen, daß ein Grundstück aus der Hand eines Nichtlandwirts in das Eigentum, eines Landwirts überführt werde» Im Falle der Veräußerung von einem Nichtlandwirt an einen Nichtlandwirt sei in erster Linie zu prüfen, ob der beabsichtigte Eigentums-Wechsel gegenüber;dem 'bisherigen Rechtszustahd zu einer Ver-schlechtftrung: der; Bodennutsüngsverteilung führe oder nicht« Es könne deshalb nicht ohne weiteres angenommen werden, daß die Veräußerung von landwirtschaftlich genutztem Grundbesitz, der sich;in der Band eines Nichtlandwirts befinde, stets zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung führe, wenn der Erwerber[nicht selbstwirtschaf tender Landwirt sei» Es komme vielmehrjdarauf an, ob die Veräußerung eine ungünstigere Gestaltung [der Bodenverteilung als bisher zur Folge habe und in diesem Sinne ungesund sei. Bei Versagung der Genehmigung verbleibe das Grundstück dauernd in der Hand .eines im Ausland lebenden Nichtlandwirtsder -das Grundstück bisher selbst nicht bewirtschaftet habeo Die 'Weideparzelle, die sich schon im Jahre 1877 im Eigentum des Großvaters der Vertragsteile befunden habe? Nach alledem führe die Veräußerung nicht zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung, Hinsichtlich der Wirtschaftsfähigkeit deh Erwerbers beständen keine Bedenken, Entscheidend sei, daß der Erwerber die sachgemäße Bewirtschaftung des Grundstücks im Interesse der Volksemährung gewährleiste. a) Nach Art, III AbsV 5 Buchst ob BrMilHegVO Nr. 84 soll der Veräußerung eines landwirtschaftlichen Grundstücks die Genehmigung versagt werden, wenn die Veräußerung zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung führt. bereits als ungesund bezeichnet werden müsse und dieser Zustand durch die Veräußerung nicht verschlechtert werde, der Versagungsgrund der ungesunden Verteilung der Bodennutzung nicht gegeben sei, läßt sich aus dem Wortlaut und Sinn des Gesetzes nicht entnehmen. fassung des Beschwerdegerichts würde zu einer unterschiedlichen Beurteilung der Veräußerung.eines landwirt schaftlichen Grundstücks an einen: Nichtlandwirt führen, je nachdem ob der Veräußerer landwirt ist oder 'nicht . Sie Würde zur Folge haben, daß die Veräußerung von einem Nicht1andwirt an einen Nichtlandwirt grundsätzlich zu genehmigen sei. Unter Umständen können aber auch in der Person des Veräußerers liegende Gründe eine ungesunde Verteilung der Bodennutzung ausschließeno Entscheidend ist, ob.der Übergang des Grundstücks in das Eigentum des Erwerbers eine ungesunde Erscheinung darstellt0 Wenn dies der Pall ist, führt die Veräußerung zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung auch dann? wenn der Veräußerer ein Nichtlandwirt ist0 landwirtschaftlich genutzte Grundflächen stehen häufig im Eigentum von Nichtlandwirteiio Dieser Zustand mag unerwünscht sein und sogar eine ungesunde Verteilung der Bodennutzung bedeuteno Das Ziel der Agrarpolitik, den landwirtschaftlichen Grundbesitz in die Hand von selbst-v/irtschaftenden Landwirten zu überführen, läßt sich durch die Grundstückverkehrsvorsehriften allein nicht immer erreichen , weil ein Grundeigentümer nicht gezwungen werden kann, seinen Grundbesitz an eine bestimmte lerson zu veräußern* Durch Versagung der Genehmigung kann lediglich eine vom Gesetz mißbilligte Veräußerung verhindert werden«. Grundbesitz deh selbstwirtschaftenden, vor allem landzulagebedürftigen Landwirten Vorbehalten bleiben und zukommen muß-, bedeutet nicht, daß land- und forstwirtschaftliche Grundstücke unter keinen Umständen in das Eigentum von Nichtlandwirtejn übergehen könnteno Eine Veräußerung an einen Nichtlandwirt braucht nicht stets zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung su führen* In der Rechtsprechung ist anerkannt, daß ein Erwerb landwirtschaftlichen Grund und Bodens durch einen Nichtlandwirt durchaus gerechtfertigt sein kann* Dies ist der fall, wenn der Erwerb im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse liegt, z* B* wenn das Grundstück für öffentliche Zwecke benötigt wird * Auch Wenn ein;gewerbliches Unternehmen zur Fortführung oder Er- Weiterung" seines Betriebes dringend auf den Erwerb eines landwirtschaftlichen Grundstücks angewiesen ist, wird in der Regel die Veräußerung aus dem Gesichtspunkt einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung nicht zu beanstanden sein. Das gleiche gilt, wenn ein Grundstückseigentümer aus persönlichen oder wirtschaftlichen Gründen geswungen ist, seinen Grundbesitz ganz oder teilweise zu'.veräußern und Interessenten aus dem Kreise der Landwirtschaft, die vor allem landzulagebedürftig und auch gewillt und in der Lage sind, daz :Grundstück zu angemessenen Bedingungen zu erwerben, nicht vorhanden sind»; Unter Umständen kann auch von Bedeutung sein,' ob dem Eigentümer zuzu demuten ist, das Grundstück gerade an den in frage kommenden Interessenten zu veräußern (vgl o:: Wöhrmann BdL 1958, 29, 30)» Die Frage, ob die Veräußerung eines landwirtschaftlichen Grundstücks an einen Uich11andwirt zu einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung führt,'kann danach stets nur nach Lage des Einzelfalles Beurteilt werden» . Im gegenwärtigen Verfahren handelt es sich, wie das Gberlandesgericht zutreffend hervorhebt, insofern um einen Sonderfail, als der Eigentümer des Grundstücks ein in San Franzlskb lebender Kaufmann ist, der die Staatsangehörigkeit der Vereinigten Staaten; besitzt, das Grundstück bisher selbst nicht bewirtschaftet hat und dies auch in Zukunft nicht tun wird, weil er und seine Familie nicht die Absicht haben, nach Deutschland zurückzukehren» Bei Versagung der Genehmigung würdeIdas ' Grundstück vermutlich dauernd in der Hand eines im Ausland lebenden llichtlandwirts bleiben, da Anhaltspunkte für die Annahme, daß der Eigentümer das Grundstück anderweitig verkaufen werde, nicht vorhanden sind» Gegenüber der Aufrechterhaltung eines solchen Zustandes verdient der beabsichtigteEigentumswechsel den Vorzug» Der Umstand, daß mit ausscheidet und ebenso auch die von der Rechtsbeschwerde hervorgehobenen Bedenken gegen eine ungesunde Breisentwicklung im landwirtschaftlichen Grundstücksverkehr nichtvin= Betracht kommen□ Richtig ist? Entscheidend für die Beurteilung der präge, ob der Erwerb des .Grundstücks durch Ludolf zu einer ungesun- den Verteilung der Bodennutzung führt, ist vor allem die Tatsache?: Die jetzige Veräußerung stellt eine Korrektur und in •gewissem' Sinne sogar eine Rückgängigmachung der Erbausein-anderseizung, nämlich eine in der Person des Eigentümers entstehende Wiedervereinigung der damals eigentumsmäßig getrennten Grundstücke dar, bei der ohne weiteres davon ausgegahgen werden kann, daß damals eine Übertragung der We ideparzelle auf Ludolf - no ch eher die Genehmigung geiun-den haben v/ürde; als die Übertragung auf Karl Heinz, einen im Ausland lebenden Ausländer» Durch die Schenkung wird somit ein Rechtszustand hergestelltp den die Beteiligten bei der lErbauseinandersetsung. b) Die Rechtsbeschwerde bekämpft auch die Ausführun-gen, mit denen das Ober 1 andesgericht die Wirtschaftsfahigkeit des Antragstellers zu 1 bejaht hat» Sie kann jedoch mit ihren Einwendungen .'keinen Erfolg haben» Nichtig ist allerdings, daß es für die Wirtschaftsfähigkeit des Erv/erbers eines landwirtschaftlichen Grundstücks nicht genügt'wenn derErwerber das Grundstück durch einen Pächter bewirtschaften laßt» Der Erwerber muß vielmehr in der Lage - sein, das Grundstück selbst zu - bewirtschaften«- Dies gilt auch dann, wenn es sich - wie bei der streitigen Weide - um ein Grundstück handelt, das swangslaufig von einer anderen Stelle aus bewirtschaftet werden muß, deshalb schon seit Jahren verpachtet ist und auch in der Hand des Erv/erbers weiterhin verpachtet bleiben Wird» Welche Anfordsrungen an die. Wirtschaftsfähigkeit zu stellen sind, ist eine iatfrage, die sich nach der Lage des Sinzelfalles richtet» Die Auffassung des Eeschwerdegerichts, daß an die Wirtsehaftsfahigkeit des Ludolf keine strengen Anforderungen zu stellen seien, läßt sich zwar nicht mit der beabsichtigten Aufrechterhaltung der Verpachtung begründen» Entscheidend ist vielmehr der auch für die Verneinung einer ungesunden Verteilung der Bodennutzung maßgebliche Gesichtspunkt, daß das den beiden Antragstellern als lAiterben gehörende Weidegrundstück bei der Auseinandersetzung im Jahre 1949 mit Genehmigung der Landwirtschaftsbe-hörde in das Alleineigentum eines im Ausland lebenden Ausländers und Mchtlandv/irts übergegangen ist» Bei der jetzt erfolgten Übertragung des Grundstücks auf den anderen Miterben, der.bei der Aufteilung des Grundbesitzes im Jahre 1949 mit Genehmigung der Landwirtschaftsbehor.de ■■ ebenfalls landwirtschaftliche Grundstücke erhalten hatte, können an die Wirtschaftsfahigkeit des Erwerbers keine strengeren Anforderungen gestellt werden als hei Vollziehung der Auseinandersetzung» Dem Schenkungsvertrag kann deshalb die Geneh- migung auch nicht aus dem Gesichtspunkt der Wirtschaftsun-fähigkeit des Erwerbers versagt werden.