BGH · V BLw 49/50
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Parteien 3ind Geschwister* Ihr inzwischen verstor } bener Vater war Eigentümer eines in P^p^p gelegenen Erbhofs von etwa 63 ha mit einem Einheitswert von 83000*-UM* Diesen Hof hat er durch notariellen Überlassungsvertrag vom 9p Oktober 1944 auf seinen Sohn Walter, den Antragsgogner, übertragen» In diesem Vertrage ist für den überlasser und seine Ehefrau ein Altenteil mit der Llassgabe festgesetzt worden, dass nach dem Tode des Längstlebenden der beiden AltenteileJ^ das Altenteil zur Hälfte an die. Schwester des Übernehmers, die Antragsteilerin, bis zu ihrem Lebensende zu leisten, ist* Der Krcisbauernführer hat der nachgesuchten Genehmigung dieses Vertrages widersprochen, weil die Antragstellern bereits ihre Ausbildung als Lehrerin vom Hofe erhalten habe. Daraufhin ist der Genehmigungsantrag zurüclegenonimen worden, im Januar 1948 hat der Antragsgegner bei dem Amtsgericht in Kappeln erneut die Genehmigung des Überlassungsvertrages vom 9p Oktober 1944 beantragt« Diesem Anträge-hat das Amtsgericht durch Beschluss vom 15* Juli 1948 entsprochen. Der Antragsgegner ist daraufhin als Eigen-, tümer des Hofes im Grundbuch eingetragen worden* • ww Die Antrags tellerin hat ihren Bruder auf Eintragung * • des ihr nach dem Vertrage zustehenden Altenteils iin Grundbuch in Anspruch genommen und wegen der ablehnenden Haltung des Antragsgegners bei dem Amtsgericht beantrag diesen zur Bewilligung der Eintragung des Altenteils zu verurteilen* Sie hat dieses Verlangen auf § 59 Abs 4 LVO und Art 15 § 1 Preuss«AGzBGB gestützt* Der Antragsgegner hat um .Zurückweisung dieses Antrags gebeten, weil das Altenteil als eine persönliche Verpflichtung seinerseits, nicht aber als eine auf dem Hofe lastende Dauer-vcrpfliclatung gedacht gewesen sei«. Das. Amtsgericht hat dem Anträge der Antragstellerin entsprochen und diese Entscheidung auf § 1 des Art 15 Preuss. Zur Begründung der von ihm hiergegen eingelegten sofortigen Beschwerde hat der Antragsgegner u.a» vorgebr^cht, die Parteien seien bei dem Abschluss des öbergabevertrages darüber einig gewesen, dass eine dingliche Sicherung des Altenteils nicht erfolgen solle. Das Beschwerdegericht hat einen Anspruch der Antragstellerin auf dingliche Sicherung des Altenteils auf Grund des § 59 Abs 4 IVO verneint, weil diese Vorschrift ein Recht auf Eintragung nur für solche Ansprüche gebe, die vor dem Inkrafttreten der Höfeordnung wirksam bestanden hätten. für begründet erachtet, dessen Regel während der Geltung des Reichserbhofgesetzes unter dem Einfluss der damaligen Rechtsprechung nicht habe verwirklicht werden können, der aber nach dem Ausserkraft treten des Reichserbhofrechts wieder gelte, sodass der erst unter dem neuen Höferecht genehmigte Vertrag unter dieser alten Ausle gungsregel zu betrachten sei. Nach ihr sei der Erwerber eines Grundstücks, so hat das Beschwerdegericht weiter ausgeführt. Hieraus hat das Beschwerdegericht gefolgert, dass es einer ausdrücklichen Festlegung des Ausschlusses der Eintragung im Vertrage bedurft hätte, um die Anwendung des Art 15 auszuschli«$-sen. Das Beschwerdegericlit hat den Hinweis des Antragsgegners/ J dass eine solche Festlegung zur Zeit dos Vertragsschlusses nicht notwendig gewesen sei, für nicht durchgreifend erachtet, weil es nicht auf den Zeitpunkt des Vertrags Schluss es*, sondern auf den der Vorlage zur Genehmigung ankomme und damals das alte Erbhofrecht bereits nicht mehr in Kraft gewesen sei* AGzBGB hergeleitet, der dem"Be-rechtigten" einen Anspruch auf Bestellung einer Reallast und gegebenenfalls auch einer persönlichen Bienst-barkeit gibt» Es hat somit angenommen, der Anspruch auf dingliche Sicherung stehe nicht nur dom Veräusserer des Grundstticks zu, sondern der Begriff des MBerechtig ten" sei v/eiter zu fassen« Ben i3t beicutreten, denn das Gesetz spricht allgemein von den "Berechtigten” und beschränkt dpmit den Anspruch auf dingliche Sicherung nicht auf einen bestimmten Personenkreis (vgl Grusen-:'Cüller,Preuss.AGzBGB unter Art 15, 1,1 )• Berechtigt ist danach jeder für den in Verbindung mit der Überlassung eines Grundstücks ein Altentcilsrecht begritw» det worden ist* Aus den Eingangsworten des Art 15 folgt, dass seine Vorschriften nur subsidiären Charakter haben* da sie mir gelten, soweit nicht abweichende Vereinbarungen getroffen sind. Mit Recht sieht es als Sinn und Zweck des Art 15 .an, den Inhalt eines vertraglichen Schuldverhältnisses zu regeln, soweit in ihm nichts Abweichendes vereinbart ist« Hieraus folgert das Beschwerdegericht, in dem Vertrage hätte ausdrücklich gesagt werden müssen, dass "das Altcnxe’rfJL nicht dinglich gesichert werden solle, wenn dies dem Willen der Vertragsschliessenden entsprochen hätte und die Anwen- Der Hechtsbeschv/crde ist zuzugeben, dass Art 15 nicht von einer ai^drilcklichen anderweitigen Vereinbarung, sondern nur von abweichenden Vereinbarungen spricht« Es ist ferner richtig, dass bei dem Abschluss des Vertrages über bestimmte Fragen eine Einigung der Parteien erzielt sein kann, ohne dass sie in dem Vertrage einen Hiederschlag gefunden hat. Ob eine bestimmte Frage abweichend von den Vorschriften des Art 15 geregelt worden oder ob über sie keine Vereinbarung getroffen worden ist, muss sich danach aus dem Vertrage selbst ergeben* Soweit er Zweifel über das Gewollte auf kommen lässt, ist der \7ille der Parteien durch teils in dem Vertrage nicht vorgesehen wurde* vielmehr hätte ausdrücklich gesagt werden müssen, dass eine Eintragung im Grundbuch nicht erfolgen solle* Dieser Auslegung entspricht es, dass im Falle der Zv/angsversteigerung ein Altenteil den Schutz des Art 6 Preuss* AGsZYG•- Bestehenbleiben der Hechte trotz Nichtberücksichtigung bei der Feststellung des geringsten Gebotes - nur geniesst, wenn es im Grundbuch eingetragen ist* Da im vorliegenden Falle die Eintragung des Altenteils im Grundbuch in dem Übergabevertrage nicht ausgeschlossen worden ist* hat das Beschwerdegericht mit Recht angenommen, dass der Antragstellerin nach Art 15 § 1 Preuss-AgzBGB ein Anspruch auf dingliche Sicherung ihres Altenteils zustehe« Das Beschwerdegericht .war daher - entgegen der Ansicht der Hechtsbeschwerde- nicht genötigt, den Sachverhalt durch weitere Ermittlungen aufzuklären* Esvihat,r| also weder Art 15 § 1 Preuss*AGzBG3 zu Unrecht angewandt noch sich einer verfahrensrechtlichen Rechtsverletzung schuldig ge-macht* der Antrag der Antragstellerin aber auch auf Grund des § 59 Abs 4 LVO begründet* Bei ihm handelt es sich allerdings um eine Übergangsvorschrift* Hit Recht hat daher das Beschwerdegericht angenommen, dass, eine Ein- : tragung im Grundbuch nur für solche Rechte in ^rage komme, die zur Zeit der Geltung des Reichser^hof3?e^hts n sei erst durch die unter dem neuen Recht erteilte Genehmigung des Übergabevertrages entstanden« Die Antragstellerin hat bereits in der Beschwerdeinstanz geltend gemacht, dass die Genehmigung auf den Zeitpunkt des Abschlusses des Rechtsgeschäfts zurückgewirkt habe* Mit diesem Vorbringen hat sich das Beschwerdegericht nicht auseinandergesetzt* Dazu hätte aber Veranlassung bestanden« Unstreitig ist seinerzeit die Genehmigung des Übergabevertrages bei dem Anerbengericht nachgesucht v/orden* Wäre damals die Genehmigung rechtskräftig versagt worden, so hätte diese Entscheidung die Nichtigkeit des ganzen Vertrages zur Folge gehabt, und daran hätte auch die spätere Genehmigung durch das Amtsgericht nichts ändern können* Zu einer Entscheidung ist es indessen nicht gekommen, weil der Antrag auf Genehmigung des Vertrages zurückgenommen wurde« Dieser blieb daher schwebend unwirksam, und es hätte nichts im Y/ege . Palandt BGB Einführung vor § 182 Anm 2 und § 275 Anm 9)« Danach war der Obergabevertrag bei dem Inkrafttreten des neuen Landwii’tschaftsrechts noch schwebend unwirksam« Er konnte nun nicht mehr auf Grund der erbhofrechtlichen Bestimmungen genehmigt werden. Das führte aber nicht etwa die endgültige Unwirksamkeit des Vertrages herbei, sondern wirkte sich lediglich dahin aus, dass die Frage der Genehmigung des Vertrages nunmehr nur noch auf Grund der .Vorschriften des neuen Rechts entschieden werden konnte (Lange-Uulff aaO Seite 36I?OLG tünchen in RechtdLandw. Zeitpunkt des Abschlusses des Übergabevertrages zurück« Das hat aber zur Folge, dass der Vertrag als von Anfang an wirk- sam angesehen werden muss« Das Altenteilsrecht der Antrags teil er in bestand deranachbei dem Inkrafttreten des neuen Landwirtschaftsrechts bereits« Da es sich bei ihm um einen Versorgungsanspruch handelt, der durch einen Übergabevertrag begründet); worden ist«