BGH · V BLw 44/64 vom 13.05.1965
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Io Der am 0» (IHHHIB 1926 verstorbene Landwirt Friedrich BflP war Eigentümer einer landwirtschaftlichen Besitzung in die rund 35 ha groß ist und einen Einheitswert von 76 400 DM hato Der Grundbesitz war unter der Geltung des Reichserbhofgesetzes Erbhof und ist jetzt ein Hof in Sinne der Höfeordnung° Friedrich B^F war verheiratet mit Maria BflB geb« kBIBo Kinder sind aus der Ehe nicht her- -vorgegangen« "Auf Grund einer letztwilligen Verfügung vom 10» Juni 1925 bin ich befreite Vorerbin gewordene Dies ist im Grundbuch eingetragene Als Nacherben kommen die weiteren gesetzlichen Erben meines Ehemannes in Betrachte Nach meiner Auffassung ist dies meine Schwägerin, die verwitwete Ehefrau Lina geboB®, zur Zeit wohnhaft in BeflHH^ Krs» HflflBo Biese ist 79 Jahre alt und v/ar Ehefrau eines Ministerial-amtmannes» Sie hat lange Jahre mit diesem in Beifl^ gewohnt» Ich halte sie einmal wegen ihres Alters, zu dem andern, weil sie nicht auf dem Hof groß geworden ist und einen Beamten geheiratet hat, nicht für wirtschaftsfähig, so daß ich mich für berechtigt halte, folgende letztwillige Verfügung zu treffens (Beteiligte zu 2)» Bie Geschwister Johanne und Y/ilhelm 300 sind vor dem Erblasser, seine Schwester Minna im Jahre 1939 und sein Bruder August im Jahre 1952 verstorben» Kinder sind aus den Ehen der Geschwister des Erblassers nicht hervorgegangen» Nach der Witwe 300 sind mehrere gesetzliche Erben vorhanden, zu denen auch die Ehefrau Waltraut W| Der Grundsatz, daß Erbfälle dem im Zeitpunkt des Erbfalles geltenden Recht unterliegen, gilt auch für die Nacherbfolge o Infolgedessen sind, v/enn für die Vererbung einer landwirtschaftlichen Besitzung bei Eintritt des Erbfalles das Recht des Bürgerlichen Gesetzbuchs galt und der Nacherbfall bei dieser inzwischen Hof gewordenen Besitzung unter der Geltung der Höfeordnung eintritt, für den Nacherbfall die Vorschriften der Höfeordnung maßgebend (Beschluß des Senats vom 17° Dezember 1952, V BLw 6/52, RdL 1953? Die Witwe ist deshalb mit dem Tode ihres Ehemannes Vorerbin nach bürgerlichem Recht geworden» Sie blieb auch unter der Geltung des Reichserbhofgesetzes Vorerbin» Das Reichserbhofrecht hat eine bei seinem Inkrafttreten bestehende Vorerbschaft übernommen und lediglich hinsichtlich der Person des Nacherben eine seiner Zielsetzung entsprechende Regelung getroffen (§ 51 EHRV)» Die Witwe Bfl) ist entgegen der Meinung des Oberlandesgerichts keine sippegebundene Anerbin im Sinne des § 12 EHFV gewesen; denn diese Vorschrift galt nur für Erbfälle, die nach dem Inkraft- Nacherben "unsere gesetzlichen Erben" sind, bedeutet nach Ansicht des Beschwerdegerichts nicht, daß die gesetzlichen Erben beider Ehegatten als Nacherben des Ehemannes eingesetzt seien» Das Oberlandesgericht hat vielmehr den Erbvertrag dahin ausgelegt, daß beim Vorversterben des Ehemannes dessen gesetzliche Erben als Nach™ erben berufen seien; denn die gesetzliche Regelung habe, so führt das Beschwerdegericht aus, ersichtlich den Zweck verfolgt, den Hof bei aller Sicherung der Ehefrau in der Familie des Mannes zu erhalten» Das ergebe sich auch aus dem Verhalten der Witwe BfBl» Diese habe nicht nur der Eintragung des Nacherbenverraerks im Grundbuch nicht widersprochen; sie sei auch in ihrem Testament vom 18» September 1959 davon ausgegangen, daß die Witwe TtfB als die allein verbliebene gesetzliche Erbin des Mannes dessen Nacherbin sei» Die Auslegung des Erbvertrages durch das Beschwerdegericht ist rechtlich nicht zu beanstanden» Der Wortlaut des Erbvertrages steht mit dieser Auslegung entgegen der Meinung der Rechtsbeschwerde nicht in Widerspruch» Die Regelung der Nacherbfolge im Erbvertrag ist zwar, soweit die gesetz- Sie kann aber auch dahin verstanden werden, daß jeder Ehegatte für den Fall seines Vorversterbens seine gesetzlichen Erben als Nacherben eingesetzt habe0 Die Auslegung des Beschwerdegerichts ist jedenfalls möglich. 2o Die Beteiligte zu 2 war beim Tode der Witv/e die einzige gesetzliche Erbin des Ehemannes und damit die durch den Erbvertrag berufene Nacherbin«, Sie schied jedoch nach § 6 Abs, 5 HöfeO als Hoferbin aus, weil sie, wie das Beschwerdegericht ohne Rechtsirrtum ausfuhrt, wegen ihres Alters und ihres Lebensweges nicht wirtschaftsfähig war. Es ist der Auffassung, daß die Witwe B^B infolge des Ausscheidens der Witwe nicht etwa endgültige Hoferbin geworden sei, daß der Hof sich vielmehr weil beim Eintritt des Nacherbfalles kein Hoferbe vorhanden gewesen sei, gemäß § 10 HöfeO nach den Vorschriften des allgemeinen Rechts vererbt habe, so daß die Witwe TflB trotz ihrer Wirtschaftsunfähigkeit Erbin des Hofes geworden sei. hen davon, daß sie auch als Hofvorerbin den weiteren Hof-erben habe bestimmen können, mangels Wirtschaftsfähigkeit der Witwe Voilerbin des Hofes geworden und deshalb be- a) Der überlebende Ehegatte ist als Hofvorerbe grundsätzlich nicht berechtigt9 den weiteren Hoferben (Hofnach-erben) zu bestimmen» Das gilt - abgesehen vom Ehegattenhof (§ 8 HöfeO), der hier nicht vorliegt - sowohl für den gesetzlichen wie auch für den durch Verfügung von Todes wegen berufenen Hofvorerben» Der überlebende Ehegatte, der Hofvorerbe geworden ist, kann allerdings unter Umständen den Hof nacherben auswäiilen, wenn der Erblasser ihm eine entsprechende Befugnis verliehen hat (Beschluß des Senats vom 17. Ein solcher Fall ist hier nicht gegeben» Der Erbvertrag enthält keine Bestimmung, aus der sich eine Befugnis des überlebenden Ehegatten zur Bestimmung des Nacherben ergeben könnte» Auf erbhofrechtliche Vorschriften kann die Wirksamkeit des Testaments der Witwe BflP jedenfalls nicht gestützt werden, weil der Vorerbe, soweit er nach Erbhofrecht zur Bestimmung des Nacherben berechtigt war, gemäß § 51 Abs» 4 EHRV den Nacherben nur unter den Anerben des Erblassers auswählen konnte und- § 12 Abs.3 EBPV, wie bereits ausgeführt, auf den vorliegenden Pall keine Anwendung findet» meinen Rechts» Wirtschaftsfähigkeit des Erben eines verwaisten Hofes ist nicht erforderlich» Die Anwendung des §10 HöfeO setzt voraus, daß weder ein Hoferbe der gesetzlichen Hoferbenordnung noch ein gewillkürter Hoferbe vorhanden ist und damit ein Anfall des Hofes nach Höferecht an einen Erben nicht in Frage kommt» Hach allgemeinem Recht wird die Anordnung einer Nacherbfolge hinfällig, wenn endgültig feststeht, daß ein Nacherbfall nicht mehr eintreten kann, wenn beispielsweise alle Personen, die als Nacherben in Betracht kommen könnten, weggefallen sind und neue nicht mehr an deren Stelle treten können» Beim Fortfall der Hacherbfoige erlangt der Yorerbe die Stellung eines endgültigen Erben» Dies gilt auch dann, wenn ein Hof im Sinne der Höfeordnung den Gegenstand einer Vorerbschaft bildet» Der Senat hat im Beschluß vom 11» November 1958 (V BLw 15/58, RdL 1958, 515) einen dem vorliegenden Fall ähnlichen Sachverhalt behandelt: Ein im Jahre 1928 verstorbener Hofeigentümer hatte seine Ehefrau als befreite Vorerbin und seine Geschwister und Geschwisterkinder als Nacherben eingesetzt» Die im Jahre 1956 verstorbene Ehefrau hatte wieder geheiratet und in einem Testament vom Jahre 1955 ihren zweiten Ehemann zu dem Hoferben bestimmt» Zur Frage der Hofnachfolge hat der Senat ausgeführt, die Nacherbfolge würde entfallen sein, wenn beim Tode der als Vorerbin eingesetzten Witwe des HofeigentUmers niemand von den zu Nacherben berufenen Geschwistern oder Geschwisterkindern des Erblassers wirtochaftsfähig gewesen.wäre» Das Beschwerdegericht habe deshalb mit Recht die Frage geprüft, ob der zv/eite Ehemann etwa dadurch Hoferbe geworden sei, daß beim Tode der Vorerbin keines der Geschwisterkinder als Hoferbe in Frage gekommen sei» Da jedoch mindestens einer der eingesetzten Nacherben wirtschaftsfähig sei, könne der zweite Ehemann nicht Hoferbe geworden sein» Dieser Entscheidung liegt der sie ausführt, zu Lebzeiten der Hofvorerbin den von ihr ausersehenen Hofnachfolger an Kindes Statt hätte annehmen können und dieser dann an ihrer Stelle Hofnacherbc geworden wäre, würde lediglich bedeuten, daß die Witwe BflP trotz Wirtschaftsunfähigkeit der Witwe Td^ weiterhin Hofvorerbin geblieben wäre«, Da eine Annahme an Kindes Statt jedoch nicht erfolgt ist, war die V/itwe BQB jedenfalls unmittelbar vor ihrem Tode endgültige Erbin des Hofes» Als solche konnte sie den Hoferben bestimmen«, Pür die materiell-rechtliche Wirksamkeit des Testaments der Witwe ist entgegen der Meinung der Rechtsbeschwerdegegnerin nicht der Zeitpunkt der Errichtung, sondern der Nacherbfall maßgebende Das Testament ist deshalb, wenn es zunächst schwebend unwirksam gewesen sein sollte, weil noch nicht mit Sicherheit feststand, ob zur Zeit des Nacherbfalles ein Hofnacherbe vorhanden sein würde, mit dem Tode der Witwe Bflp wirksam geworden (Wöhrmann aaO S« 107)» L*o sind auch keine Bedenken dagegen zu erheben, daß der überlebende Ehegatte als Hofvorerbe für den Pall, daß die Nacherbfolge wegfällt, vorsorglich gemäß § 7 HöfeO den Hoferben bestimmt (vgl«, Lange/Wulff aaO) • Ein Pall des § 10 HöfeO liegt somit nicht vor (vgl«, Herminghausen aaO)» Die Witwe TflPP ist keinesfalls Erbin des Hofes geworden; denn selbst wenn die V/itwe Bode kein Testament hinterlassen hätte und bei ihrem Tode die gesetzliche Hoferbfolge eingetreten wäre, würde der Hof sich nicht an einen Verwandten des Ehemannes, sondern in der Familie der Witwe BMP vererbt haben«,