BGH · V BLw 42/56 vom 22.11.1956
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Durch Beschluß vom 6, Juli 1938 stellt* das Anerbengericht rechtskräftig fest, daß die landwirtschaftliche Besitzung kein Erbhof sei, weil sie keine Ackernahrung darstelle® Der Erbhofvermerk wurde daraufhin am 2, August 1938 gelöscht Durch Beschluß des Anerbengerichts vom 2® März 1938 wurde der Witwe des Erblassers die Genehmigung zur Verpach tung der Besitzung und zur Veräußerung des lebenden und toten Inventars erteilt, weil die Witwe des Erblassers damali bereits 83 Jahre alt, daher zur Bewirtschaftung des Landes nicht mehr in der Lage war und der auf dem hof lebende Soiai Karl als Invalide den Hof auch nicht bewirtschaften konnte« Die Genehmigung zu dem Verkauf des Inventars wurde davon abhängig gemacht, daß der :Birlös zu Gunsten des Anerben hinterlegt werde und dieser über das Guthaben nur zu dem Zwecke des Erwerbs von Hofinventar verfügen dürfe® Dementsprechend wurde der aus der Veräußerung des Inventars erzielte Erlös hinterlegt® Im Jahre 1946 teilten ihn die noch lebenden Mit glieder der Erbengemeinschaft unter sich auf® Die zu der Besitzung gehörigen Ländereien wurden im Jahre 1938 langfristig an zwei benachbarte Landwirte verpachtet® Da3 Wohnhaus wurde an zwei Familien vermietet® Die Wirtschaftsgebäude fanden seitdem als Geräteschuppen und Lagerraum Verwendung«, gebracht, daß es sieh um eine landwirtschaftliche Besitzung im Sinne dieser Vorschrift handle, da eine Hof st eile sowie Ländereiefc vorhanden seien, die früher von ersterer aus bewirtschaftet worden seien und von ihr aus wieder bewirtschaftet werden könnteno Die Antragstellerin hat behauptet, sie sei willens und auch in der Lage, den gesamten Grundbe- • sitz wieder von der Hof stelle aus zu bewirtschaften, und weiter vorgebracht, sie könne die Geldmittel zur Instandsetzung der Hofstelle und zur Beschaffung des nötigen Inventars unschwer mit Hilfe ihres Ehemannes aufbringen0 Die Antragsgegner haben um Zurückweisung dieses Antrags gebeten» Sie haben geltend gemachts Der Grundbesitz sei keine landwirtschaftliche Besitzung im Sinne des Art VI Nr 17 BrMilRegVO Nr 84, da es an einer Hof st eile fehle; denn die vorhandenen Wohn- und Wirtschaftsgebäude hätten ihren früheren Charakter als Hofstelle verlor en*«- Seit zwei Jahrzehnten sei von der ehemaligen Hof st eile aus keine Landwirtschaft mehr betrieben wordene Bas Wohnhaus sei jetzt ein reines Mietwohnhaus* Die Scheune diene als Garage und zu dem * Unterstellen von Strandkörben* Eine Hof stelle verliere ihre Eigenschaft als solche auch, wenn - wie hier - kein ' Inventar vorhanden sei und dieses nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten beschafft werden könne* . Letzteres ergebe sich daraus, daß das I Inventar versteigert und der Erlös unter den Miterben auf- I geteilt worden sei, die Ländereien auf lange Sicht an Landwirte verpachtet und die Bäume des Wohnhauses zwei Familien als Mietwohnungen überlassen worden seien« Daß die Heuerrichtung einer Hof stelle heute an sich noch möglich sei. stellerin, den landwirtschaftlichen Betrieb wieder in Sang I zu bringen, allein nicht genüge, um das Fehlen der Hof st el- I le nachträglich als einen nur vorübergehenden Zustand arzu- I sehen« Im übrigen erscheine es auch zweifelhaft, ob die Antrag stellerin wirklich wieder die Landwirtschaft betreiben wolle, da sie schon 64 Jahr alt sei und nur eine Tochter habe, die mit* einem Hichtlandwirt verheiratet sei. Das Beschwerdegericht ist davon ausgegangen, daß das Aner bengericht die Erbhofeigenschaft de3 Grundbesitzes durch seinen Besohin3 vom 6„ Juli 1938 rechtskräftig verneint hat, dieser daher beim Inkrafttreten der Höfeordnung kein Erbhof gewesen und, da er im Eigentum einer Erbengemeinschaft ge- . 'der landwirtschaftlichen Besitzung setze voraus, daß landwirt** schaftlich genutzte Grundstücke mit einer dazugehörigen Hof-stelle vorhanden seien« Entweder müßten die landwirtschaftlichen Grundstücke von dieser Hofstelle aus bewirtschaftet werden oder doch die Möglichkeit bestehen, die Grundstücke von dieser Hofstelle aus zu bewirtschaften« Hier sei die Hofstelle, nämlich das Wohnhaus mit anschließenden Ställen und Scheune, noch vorhanden« Die Grundstücke würden aber schon seit dem Jahre 1938 nicht mehr von diesen Gebäuden aus Damals sei die Genehmigung zu dieser Verpachtung und zur Ve*] äusserung des Inventars deshalb erteilt worden, weil die Wit we des Erblassers wegen ihres hohen Alters und ihr einziger Sohn Karl wegen seines Leidens zur Bewirtschaftung des Hofesj nicht in der Lage gewesen seien« Pur die Erteilung der Genei migung seien also rein persönliche Gründe ausschlaggebend gewesen« Im Jahre 1933 habe man noch damit gerechnet, daß der Hof als Ganzes wieder einmal in Bewirtschaftung genommen werde« Deshalb habe der Erlös aus dem Verkauf des Inven~| tars hinterlegt werden müssen und nur zu dessen Wiederbeschaffung verwendet werden sollen« Diesen Erlös hätten die Miterben im Jahre 1946 unter sich geteilt« Daß dies etwa in Hinblick auf die erst zwei Jahre später durchgeführte Währungsreform geschehen sei, lasse sich nicht feststellen« Die Aufteilung des zur Wiederbeschaffung des Inventars bestimmten Erlöses führe zu der PestStellung, daß spätestens damals die Miterben insgesamt die Absicht aufgegeben hätten, den Hof jemals wieder als Ganzes zu bewirtschaften oder bewirtschaften zu lassen« Darin habe eine endgültige Stillegung der Gebäude.als Hof stelle gelegen und sei die Absicht zu dem Ausdruck gekommen, das Haus und die dazugehörigen weiteren Gebäude nur noch als Miethaus mit Hebengebäuden ansehen zu »ollen« Es komme hinzu, daß von 1946 bis 1953 keiner der Miterbc die Wiederaufnahme der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Grundstücke von der Hof st eile aus verlangt oder veran-r laßt habe« Bis zu dem Jahre 1953 hätten sämtliche Miterben die Verpachtung der Ländereien und die Benutzung der Gebäude zu Mi et- und gewerblichen Zwecken gutgeheißen und damit- zu dem ten® Es sei auch nach der Lage der Gebäude innerhalb von Wohnhäusern an der Hauptstraße eines Badeortes nicht vorstellbar, daß auf der Stelle ein landwiftschaftlieher Betrieb neu eröffnet werden könne, der notwendigerweise mit Viehhaltung und der Verbreitung unangenehmer Gerüche verbunden sei« Deshalb komme eine ordnungsmäßige Bewirtschaftung der Grundstücke von diesen Gebäuden aus unter den gegebenen Umständen nicht in Frage« #s erscheine endlich auch zweifelhaft, ob die Antragsteller in bei ihrem Alter noch die Bewirtschaftung.der landwirtschaftlichen Grundstücke von den vorhandenen Gebäuden aus vornehmen werde, wogegen spreche, daß sie in den früheren Jahren keine Anstalten in dieser Hinsicht gemacht habe« Sei aber nach alledem die Hofstelle endgültig stillgelegt, so sei der Grundbesitz keine landwirtschaftliche Besitzung und die Zuweisung an einen der Hiterben nicht zulässig« Die Antragstellerin stützt die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde auf § 24 Abs 2 Hr 1 LwVG« Sie meint, das Beschwerdegericht sei von mehreren Ent Scheidungen des erkennenden Senats abgewichen, der ebenso wie das Oberlaudesgericht Gelle für eine landwirtschaftliche Besitzung das Vorhandensein eines Wohnhauses mit Wirtschaftsgebäuden oder Wirt schaf tsräumen erfordere und in seiner Entscheidung vom 27o Januar 1953 (V BLw 106/52, RechtdLandw 1953, 109 - MDR 1953, 287) den Rechtssatz atifge-stellt habe, daß die Hofstelle durch Stillegung allein ihre Zugehörigkeit zu dem landwirtschaftlichen Betrieb noch nicht ver-> liere, daß dies vielmehr erst der Fall sei, wenn sie zu gewerblichen Zwecken umgebaut sei und nur noch diesen Zwecken diene® Die Antragstellerin meint, es komme danach entscheidend darauf an', ob die Hof st eile für gewerbliche Zwecke umgebaut worden sei und nur noch diesen Zwecken diene® Sie ist der Auffassung, daß das Beschwerdegericht von diesen Rechtsgrundsätzen des . Hovember 1952 (V BLw 45/52, BGHZ 8, 109 - RechtdLandw 1953, 16 = HJW 1953, 342 =* MHR 1953, 91) ausgeführt hat, eine mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden bebaute Fläche zu verstehen, von der aus die Bewirtschaftung der zu einer wirtschaftlichen Einheit zusammengefaßten Ländereien erfolgt und die den Mittelpunkt der Wirtschaft bildet« Hach den Feststellungen des Be schwer degerichts sind im vorliegenden Falle die Gebäude, von denen aus die verpachteten Ländereien bis zu dem Jahre 1938 bewirtschaftet worden sind, noch vorhanden und ist es aüch möglich, sie mit nicht allzu hohen Geldmitteln wieder für die Bewirtschaftung der landwirtschaftlich genutzten Grundstücke herzurichten. Her hier zur Beurteilung stehende Sachverhalt unterscheidet sich danach grundlegend von den Fällen, in denen es an einer Hof stelle fehlt, weil sie abgebrannt oder* wegen Baufälligkeit abgerissen worden ist oder ihre Eigenschaft al3 solche durch einen Umbau zwecks anderweitiger Verwendung verloren hat. Seiner Ansicht, es fehle hier gleichwohl an einer Hofstelle, weil die Erbengemeinschaft diese endgültig stillgelegt habe, ist beizutreten, Das Beschwerdegericht, stellt einmal auf den Willen der Mit erben ab, d.h, auf ihre von ihm angenommene Absicht, die ßebäude niemals wieder als Mittelpunkt eines landwirtschaftlichen Betriebes verwenden zu wollen. Dem Oberlandesgericht ist zuzugeben, daß es Bälle gibt, in denen dem Willen des Grundstückseigentümers erhebliche Bedeutung zukommt So hat das Reichs erbhofgericht die Erbhofeigenschaft einer Besitzung verneint, deren Hofstelle im Jahre 1926 abgebrannt und bis zu dem Inkrafttreten des Reichserbhofgesetzes nicht j sondern auch aus seinem ganzen Verhalten geschlossen werden kann« Ist die Hof stelle hingegen noch vorhanden und wird sie nunmehr lediglich zu anderen Zwecken verwendet, wie es hier seit 1958 oder 1939 der Pall ist, so kann sie nicht allein durch den ausdrücklich oder stillschweigend erklärten Willen des Eigentümers, sie nicht wieder als Mittelpunkt eines landwirtschaftlichen Betriebes verwenden zu wollen, ihrer Eigenschaft als Hofsteile entkleidet werden, Eurch eine solche Willensrichtung des Eigentümers ändert sich hoch nichts an dem landwirtschaftlichen Charakter der Gebäude; denn diese verlieren dadurch noch nicht ihre Eignung als Hof stelle« Der erkennende Senat hat in seiner von der Rechtsbeschwerde angezogenen Entscheidung vom 27* Januar 1953 bereits dargelegt, die Hofstelle verliere nicht schon durch ihre Stillegung ihre Eigenschaft als zur Landwirtschaft gehörig« Damit hat der Senat zu dem Ausdruck gebracht, daß noch weitere Momente hinzukommen müssen, um der bisherigen Hof st eile ihre Eigenschaft als solche zu nehmen. Die Antragstellerin nimmt offenbar an, der Senat habe dabei lediglich an eine wesentliche Umgestaltung der früheren Hof stelle durch Umbau für gewerbliche Zwecke und an den Pall gedacht, daß die Hofsteile infolge ihrer Stillegung in erheblichem Maße verfallen und mit dem Portbestand dieses Zustands für längere Zeit zu rechnen sei« Damit verkennt sie den Sinn der Entscheidung des erkennenden Senats vom 27« Januar 1953; denn in ihr ist keineswegs zu dem Ausdruck gekommen, daß die Wohn- und. Der Verfall der Hofstelle ist dort lediglich als mögliche naheliegende•Polge ihrer Stillegung erwähnt und zugleich dargelegt worden, unter welchen Voraussetzungen der Verfall den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden die Eigenschaft als Hofstelle nehmen kann» Zu dem Pall des Umbaus der Hof st eile für gewerbliche Zwecke hatte der Senat Stellung zu nehmen, weil in der damals entschiedenen Sache die Landwirtschaft von der Hof stelle aus nicht mehr betrieben wurde und diese selbst für die Zwecke eines Sägewerks und einer Kistenfabrik gänzlich umgestaltet worden war* Der erkennende Senat hat in dieser Entscheidung aber mit keinem Wort zu dem Ausdruck gebracht, daß die Wohn- und Wirtschaftsgebäude nur in den beiden dort erwähnten Fällen, ihres Charakters als Hofstelle verlustig gehen« Die Antrag st eil er in kann danach aus der Tatsache, daß im vorliegenden Falle die Gebäude der Hof st eile weder verfallen noch in nennenswertem Maße umgestaltet worden sind, nichts für die von ihr behauptete Abweichung voii der Hechtsprechung des erkennenden Senats herleiteno ' . ‘ Wesentlich für den Verlust der Hofeigenschaft ist, daß der Zusammenhang zwischen den Ländereien und der Hofstelle endgültig unterbrochen und damit die landwirtschaftliche Betriebseinheit aufgelöst ist« Eine solche Folge können aber nicht nur der Verfall der Hofstelle oder ihr Umbau für andere Zwecke zeitigen, vielmehr können auch’ andere Umstände hierzu führen« Das hat das Beschwerdegericht richtig erkannt« Es hat seine Entscheidung nämlich nicht allein auf die von ihm festgestellte endgültige Stillegung der Höfstelle gegründet, sondern weiter geprüft,' ob die vorhandenen Gebäude sich noch jetzt als Hofstelle verwenden lassen, d«h« ob es möglich ist, dort wieder einen landwirtschaftlichen Betrieb einzurichten. unmittelbarer Nähe des Strandes liegt, dienen heute vorne lieh zur Unterbringung von Kurgästen, so daß die Hofstelle als Fremdkörper unter ihnen wirkt« Dies alles besagt, dafi sich die Einwohner des Ortes und nicht zuletzt die nähere Nachbarschaft inzwischen, auf seinen Charakter als Badeort eingestellt haben und dabei davon ausgegangen sind, die Landwirtschaft werde von der früheren Hof st eile aus künftig nicht mehr betrieben werden, da das schon seit 1938 nicht mehr geschehen sei und das Wohnhaus seitdem als Hiethaus Verwendung finde« Bei dieser Entwicklung der Verhältnisse hat das Beschwerdegericht mit Recht angenommen, daß die Hof stelle heute als solche nicht mehr verwendbar sei« Wenn das Oberlandesgericht darauf hingewiesen hat, daß ein. landwirtschaftlicher Betrieb notwendigerweise mit Viehhaltung und der Verbreitung unangenehmer Gerüche verbunden sei, so hat es damit offensichtlich sagen wollen, daß er nicht in den Rahmen eines Kurortes passe und die Nachbarschaft sich gegen solche Einwirkungen, mit denen sie seit langem nicht zu rechnen brauchte, wehren, auch die Gemeinde Duhnen wegen ihres Charakters als Badeort' gegen die Wiedererrichtung eine landwirtschaftlichen Betriebes inmitten des Ortes mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln angehen werde« Die von dem Beschwerdegericht daraus gezogene Folgerung, daß unter allen diesen Umstände eine ordnungsmäßige Bewirtschaftung der Grundstücke von der bisherigen Hof st eile aus nicht mehr in Frage komme, diese also nicht mehr geeignet sei, den Mittelpunkt eines landwirtschaftlichen Betriebes zu bilden, ist nicht zu beanstanden« Demgegenüber vorsagt auch der Hinweis der Antragstellerin darauf, daß sich/buhnen noch andere landwirtschaftliche Betriebe befänden« Das trifft zwar nach dem Gutachten des Landwirtschaftsrats F^Hfe zu, doch haben diese Betriebe nicht stillgelegen und war mit ihrem Vorhandensein infolgedessen stets zu rechnen© Bas Beschwerdegericht hat nach alledem seine Entscheidung nicht allein auf die Stillegung der Hof stelle ahgestellt, sondern darüber hinaus geprüft, ob die Gebäude nach den örtlichen Gegebenheiten noch jetzt als Hofstelle verwendbar sind* Es befindet sich danach in Übereinstimmung mit der Entscheidung des erkennenden Senats vom 27* Januar 1953, nach der die Eigenschaft als Hofstelle nicht schon durch die Stillegung verloren geht, sondern weitere Umstände hinzutreten müssen, die ihr die Eignung als Hofstelle nehmen«