BGH · V BLw 41/63
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HöfeO § 13 Ein Ausgleichsanspruch des 24iterben kann auch dann gegeben sein., wenn der Hof erst nach Ablauf von .5 Jahren auf den Käufer übergeht, der Hoferbe aber die Vorteile des Verkaufs, insbesondere den Kaufpreis schon vor Ablauf dieser Frist sich zukommen läßt und diese Gestaltung des Kaufvertrags nur wählt, um einen,'Anspruch aus § 13 HöfeO nicht entstehen zu lassen (Ergänzung zu BGHZ 29, 252). Sie bevollmächtigte mit Einwilligung ihres Ehemannes den von dem Käufer zugezogenen Grundstücksmakler r, den Hof zu verkaufen und aufzulassen, Geld in Empfang zu nehmen und alle sonst erforderlichen Erklärungen sbzugeben0 Mach Ablauf der 15-Jahresfrist des § 13 HöfeO veräußerte der Makler ohne Mitwirkung der Antragsgegnerin den Hof an den Käufer zu den Bedingungen des "Vertrages vom 14o Dezember I960 und erkannte an, daß der Kaufpreis bezahlt sei» Am 11,Februar 1963 wurde das Hofeigentum auf den Erwerber umgeschriebeR:: Der "Vater der Beteiligten war im Jghre 1961 verstorben., als dieses Verfahren bereits anhängig war„ Er hatte testamentarisch die Antragstellerin zu seiner Alleinerbin eingesetzt „ Die Antragstellerin hat im März 1961 Ergänzungsansprüche nach § 13 HöfeO gegen die Antragsgegnerin geltend gemacht und u,a„ beantragt, die Antragsgegnerin zur Zahlung von 4 000 DM nebst Zinsen als Teilbetrag der Ausgleichsforderung für den Verkauf des Hes-fcVj0fes zu verurteilen > Sie hat sich gegen die Anwendbarkeit des § 13 IiöfeO auf den vorliegenden Sachverhalt gewandt und behauptet;, die Antragstellerin sei bereits abgefunden, weil sie als Alleinerbin nach ihrem Vater dessen gesamtes hoffreies Vermögen erhalten habe. Das Beschwerdegericht hat die Übergabe des Hofes an die Antragsgegnerin als vorweggenommene Hoferbfolge (§ 17 HöfeO) angesehen« Es hat ausgeführt, daß die Eltern der Beteiligten etwaige Rechte der Antragsteller in aus § 13 HöfeO bei ihrer Regelung der Erbfolge nicht ausgeschlossen hätten, insbesondere nicht dadurch, daß sie der Antragsgegnerin den Hof der Mutter, dem Sohn den Hof des Vaters und schließlich der Antragstellerin das sonst noch vorhandene, mit den beiden Höfen nicht annähernd vergleichbare Vermögen zugeteilt hätten« Die Antragsgegnerin hat den Hof am 14« Dezember I960, also 13 Jahre und 5 Wochen nach der am 10« November 1947 auf sie erfolgten Eigentumsumschreibung an den Käufer verkauft und aufgelassen, die Eintragung einer Auflassungsvormerkung bewilligt, am selben läge von dem Notar um die landwirtschaftsbehördliche Genehmigung nachsuchen lassen, von deren Beibringung die Zahlung eines Teilbetrags von 500 000 DM abhing, und die Erteilung der Genehmigung sowie die Auszahlung von 500 000 DM noch im Jahre i960 erreicht« Nach Hinweis auf die Ansprüche aus § 13 HöfeO hat die Antragsgegnerin den Kaufvertrag vom 14o Dezember I960 aufgehoben, dabei aber vereinbart, daß die Anzahlung von 500 000 DM nicht an den Käufer zurückgehen, diesem eine unbeschränkte Verwaltungsbe-fugnis zukommen und die Auflassungsvormerkung im Grundbuch stehen bleiben sollte« Sodann hat die Antragsgegnerin weitreichende Vollmacht an den Grundstücksmakler erteilt, der daraufhin zu den Bedingungen des aufgehobenen Vertrags vom 14« Dezember i960 einen neuen Veräußerungs» vertrag geschlossen und dem Erwerber am 11« Februar 1963 das Eigentum verschafft hat« daß im Verhalten der Antragsgegnerin ein arglistiges Vor geben liegen soll;, da sie doch in Unkenntnis des 5 13 KöieO den Verkauf am 14, Dezember i960 abgeschlossen und nach Aufklärung über jene Bestimmung alles unternommen habe, um den Ansprüchen,, die sie nicht gewollt habe, zu entgehen, Sie meint, das Beschwerdegericht habe die Gründe nicht berücksichtigt, die sie veranlaßt hätten, den Aufhebungsvertrag vom 2l0 Januar 1961 gerade mit diesem Inhalt zu schließen. Hier hat der Käufer erst nach Ablauf der Frist von 15 Jahren das Eigentum erworben« Wenn die mit dem Verkauf und der Auflassung vom 1 4« Dezember i960 begonnene Entwicklung ihren im Rechtsverkehr üblichen Verlauf genommen hätte, wäre mit Sicherheit nach einer mäßigen Frist, jedenfalls aber vor Ablauf von 15 Jahren seit dem am 10, November 1947 vollzogenen Erwerb des Hofes durch die Antragsgegnerin der Käufer als neuer Eigentümer im Grundbuch eingetragen worden und damit ein Ausgleichs^ Der Gesetzgeber wollte durch die Regelung des § 12 HöfeO dem Übernehmer des Hofes ermöglichen, die weichenden Erben abzufinden, ohne die ordnungsmäßige Bewirtschaftung zu gefährden» Er hat die Abfindungen im Vergleich zu dem allgemeinen Erbrecht gering bemessen» Wenn der Hoferbe später das Anwesen entgegen dem von der ITÖfeordnung verfolgten Zweck nicht der Familie, erhält und es - vor Ablauf einer bestimmten Frist - veräußert, entfällt der Grund für die Bevorzugung des Hoferben und die Benachteiligung der Miterben in Form einer niedrigen Bemessung ihrer Abfindungen anstelle ihrer Ebbteil Vielmehr muß der Hoferbe dann seine Miterben auf deren Verlangen so stellen, wie sie gestanden hätten, wenn beim Erbfall eine Auseinandersetzung des Nachlasses stattgefunden hätte» Das kann aber auch dann der Fall sein, wenn der Kaufvertrag so ausgestaltet ist, daß bei seiner Abwicklung Ansprüche aus § 13 HöfeO an sich nicht entstehen» Wenn nämlich in solchen Fällen bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise ein Bachverhalt vorliegt, der den Hoferben nach dem erkennbaren Willen des Gesetzgebers zu dem Ausgleich der Miterben verpflichtet, so wird in Anlehnung an den in § 162 BGB zu dem Ausdruck gekommenen Rechtsgedanken zu untersuchen sein, ob die gewählte Gestaltung des Kaufvertrages gegenüber den Miterben gegen Treu und Glauben verstößt, das Verhalten des Hoferben sich als treuwidb.ig derstellt, weil es aus Anstößig wird seine Handlungsweise aber dann, wenn er sich in Kenntnis der Rechtslage die Vorteile des Verkaufs, insbesondere den Erlös schon vor Ablauf der 15 Jahre verschafft, das Eigentum jedoch erst nach Ablauf der Frist auf den Erwerber umschreiben läßt, um Ansprüche der weichenden Erben nicht entstehen zu lassen. Es ist ihr nach den bisherigen Feststellungen auch zuzugestehen, daß sie diesen Kaufvertrag bei Kenntnis der Rechtslage nicht abgeschlossen hätte, vvelchen ■t,eß sie dann gewählt hätte, ob sie überhaupt vor Ablauf der Frist von 15 Jahren veräußert hätte, steht däiin, Es kann ihr noch nicht sum Vorwurf gereichen,, daß sie, nachdem sie über den Inhalt und die Tragweite des § 13 der HöfeO aufgeklärt worden war, der Erfüllung des Vertrags vom Ho Dezember 1960 Einhalt gebot und ihn aufhobo Würde sie aber mit dem Käufer darüber einig, daß trotz der formellen Aufhebung des Kaufvertrags vom 14o Dezember I960 in Wirklichkeit alles beim alten bleiben, sie also im Genüsse aller Vorteile aus dem Kaufvertrag weiterhin bleiben solle, dieses Ergebnis aber nur, um Ausgleichsansprüchen der Antragstellerin zu entgehen, durch die neue Absprache getarnt werden solle, so wäre ein solches Verhalten als unlauter zu werten,, In dieser Beziehung ist die Frage von Bedeutung, warum die Antrsgsgegnerin nicht die Anzahlung von 500 000 DM an den Käufer zurückgab, ob sie, wie sie vorgetragen hatte, über den Kauferlös bereits "dis-poniert11 hatte und die Rückgabe des Geldes etwa den wirtschaftlichen Ruin für sie bedeutet hätte, ferner wann sie die restlichen 200 000 DM entgegennahm uud ob der Käufer überhaupt mit einer Aufhebung des Kaufvertrags vom 14« Dezember I960 einverstanden gewesen wäre oder nur zu den Bedingungen des Vertrags vom 210 Januar 196- : in die Aufhebung willigte« Die Einräumung der weitreichenden Verwaltungsbefugnisse an ihn und die Erteilung der Vollmacht an müssen noch nicht zu der Annahme führen, die Antragsgegnerin habe lediglich der Tarnung wegen mißbräuchlich einen Weg gewählt, der ihr die Vorteile des E.sufvertrags sicherte, den § 13 HöfeC seinem Wortlaut nacft aber „.umging «DierSegrftfldung des Ober' landesgerichts läßt nicht erkennen, ob die Antragsgegnerin arp 21 o Januar 1961 ohne Not so vorging oder ihr keine andere Wahl blieb« Im letztgenannten Fall begegnet! Iss Besehwerdegericht hat weiterhin in der Entscheidung über den Grund des Anspruchs auch die von der Antragsgegnerin erklärte Aufrechnung mit ihrem Pflichtteilanspruch berücksichtigt und ist zu dem Schluß gekommen» daß die Ausgleichsforderung der Antragstellerin die zur Aufrechnung gestellte Pflichtteilsforderung jedenfalls übersteigt * Es bestehen keine Bedenken dagegen, vor dem Landwirtschaftsgerieht auch mit solchen Forderungen aufzurechnen, die an sich vor dem Prozeßgericht eingeklagt werden müßten (vglo BGHZ 40» 338 * RdL 1964, 73 f)» Rechtsirrig ist daher die Rüge der Rechtsbeschwerde, das Oberlandesgericht hätte das Verfahren aussetzen müssen, bis der Pflichtteilsanspruch vor dem Prozeßgericht ausgeurteilt sei0 UmstG § 18 Abs» 1 Ziff, 3 Nr» 2^o Das Oberlandesgericht hat über den Grund der Teilforderung entschieden, da seiner Ansicht nach "auch bei Berücksichtigung der Aufrechnung der Beschwerdeführerin wenigstens ein Teil des Brgänzungsanspruchs der Antragstellerin noch besteht"« Weil die Vorinstanz eine die Forderung von 4000 DM übersteigende Gegenforderung der Antragsgegnerin für möglich gehalten hat, könnte die Aufrechnung vollen Erfolg haben und zur Abweisung führen» La die angefochtene Entscheidung auch aus diesem Grunde aufgehoben werden muß, kommt es auf die weitere Küge „ das Beschwerde^rieht sei nur mit mangelhaften Bewertungsgrundlagen zu dem Ergebnis gekommen;, daß die Ausgleichsforderung der -Antragstellerin den Pflichtteil^ anspruch der Antragsg^ierin überwiege, nicht mehr an.