BGH · V BLw 30/51
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ber Besitz ist darauf in die Erbhöferolle ( Nr 5 von Br^^) eingetragen worden» Im Laufe des Jahres 1935 sind noch einige auf den Eamen der Witwe P(flHPHF iin Grundbuch eingetragene Grundstücke als zu dem Erbhof gehörig ebenfalls in die Erbhöferolle mit eingetragen worden, womit die Besitzung eine Grösse von rund 28 Morgen erreicht hato Ber Einheitswert der Besitzung beträgt 24 6oo BM® Bie Witwe ist am 18. storben Sie hat nur ein Testament vom 31® März 1921 hinterlassen, durch das sie ihren Sohn Heinrich (Antragsteller zu 4) enterbt und ihm den Pflichtteil entzogen hat® Ausser dem vorgenannten Sohn Heinrich hinterließ sie vier weitere Kinder, nämlich die Antragsteller zu 1 bis 3 und den am 29® Januar 1947 verstorbenen Ehemann der Antragsgegnerin« Bieser hatte mit der Antragsgegnerin am 4« November 1925 einen Ehe- und Erbvertrag geschlossen, durch den die Ehegatten die allgemeine Gütergemeinschaft des Bürgerlichen Gesetzbuchs vereinbart und sich gegenseitig, zu 'Alleinerben eingesetzt haben0 Um etwa diese Zeit verzog der Ehemann der Antragsgegnerin vom Hof der Mutter, deren landwirtschaftlichen Betrieb er bis dahin als ältester Sohn- ge- Io) Die Vorinstanzen haben über die Anträge auf Feststellung, dass die hier in Frage stehende Besitzung Hofeigenschaft habe oder nicht habe, ohne weiteres sachlich entschieden« Sie haben nicht geprüft, ob die Antragsteller oder die Antragsgegnerin an einer solchen Feststellung das nach dem Gesetz erforderliche rechtliche Interesse haben ( § 37 Abs 1 IVO); nur mit Bezug auf die Antragstellerin zu 1 hat das Beschwerdegericht am Schluß der Gründe Bedenken geäussert, ob diese ein rechtliches Interesse an einer Klarstellung der Hofeigenschaft habe, weil sie als Erbin des Hofes weder nach Erbhofrecht noch nach Höferecht in Frage komme-.und eine Erbfolge nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch nicht .eingetreten sein könne, da der Erbfall im Jahre 1943 unter Erbhofrecht erfolgt sei« \7ie jedoch bei einer Feststellungsklage aus § 236 ZPO das Feststellungsinteresse als eine Prozeßvoraussetzung geprüft werden muß (RGZ 16o, 2o8/9; Stein-Jonas-Schönke, § 256 Bern III; Baumbach-Lauterbach, 2o« Aufl, .§ 256 Bern 1 A und .IB), so muß auch bei einem Feststellurigsverfahren. Ein rechtliches Interesse an der begehrten Feststellung ist zu bejahen, wenn durch die begehrte Entscheidung die Hechtstellung des Antragstellers, seine rechtlichen Beziehungen'zu Sachen oder Personen beeinflußt werden} es ist zu verneinen, wenn nach Lage des Felles durch die begehrte Feststellung eine sachgemäße Lösung,nämlich die Behebung einer bestehenden Unklarheit oder Ungewißheit nicht erzielt werden würde (Lange-Uuiff, Höfeordnung, 3* Aufl Anm 582} Stein-Jonas-Schönke, § 256 Bern III 2 u 3} vgl entsprechend auch zu § 57 Abs 1 Ur 1 und 3 FGG Schlegelberger, FGG 5« Aufl S 447 Anm 4 und ICeidel, FGG, 5® Aufl Anm 2 a zu § 57)® Prüft man demgemäß die Auswirkungen der von den Antragstellern oder der Antragsgegnerin hinsichtlich der Hofeigenschaft erstrebten Beststellung, so erweist sich diese alsO°toe entscheidende Bedeutung für die Rechtslage der Beteiligten« Denn, wenn rechtskräftig festgestell't wird, dass *, auf sämtliche Verfahrensbeteiligte zu je 1/5 oder bei Hechtswirksamkeit der Enterbung des Antragstellers zu 4 auf die übrigen Beteiligten zu je 1/4) o Die Besitzung könnte aber auch erst nach dem Tode der Hutter, und zwar sowohl vor wie nach dem Tode ihres ältesten Sohnes, des am 29 o Januar 1947 verstorbenen Ehemannes der Antragsgegnerin, die Erbhofeigenschaft verloren haben, so dass sie sich am 18«, Juni 1943 noch nach Erbhof recht oder, falls die Erbfolge am 24* April 1947 noch ungeregelt war ( § 58 Abs 2 Buchst a LVO), nach der Höfeordnung vererbt haben würde; es spricht viel dafür, dass der verstorbene Ehemann der Antragsgegnerin Anerbe oder Hoferbe geworden ist ( die Präge kann abschliessend nur in der Tatsacheninstanz geklärt und entschieden werden); die Präge, ob eine Vererbung nach Eeichserbhofrecht oder nach der Höfeordnung stattgefunden hat und den weichenden Erben keine Abfindungsansprüche oder Abfindungsansprüche nach § 12 HöfeO zu-stehen, bleibt dabei auch noch wieder vollkommen offen«, Ebenso wird auch durch die gegenteilige Feststellung entsprechend dem Anträge der Antragsgegnerin, dass die Besitzung Hofeigenschaft habe - nämlich jetzt habe -, keine entscheidende Klärung für die Hechtsbeziehungen der Beteiligten herb ei ge führt«, Eine, jetzt vorhandene Hofeigenschaft zwingt nicht zu dem Schluß, dass dieselbe Besitzung am 18«, Juni 1945 Erbhof gewesen ist; denn beide Begriffe sind nicht inhaltsgleich* Eicht' der Rechtskraft der erstrebten Entscheidung, sondern nur' ‘ JIraft haben* Kit einer rechtskräftigen Feststellung, dass die Besitzung nicht Hof im Sinne der Höfeordnung sei, würde auch vor allem ausser der Frage, v;er Allein-eigentümer des Hofes sei ( ob die Antragsgegnerin, ihr Sohn oder gar noch eine andere Person)auch noch die Frage offen bleiben; ob* auf den Erbfall vom 18* Juni 1943 das Reichserbhofrecht oder die Höfeordnung anzuwenden ist und daher den weichenden Erben keine Abfin-dungsansprüche zustehen oder doch« Diese Erwägungen zeigen, dass durch Entscheidungen über die* gegenwärtige Hofeigenschaft oder Nichthofeigenschaft eine Klärung der rechtlichen Beziehungen der Beteiligten nicht gefördert, sondern eher noch erschwert wird; denn sie werden so oder so versuchen, aus solchen Entscheidungen Rückschlüsse auf die Rechtslage am 18* Juni 1943 zu ziehen* die, wie dargelegt, aus der Rechtskraft einer jetzt über die Hofeigenschaft ergehenden Entscheidung nicht folgen, sondern nur- aus* den* nicht bindenden Entscheidungsgründen abgeleitet; würden^ Daraus ergibt-sich,*daß die Vor ins tanzen, 'statt: sächlich zu prüfen, ob die Besitzung Hofeigensfehäft habe“ oder nicht, sowohl den sich hierauf‘beziehenden Antrag'der Antragsteller. verstoß beruhende Entscheidung sind die Antragsteller unraitteibar in einem Recht beeinträchtigt ( § 23 Abs 2 LVO)o hass nicht nur Verletzung eines materiellen Rechts eines Beteiligten, sondern auch Verstösse gegen Verfahrensvorschriften eine Rechtsbeeinträchtigung im Sinne der vorgenannten Gesetzesbestimmung darstellen können, hat der erkennende Senat bereits wiederholt ausgesprochen (BGHZ 1, 352 und Beschluß vom 19« Februar 1952, V BLw H./51)o Auf die Frage, ob im vorliegenden Fall auch ein materielles Recht als beeinträchtigt anzusehen ist, braucht daher nicht eingegangen zu werden0 Aus dem Verfahrensverstoß ergibt sich die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerden der Antragsteller (§ Io 1VR in Verbindung mit § 23 Abs 2 LVO), wie sich andererseits daraus auch die in der höheren Instanz von Amts wegen zu prüfende (vgl Beschluß des erkennenden Senats vom 3« April 1951, V BLw 5/5o) Zulässigkeit der sofortigen Beschwerde der Antragsgegnerin gegen den Beschluß des Amtsgerichts ergibt o Bass die Antragsteller in einem Verfahren naoh § 37 LVO nicht eine Feststellung betreiben können, eine Besitzung sei früher kein Erbhof geworden oder habe ihre Erbhofeigenschaft verloren, hat das Beschwerdegericht bereits zutreffend dargelegt. Auch insoweit waren die von den Antragstellern erst im Beschwerdeverfahren gestellten neuen Anträge unzulässig« Dasselbe gilt auch von dem weiter, im Beschwerdeverfahren gestellten Antrag der Antragsteller, dass die Besitzung kein Hof im Sinne der Höfeordnung*geworden sei; in einem Verfahren nach § 37 LVO kann nur die gegenwärtige Hofeigenschaft zur Entscheidung gebracht werden, nicht aber eine-früher entstandene. 7® März 1951 nicht gestellt worden® Mit Schriftsatz vom 3o® November 195o hat sich auch der am 5® Juli 1922 geborene Sohn Heinrich ausdrücklich dem Verfahren angeschlossen, und er ist daraufhin in den Verhandlungsterminen vor dem. Sind die - im Sinne der Rechtsausführungen oben unter 1 sachgemäß erscheinenden - Anträge, dass Severin Pingsdorf MAnerbe bezw® Hoferbe” und nach 'dessen Tode seine Ehefrau, hilfsweise sein Sohn Heinrich Hoferbe geworden sei, im Beschwerdeverfähren noch anhängig, so wird für das weitere Verfahren aber auch für ein etwaiges neu einzuleitendes Verfahren Folgendes zu beachten seins Es wird zunächst zu prüfen sein, ob die Besitzung am' 18o Juni 1943 noch Erbhof gewesen ist, wobei die bisher nicht beachtete Bestimmung des § 5 Abs 1 der 2®Kriegs-vereinfachungsverordnung für das*Erbhofrecht vom 27® September 1944 (RGBl I, 238) von besonderer Bedeutung ist, und bei Bejahung der Erbhofeigenschaft in diesem Zeitpunkt ferner, ob der idrbf8ll vom 18® Juni 1943 als geregelt oder nicht geregelt nach § 58 Abs 2 Buchst a LVO anzusohen ist© Ist er als geregelt anzusehen und damit Erbhofrecht anwendbar, so würde hei Anfall des Hofes an den Ehemann der Antragsgegnerin dieser Anerbe (nach Erbhofrecht) geworden sein und die Antragsteller hätten keine Abfindungsansprüche zu stellen; andernfalls werden den Antragstellern Abfindungsansprüche nach § 12 HöfeO zustehen® Als .Erbhof wird, die Besitzung nicht in das gütergeracinschaftliche Vermögen der Ehe- § 17 EHRj); es hätte also kein Ehegattenerbhof Vorgelegen, wie das 1 später nach § 2o Abs 4 EHFV mit Genehmigung des Anerbengerichts möglich wurde® Das würde hier Bedeutung haben können für die Präge, wem beim Tode des Severin 29o Januar 1947 der Hof ziigefallen ist, ob der Witwe oder dem Sohn Heinrich, ob insbesondere der Erbvertrag vom 4« November 1923 zugunsten der An-tragsgegnerin* in diesem Zeitpunkt wirksam geworden .