BGH · V BLw 25/74 vom 10.07.1975
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Hatte bei einem Ehegattenerbhof ein Ehegatte vor Inkrafttreten des Erbhofrechts durch erbvertragliche Erbeinsetzung ganz oder teilweise Über sein Eigentum verfügt, so vererbt sich unter der Geltung der Höfeordnung die Besitzung insoweit nach dem Erbvertrag. Im Jahre 1962 wurde in den Aufschriften aller Grundbücher, in denen die im Eigentum der Eheleute Johannes und Johanne VPHHF stehenden Grundstücke eingetragen waren, unter gleichzeitiger Löschung des Erbhofvermerks vermerkt, daß diese Grundstücke zu einem Ehegattenhof gemäß der Höfeordnung gehören. Hilfsweise hat der Antragsteller Feststellung beantragt, daß die Grundstücke der Eheleute VflB schon seit 1933» jedenfalls aber seit einem noch vor dem Tode von Johannes VfH gelegenen Zeitpunkt keinen Ehegattenhof mehr da^gestellt hätten, weiterhin hilfsweise Feststellung, daiB Johanne V^HHP nicht wirtschaftsfähig gewesen sei. A) Die Tatsache, daß der (ursprüngliche) Antragsteller Arthur Vd| verstorben ist, nachdem durch den Antragsgegner Rechtsbeschwerde eingelegt worden war, hat auf das Verfahren keinen Einfluß (Pritsch, Das gerichtliche Verfahren in Landwirtschaftssachen, § 14 LwVG An. VI, 1. Das Oberlandesgericht hat die in § 6 des Vertrages getroffene Bestimmung als eine erbvertragliche Regelung angesehen, durch die Johannes Völlers in formgültiger Weise (§§ 2276, 2233 BGB a.F.) für den Pall, daß er ohne Hinte rlas sung von Leibeserben versterbe, den Antragsteller und dessen Abkömmlinge zu (Mit-)Erben eingesetzt habe. Es sei davon auszugehen, so führt das Oberlandesgericht aus, daß die verschiedenen Bestimmungen des gesamten Vertrages in einem rechtlichen und wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis voneinander stünden und es Carsten V^p sen. verbleibe; jedenfalls sei daher nicht die tatsächliche Vermutung widerlegt, daß eine vertragsmäßige Verfügung von Todes wegen vorliege, wenn einer an einem Erbvertrag beteiligten Person darin etwas zugewendet werde (BGHZ 26, 204, 208) ♦ Diese vertragsmäßige Abmachung sei auf jeden Fall zwischen Johannes V^HVund Carsten VlBHVsen* getroffen worden; ob der Antragsteller ebenfalls daran beteiligt gewesen oder aber lediglich der Begünstigte sei, könne offen bleiben« Es habe sich auch nicht etwa nur um ein Vermächtnis gehandelt, denn Johannes V^HHBhabe dabei - auch wenn man die später über seinen Sohn Carsten VfttKKI jun. von ihm ererbten Grundstücke berücksichtige - über sein.wesentliches Vermögen verfügt* Im Hinblick eben auf dieses Vorhandensein weiteren Nachlasses sei die in § >6 des Vertrages getroffene Bestimmung zugleich als Teilungsanordnung zugunsten des Antragstellers anzusehen* Die Rechtsbeschwerde rügt, das Oberlandesgericht irre, wenn es den Vertrag dahin verstehe, der Antragsteller sei als Alleinerbe eingesetzt worden: Der Antragsteller habe lediglich Erbe des in diesem selben Vertrag dem Johannes V^m übertragenen Grundbesitzes werden sollen* Im übrigen könne der von seinem Sohn her ererbte Grundbesitz des Johannes gegenüber dem- 2* Die Rüge scheitert schon daran, daß auch das Beschwerdegericht nichts anderes angenommen hat* Es faßt (S* 16 des Beschlusses) seine Auffassung ausdrücklich Der Rechtsbeschwerde mag daher zwar einzuräumen sein, daß die Würdigung des Oberlandesgerichts Bedenken begegne, der dem Johannes V^HHB von seinem Vater übertragene und die Hofstelle umfassende Grundbesitz zur Größe von 7,60,54 ha sei auch später, also auch nach der - als Miterbe neben seiner Ehefrau Johanne je zu gleichen Teilen, erfolgten - Beerbung des Carsten VflP jun« bei einem Grundbesitz im Umfang von 7,57,09 ha umfassenden Nachlaß, der maßgebliche Vermögenswert des Johannes VflHHi geblieben« Das Oberlandesgericht zieht aber jedenfalls aus dieser Beurteilung keine dem Antragsgegner nachteiligen Rechtsfolgen, sondern kommt zu demselben Ergebnis wie dieser« Im Übrigen ist die vorgenommene Vertragsauslegung möglich und daher für das Rechts-beschwerdegericht bindend; das danach von den damaligen Vertragsparteien Gewollte ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden« ein eindeutiges Verhalten an den Tag gelegt hätte, aus dem zu entnehmen gewesen wäre, daß Johannes VflB nicht mehr an die eingegangenen Verpflichtungen gebunden sein sollte, daß weiterhin Johannes V|H seinerseits mit Rücksicht hierauf von einer entsprechenden förmlichen Aufhebung der Verpflichtung abgesehen hätte und daß eine nach der formellen Rechtslage verbleibende Bindung an den Erbvertrag dem Rechtsempfinden gründlichst widersprechen würde. Testaments der Eheleute 13* Februar 1936 seine Rechte aus dem Erbvertrag nicht geltend gemacht und selbst der Übertragung einzelner Grundstücksteile auf den Antragsgegner nicht widersprochen habe* Darin allein könne noch keine Zustimmung des Antragstellers zu dem gemeinschaftlichen Testament der Eheleute Vfll^Hi erblickt werden , die die Folgerung rechtfertigen könnte» wegen dieser Zustimmung liege keine Beeinträchtigung des vertragsmäBig Bedachten im Sinn des § 2289 BGB mehr vor* Auf alle Fälle sei der Auffassung des Oberlandesgerichts Hamm NJW 1974» 1774 beizutreten» daß eine formlose Zustimmung der durch einen Erbvertrag bedachten Person nicht genüge» um einer späteren Verfügung von Todes wegen» die das Recht dieses Bedachten beeinträchtigen würde» Wirkung zu verleihen* als auch Johannes seien übereinstimmend davon ausgegangen» daß "alles aufgehoben ist", zu demal dies auch die Auffassung des Antragstellers gewesen sei* Bei einer derartigen Situation wäre es ein Verstoß gegen Treu und Glauben, wenn jemand 10 Jahre lang warten dürfte, bis er mit seinen angeblichen Ansprüchen hervortrete* 2* Die Rechtsbeschwerde verkennt, daß die von ihr behauptete Tatsache, Carsten VfHM sen*, Johannes V^mi und auch der Antragsteller seien übereinstimmend davon ausgegangen, die vertragliche Regelung aus dem Jahr 1924 sei aufgehoben, vom Tatrichter nicht festgestellt worden ist und vom Rechtsbeschwerdegericht deshalb nicht berücksichtigt werden kann» Der Umstand allein, daß der Antragsteller erst nach dem Tode auch von Johanne seiner Schwägerin, mit Ansprüchen aus dem Erbvertrag hervorgetreten ist, rechtfertigt es noch nicht, ihm den Einwand der unzulässigen Rechtsausübung entgegenzuhalten» Soweit im übrigen das Beschwerdegericht - entgegen verbreiteter Auffassung (vgl» die Schrifttumsnachweise in der zitierten Entscheidung des OLG Hamm, NJW 1974, 1774; Palandt/Keidel hat sich allerdings inzwischen ln der 34» Auflage, § 2289 Anm» 1 b dd dem OLG Hamm an^e schlossen) -mit dem Oberlandesgericht Hamm aaO den Standpunkt einnimmt, die formlose Zustimmung des durch einen Erbvertrag Bedachten genüge nicht, um einer späteren Verfügung von Todes wegen, die sein Recht beeinträchtigen würde, unbeschadet der Vorschrift des § 2289 Abs» 1 Satz 2 BGB Wirkung zu verleihen, bedarf es einer Stellungnahme zu der strittigen Frage in dieser Allgemeinheit nicht; denn jedenfalls einem bloßen Stillschweigen des Bedachten, um das es sich im vorliegenden Fall handelt, kann keine derartige Wirkung beigemessen werden. Unter der Geltung der Höfeordnung habe trotz der an sich vorhandenen tatsächlichen Voraussetzungen der Besitz der Eheleute Johannes und Johanne Vfl|| wegen der erbvertragllchen Bindung eines Teiles der Grundstücke kein Ehegattenhof im Sinn der Höfeordnung werden können« Denn unter "Eigentum von Ehegatten" im Sinn des § 1 HöfeO sei nur solches Eigentum zu verstehen, das eine einheitliche geschlossene Vererbung zulasse (Beschl. Allerdings habe der Besitz unter der Geltung des Reichserbhofgesetzes Erbhofeigenschaft, und zwar Ehegattenerbhof-eigenschaft, erlangt, zu demindest auf Grund der von § 32 Abs. 1 Satz 2 EHVfO an die fünfjährige Eintragung in die Erbhöferolle geknüpften Fiktion; damit wiederum gelte er nach § 19 HöfeO auch als Hof im Sinn der Höfeordnung. Unabhängig davon bestimme sich die Erbfolge jedoch nach den früheren bindenden Bestimmungen des Erblassers; dies folge aus den Grundsätzen, die von der Rechtsprechung für den Fall eines aus Vorerbeneigentum und Volleigentum zusammengesetzten Hofes oder Ehegattenhofes entwickelt worden seien in Verbindung mit den vom Bundesgerichtshof in dem erwähnten Beschluß vom 18. Aus doppeltem Grunde kann dabei dahingestellt bleiben, wie die Rechtslage unter der Geltung des Reichserbhofgesetzes zu beurteilen gewesen wäre: Nach allgemeiner Meinung unterliegen Erbfälle dem im Zeitpunkt des Erbfalles (hier: 1964) geltenden Recht; nach diesem Recht ist im vorliegenden Fall auch zu entscheiden, ob die im Jahre 1924 getroffene erbvertragliche Regelung materiell rechtlich wirksam ist (BGHZ 40, 167; Lange/Wulff, HöfeO, Die Fiktion des § 19 Abs* 1 HöfeO kann aber nichts daran ändern» daß die Höfeordnung» nach der sich die Bedeutung der Hofeigenschaft in der vorgesehenen Erbfolge (beim Erbgang oder durch Vorwegnahme im Übergabevertrag) erschöpft, mit dem in § 1 Abs* 1 HöfeO aufgestellten Erfordernis des Alleineigentums oder des Eigentums von Ehegatten solche Eigentumsverhältnisse verlangt, die eine geschlossene Vererbung zulassen (s* die bereits zitierte Entscheidung BGH IJf HöfeO § 1 Nr* 21; Lange/Wulff aaO § 1 Nr* 8 S* 83 und § 6 Nr* 83)* Es ist daher auch in Rechtsprechung und Schrifttum für den Fall des Zusammentreffens von Vorerbschaftseigentum und Volleigentum (sei es in der Person des AlleineigentUmers eines Hofes oder sei es bei einem Ehegattenhof in der Weise, daß ein Ehegatte hinsichtlich seines Grundbesitzes nur Vorerbe ist) anerkannt, daß hier auch bei Eingreifen des § 19 Abs* 1 HöfeO keine geschlossene Vererbung der Besitzung an einen Erben nach Maßgabe der Höfeordnung eintritt, vielmehr sich - entsprechend dem Erblasserwillen - das Vorerbeneigentum an den Nacherben und das Volleigentum an den Erben des Volleigentümers vererbt (BGH Beschl. Ein solches Hindernis für eine geschlossene Vererbung nach der Höfeordnung liegt aber auch dann vor, wenn bei einem Hof, der nach § 19 Abs* 1 HöfeO als Ehegattenhof gilt, der eine Ehegatte sich bereits vor Inkrafttreten des Erbhofrechts hinsichtlich seines Grundbesitzes oder eines Teiles desselben durch erbvertraglich verfügte Erbeinsetzung Auch von der Interessenlage her ist die Gleichstellung gerechtfertigt: Gibt das Rechtsinstitut der Nacherbschaft den Erblasser die Möglichkeit, das Geschick seines Nachlasses auch für eine spätere Zeit zu bestinnen, so wird gerade im bäuerlichen Bereich zur Erreichung dieses selben Zieles häufig der Weg gewählt, daß bei der Erbeinsetzung eines Abkämnlings durch Erbvertrag dieser gleichzeitig - seinerseits als Erblasser - eine Bindung hinsichtlich der weiteren Erbfolge eingeht; vornehmlich aber bietet sich dieser Weg dann an, wenn der Eigentümer eines Hofes diesen bereits zu Lebzeiten übergibt, den Übemehner dabei jedoch wegen der Person des weiteren Hoffolgers binden will« So hat denn auch im vorliegenden Pall das Beschwerdegericht festgestellt, daß die Bestimmungen des Vertrages vom 16« Januar 1924 untereinander in einem rechtlichen und wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis stünden und daß Carsten Völlers sen« durch diese Regelung den Verbleib des Grundbesitzes in der Familie VflHI habe sicherstellen wollen« Nach alledem kam hier eine (einheitliche) Vererbung nach Höferecht nicht in Betracht, vielmehr blieb für das durch Erbvertrag gebundene Eigentum des Johannes VflBI bei dessen Tode diese Regelung maßgebend«