BGH · V BLw 24/65
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Das Beschwerdegericht führt zur Begründung seiner Entscheidung aus: Als Versagungsgrund komme § 9 Abs» 1 Nr» 2 GrdstVG in Frage» Die Käufer bewirtschafteten die der Beteiligten zu 5 gehörende 5 Morgen große landwirtschaftliche Besitzung, auf der sie noch eine Geflügelzucht betrieben und 500 Legehennen halten» Daneben betätigten sie sich noch als Eierhändler* Selbst wenn der Erwerb durch die Käufer eine ungesunde Bodenverteilung bedeuten würde, könnte die Genehmigung aus § 9 Abs» 1 Hr* 1 GrdstVG nicht versagt werden, weil das Vorkaufsrecht nach dem Kelchssiedlungs-gesetz nicht ausgeübt worden sei, obwohl die Voraussetzungen hier vorlägen» Erben zu erhalten und durch Verpachtung des Kesthofes seinen Unterhalt sicherzustollen* Die Auffassung der Genehmigungsbehörde und des Amtsgerichts, eine Versagung der Genehmigung führe nicht zu einer unzu demutbaren Härte<> da der Hofeseigentümer, der ohnehin keine wirtschaftsfähigen Abkömmlinge habe, in der Lage sei«, den Hof als Ganzes zu veräußern;, werde für den vorliegenden Pall nicht geteiltb Lies gelte auch dann,, wenn man die Behauptung der Genehmigungsbehörde, daß eine geschlossene Veräußerung günstigere Verkaufsmöglichkeiten biete, als richtig unterstelle» Einem Eigentümer, der seine Notlage verschuldet habe und der auch durch eine Teilveräußerung seinen Hof weder sich noch seinen Abkömmlingen erhalten könne5 werde unter Umständen zugemutet v/erden können, von einer Teilveräußerung Abstand zu nehmen und durch Veräußerung des ganzen Hofes seine finanziellen Verhältnisse zu ordnen» So liege der Pall aber hier nicht» Dem Hofeigen-tümer könne an der Verschuldung des Hofes kein Vorwurf gemacht werden» Die von ihm in die Wege geleitete Sanierungs raaßnahme werde voraussichtlich zur Erhaltung des Kesthofes führen» Der Kauf erlös von 95 000 DM sei ausreichend, um die bis in die jüngste 2bit aufgelaufenen Schulden absudecken und die bei der Übergabe des Hofes vereinbarten Abfindungen aufzubringen» Von dem Kauferlös seien bereits Schulden in Höhe von 22 4 000 DM getilgt worden» Die zur Zeit noch vorhandenen Schulden beliefen sich auf rund 50 000 DM9 mindestens 45 000 DM stünden aber von dem Kauferlös noch zur Verfügung» Es sei schließlich noch zu erwägen, ob der Kesthof in den Händen des Übernehmers des Hofes (jüngster Sohn) erhalten werden könne, auch wenn der Übernehmer zur Selbstbewirtschaftung nicht in der Lage sei Der Hofeseigentümer habe dazu vortregen lassen, daß sein Sohn beabsichtige, den Resthof aufzuforsten« Die Voraussetzungen zur Aufforstung seien an sich, von den Aufforstungskosten abgesehen* gegeben, wie der zuständige Forstmeister ausgeführt habe» Ob es sich hierbei allerdings um eine wirtschaftlich sinnvolle Maßnahme handele, erscheine zweifelhaft, da in der Regel nur Grenzertragsböden zur wirtschaftlich besseren Nutzung aufgeforstot würden«. Jedem billig und gerecht denkenden Menschen müsse die Versagung der Genehmigung und damit das 2unichtemachen eines Vorhabens als unerträglich erscheinen, weil das Maß dessen, was in einem geordneten Rechtsstaat dem einzelnen an notwendiger Rücksichtnahme auf die Allgemeinheit zugemutet werden könne, eindeutig überschritten sei« Die mit dem GrundstUckverkehrsgesetz bezweckte Erhaltung einer gesunden Agrarstruktur diene unstreitig den Interessen der Allgemeinheit o Ihr komme zunächst der Vorrang vor privaten Belangen eines Landwirts zu, Erst wenn es klar zutage trete, daß dessen private Interessen ein solches Gewicht haben, daß es wider die Vernunft zu sein scheine, wollte man sie gegenüber den öffentlichen Interessen zurücktreten lassen und diesen den Vorrang einräumen, lasse sich der Fall der unzu demutbaren Härte als gegeben ansehen* -Die Merkmale einer solchen unzu demutbaren Härte ließen sich dem Sachverhalt, der hier gegeben sei, nicht entnehmen* Um seine Verhältnisse zu sanieren, müsse seinen Ho if als Ganzes in die Hände eines anderen Landwirts geben* An einem Käufer werde es nicht mangeln, auch im Kreise Wiedenbrück werde sich unter den Landwirten, o:da dort nur 397 Landwirte einen Hof mit mehr als SO Morgen haben, einer finden, der bereit und in der Lage sei, den ganzen Hof käuflich zu übernehmen* Mit dem Kauferlös für den ganzen Hof könne der Eigentümer alle Schulden abtragen, die Abfindungen begleichen und seinen Unterhalt bis zu dem Lebensende bestreiten* Er könne auch, wenn er den Kaufpreis nicht ganz in bar nehmen wolle, mit dem Käufer vereinbaren, daß ihm für einen feil desselben eine Rente gezahlt werde, die seinen Unterhalt sicherstelleno Sei der Hof um die verkauften 22 Morgen verkleinert, so habe nur nocla 43 Morgen Acker und Weido neben 20 Morgen Holzung* Die Hutzung dieser Ländereien reiche für seinen Unterhalt nicht aus* Y/ie gerichtsbekannt sei, finde sich für einen derart kleinen Hof mit nur 43 Morgen Acker und Weide kein geeigneter Pächter, weil ein solcher Hof keine nachhaltige Ackernahrung mehr darstelle* Uie von einer Verpachtung de3 Hofes erwarteten Einnahmen würden daher ausbleiben* Um überhaupt zu etwas Geld zu kommen, müßte Rodenbeck dann c(en Ausweg wählen, seine Grundstücke Ihm werde nicht sein Vorhaben der Sanierung an sich,, sondern lediglich der gewählte Weg dazu abgeschnitten* Die Auslegung, die das Oberlandesgericht dem § 9 Abs, 7 GrdstVG gegeben habe, und die Anwendung der Vorschrift auf einen so normal liegenden Fall, wie den vorliegenden, würde dazu führen, daß künftig § 9 Abs* 1 Ziff* 2 GrdstVG überhaupt keinen Versagungsgrund mehr abgeben würde, weil die Anwendung desselben stets als zu der vom Oberlandesgericht bejahten unzu demutbaren Härte führend erachtet werden müsse* Damit würde aber der Zweck des Gesetzes die vorhandenen Höfe in ihrem Bestand und in ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten, völlig vereitelt werden* ■ * I* Der Rechtsbeschwerde ist zunächst einzuräumen, daß, wie die Entstehungsgeschichte des § 9 Abs* 7 GrdstVG ersehen läßt, für die Anwendung dieser Vorschrift strenge Anforderungen zu stellen sind« Dies iat auch die einhellige Ansicht des Schrifttums wie der Rechtsprechung* Es genügt daher nicht, daß durch die Versagung der Genehmigung dem Verkäufer wirtschaftliche Nachteile entstehen* Die Voraussetzungen der genannten Bestimmung liegen auch nicht vor, wenn der Verkaufserlös bereits;.verbraucht und der Verkäufer nicht mehr in der Lage ist, den Kaufpreis zurückzuerstattcn* Sind insoweit Grenzen des Anwendungsbereichs der genannten Vorschrift gezogen, so läßt sich andererseits doch nicht ein für allemal festlegen, unter welchen Umständen sich die Versagung der Genehmigung als eine unzu demutbare Härte darstellt * Vielmehr kommt es auf die Umstände des einzelnen Falles an* Davon geht auch die Begründung zu dem Entwurf des Grundstückverkehrsgesetzes (zu § 9 Abs* 7) aus, wenn dort ausgeführt wird, in der Regel werde es sich um Sanierungsverkäufe handeln; die Vorschrift sei anzuwenden, wenn die Existenz des Verkäufers verloren gehe oder eine unzu demutbare Änderung der Betriebsstruktur im Falle einer Genehmigungsversagung notwendig werden würdeo Baß es sich im vorliegenden Fall um einen Sanierungsverkauf handelt , steht nach den Feststellungen des Beschwerdegerichts fest; auch der Rechtsbeschwerdeführer geht davon aus, daß durch den Verkauf die für den Verkäufer bestehenden finanziellen Schwierigkeiten behoben werden sollen und daß ein Verkauf das einzige Mittel ist, um die unverschuldete Notlage zu beseitigen«. Br meint indessen, eine TeilVeräußerung sei nicht der richtige Weg; zu einer wirklichen und echten Sanierung führe nur die Veräußerung des ganzen Hofes* Ein in eine unverschuldete Notlage geratener Hofeigentümer kann jedoch zu dem Verkauf seines ganzen Hofes nicht gezwungen werden, wenn ein Teilverkauf zur Sanierung wirklich ausreicht (vgl„ Pikalo/Bendel, GrdstVG § 9 F 5 b S0 594)« Bies gilt auch dann, wenn beim Verkauf des ganzen Hofes günstigere Preise erzielt werden können als beim Verkauf nur eines Teiles des Hofes* Wenn freilich nach Lage des Falles der Kauferlös für einen Teil des Grundbesitzes zur Behebung der wirtschaftlichen Notlage nicht ausreicht,, die vorhandenen Schulden mit dem Kauferlös also nicht abgetragen werden können, und so über kurz oder lang eine freiwillige oder «zwangsweise Veräußerung des Hofes nicht aufzuhalten ist, geht das Interesse der Allgemeinheit, - daß ein späterer Erwerber einen lebensfähigen geschlossenen Hof erhält, um ihn auch erfolgreich bewirtschaften zu können, den Interessen des*Hofeigentümers an einer Teilveräußerung zu dem Zwecke der Sanierung seiner Vermögenslage vor (vglo OLG Oldenburg RdL 1958, 300; Ehrenfort, Heimstättengesetz und Grundstückverkehrsgesetz, So 358)o So sind die Dinge aber hier nicht gelagert* Das Beschwerdegericht führt aus, mit dem Kauferlös könnten nicht nur die Schulden abgelöst, sondern mit dem Restbetrag von 45 000 DM auch der Hofbestand voraussichtlich gesichert werden* Wenn demgegenüber der Rechto-beschwerdeführer meint, der Unterhalt des Vaters könne mit einem Resthof von 45 Morgen Ackerland und 20 Morgen Holzung nicht als gesichert angesehen werden, so begibt er sich auf das ihm verschlossene Gebiet der Tatsachenwürdigung• Da indessen der angefochtene Beschluß aus einem anderen Grunde aufgehoben werden muß, hat der Rechtsbeschwerdeführer Gelegenheit, dem Beschwerdegericht seine in diesem Zusammenhang bestehenden Bedenken vorzutragen, falls die nachstehenden Ausführungen nicht schon zu einer Versagung der Genehmigung führen* Im vorliegenden Palle warf sich daher die Präge auf, ob zur Behebung der finanziellen Notlage des Verkäufers ein Verkauf im vorgesehenen Umfange notwendig ist, der zu dem Verlust einen Drittels des Ackerbodens führt* Es mußte bei der gegebenen Sachlage untersucht werden, ob nicht eine weniger einschneidende Abgabe von Hofgründetücken zur Sanierung aus-reichen würde; in diesem Palle könnte nicht davon gesprochen werden, daß die Versagung der Genehmigung unbillig hart wäre* Diese Prüfung hat das Beschwerdegericht nicht ange-stellt* Zudem lassen seine Ausführungen über die Höhe der Verschuldung kein klares Bild gewinnen* Es spricht zunächst von einer Schuldenlast von rund 35 000 DM (s* 1 0 des Beschlusses), von der 24 000 DM mit Hilfe des Kauferlöses Dann wird die noch bestehende Schuldenlast mit 30 000 DM angegeben (Bl, 12 des Beschlusses)« Wie der Betrag vom mindestens 45 000 DM* der dem Verkäufer noch zur Verfügung steht* berechnet wurde (95 000 -(24 000 + 30 000) * 41 000) ist nicht verständliche Schlic lieh zählt das Beschwerdegericht zu den Schulden auch vereinbarte Abfindungen« Dabei darf aber nicht übersehen werden,, daß Schuldner der Abfindungen der Sohn Josef (und nicht der Verkäufer) ist* wenn der bisher noch nicht genehmigte Übergabevertrag vom 27 <> August 1964 wirksam wer den sollte« Es ist auch noch nicht geprüft* ob die vorgesehenen Abfindungen aus dem Hof aufgebracht werden können» Es geht daher nicht an* diese Abfindungen bereits als Schu den des Vaters zu behandeln und bei der Präge* v