BGH · V BLw 17/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Landkreis Goslaa^| hat die erbetene Genehmigung des Vertrages abgelehnto Las vom Käufer fristgemäß angerufene Landwirtschaftsgericht ist diesem Bescheid beigetreten, weil der Verkauf zu einer ungesunden Bodenverteilung führen würde» Die sofortige Beschv/erde des Beteiligten zu 1 hatte indessen Erfolg» Las Oberlandes-gericht genehmigte den Kaufvertrag» Hiergegen richtet sich die vom Oberlandesgericht nicht zugelassene Rechtsbeschwerde des Präsidenten des Niedersächsischen Verwaltungsbezirks Braunschweig« Sie ist formund fristgerecht eingereicht und begründet worden; der Rechtsbeschwerdeführer ist auch kraft Gesetzes beschwerdeberechtigt« Las Rechtsmittel ist aber, da es, wie bemerkt, nicht zugelassen wurde, nur statthaft, wenn das Beschwerdegericht von einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs oder eines Oberlandes-gerichtes in einer Rechtsfrage abgewichen ist und hierauf die angefochtene Entscheidung beruht (§24 Abs» 2 Nr» 1 LwVG)» Ler Rechtsbeschwerdeführer führt denn auch Entscheidungen des erkennenden Senats an, von denen nach seiner Meinung das Beschwerdegericht abgewichen ist* die durch die MRVO Nr» 84 geschaffen worden war, noch fortbestände» Dies sei aber nicht der Pall, denn diese Verordnung' könne als Entscheidungsgrundlage nicht mehr herangezogen werden, nachdem das Grundstückverkehrsgesetz vom 28o Juli 1961 in Kraft getreten sei«, Das Landwirtschaftsgericht hätte daher seine Entscheidung nicht ohne weiteres auf den Beschluß des Bundesgerichtshofs vom 10o Juli 1962 ( RdL 1962, 263) abstellen dürfen» Grundbesitzes an einen Nichtlandwirt zu einer ungesunden Bodenverteilung führeo Unter welchen besonderen Umständen eine solche Annahme gerechtfertigt erscheine, könne hier unerörtert bleiben, denn ein solcher Fall sei unzweifelhaft nicht gegeben» überlasse die Bewirtschaftung seines gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Grundbesitzes seinem Pächter Paul B^p, den die Landwirtschaftskammer selbst zu denjenigen Landwirten rechne, gegen die keine Bedenken bestünden, wenn sie den Kaufvertrag abgeschlossen hätten» Sei aber ein Käufer bereit, den erworbenen Grundbesitz an einen Landwirt zu verpachten, dann entfielen nach § 10 Abs» 1 Ziff.1 GrdstVG die Voraussetzungen, unter denen die Genehmigung eines Grundstückkaufvertrages versagt werden könne, kraft Gesetzes» Per Gesetzgeber habe in § 10 Abs» 1 Ziff» 1 GrdstVG gerade deshalb vorgesehen, daß dem Erwerber die Auflage gemacht werden könne, das erworbene Grundstück an einen Landwirt zu verpachten und im Interesse der Aufrechterhaltung des Rechtsgeschäftes den Beteiligten die Möglichkeit zu geben, einen etwaigen Versagungsgrund auszuräumen» La somit der Gesetzgeber die Veräußerung landwirtschaftlichen Grund und Bodens an eine Nichtlandwirt nicht als ungesunde Bodenverteilung gewerte wissen wolle und der Erwerber verpflichtet werde, den Grundbesitz an einen Landwirt zu verpachten, könne sie auch dann nicht als ungesunde Bodenverteilung angesehen werden, wenn der Erwerber von sich aus beabsichtige, in dieser Weise zu verfahren» Leshalb sei der Vertrag zu genehmigen» Die Prüfung der Rechtslage ergibt, daß die Rechtsbeschwerde unzulässig ist«, Ihr ist allerdings zuzugeben, daß das Beschwerdegericht, was die Auslegung des Rechtsbegriffes der ungesunden Verteilung von Grund und Boden ( § 9 Abs«, 1 Nr, 1 GrdstVG) anlangt, von den angeführten Entscheidungen des Senats abweicht» Das gilt zunächst hinsichtlich der Frage, ob der Rechtsbegriff der ungesunden Verteilung von Grund und Boden etwas wesentlich anderes beinhaltet als jener der ungesunden Bodennutzung im Sinne der Britischen MRVO Nr» 84 * Der Senat hat dies verneint unu deshalb die bisherige Rechtsprechung auf diesem Gebiet als weiterhin verwertbar bezeichnet} das Beschwerdegericht bejaht die Frage und will die bisherige Rechtsprechung "nicht ohne weiteres" zur Entscheidung herangezogen wissen» Eine Abweichung liegt ferner vor, wenn das Beschwerdegericht an dem Grundsatz nicht festhalten will, daß dem Landv/irt im Hauptberuf in der Regel der Vorrang vor einem Landwirt im Nebenberuf einzuräumen ist, wenn es sich um den Erv/erb eines landwirtschaftlich nutzbaren Grundstücks handelt» die Interessen von Landwirten, die als Bewerber für ein Grundstück in Präge kommen, gegeneinander abzuwägen5 eine dirigistische Einschaltung des Staates sei im Gesets nicht vorgesehen* Eine entgegenstehende Auffassung hat der Senat in den beiden Vergleichsentscheidungen nicht vertreten* Eine solche Tendenz liegt in der Tat dem Gesetz auch nicht zugrunde* Bas Beschwerdegericht geht nun5 wie die Bemerkung vom "andern Landwirt (Beschlußabschrift S* 5)" ergibt, bei seinen Überlegungen davon aus5 daß der Käufer als Landwirt im Hauptberuf anzusehen sei, obwohl er diesen erlernten Beruf nicht mehr ausübt, sondern ein Omnibusunternehmen betreibt, weil er wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr in der Lage ist, dem landwirtschaftlichen Beruf nachzu-gehen* Bas Beschwerdegericht hält diesen Umstand nicht für entscheidend, weil das zu erwerbende Grundstück einem tüchtigen Landwirt in Pacht gegeben werden soll« Bemnach beruht die angefochtene Entscheidung letztlich auf der Auffassung, eine ungesunde Verteilung von Grund und Boden sei nicht gegeben, wenn der Erwerber ein gelernter, ehemals hauptberuflicher Landv/irt ist, infolge seines Alters diesen Beruf nicht mehr ausübt und das zu erwerbende Grün einem Landwirt in Pacht geben will* Ob dieser Auffassung sachlich beizustimmen ist, ist nicht zu entscheiden« Für die hiir allein maßgebliche Präge der Zulässigkeit der Bechtsbeschwerde ist nur zu prüfen, ob der erkennende Senat in beiden Vergleichsentscheidungen eine von der eben beschriebenen Auffassung des Beschwerdegerichtes abweichende Meinung vertreten hat* Bas ist zu verneinen* Bie beiden Entscheidungen zugrunde liegenden Sachverhalte waren so gelagert, daß diese Präge überhaupt nicht zur Beantwortung stand* Beruht die Entscheidung im vorliegenden Fall aber nicht auf einer Abweichung von den genannten Entscheidungen des Senats, so erv/eist sich die Hechtsbeschwerde, unbeschadet des Umstandes, daß in den Gründen des angefochtenen Beschlusses abweichende Auffassungen vertreten werden, als nicht statthaft ( § 24 AbSo 2 LwVG)o Der Hechtsbeschwerde muß daher der Erfolg versagt werden mit der Kostenfolge des § 45 Abs» 2 LwVG»