BGH · V BLw 11/72
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Rechtsbeschwerde des Beteiligten zu 3, Regierungspräsidium Nord-Württemberg, gegen den Beschluß des Oberlandesgerichts Stuttgart, Senat für Landwirtschaftssachen, vom 21. Dem Kaufangebot vom Jahre 1969 zufolge sollte die Beteiligte zu 2 das Grundstück - sie hat sich in diesem Gebiet bereits Flächen von insgesamt 4,2 ha gesichert -zur Errichtung eines Einkaufszentrums mit Parkplätzen erwerben. de, nimmt die Beteiligte zu 2 an, daß dort in gemeinsamer Planung der beiden Städte Wohn- und Geschäftsviertel errichtet würden; bis dahin will sie hinsichtlich des gekauften Grundstücks das Pachtverhältnis mit dem Landwirt Ergenzinger fortsetzen. Das Landwirtschaftsamt versagte dem Kaufvertrag die Genehmigung nach dem GrundstUckverkehrsgesetz mit der Begründung, daß die beabsichtigte Veräußerung, weil die Erwerberin (Beteiligte zu 2) kein Landwirt sei und das Grundstück im landwirtschaftlichen Außenbereich liege, zu einer ungesunden Bodenverteilung führen würde (§9 Abs* 1 Nr. 1 GrdstVG); auch stehe der Kaufpreis von 60 DM/qm in einem groben Mißverhältnis zu ortsüblichen Preisen landwirtschaftlicher Grundstücke (§9 Abs. 1 Nr. 3 GrdstVG). Hiergegen hat das Regierungspräsidium Nord-Württemberg in seiner Eigenschaft als dem Landwirtschaftsamt übergeordneten Behörde (Beteiligter zu 3) Rechtsbeschwerde erhoben, mit der die Wiederherstellung des landwirtschaftsgerichtlichen Beschlusses, hilfswelse die Zurückverweisung der Sache an das Oberlandesgericht erstrebt wird. In jener früheren Entscheidung ging es u,a» um den - auch im jetzt angefochtenen Beschluß zitierten - § 9 Abs.4 GrdstVG, wonach einem Grundstücksveräußerungsver-trag nicht wegen groben Mißverhältnisses zwischen Kaufpreis und Grundstückswert (§9 Abs. 1 Nr. 3 aaO) die Genehmigung versagt werden darf, wenn "das Grundstück für andere als Tand-oder forstwirtschaftliche Zwecke veräußert" wird. Der Senat ist damals dieser Auffassung nicht gefolgt und hat dargelegt, bei Anwendung des § 9 Abs.4 GrdstVG sei zu prüfen, ob nach der gegebenen Sachlage das Grundstück aus seiner bisherigen landwirtschaftlichen Nutzung endgültig ausscheide oder doch ein solches Ausscheiden in greifbare Nähe gerückt sei; dafür sei-aber nicht allein maßgebend, was die Vertragsteile beabsichtigten,vielmehr müsse zugleich untersucht werden, ob sie nach Lage der Dinge auch imstande seien, ihr Vorhaben durchzuführen; bei beabsichtigter Errichtung eines Wohnhauses habe sich die Untersuchung demgemäß darauf zu richten, ob eine Grundstücksbebauung nach öffentlich-rechtlichen Vorschriften gegenwärtig oder wenigstens in Kürze zulässig sei. tatsächlichen Feststellungen des Beschwerdegerichts entnahm der Senat, daß wegen der Lage des Grundstücks und seiner Ausweisung als Grünfläche keine Bauerlaubnis erteilt werde, und erachtete diesen Umstand als entscheidend für die Frage der Anwendbarkeit des § 9 Abs.4 GrdstVG; wenn sich auch die Möglichkeit der Erteilung einer Bauerlaubnis für einen noch nicht absehbaren Zeitpunkt nicht von vornherein ausschließen lasse, spiele das keine Rolle. Die Rechtsbeschwerde meint, zu diesen Grundsätzen habe das Oberlandesgericht sich in Widerspruch gesetzt; denn da nach seinen Feststellungen die Beteiligte zu 2 gegenwärtig sicher nicht in der Lage sei, das von ihr beabsichtigte Einkaufszentrum zu errichten, und da eine entsprechende Bebauung auch in Kürze nicht zulässig sein werde, hätte es richtigerweise von einer Anwendung des § 9 Abs.4 GrdstVG Abstand nehmen müssen. Jedoch lassen sich die Erwägungen, die in dem früheren Beschluß zur Verneinung der Anwendbarkeit des § 9 Abs.4 GrdstVG geführt haben, aus dem Grunde nicht auf den jetzt zur Entscheidung stehenden Sachverhalt übertragen, weil die tatsächlichen Verhältnisse, soweit es sich um die Aussichten für ein Ausscheiden des jeweils verkauften Grundstücks aus der landwirtschaftlichen Nutzung handelt, in beiden Fällen verschieden sind. nach Lage der Dinge außerstande, ihr Vorhaben durchzu-führen* Im vorliegenden Fall dagegen geht es um eine Fläche, die nach den Feststellungen im angefochtenen Beschluß nur noch während eines kurzen Zeitraumes landwirtschaftlich genutzt werden kann: In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Stadtrand von ifllH-die dortige Bebauung hat bereits die Gemarkungsgrenze überschritten und rückt immer näher an das fragliche Grundstück heran; dieses wird, wie das Beschwerdegericht ausdrücklich feststellt, unter den gegebenen Verhältnissen zweifelsfrei innerhalb eines Jahrzehnts, möglicherweise sogar in weniger als der Hälfte dieser Zeitspanne, als Straßenland, für Anlagen des Gemeinbedarfs oder zur Errichtung von Wohn- und Geschäftsgebäuden im Bebauungsplan ausgewiesen sein; alsdann scheidet es endgültig aus der landwirtschaftlichen Nutzung aus* Wenn das Oberlandesgericht auf diesen von ihm festgestellten Sachverhalt den § 9 Abs* 4 GrdstVG angewendet hat, 1st es damit nicht von dem früheren höchstrichterlichen Beschluß, der einen anders gearteten Fall betraf, abgewichen* Die in beiden Entscheidungen vertretenen Rechtsansichten enthalten nichts Gegensätzliches* Das gilt auch für die Wendung "gegenwärtig oder wenigstens ln Kürze" im früheren Beschluß, die dort mit Bezug auf die Möglichkeit der Errichtung eines Wohnhauses gebraucht wurde, aber unter den hier festgestellten Umständen auch einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren noch mit einschlieBt* sei, lasse sich nicht in fünf Jahren aufstellen, auch werde hei den dortigen Verhältnissen das Grundstück so* gar in zehn oder mehr Jahren noch nicht endgültig aus der landwirtschaftlichen Nutzung ausgeschieden sein, und soweit er neue Tatsachen über den Inhalt des Landesentwicklungsplans Baden-Württemberg vorträgt, handelt es sich um Einwendungen, mit denen sich der Senat nur dann befassen könnte, wenn zuvor die Statthaftigkeit der Rechtsbeschwerde dargetan wäre.