BGH · V BLw 121/49
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der älteste Sohn-, Christian hat Anfang 19^; geheiratet und ist Strass enbauarb eit er geworden; er ist aber weiterhin auf den Hofe wohnen.geblieben, bis er im Jahre -1928 auf - einem ihm -vom Vater über eigne ton Grundstück. von 2000 qm etwa' 800 bis 1000 m vom Hof entfernt eine Siedlerstelle errichtet hat, auf der er' seitdem mit seiner Familie wohnt.,Der Zweitälteste Sohn Friedrich ist ständig (abgesehen von den KriegsJahren 1959/45) auf • dem Hof tätig gewesen und führt seit seiner Rückkehr aus dem Kriege (1945), in dem er seinen linken Arm verloren ■ hat, die HofWirtschaft. Sie gingen dabei irrtümlich davon aus, die DuJ tor sei auf Grund der §§ 24 und 25 BHFÖ .Anerbin des Hof38 geworden und könne darüber verfügen (was jedoch nicht de Fall war, da die vorgenannten Vorschriften nach § 51 Dd nicht auf den vor dem 1. Als Friedrich • das Hoffolgeseugnis erhalten hatte, änderten er und seine Hutter den Übergabevertrag vom 29« September 1944 durch Vertrag von 27«^Oktober 1344 « dahin ab,, dass die HofÜbergabe fortfalle und der Vertrag sich insoweit nur noch -auf die Übergabe dos gühgergemein--'d schaftlichen Vermögens besiehe und insoweit.auf^’ochterlial-ten bleibe, ln dem Verfahren auf Ausstellung des Hoffolgezeugnis- . Das Amtsgericht wies durch Beschluss vom 80 Dezember 1948 den Antrag auf Pest Stellung der Wirt s chaf t sf &hi gkei t von Christian ab. dass dieVorinstanzen ein rechtliches Interesse des Antragstellers an der von ihm begehrten Feststellung, seiner Wirtschaftsfähigkeit bejaht -hätten. ter, dass das Oberlandesgericht sich mit der Beweisaufnahme des ersten hechtszuges nicht auseinandergesetst habe. Vor allem habe cs bei der Frage der Wirtschaftsfähigkeit :den Verlust der inneren Verbundenheit des Antragstellers mit'dem Hofe-'und sein mangelndes Interesse an der Landwirtschaft nicht ausreichend geprüft. Er macht geltend, der Antragsgegner sei durch die Entscheidung des Oberlandesgerich ts nicht beschwert,\ da es sich im vorliegenden Verfahren nur um die Airt-schaftsfähigkeif des Antragstellers handle; von dieser '"'g Frage werde die Hechtsstellung des Antragsgegners aber.: nisses anhängig war, handelt es sich um einen nicht geregelten Erbfall {§ 58 Abs 2 Buchst b LVO), auf den '\ daher die Bestimmungen der HöfeO Anwendung finden; das haben die Vorinstanzen zutreffend dargelegt und die Beteiligten auch nicht bekämpft. ,;:i dass die Mutter durch den Vertrag vonu 29o September 1944 ihn sum Hoferben auf Grund der für den Erbfall anwendbaren HöfeO (§ 8 Abs 3) rechts wi r ksan bestimmt habe, zu-mal dieser Teil des Vertrages durch den Vertrag vom 27* Oktober 1944 wieder.aufgehoben ist und gegen die Rechts-^ Wirksamkeit der vom Antragsgegner während des Beschwerdeverfahrens erklärten Anfechtung des Vertrages vom 27« Oktober 1944 begründete Zweifel zu erheben sind* Solang diese Prägen nicht zu dem ilachteil des Antragstellers endh gültig geklärt sind, besteht für ihn ein rechtliches In-;->;;,.teresse an; der Feststellung seiner, Wirfschaf tsfähigkeit. Umgekehrt kann auch der Antragsteller die Zulässigkeit der Hechtsbeschy/erde nicht dadurch in Frage stellen, das er geltend macht, der Antragsgegner sei durch die ange-foc tene Entscheidung nicht beschwert* Da der Antragsgegner als Zweitältester Sohn bei fehlender Wirtschaftsfähigkeit des Antragstellers zur Erbfolge in den Hof berufen ist, kann sein Hecht von der Entscheidung über.die Wirtschaftsfähigkeit, des Antragstellers betroffen werden» Er ist daher mit Recht in den Vorinstanzen beteiligt v;< den,.und er kann vor allem auch Rechtsmittel einlegen (§ 31 Abs 2 LVO)* a) Hierzu hat das „Amtsgericht ausgefülirts Der Antragsteller sei in seiner Jugend einige Jahre auf dem Hof tätig gewesen* Erhebliche Kenntnisse könne er sich in dieser Zeit kaum angeeignet haben» Er habe am ersten Weltkrieg teilgenommen und sich nach seiner Entlas- ' sung hei Kriegsschluss erneut freiwillig gemeldet: er sei also vom 180 bis zu dem Beginn des 20o Lebensjahres nicht auf dem Hofe gewesene Er habe ferner noch., vor seiner im Januar 1922 erfolgten EheSchliessung ** einige Monate in Essen und auch sonst in den.Winter-*!* monaten ausserhalb des Hofes Arbeit übernonimCho rTäcli " der Ehe Schliessung sei er zwar noch auf dem Hofe wöli-nen geblieben, er sei aber durch seinen Beruf als ' Strassenbauarbeiter weitgehend der Landwirtschaft w entfremdet-worden; das sei vor allem vom Jahre 1926* 1 ab der Fall gewesen, seitdem er auf dem ihm damals * vom "Vater zur Verfügung gestellten Grundstück gewohnt habe« ln der Zeit seit seinem Abzug vom Hofe bis zu dem lode des Vaters (1944) hätten sich die Verhältnisse in der Landwirtschaft grundlegend geändert; die Schwierigkeiten seien gewachsen und würden sich weiter steigern«, sie seien nur von'sachkundigen und von ihrer Aufgabe ganz erfüllten Landv/irten unter Anspannung aller Kräfte zu meistern® Der Antragsteller■könne sich nicht darauf berufen;, dass er während seiner Tätigkeit als Strassenbauarbeiter drei Morgen Land in Pacht ge-c, habt habe, , denm diese seien;,nacli seiner eigenen Darstellung vom Hofe bewirtschafttet worden® Venn der Antragsteller nach seiner EheSchliessung in seiner Freizeit auf dem Hofe ausgeholfen habe«, so könne es sich dabei nur um unselbständige und mehr oder Weniger untergeordnete Arbeiten gehandelt haben® Er habe mit dem Hofe verrichtet, sondern vorwiegend als Ge- i genleistung für die vom Hofe durchgeführte Bewirt- jj Schaffung seines Pachtlandes» Wesentlich sei ferner, dass er keinerlei Kenntnisse und Erfahrungen hinsic’ lieh der selbständigen Planung und Verwaltung des Koa fes aufweisen könne, weil er sich jedenfalls in seir‘ A zu werden, und weil es ihm in späteren «Jahren« an dgr* Gelegenheit gefehlt habe, diese Eignung zu erwerbe^ b) Das OhjG hat zur Frage der Wirtschaftsfälligkeit des ,/ Antragstellers ausgeführt: Bei der Wirtschaftsfähig-keit handle es sich nicht um einen absoluten, nach f objektiven Merkmalen abzugrenzenden Begriff, sonder es sei jeweils im Einzelfall darüber zu befinden, oW der in Betracht - koimnondü: Hof erbe unter den gegebene^ Verbal tili ss en nach seinem Herkommen, seiner AnsbiL dung und bisherigen Verbindung mit der Landwirtschaff sowie nach seinen allgemeinen /Wirtschaftliclien und §• Familienverhältnissen geeignet erscheine, den von ihm zu übernehmenden Hof - und nicht irgendeinen landwirtschaftlichen Betrieb - ordnungsmässig zu b< wirtschaften. auf dem Hofe tätig gewesen sei und sich dadurch die j Zudem sei er der älteste Sohn ;; gewesen und naturgemäss von seinem Vater mehr als sei-ne jüngeren; Geschwister herangezogen worden, Br habe .* sich dann zwar, bedingt durch die wegen seiner Heirat auf gekommenen; Schwierigkeiten - nicht etwa wegen maxirr • gelnden Interesses an der' Landwirtschaft - einem 1 A anderen Berufe zugewandt, habe- aber doch bis zu dem re 1928 auf dem Hofe gev/ohnt und dadurch allein schon, | die Verbindung mit der Wirtschaftsführung ganz von selbst behalten.. Pie Bewirtschaftung des hier in Präge stehenden Hofes mit einer .Bewirtschaftungsfläche' von • 50 Morgen • verlange nicht soviel theoretisches Wissen und Planen, dass derjenige, der nicht dauernd einem solchen Betriebe vorgestanden habe, von vornherein als nicht wirtschaftsfähig erklärt werden müsste. degericht schliesse sich hier der Beurteilung der bs« rufsständischen Organisation und auch den urteil seiner sachkundigen Beisitzer an, die bei demjenigen, in solch einem Betrieb gross geworden sei, ein schnelles.Ehrechtfinden in-:der Bewirtschaftung .für ^ sicher hielten, auch wenn der Betreffende längere y Zeit keine enge.Verbindung mit dem Betrieb gehabt . Wöhrmann; OGKZ 3, 97 = EechtdDandw 1950, 92 r vgl auch - teilweise, jedoch nicht - fair den hier zu entscheidenden Fall abv/eichend - Baur, BR 2 1950, 222)* Wie in der letzgenannten Entscheidung hervorge- « hoben ist, ist bei Prüfung der Wirtschaftsfähigkeit in dem hier in Präge stehenden Pall des § 6 HofeO im allgemeinen ein strenger Masstab anzulegen. nicht durch» lät der Feststellung, dass die Geschwister,' deren persönliche Anhörung (nur die Schwester Anna ist ;*v nicht gehört worden) den Hauptteil der Erhebungen des ersten Rechtszuges ausmacnte (die Vernehmung der eigent-l liehen Zeugen hat nichts von Bedeutung ergeben), in zweig Parteien gespaltet seien - die eine stehe auf seiten des Antragstellers, die andere auf seiten des Antrags-gegners - wollte das Beschwerdegericht offenbar zu dem Aus«' druck bringen, dass infolge der Parteinahme der Geschwi** die Grundlage ziiverlässiger Feststellungen abgeben könn-J ten» Mit einer solchen Begründung konnte aas Beschwerde^ gerächt von einer Stellungnahme zu weiteren Einzelheit^' der Angaben der Geschwister ab seheno Bas Amtsgericht hatte festgestellt, der Antragsteller habe keine Erfahrung in der betrieblichen Leitung des Hofes gesammelt; insbesondere habe es sich bei seiner Tätigkeit nach 1922 nur um unselbständige, mehr oder weniger untergordnete Arbeit gehandelt» Die gegenteilig ge Feststellung des Beschwerdegerichts, der Antragstel-? ler habe sich mit der Bewirtschaftung des elterlichen* ‘ Hofes vertraut machen können (‘womit das Beschwerdege-. rieht gleichzeitig auch -wohl sagen will, dass dies der', Fall* gewesen sei), insbesondere habe er auch in der Zei nach 1928 infolge seiner Wohnung in der lähe des Kofesj "nicht .jede Verbindung-pit der Betriebsführung auf ‘d< elterlichen Hofe verloren", entbehrt, wie die. Dezember 1948) der Antragsgegner &urbl| Hinweis auf die Entwicklung zahlreicher anderer Siedler- \ stellen;, die gleichzeitig mit der des Antragstellers an- 1 gelegt sind, geltend gemacht hatte, dass der Antrags tel-, <1 ler auf seiner Besitzung keine ..eigentliche... Landwirtschaft^ und insbesondere keinerlei Viehwirtschaft trotz Vorlian- i denseins eines Kuhstalles betrieben habe und daher nicht, in der Lage sei, den elterlichen Hof .ordnungsmässig zu , J / chen tatsächlichen Grundlage bei dem hier zur Beurtei- ^ **; lung stehenden Antragsteller, zu demal .bei Höfen der hiö£/** in Frage kommenden Grösse, von rund 50 Morgen vom Betrl^fsi inhaber die Fähigkeit zur Aufstellung und Durchführung eines Wirtschaftsplanes zu verlangen sein wird (ÖGHZ-100), wie das Amtsgericht hervorgehoben hat » Eine priifung der Wirtschaft des Antragstellers auf seiner lerstelle -onter Vei'gleichung mit den Verhältnissen auf 'S'1 den anderen vom Antragsgegner benannten biedlerstellenv> ge des Beschwerdegerichts den vom Antragsgegner bewirtschafteten Hof besichtigt und sich einen Eindruck von der Familie desselben und ihrer Bewirtschaftungsart verschafft; er hat dabei einen günstigen Zustand vorgefun- ^i^agstejLjLer nicht angetroffen und über ihn und die 3e~^ wirtschaftungsverhältnisse auf seiner Siedlerstelle keiT, i nerlei Feststellungen getroffen* Bass bei der mündli Verhandlung vor dem Beschwerdegericht wenigstens eine ' eingehende Befragung (Prüfung) des Antragstellers stattgefunden habe, um su klären, ob er tatsächlich Uber äus-> dete Feststellungen, dass der Antragsteller in der nage, ist, den Kof selbständig in einer Weise zu bewirtschaf- < ten, dass keine grösseren Ausfälle in den Erträgen der Acker- und Viehwirtschaft des Hofes entstehen, als sie auch bei jedem anderen neii aufziehenden, den Anforderungen einer ordnungsmässigen Bewirtschaftung, auf dem Hof gewachsenen Landwirt entstehen würden. Ist, um dieses Ziel zu erreichen, beim Antragsteller eine längere Urastellungs-’ zeit, eine Art Lehrzeit (also nicht bloss "ein schnelles Zurechtfinden", wie es das Beschwerdegericht mit Recht bezeichnet) erforderlich, so wird man ihm die Y/irtschafts-* fähigkeit für den Hof absprechen müssen (vgl OGH vom 14* Juni 1950, II BLw 101/49, RechtdLandw 1950, 235 = HJW * 1950, 750)o Hiernach hat es das Beschwerdegericht an der' durch das Vorbringen des Antragsgegners nahegelegten und auch nach Lage des Falles von Amts -wegen gebotenen Pflicht, die zur Feststellung der Tatsachen erforderlichen Ermittlungen anzustellen und die geeignet erscheinenden Beweise zu erheben (§ 12 Abs 2 LVO), fehlen lassen« Ob das Beschwerdegericht die hiernach noch erforderliche Aufklärung durch Besichtigung des Betriebes des Antragstellers und eine eingehende Befragung desselben mit Hilfe der