BGH · V BLw 117/49
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- vertreten durch Rechtsanwalt Br wegen Reststellung der WirtSchaftsfähigkeit hat der VH Zivilsenat des Bundesgerichtshofes als Senat für LandwirtscliaftsSachen in der Sitzung vom 22o Hai 1951 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten ch« der Bundesrichter Br0 Hückinghaus und Br» Tasche sowie der Obersten Landwirtschafts-riehter Ernst und Feldmann beschlossens Die Rechtsbeschwerde des Antragsgegners gegen den Beschluss des 3* Zivilsenats des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgcrichts'in Schleswig von 30o September 1949 wird mit der Hassgäbe surückgewiesen«, dass nicht allein mangelnde Altersreife der Grund der WirtSchaftsunfähigkeit des Antragsgegener für den•Zeitpunkt des Erbfalles (7o Hai 1945) ist* Der Antragsgegner hat im :■ August 1948 beim Landwirtschaftsgericht um die Ausstellung eines • HoffolgeZeugnisses für sich gebeten» Dieses Verfahren ist bis zur Entscheidung über die •Wirtschaftsfähigbei-t des Antragsgegners im gegenwärtigen Verfahren ausgesetzt» Das Amtsgericht hat nach Anhörung der Kreisbauernkämmerdie sich in ihrer Äusserung auf den Standpunkt gestellt hat, dass gegen die -WirtSchaftsfähigkeit des Antragsgegners kei~ ähig anzusehen ist und dass dair.it gegen die Erteilung des Xroferb-folge zeugnis s e s keine Be denken be st elien” <, Auf di e sofortige Beschwerde des Antragstellers hat das Oberlandesgericht festgestellt, dass der Antrags^-gegner nicht wirtsclisftsfähig ist« . ^eit seines Bintritts geltenden Hecht« also nach Eeichserbhofrecht, zu beurteilen, da eine der Ausnahmen des § 58 Abs 2 BVO nicht gegeben sei« Hur eine bauernfähige Person habe daher Hoffolger werden können0 An die Stelle des Begriffs der ,fBauernfähigkeit” sei gemäss § 58 Abs 1 LVO in Verb mit Art II KEG Hr 1 der rein technische Begriff der "Wirt schaft sf Eiligkeit" getreten« Wie schon nach dem Eeichserbhof recht .(§• 15 Abs 1 EEG); sei such nach dem Höferecht (.§ 6 Abs 5 Satz 2 HöfeO) mangelnde Altersreife allein kein Kinderungsgrund Schon der Vater des Antragsgegners sei der Land- ■ v/irtschaft weitgehend entfremdet gewesen« Fr habe einen lanöwirtschaftsfremden Beruf ergriffen und mit diesem vom 15* Lebensjahr ab die Trennung von der Scholle vollzogeno Seine Besuche während der Lehrzeit vom benachbarten &4HHHHBIP aus- seien im wesentlichen auf die Sonntage beschränkt gewesen und hätten daher nur ein geringes Bindringen in das Wesen des elterli-chen Betriebes vermittelte Die Lockerung sei noch grösser geworden? einen Landwirtschaftsfremden Lebenskreise eine innere Heigung zur Landwirtschaft nicht aus-schliesse, so bilde das doch die Ausnahme* hach Lage der Verhältnisse erscheine der Vortrag der mutter des Antragsgegners, dieser werde dem landwirtschaftlichen Beruf zugeführt werden, durch die Zweckrichtung bestimmt, auf alle Fälle dessen Einschaltung als Bewerber um die Hoffolge zu wahren* alles in allem lägen die Bedenken hinsichtlich des Antragsgegners nicht nur in der mangelnden Altersreife*. Fs gehe nun aber nicht an, die Frage der Hoffolge offen zu lassen bis * zu einem Zeitpunkt, in dem sieh herausstelle, ob der Antragsgegner wirklich Landwirt v/erde und sich in diesem Beruf bewähre* Die Frage der Hof-folge verlange vielmehr eine'alsbaldige Lösung aus den Umständen heraus, wie sie zur Zeit des Erbfalles bestenden hätten* Führe diese Würdigung dazu, die v/irtSchaftsfähigkeit eines Kindes zu bejahen, so bleibe das Kind Hoferbe, auch wenn es später nicht wirtschaftsfähig werde* Die Gefahr einer solchen Entwicklung sei nach den Umständen, wie sie zur Zeitig des Erbfalles bereits be st an-' den hätten und auf absehbare Zeit weiter bestehen würden, entscheidend mit 'abzuwägen, Aufgrund aller dieser Erwägungen- sei daher festzustellen, dass der Antragsgegner nicht wirtschaftsfähig sei* Beim Antragsgegner selbst habe das Beschwerdegericht nicht berücksichtigt seine offensichtliche Katurliebe, die glaubhafte Erklärung seiner Mutter, er würde zu dem'Landwirt ausgebildet werden, und den Umstand, dass das Aufwachsen des Antragsgegners in HIHIHI im Hause • seiner Mutier und seines Grossvaters durch die wirt- a) Den Ausgangspunkt des Beschwerdegerichts, es handle sich um einen geregelten Er ja fall, greift die Hechtsbeschwerde nicht an* Die gegen diesen;' Ausgangspunkt bestehenden rechtlichen Bedenken, die sich ohne weiteres aus der Tatsache ergeben, dass die Kreisbauernkammer und das Amtsgericht den Antragsgegner als wirtschaftsfähig angesehen haben« das Beschwerdegericht die Wirtschaftsfähigkeit aber verneint hat und damit der Fall des § 58 Abs 1 - Buchst a DVO naheliegt , können auf sich beruhen bleiben* Denn mag Erbhofrecht oder Höferecht auf den Erbfall vom 7» Mai 1945 anzuwenden sein« in . Jedem Fall kommt es für die Frage« ob der Antragsgegner Anerbe oder Hoferbe geworden ist, darauf an, ob für den Zeitpunkt des Erbfalles allein mangelnde Altersreife der Grund seiner Wirtschaftsunfahigkeit ist oder nicht Ebenso kann auch dahingestellt bleiben, ob die: Vorinstanzen zu unrecht die Vorschrift des § 37 Abs 2 LVO (Verständigung aller Personen, deren Hechte durch die Entscheidung betroffen werden können, von der Einleitung des Verfahrens unter Hinweis auf die in § 37 Abs 2 Satz 1 LVO aufgeführte Hechtsfolge) nicht beachtet haben; denn eine Verletzung dieser Verfahrensvorschrift ist nicht gerügt, sie würde auch nicht zu einer Aufhebung und 'Zurückverweisung führen könneno Hineinwachsen in die landwirtschaftllclie.cBerufs--tätiglceit ohne Rücksicht auf den Erbfall das Ent-scheidende«, Wenn es nach dem Erbfall bereits sich darum handelt, den Hoferbeh festzustellen, wird der gesetzliche Vertreter leicht und gern erklären, dass er mit dem Kinde auf den Hof ziehen» ihm eine praktische landwirtschaftliche Ausbildung und den Besuch einer landwirtschaftlichen Schule angedeihen lassen wolle, und dergleichen mehr«, 'Solche Entschlüsse, mögen sie such ernst gemeint sein, können einer natürlichen Verbundenheit mit der Landwirtschaf t nicht'gleichgeachtet werdeno Ohne den Erbfa.ll war, wie das Beschwerdegericht unter Berücksichtigung der vorliegenden Verhältnisse festgestellt hat, nicht damit zu rechnen, dass der Antragsgegner ih.iländv;irtschaftlicher Umgebung aufwachsen werde, sondern' dass er in der Großstadt weiter lqben werde5 denn 2 Söhne des Erblassers sind von Beruf Landwirt geworden, und dem Antragsteller, der damals noch unverheiratet war (er hat nach dem, übereinstimmenden Vortrag beider Parteien - vgl dazu Schriftsatz des Antragsgegners vom 10* Oktober 1.949 - erst im Jahre I946 geheiratet und ist damit zur Bewirtschaftung eines - seiner Ehefrau gehörigen - Hofes gelangt, wie ge- hie Feststellung der Wirtschaftsfähigkeit und damit auch die Beantv/ortung der Frage« ob allein mangelnde Altersreife der Grund für eine Wirtschafts-Unfähigkeit 'ist, ist eine Aufgabe tatrichterlicher Würdigung (vgl OGHZ 2? oder wenn) die Feststellung der Wirtschaftsunfähigkeit auf Verfahrens-verstössen beruhte In dieser Hinsicht macht die Rechtsbeschwerde geltend;, dem Antragsgegner sei im Beschwerdeverfahren das rechtliche Gehör versagt worden und das Beschweröegericlit habe die vom Antragsgegner eingerdchten Schriftsätze vom 260September und 9A Oktober 1949 nicht mehr gewürdigtf obwohl bei Eingang dieser Schriftsätze der Beschwerdebeschluss noch nicht zur Zustellung gegeben ge-wesen seio Auf diesen etwaigen Verfahrensverstössen beruht der Beschwerdebeschluss jedoch nicht* Die Gründe des Beschwerdebeschlusses ergeben, dass: alle in den Schriftsätzen des .Antragsgegners vom ,26oSeptember und 9o Oktober 1949 vorgebrachten O’mstänäe^h' soweit sie von Erheblichkeit sein können, bereits ih- z B nicht darauf, ob der Vater des Antragsgegners noch von Segel erg aus häufig auf den elterlichen Hof gekommen ist und sich dort betätigt hat. Nach dem von ihn überreichten Lehrvertrag seines Vaters war dieser von h April 1933 bis 1, April 1937 in chen in dem Geschäft von in der Lehre, und für die Seit von April 1937 ab hat er bereits ausweislich der von Antragsgegner überreichten Eotokopie der Versicherungskarte llr 1 seines Vaters in eine kaufmännische Stellung gehabt, von wo er dann anschliessend nach Süddeütschiand gekommen ist» Der etwa von Vater des Antragsgegners geäusserten Absicht« auf den elterlichen. Hof nach Beendigung des Krieges su-rückkehren zu wollen» kam bei dieser Sachlage .keine entscheidende Bedeutung zu; denn er hatte den ICaufmanns-beruf erlernt, und für die BewirtSchaffung des Hofes hatte der Vater ihn nicht vorgesehen. Während der Leb-seit seines Vaters bestand daher für ihn keine Aussicht, sich auf dem Hof wieder zu betätigen oder auch sonst als gelernter Kaufmann'in einer landwirtschaftlichen Berufstätigkeit unterzukommen. Der Inhalt der vom Antragsgegner : noch eingereichten Schriftsätze war hiernach für die Beurteilung seiner Wirtschaftsunfähigkeit durch das Berufungsgericht ersichtlich ohne entscheidende Bedeutung. bleiben, ob der Schriftsatz vom 26«, September 1949 vorn Beschwerdegericht bei der Beschlussfassung vom 30o September 1944 noch berücksichtigt worden ist oder nicht«, Einige der in diesem Schriftsatz enthaltenen Angaben, die damit erstmals im Verfahren gemacht wurden, sind jedenfalls in den Gründen des Beschlusses verwertet, z B dass der Vater des Antragsgegners in Segeberg tätig gewesen und. Wenn der Antragsgegner rügt, es sei vom Be-schwerüegericht nicht berücksichtigt , dass erst die wirtschaftliche Lage nach dem Zusammenbruch seine Mutter gezwungen habe, ihren Beruf in der Säuglings- und Kleinkinderpflege aufzugeben und Friseuse im.Geschäft ihres Vaters zu werden,, sc ändert das nichts an der vom Beschwerdegericht als entscheidend angesehenen Tatsache, dass der Antragsgegner schon vorher in der Großstadt Ll®~ 4o) Die Anberaumung einer mündlichen Verhandlung kam.nicht in Frage, da von ihr eine weitere Aufklärung nicht zu erwarten war (§ 10.LVR in Verb mit § 20 Abs 1 Satz 2 LVO) / gegner als am 2-3 o März 1941 geborenes Kind wir t schaf tsmrfähig ist« kann keinerlei Meinungsverschiedenheit bestehen, und auch das Gesetz selbst (§15 Abs 1 Satz 2 EEG und § 6 Abs 5 Satz 2 HöfeO) gellt eis selbstverständlich hiervon auso Worüber die Beteiligten im gegenwärtigen Verfahren eine Klarstellung haben erreichen und auch die Vorinstanzen eine Entscheidung auf Grund von § 57 Abs 1 Buchst c IVO haben treffen wollen und nach Massgabe der Gründe der Entscheidungen auch eine Prüfung angestellt habeny ist jedoch die Frage«, ob allein mangelnde Altersreife den Antragsgegner Wirtschaft sunfähig macht oder nicht» Dass die Antwort auf diese Frage im entscheidenden feilP insbesondere im entscheidenden feil des Beschv/erde-