BGH · V BLw 108/52 vom 27.01.1953
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April 1938 ein privatschriftliches Testament, in dem er bestimmte, dass seiner Ehefrau der Nießbrauch und die Verwaltung des Hofes auf Lebenszeit zustehen solle. Am 15« Februar 1943 stellte das Amtsgericht in Goslar einen Erbschein dahin aus, dass Christian Lp| von seiner Witwe zu 1/2 und von seinen Eltern zu je 1/4 beerbt und Anerbe des Erbhofes Gustav L^P geworden sei* Diesem wurde auch ein dementsprechendes Hoffolgezeugnis ausgestellt. Bereits am 13» Januar 1943 hatte Gustav Lpp mit der Witwe seines Sohnes einen Übergabevertrag geschlossen, der jedoch von dem Anerbengericht nicht genehmigt wurde, dessen Entscheidung ohne Erfolg mit der Beschwerde und der weiteren Beschwerde angefochten worden ist. Zur Begründung dieses Antrages machte sie geltend, der Erbfall sei beim Inkrafttreten der Höfeordnung ungeregelt geweaen, da der Landesbauernführer am 29» September 1944 telegraphisch bei dem Reichsminister der Justiz beantragt habe, die Erbfolge nach Christian zugunsten seiner Witwe zu ändern, über diesen Antrag aber nicht mehr entschieden worden sei» Die Antragsgegnerin leitete hieraus her, dass sie zunächst Hofvorerbin und seit dem Tode des Gustav LlB^am 20» Dezember 1945 Hoferbin geworden sei. Das Amtsgericht zog am 7» März 1949 den Erbschein nebst Hoffolgezeügnis vom 15- Februar 1943 ein und erteilte an ihrer Stelle ein neues Zeugnis, das sich hinsichtlich der Vererbung des hoffreieh Vermögens mit dem einge- Im vorliegenden Verfahren hat ein Vetter des ver-stoi’benen Bauern Christian L4B> ein Sohn der VPaverstorbenen Schwester des Altbauern Gustav Iifl^, beantragt, den am 7» März 1949 erteilten Erbschein nebst Hoffolgezeugnis als unrichtig einzuziehen. Januar 1943 endgültig versagt worden sei« Der Antragsteller hat weiter geltend gemacht: Auf den Antrag des Landesbauernführers auf Abänderung der Anerbenfolge sei eine Entscheidung nicht ergangen« Der Erbhof‘ habe sich daher nach den gesetzlichen Vorschriften vererbt* Anerbe sei danach am 8. Die Antragsgegnerin hat demgegenüber den Standpunkt vertreten, die Erbfolge nach ihrem Ehemann sei beim Inkrafttreten der Höfeordnung noch ungeregelt gewesen,w eil damals das Verfahren auf Grund des § 54 EHRV, § 41 EHPV noch nicht abgeschlossen gewesen sei* Daraus hat sie hergeleitet, dass sie nach Höferecht Hoferbin geworden sei« Es hat djen-Erbfall auf Grund des Antrages des Landesbauernführers bis ungeregelt angesehen, hat daher Höferecht angewendetj und die Antragsgegnerin als Hoferbin angesprochen, die bis zu dem Tode ihres Schwiegervaters allerdings nur HoSfvorerbin gewesen sei* Es hat dementsprechend das am 7. Das Beschwerdegerieht ist in seiner Entscheidung davon ausgegangen, dass an sich per Vater 'des Erblassers nach § 20 REG zu dem Anerben berufen gewesen sei, hat jedoch angenommen, der Erbfall sei beim Inkrafttreten der HÖfe-ordnung noch nicht geregelt gewesen, weil Uber den auf Grund des § 54 EHRV gestellten Antrag des Landesbauernführers, noch nicht entschieden gewesen-sei» Es hat.wei- ter ausgeführt, dass der von dem Landesbauernführer am 29« September 1944 gestellte Anthag auch noch zulässig gewesen sei und das durch ihn eingeleitete Verfahren nach § 56 Abs 6 IVO erst am 1. Der Rechtsbeschwerde kann zunächst darin nicht beigetreten werden, dass däs Oberlandesgericht den Erbfall nach Christian L^BI zu Anrecht als ungeregelt angesehen habe* Das Beschwerdegericht hat wegen des von dem Landesbauernführer am 29. Ein solcher Antrag mußte nach def ursprünglichen Passung des § 54 Abs 1 EHRV binnen drei Monaten nach dem Erbfall gestellt werden* Diese Frist ist !im vorliegenden Palle nicht eingehalten worden« Ein Antrag zugunsten der Wiwe des Erblassers konnte damals auch gar nicht gestellt werden, denn das Gesetz ließ zu jenejr Zeit nur die Bestimmung eines anderen Anerbenberechtigten zu dem Anerben zu und schloß damit die Bestimmung der Ehefrau aus« Hieran änderte sich auch durch die Verordnung über Erbhofrecht vom 23* Dezember 1938 nichts, durch die,soweit sie hier interessiert, lediglich die Antragsfrist auf 6; Monate verlängert wurde« Erst durch § 41 Abs 1 EHFV wurde die Möglichkeit gegeben, unter anderen auch den Ehegatten ian Stelle des Berufenen zu dem Anerben zu bestimmen, und die Antragsfrist zugleich auf ein Jahr bemessen* Durch die gemeinschaftliche Anordnung des Reichsministers der Justiz und des Reichsministers für Ernährung und Ifcndwirtschaf t vom 12. Die Rechtsbeschwerde irrt mit ihrer Annahme, der Antrag des handesbauernfUhrers sei jedenfalls deshalb gegenstandslos gewesen, weil er telegraphisch gestellt worden sei und es daher an einer Begründung des Antrages gefehlt habec Bach dem von dem Ober landwirtschaftsrat Henrici mitgeteilten Wortlaut hat das Telegramm an den Reichsminister der Justiz allerdings keine Begründung enthalten*, vielmehr ist in ihm nur. Einer gleichzeitigen Begründung des Antrages bedurfte es*auch nicht* Das ergibt sich schon daraus, dasä nach Ziff II der angeführten gemeinschaftlichen Anordnung vom 12» Mai 1944 sogar der Antrag selbst noch zugelassen werden konnte, wenn die Prist des § 54 EHRV nicht imiegehalten war« Nicht haltbar ist ferner die Ansicht der Rechtsbe-schwerde, der Antrag des Dandesbauernführers sei jedenfalls in dem Zeitpunkt gegenstandslos geworden, in dem die Befugnisse des Reichsministers der Justiz und des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft entfallen seien* Die Rechtsbeschwerde will damit offenbar auf den Zeitpunkt des Zusammenbruchs abstellen* Darin kann ihr nicht gefolgt werden. Von ihrem Standpunkt aus hätten alle Anträge aus § 54 EHRV im Jahre 19451 ihre Erledigung gefunden, weil seit-aem eine Bestimmung öesj Anerben durch den Reichsminister der Justiz tatsächlich nicht mehr möglich war* Diese Auffassung übersieht, dass!die Befugnisse aus § 54 EHRV noch vor dem Zusammenbruch teilweise auf die Oberlandesgerichts-präsidenten übergegangen waren (§9 Abs 2 u § 14 Abs 5 der 2, EHKV vom 27.9*1944, RGBl I, 238) und ist auch mit der Vorschrift des § 58 Abs 2 Buchst a LVO nicht vereinbar, nach der u.a. die Erbfälle dann den Bestimmungen der Ilöfeordnung unterliegen, wenn bei ihrem Inkrafttreten der Anerbe auf .Grund des § 54 EHRV noch nicht bestimmt war0 Biese Vorschrift setzt voraus, dass ein Antrag nach § 54 EHRV bereits gestellt, über ihn aber bis zu dem 24o April. Von diesem zutreffenden Ausgangspunkt aus hat das Beschwerdegericht die Antragsgegnerin auf Grund des § 5 Nr 2 IiöfeO als Hoferbin nach ihrem verstorbenen Ehemann angesprochen«» Benselben Standpunkt hat das Amtsgericht in seinem Beschluss vom 24c Juli 1952, offenbar aber auch bei der Erteilung des Erbscheins nebst Hoffolgezeugnis am lo März 1949 eingenommen, denn es hat im Laufe des Er-. Ansprüche der weichenden Erben* Es ist daher rechtlich von Bedeutung, ob der Hofnachfolger in einem Erbschein als "Anerbe11 oder als "Hoferbe” bezeichnet wird* Nach dem oben Gesagten hatte die Antragsgegnerin von dem Standpunkt der Vorinstanzen aus in dem Erbschein vom 7* März 1949 als "Hoferbin" bezeichnet werden müssen» Dieser ist jedenfalls insoweit unrichtig, als er die Antragsgegnerin als "Anerbin” anführt, dehn Anerbin nach Reichserbhofrecht ist sie keinesfalls geworden* Es ist auch nicht etwa offensichtlich, dass die Antragsgegnerin irrtümlich als Anerbin bezeichnet worden ist* Der Hinweis, sie sei zu Lebzeiten des Vaters des Erblassers nur Hofvorerbin nach § 6 Abs 3 HöfeO gewesen, deutet zwar darauf hin, dass die Antragsgegnerin nicht Anerbin, sondern Hoferbin geworden ist, reicht aber nicht aus, die tatsächlich gegebene Rechtslage klarzustellen« ^as könnte möglicherweise angenommen werden, wenn der Erbfall nach dem 24* April * 1947, also unter der Geltung der Höfeordnung, eingetreten wäre* Der Erbschein ergibt indessen, dass der Erbfall cereics am 8» Juni 1938 eingetreten ist» Gerade die Tatsache, dass er schon lange zurückliegt, ist geeignet, bei Uneingeweihten die Annahme zu bestärken, dass es sich um einen Erbfall gehandelt hat, der dem Erbhofrecht unterlag. schein einerseits von der "Anerbin”, andererseits von der "Hofvorerbin nach § 6 Abs 3 HöfeO" die Rede ist, läßt nicht ohne weiteres erkennen, dass es richtig statt "Anerbin" "Hoferbin" heißen müßte* &er Erbschein enthält danach eine Unrichtigkeit, die ihn zuir Verwendung im Rechtsverkehr ungeeignet macht« Per Antrag des Antragstellers auf Einziehung des Erbscheins vom 7« März 1949 ist also schon auf Grund der angeführten Unrichtigkeit begründet. Beschwerdegericht übereinstimmend angenommen haben, Hoferbin kraft Gesetzes nach § 5 Nr-2 HöfeO geworden ist oder ob dem etwa das Testament des Erblassers vom 4* April 1938 entgegensteht, durch das er seiner Witwe den Nießbrauch und die Verwaltung des Hofes auf Lebenszeit zugewendet, also eine damals zulässige Anordnung nach § 11 EHRV getroffen hat, die nach $ 50 Abs 5 Satz 2 EHFV unter der Geltung des Reichserbhofrechts im Zweifel nicht als Bestimmung des Ehegatten zu dem Anerben anzusehen war* Palls einer der Beteiligten nunmehr die Erteilung eines neuen Hoffolgezeugnisses oder die Feststellung beantragen sollte, wer Hoferbe nach Christian L49 geworden ist, wird die Frage praktisch werden, welche Bedeutung dem Testament vom 4« April 1938 nach Höferecht zukommt, ob insbesondere seine Gültigkeit zu bejahen, in ihm ein Ausschluss der Antragsgegnerin von der gesetzlichen Erbfolge zu finden ist oder ob es etwa in eine Erbeinsetzung der Ehefrau umgedeutet werden kann* Nach alledem waren der angefochtene Beschluss sowie der Beschluss des Amtsgerichts in Goslar vom 24* Juli 1952 aufzuheben und das Amtsgericht anzuweisen, den am 7* März 1949 nach Christian L^P erteilten Erbschein nebst Hoffolgezeugnis als unrichtig einzuziehen,,