BGH · VI ZR 6/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 27» August 1956 kam der damals 31 Jahre alte Ehemann der Klägerin, der Revierförster Reinhold Babei einem Vcrkehrsunfall ums Leben, den der Zweitbeklagto als Fahrer oino3 dem Erstbeklagten gehörenden Kraftwagens schuldhaft verursachte» Als Haftpflichtversicherer der Beklagten hat der GBMI|B~KonzGfn die Klägerin wegen ihrer Ansprüche auf Ersatz der Beerdigungskosten und einiger anderer Schadonobcträge abgefunden« Keine Einigung kam zustande über den Ersatz des Unterhaltsschadens, der für die zur Zeit dos Unfalls 29 Jahre alte kinderlose Klägerin mit dem Tode ihres Ernährers eingetroten war» Die Verhandlungen hierüber begannen am 30o November 1956» Zunächst hlicb aber abzuwarten, welche Rentenbezüge der Klägei'in von der Sozialversicherung gewährt wurden» Später zahlte der G^m^Konzern der Klägerin gemäß Schreiben vom 21. »sei verpflichtet, den Schaden durch eigene Berufstätigkeit abzuwendeno Bei ihrer sozialen und wirtschaftlichen Stellung komme für sic eine Tätigkeit als Heimleiterin in Frage, für die sie nach einer Ausbildung von 1 1/2 Jahren befähigt scio Überdies seien alle Ansprüche verjährt« Die Klägerin ist diesem Vorbringen entgogengetreton» Sie hat oingewendet, der lauf der Verjährung sei durch Anerkenntnis vom 21« April 1958 unterbrochen worden« Das Landgericht hat durch Teilund Zwischenurteil die Klage, soweit sie sich gegen den Zweitboklagten richtet, dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt« Das Oberlandesgericht hat die Entscheidung über die Zahlungsansprüche, insoweit bestätigt, als diese nicht auf öffentlich-rechtliche Versicherungsträger übergegangen sind, und die Entscheidung über das Feststell'ungsbegehren mit der gleichen Einschränkung dahin gefaßt, daß der Zv/eit beklagte verpflichtet ist, der Klägerin den Schaden zu ersetzen, der ihr nach dem 31« Dezember 1961 dadurch entstehen wird, daß ihr ein Unterhaltsanspruch gegen ihren tödlich verunglückten Ehemann entgangen iöt (§ 844 Abs» 2 BGB), soweit der Anspruch nicht auf öffentlich-rechtliche Versicherungsträger Ubergegangen ist; die weitergehende Feststellungsklage hat das Oberlandesgericht abgewiesen« I«) Soweit zur Nachprüfung gestellt wird, ob es zulässig war, über die KlageanSprüche eine Entscheidung zunächst nur gegenüber dem Zweitbeklagten zu treffen, kann auf die zutreffenden Ausführungen des Berufungsgerichts verwiesen werden« Wird bei einer Klage, die sich gegen mehrere Personen als Gesamtschuldner richtet, durch Teilurteil nur erst gegen einen der Beklagten erkannt, so hindert das diesen Beklagten nicht an der Geltendmachung eines etwaigen Ausgleichsanspruchs gegen seine Mitbeklagten, wenn sich in der Folge ergibt, daß sie als Gesamtschuldner mithaftbar sind«. Wenn das Berufungsgericht auch keine näheren Feststellungen darüber getroffen hat, wann die Klägerin von dem Unfalltod ihres Ehemannes und der Urheberschaft des Zweitbeklagten Kenntnis erlangt hat, so ist es doch davon ausgegangen, daß die dreijährige Verjährungsfrist des §^852 BGB am Unfalltage selbst oder ganz kurz danach begonnen hat, so daß bereits rund vier Jahre und vier Monate verstrichen waren, als die Klage bei Gericht einging « Das Berufungsgericht ist aber der Ansicht, daß der G^m^-Xon-zern als Haftpflichtversicherer der Beklagten für diese die Verpflichtung zu dem Ersatz des U nt erhalt sschadens der Klägerin in dem Schreiben vom 21 o April 1958 dem Grunde nach anerkannt hat und hierdurch die Verjährung nach § 208 BGB unterbrochen worden ist« In der vom Berufungsgericht hervorgehobenen Äußerung des Schreibens heißt es, die RentenaüfWendungen, die Frau BaflHP insgesamt von der Berufsgenoäsenschaft und der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte zu erhalten habe, ständen noch nicht fest «««; nda wir aber nur die Differenz zwischen diesen Renten und dem Frau Ba^| zustehenden Betrag zu zahlen haben", stehe auch die Differenz noch nicht fest«, Weiter hat der Gjm^Konzern in dem Schreiben für die Zeit vom 1» April bis 31« Dezember 1957 zugunsten der Klägerin unter Berücksichtigung damals bereits empfangener Sozialrenten einen monatlichen Betrag von 13,15 Wi er.rechnet und, wenn auch mit dem Hinweis auf wahrscheinliche Erhöhung der anzurechnenden Sozialrenten und dem Vorbehalt der Verrechnung auf sämtliche Ansprüche, den Gesamtbetrag von 118,35 DM an die Klägerin gezahlt«, Dem Berufungsgericht ist darin beizutreten, daß der GHHBB-Konzern hiermit für die Beklagten zu erkennen gegeben hat, der Klägerin den Differenzbotrag zählen zu müssen, wenn sich ein solcher nach Abzug der Sozialrenten von dem ihr entgangenen TJnterhaltsanapfüch ergeben werde« Das genügt aber für die Annahme eines Anerkenntnisses im Sinne des § 208 BGB« Als ein solches gilt jede Handlung oder Äußerung gegenüber dem Berechtigten, aus der sich das Bewußtsein des Verpflichteten vom Bestehen des Anspruchs ergibt, mag sich dies auch nur auf den Grund des Anspruchs beziehen und mögen auch gegen die Höhe des Anspruchs Einwendungen erhoben werden (Urteil des erkennenden Senats vom 12« Juli I960 VI ZR 163/59 ~ VersR I960, 831, 832 mit weiteren Nachweisen)«, Das Berufungsgericht hat nicht übersehen, daß der GBBMH^K°nzern im Laufe der Verhandlungen und auch in dem Schreiben vom 21o April 1958 die Meinung vertreten hat, j sion hieraus aber folgern zu können, daß für den vorliegenden Rail ein Anerkenntnis mit Bezug auf die Verpflichtung zu dem Ersatz von Unterhaltsschaden dem Grunde nach überhaupt [ in dem Schreiben vom 21» April 1958 ist nicht dadurch aus der Welt geschafft«, worden, daß sich der G Jp(p-Konzern nachher in dem Schreiben vom 5» Juni 1958 auf den Standpunkt gestellt hat, mit den bisher geleisteten Zahlungen sei weder eine Anerkennung dem Grunde noch der Höhe nach verbunden gewesen«, ^ 3°) Bas Berufungsgericht hat bei der Entscheidung über den Grund der Zahlungsansprüche die Prüfung der Frage, ob und inwieweit die Klägerin verpflichtet ist, durch eigene Berufstätigkeit den entstandenen schaden zu mindern, dem Betragsverfahren Vorbehalten* Die Revision erhebt hiergegen Bedenkena weil bei der verhältnismäßig geringfügigen Differenz zwischen dem gesetzlichen Unterhaltsanspruch, den die Klägerin gegen ihren Ehemann bei dessen Fortloben gehabt hätte, und den Leistungen der Sozialveroicherungs-träger schon ein geringer Arbeitsverdienst der Klägerin jeden Schadenoersatzanspruch ausschließen würdeo Die Revision ist der Ansicht, in einem derartigen Falle könne ein Grundurteil nicht zulässig sein* Wie das Berufungsgericht jedoch hervorgehoben hat, muß der Klägerin, die keinen Beruf erlernt hat, schon nach dem eigenen Vortrag des Zweitbeklagten eine Ausbildungszeit zugebilligt werden, für die ihr der Vorwurf unterlassener Schadensminderung nicht gemacht werden kann* Danach konnte das Berufungsgericht aber mit Recht der Meinung sein, daß auch bei Bejahung einer Arbeitspflicht der Klägerin ein Ersatzanspruch gegen den Zv/eitboklagten wenn auch möglicherweise nur für einen begrenzten Zeitraum ~ bestehen bleibt« Es war daher nicht unzulässig, in der 'Weise über den Grund des Anspruchs vorab zuentschoiden, daß die Frage, ob und inwieweit der Einwand aus § 254 Abs« 2 BGB durehgrBift, dem Nachverfahron Vorbehalten blieb (BGHZ 1, 34, 36)« Daß die zeitliche Grenze, die nach Ansicht des Berufungsgerichts möglicherweise in Betracht kommt, nicht schon gezogen werden konnte, liegt in der Natur der Sache, da sich erst auf Grund der weiter vorzunehntenden. 4o) Die Entscheidung des Berufungsgerichts über das Feststellungsbegehren der Klägerin versteht sich nach dem Zusammenhang der Urteiloformel mit den Entscheidungsgriin-den dahin, daß der Zweitbeklagte der Klägerin vorbehaltlich des Rechtsübergangs auf öffentlich-rechtliche Versiehe-* rungsträger den Unterhaltsschadon zu ersetzen hat, der ihr auch dann noch verbleibt, wenn sie den Schaden durch eigene Berufstätigkeit zu mindern hat« Ob die Klägerin durch diese Einschränkung beschwert ist, kann unerörtert bleiben, da sie keine Revision eingelegt hat« Der Zweitbeklagte hat gegen den feststellenden Teil des Berufungsurteils keine weiteren Einwendungen erhoben«