BGH · VI ZR 4/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Kläger verlangt nunmehr von dem Beklagten die Zahlung weiteren Schadensersatzes® Er behauptet, der Hufschlag habe den Verlust seines Geruchsinnes und eine wesentliche Beeinträchtigung seines Geschmacksinns zur Folge gehabt, so daß er seinen Beruf als Destillateur vorübergehend in unzureichender Weise und später nicht mehr habe ausliben kümien. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen0 Mit der Berufung hat der Kläger Zahlung von 6 100,—DM nebst Zinsen als Verdienstausfall, hilfsweise als weiteres Schmerzensgeld beanspruchto Das Oberlandesgericht hat sein die Berufung des Klägers zurückweisendes Versäumnisurteil aufrechterhalten, weil eine Beeinträchtigung des Geschmacksinns des Klägers nicht vorliege und die vorhandene Geruchstörung wahrscheinlich auf der chronischen KieferhöhlenentZündung des Klägers und nicht auf dem'Unfall beruhe«. Zusammenhangs zwischen Unfall und Geruchstörung vornehmlich daraus folgert, daß der Kläger vor dem Unfall eine Heißge-tränk-Fabrikation betrieben und seinen Beruf als Bestilla- ' teur nicht ohne besonderen Grund aufgegeben habe© Biese tatriehterliche Bemängelung enthält keinen Rechtsfehler, steht vielmehr in Einklang mit den prozeßrechtlichen Grundsätzen über das Wesen und die Aufgabe des Sachverständigen-' ‘ beweises© Zwar sind dem Gutachter Erwägungen der allgemeine* Lebenserfahrung nicht verwehrtj der Richter muß aber von ifcji gerade für die Beurteilung der entscheidenden Streitfrage * mehr und anderes erwarten als jedem Laien mögliche Wahr- : scheinlichkeitserwägungen, nämlich die Bereit st ell-^ig und Anwendung fachlichen Wissens und fachlicher Erfahrung» Rech* netedas Oberlandesgericht auf Grund des sachlichen Gehalts des von der Universitätsklinik erstatteten Gutach- Benn auch er geht davon aus, daß die festge-steilte Geruchstörung des Klägers erst nach dem Unfall aufgetreten ist, und durfte die bloße Tatsache, daß der Kläger seinen Beruf als Bestillateur aufgegeben hat, mit dem Ober- *. aus, daß der Kläger sich fünf Monate nach dem Unfall wegen Geruchsverlustes und Schmerzen im Oberkiefer in die Be~ femer auf die Möglichkeit hin, daß der Kläger an dieser Entzündung erst nach dem Unfall erkrankt ist0 Die Revision meint nun, der Sachverständige bezeichne anscheinend das Bestehen einer jahrealten chronischen Kieferhöhleneiterung als Voraussetzung für eine Geruchstörung, und erblickt darin einen Widerspruch zu seiner Annahme, daß diese Folge sich beim Kläger innerhalb von fünf Monaten ergeben haben könne« Die Revision unterstellt dem Gutachter indessen eine Auffassung, die er nicht geäußert hat« ®er Sachverständige bezeichnet es vielmehr ohne jede Voraussetzung eines seitlichen Zwischenraums als eine allgemein anerkannte Erfahrungstatsache, daß durch Rasennebenhöhlenentzündungen auch die Nasenschleimhaut in Mitleidenschaft gezogen werde und es dadurch zur Geruchstörung kommen könne« Der an anderer Stelle des Gutachtens eingeflochtene Hinweis auf die beim Kläger seit vielen Jahren bestehende chronische Kieferhöhleneiterung und die Häufigkeit eines Geruchsverlustes als ihre ^olge stellt nach dem Zusammenhang lediglich eine Kritik an dem Gutachten der Universitätsklinik dar, der Prof, vorwirft, daß sie das außer Zweifel stehende Vorhandensein der chronischen Kieferhöhl eneiterung beim Kläger weder herausgestellt noch in Bezug auf die Geruchstörung gewürdigt hat« Hat somit das Oberlandesgericht in verfahrensrechtlich einwandfreier Würdigung der Verhandlungs- und Beweisergeb-' nisse gemäß § 287 ZPO nicht die Überzeugung gewinnen können, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Unfall ' und der allein vorhandenen Geruchstörung besteht, so mußte ' es den Kläger für beweisfällig und damit seinen Anspruch fw il unbegründet erachten« Das gilt auch für den nachträglich hilfsweise herangezogenen Gesichtspunkt eines weiteren Schmerzensgeldes, weil sich der Kläger für diesen weiteren Schmerzensgeldanspruch ebenfalls ausschließlich auf den behaupteten Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Geruchstö~'~ rung berufen hatte«