BGH · VI ZR 95/53 vom 05.05.1954
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— 2 ~ Tatbestands Die Beklagte mietete am 21* April 194*2 und 4« August 1943 von dem Kläger zwei Diesellokomotiven unter den Bedingungen des Einheitsmietvertrages für Baugeräte (EMV), der in § 11 u,a* folgende Bestimmung enthälts Geht das Gerät nachweislich während der Mietzeit infolge eines Umstandes unter, den keiner der Vertrags-teile zu vertreten hat, so hat der Mieter dem Vermieter einen gleichwertigen Ersatz zu verschaffen, oder, wenn dies unter Berücksichtigung der beiderseitigen Belange nicht zu demutbar ist, eine BarentSchädigung nach der Anordnung über Höchstpreise für fabrikneue und gebrauchte Werkzeugmaschinen und Baugeräte vom 15» Dezember 1939 (Deutscher Reichsanzeiger Nr* 298 vom 20* Dezember 1939) zu leisten* * Mit der Klage hat der Kläger von der Beklagten eine Barentschädigung von 8 200 RM = 820 DM verlangt und die Feststellung begehrt, dass die Beklagte verpflichtet ist, ihm die für die Ersatzlieferung zweier Lokomotiven entstehenden Frachtkosten zu erstatten* Das Landgericht hat dem Kläger den eingeklagten Betrag zugesprochen und auf den Feststellungsantrag unter Abweisung der weitergehenden Klage wie folgt entschiedens Es wird festgestellt, dass die Beklagte verpflichtet ist, dem Kläger 10 $ desjenigen Betrages zu erstat-ten, den der Transport von zwei Diesel-Lokomotiven von 11-12 Ps - 600 mm Spur - am 1. lo Sie bekämpft mit ihren Ausführungen im wesentlichen die vcm Landgericht vertretene A.uffassung, der Anspruch auf Erstattung der Frachtkosten sei im Verhältnis 10 % 1 auf D-Mark umzustellen« Ob diese Darlegungen der Revision Zustimmung verdienen, kann dahingestellt bleiben, da das Berufungsgericht Ansprüche des Klägers auf Erstattung vcn Frachtkosten mit Recht verneint hat, so dass es auf die Frage der Umstellung gar nicht, ankommt« 2« Da die Beklagte gegen das Urteil des Landgerichts kein Rechtsmittel eingelegt hat, ist zwar rechtskräftig festgestellt, dass sie 1/10 der Frachtkosten zu-erstatten hat, die bei einem Transport am 1« September 1945 entstanden sein würden« Die Rechtskraft dieses Urteils erstreckt sich aber nach § 322 ZPO nur auf den 1/10 Teil des Anspruchs, über den im Sinne des Klägers entschieden worden ist« Das . gericht ist davon ausgegangen, dass bei beiderseits nicht zu vertretender Unmöglichkeit einer Leistung nach dem Gesetz (§§ 275, 323 BGB) keine Ansprüche bestehen und dass bei Vereinbarung einer über das Gesetz hinausgehenden Ersatz.-Pflicht des Mieters keine weite Auslegung der vertraglichen ^ Bestimmungen erfolgen dürfe* Es meint» der Anspruch auf Ersatz von Frachtkosten sei nur gerechtfertigt, wenn es sich k bei dem Anspruch nach § 11 EMV um eine echte Schadensersatz-Pflicht im Sinne und im vollen Umfange des § 249 BGB handele Eine derartige Verpflichtung sei die Beklagte aber nach dem nach Treu und Glauben auszulegenden Vertragsinhalt nicht J die Zulässigkeit dieses Angriffs bestehen keine Bedenken,' denn der Einheitsmietvertrag für Baugeräte ist ein typischer Vertrag mit allgemeiner Verbindlichkeit, der nach feststehender Rechtsprechung einer selbständigen Nachprüfung durch das Revisionsgericht zugänglich ist (BGHZ 2, 176 ^1807)* Ber Angriff der Revision kann aber sachlich keinen Erfolg haben« Da keine andere Rechtsgrundlage für den geltend gemachten Anspruch auf Erstattung der entstehenden Frachtkosten besteht, kommt nur der Einheitsmietvertrag für Bau-; geräte als rechtliche Stütze dieses Anspruchs in Betracht« / Dass dem Vermieter, der nach § 11 EMV den Verkehrswert der verloren gegangenen Geräte fordert, im Einheitsmietvertrag ausdrücklich auch ein Anspruch auf Erstattung der bei Neubeschaffung entstehenden Frachtkosten zugesprochen ■ sei, wird auch von der Revision nicht behauptet« Es kann {sich daher nur darum handeln, ob ein solcher Anspruch sich aus einer entsprechenden Anwendung der Bestimmungen des Ein' heitsmietvertrages herleiten lässt« Das ist jedoch, wie das4 Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, nicht der Fall. Die Barentschä- ^ digung ist daher gegenüber der Leistung von gleichwertigem Ersatz wirtschaftlich ein Weniger und nicht dazu bestimmt, dem Vermieter die Wiederherstellung des früheren Zustandes ^ durch Beschaffung der in Verlust geratenen Geräte zu ermöglichen* Bei diesem Grundgedanken des Vertrages besteht kein Anlass zu der Annahme, dass dem Vermieter, der Barentschädigung beanspruchen kann, auch ein Anspruch auf Erstattung von Frachtkosten gewährt werden sollte* Bas Berufungsgericht hat es daher mit Recht abegelehnt, die vom Kläger erstrebte Feststellung einer weiteren Ersatzpflicht der Beklagten zu treffen• Demgemäss war die Revision des Klägers mit der Kostenfolge des § 97 ZPO zurückzuweisen«