BGH · VI ZR 89/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Br, hat der VI, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung* vom 14, April 1964 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br, Engels sowie der Bundesrichter Hanebeck, Br, Hauß, Heinrich Meyer und Br, Pfretzschner für Recht erkannt: Juli 1957 verletzte der Beklagte beim Zurücksetzen seines Kraftwagens den Facharzt Br« B^|p (geboren am 1895) tödlich* Die Kläger - Ehefrau und Kinder des Getöteten - haben den Beklagten auf Schadensersatz in Anspruch genommen» Ihre Ansprüche sind durch rechtskräftiges Zwischenurteil des Landgerichts dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt worden» Auf dieser Grundlage und unter Verrechnung gewisser Zahlungen des hinter dem Beklagten stehenden Haftpflichtversicherers haben die Kläger um die Zubilligung von Renten gebeten, die am 1. Die Höhe der Zahlungen haben die Kläger in erster Linie in das Ermessen des Gerichts gestellt und nur hilfsweise nach ihren Vorstellungen beziffert; ferner haben sie die Feststellung begehrt, daß ihnen der Beklagte auch ihren etv/aigen weiteren Unterhaltsschaden ersetzen müsse. litten, die seine Lebenserwartung verkürzt, ihn jedenfalls aber gezwungen hätte, seine Praxis lange vor Erreichung des 77, Lebensjahres aufzugebeno Bis dahin sei ein Reineinkommen von nicht mehr als 25,000 DM jährlich zu erwarten gewesene Die sich hiernach ergebenden Ansprüche der Kläger seien durch die Zahlungen des Haftpflichtversicherers ausgeglichen. Das Landgericht hat den von 1,109>57 DM nebst Zinsen otung folgender Monatsrenten An die Erstklägerin Außerdem hat das Landgericht die erbetene feststellung getroffen und dabei zu dem Ausdruck gebracht, daß der Beklagte verpflichtet ist, den Klägern die auf die Rentenleistungen entfallenden persönlichen Steuern zu erstatten. I, Hinsichtlich der Dauer der zuerkannten Renten sind das Landgericht und ihm folgend das Berufungsgericht davon ausgegangen, daß Dr. seine Praxis ohne den TJnfall bis zu dem Da sie sich auf einen speziellen, bei dem Verunglückten erhobenen Befund gründet, kann sie von der Revision nicht mit der angeblichen Erfahrungstatsache bekämpft werden, daß Ärzte durchweg früher in den Ruhestand treten. Mit dem Hinweis, daß sich alsbald Verschleißerscheinungen eingestellt hätten, versucht die Revision unzulässig, die bereits festgestellte Leistungsfähigkeit im Wege einer eigenen Beweiswürdigung wieder zu verneinen, Bamit erledigt sich auch der Angriff, daß sich ein Nachlassen der ärztlichen Betreuung bald bei den Pa- ; tienten herumspreche und zu einem rascboii Absinken der Praxis führe, Baß Br, seine Praxis bis zur Vollendung des 65» Lebensjahres noch weiter ausgebaut hätte, haben die Vorinstanzen entgegen dem Vorwurf der Revision nicht angenommen; es ist vielmehr ein bis 1965 gleichbleibendes Burchschnitts-einkommen von 35*000 BM jährlich zugrunde gelegt worden, Biese Zahl beruht wiederum auf der sorgfältigen' Auswertung eines eingeholten Gutachtens, dem freilich auch der Hinweis entlehnt worden ist, daß die erkennbare Steigerungstendenz der Praxis im Unfall Zeitpunkt noch nicht voll abgeschlossen gewesen sei. Diese unterstellte Zunahme bezieht sich aber nur auf die Einnahmen; denn sie wird ausschließlich aus der erfolgten Erhöhung der Honorare hergeleitet und nicht etwa aus einer vermehrten Arbeitsleistung des Arztes« Der angebotene Beweis, daß lediglich die kassenärztlichen Gebühren angehoben worden seien, brauchte entgegen der Meinung der Revision nicht erhoben zu werden; denn soweit Dr« B^f^ Privatpatienten behandelte, hatte er es nach den bestehenden Rahmensätzen selbst in der Hand, seine Liquidation den Zeitverhältnissen anzupassen« 2« Damit ergibt sich bereits, daß auch die Höhe der entgangenen Einnahmen auf einer gesicherten Grundlage und ohne Rechtsfehler geschätzt worden ist (§ 287 ZPO)« Die weitere Schätzung, daß Dr« bis 1963 - bei einem Nettoeinkommen von 26«250 DM - jährlich 12,000 DM für die Altersversorgung zurückgelegt hätte, hält sich im Rahmen des Möglichen und ist deshalb ebenfalls den Revisionsangriffen entzogen. Der veranschlagte Betrag ist zwar hoch, trägt aber damit nur dem Umstand Rechnung, daß Dr. Büberdurchschnittliche Anstrengungen zur Sicherung seines Ruhestandes machen mußte, weil er erst nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Jahre 1949 an den Neuaufbau seiner Pacharztpraxis Herangehen konnte. auf den 31* Dezember 1972 begrenzt, andererseits aber in der Höhe so bemessen worden ist,, daß sie den Betrag enthält, den Dr. schätzungsweise von seinem Einkommen für die Al- Von der Annahme, daß Dr. und seine Ehefrau die für den Lebensunterhalt zur Verfügung stehenden Mittel etwa zu gleichen Teilen verbraucht haben würden, ist nur für die Zeit nach der endgültigen Einstellung jeder Berufstätigkeit (ab 1. Die festen Haushaltskosten hat das Landgericht mit Recht als nahezu gleichbleibeiid behandelt und deshalb nicht etwa halbiert. Das Verfahren, die Summe zur Feststellung der frei verfügbaren Mittel zunächst vom Einkommen abzuziehen und sie dann der so sich ergebenden Unterhaltsrente wieder ganz hinzuzusetzen, ist rechnerisch richtig. Bei ihrer Rüge, daß den zuerkannten Renten die darauf entfallenden persönlichen Steuern nur dann hinzuzurechnen seien, wenn die Berechnung der Renten vom Hettoeinkommen des Getöteten ausgehen, übersieht die Revision, daß eben dies Verfahren von den Vorinstanzen eingeschlagen worden ist. 4o Endlich sind auch die Kostenentscheidungen nicht zu beanstanden,, Das Landgericht hat dargelegt, daß von einer nennenswerten Zuvielforderung der teilweise abgewiesenen Kläger nicht gesprochen werden könne, und deshalb die gesamten Kosten nach § 92 AbSo 2 ZPO dem Beklagten auferlegt« Biese Ausführungen halten der rechtlichen Nachprüfung stand« Bie Kostenentscheidung des Berufungsgerichts ergab sich zwingend aus § 97 ZPO,