BGH · VI ZR 87/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Ehemarin der Beklagten war als Gepäckarbeiter auf dem Bahnhof TBHHHI beschäftigt9 Er unterschlug in den Jahren 1949 und 1950 eine große Anzahl von ExpreßgutSendungen* An seinen strafbaren Handlungen waren seine Brüder Adam und Richard sowie Richard beteiligt * Auch die Be- ?in, die den Wert der entwendeten Gepäckstücke 40 000 DM beziffert hat, hat die Beklagte und ^uf Zahlung voni 15 000 DM nebst Zinsen in An-* Der Ehemann der Beklagten ist durch rechts-iumnisurteil des Landgerichts entsprechend dem ^urteilt worden* Die Beklagte hat das Landge-eisung der weitergehenden Klage zur Zahlung äbst Zinsen verurteilt* ng der Beklagten gegen dieses Urteil hat das it zurückgewiesen* Mit der Revision, um deren die Klägerin bittet, verfolgt die Beklagte/ xf vollständige Abweisung der Klage weiter* Die Entscheidungsgründe Revision kann keinen Erfolg haben Io las Landgericht, dessen Begründung sich das Berufungsgericht ausdrücklich angeschlossen hat, ist unter Hinweis auf das ux'teil des erkennenden Senats BGHZ 8, 288 /?927 rechtsirrtumsfrei davon ausgegangen, daß die Beklagte; würde ihr nur Hehlerei hinsichtlich eines Teiles der von ihrem Ehemann unterschlagenen Sachen zur Last fallen, nicht gesamt-scnuldnerisch mit ihrem Ehemann für allen von ihm angerichteten Schaden zu haften brauchte, da § 830 BOB auf den Hehler nicht anwendbar ist* Es hat Jedoch zulässigerweise das strafbare Verhalten der Beklagten rechtlich anders bewertet als die Strafkammer und hat angenommen, daß die Beklagte in erheblichen Umfang an den strafbaren Handlungen ihres Ehemannes zwar nicht als Mittäterin Jedoch als Gehilfin teilgenommen hat» Dabei hat es unterschieden zwischen drei Fall- fertigung in TfHBIB äbgeholt haben, Gehilfin ihres Ehemannes gewesen ist* Dieser tatsächlichen und rechtlichen Beurteilung ist das Berufungsgericht gefolgt« Es hat in Übereinstimmung mit den Feststellungen des Landgerichts, die sich auf den Inhalt der Strafakten und das Ergebnis der von dem Landgericht durchgeführiben Zeugenvernehmung stützen, für bewiesen gehalten, daß die Beklagte in den Pallgruppen Adam und RflHBPinsofern an den strafbaren Handlungen ihres Ehemannes beteiligt gewesen ist, als sie im wesentlichen die Beute*verheimlichte, verteilte, den Umsatz/' in die Wege leitete und für die Einziehung des Anteils am Erlöse sorg, te, den ihr Ehemann beanspruchte« Biese Tätigkeit der Beklagten sei, so fährt das Berufungsgericht fort, nicht von Fall zu Fall verabredet worden, vielmehr habe die Beklagte sich ein für allemal bei eit erklärt gehabt, ihren Ehemann in der be-zeiebneten Weise zu unterstützen« Bamit habe dieser die Gewißheit gehabt, daß die Sicherung und Verwertung der Beute immer dann erfolgte, wenn er Sachen, unterschlagen hatte« Bei dieser Sachlage hat das Berufungsgericht die Überzeugung gewonnen, die Tätigkeit der Beklagten sei von ihrem Ehemann als ein notwendiger Faktor bei der Begehung seiner strafbaren Handlungen eingerechnet worden, denn, so meint das Berufungsgericht, dieser würde nicht im Verlaufe einer langen Zeit und in einer großen Zahl vo er nicht gewußt hätte, daß s$in Vorteil durch die Beklagte gewahrt wurde, nen Feststellungen nicht gebunden, es war auch nicht gehindert, zu einer anderen rechtlichen Beurteilung des Verhaltens der Beklagten zu gelangen als die Strafkammer (BGHZ 8, 288 /?937)° Ebensowenig war es dem Berufungsgericht verwehrt, ausser dem Urteil der Strafkammer auch den übrigen Inhalt der Strafakten im Wege des Urkundenbeweises zu verwerten und aus ihm in eigener Beweiswürdigung Schlüsse zu ziehen, die sich mit dem Standpunkt der Strafkammer nicht deckten® Rechtsverstöße bei der Beweiswürdigung, die die Revision begründen könnten, sind nicht ersichtlich® Entgegen der Ansicht der: Revision kommt es auch nicht darauf an, ob eine ständige Geneigtheit der Beklagten zu den Straftaten Vorgelegen hat!* bemerkt, nicht nur rechtlich e Beihilfe nach § 257 Abs 3 StGB, sondern wirkli-fe nach § 49 StGB vor® Gerade eine entsprechende Zusage deri Beklagten, die ihren Ehemann in seinem Entschluß angenommen che Beihil bestärkt h lieh festg Urteil® Es lat, ist aber hier durch die Vorinstanzen ausdrück* estellt worden, und diese Feststellung trägt das ist nicht entscheidend,'ob die Beklagte ihre Zusage aus ’’peneigtheit” zu den Straftaten ihres Ehemannes und dieser durch die Zusage der der strafbaren sen Feststellungen des Berufungsgericht ausgegangen, so läßt sich auch ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der von der Beklagten geleisteten Beihilfe und dem eingetretenen Erfolg in eien ihr zur La nicht ver hilfe bei der Sicherung und Verwertung der von ihrem Ehemann unter der Mitwirkung des lfm unterschlagenen Gegenstände ohne ftechtsverstoß aus einer Reihe von anderen Umständen entnommeh, die es in seinem Urteil im einzelnen dargelegt hat, c) daß die übereinstimmenden Feststellungen des Land- und des Berufungsgerichts über den Willen der Beklagten und ihres Ehemannes! Beziehungen, dessen Übergehung die Revision rügt, kam es nicht am Denn die Tatsache, daß die Beklagte bereits zur Zeit der Begehung der strafbaren Handlungen in unglücklicher Ehe lebte, steht, wie bereits ausgeführt, der Annahme nicht ebtgegen, daß sie sich von vornherein bereit erklärt hat, ihren Ehemann bei der Sicherung der Beute zu unterstützen und idaß sie ihn hierdurch in seinem Entschluß, die Unterschlagungen zu begehen, bestärkt hato Das Berufungsgericht hat diese’ Rechtslage richtig erkannte Es ist daher nicht zu beanstanden,; daß es von der Vernehmung der von der Beklagten über die ehelichen Verhältnisse benannten Zeugen abgesehen hato ! 4o Die von' dem Landgericht angeführten höchstrichterlichen Entscheidungen,: die seine Rechtsansicht stützen sollen, daß psychische Beihilfe durch Stärkung des Täters in seinem Entschluß zur Begehung der strafbaren Handlung geleistet werden könne, betreffen zwar, wie die Revision richtig vorträgt, andere Sachverhalte, als sie hier vorliegem Mit Recht haben aber das Landgericht und ihm folgend das Berufungsgericht aus dieser Rechtsprechung den von ihnen ausgesprochenen allgemeinen Grundsatz entnommen, dessen Anwendung auf den hier gegebenen Tatbestand keinen Bedenken unterliegt® Das Landgericht hat ebenso wie das Berufungsgericht ersichtlich angenommen, daß der Ehemann der Beklagten schon zur Zeit, als er den Plan zu seinem strafbaren Handeln faßte, diese in seinen Entschluß ein- • geweiht und mit ihr über die Verwertung und Sicherung der Beute gesprochen hjatoDaß die zustimmende Haltung der Beklagten den Entschluß ihres Ehemannes zur Begehung der strafbar ren Handlung wesentlich gefördert hat, ist von dem Berufungs- 6® Die von der Beklagten in ihrer Berufungsbegründung angestellte rechtliche Erwägung, sie habe sich nur der Begünstigung schuldig gemacht, hat das Berufungsgericht entgegen dem Vorbringen der Revision ersichtlich nicht als gerichtliches Geständnis aufgefaßt® Wenn das Berufungsgericht sich im Anschluß in Rechtsausführungen zur Frage der Begünstigung® die es als Anspruchsgrundlage nicht für ausreichend hält,auf die eigene Einlassung der Beklagten bezieht, so läßt sich hieraus nicht entnehmen, daß die Bemerkung in der Berufungsbegründung Von dem Berufungsgericht rechtsirrig als eine «Ein- lassung” der Beklagten angesehen worden ist, vielmehr ergibt der Zusammenhang, in dem dieser Hinweis gebraucht ist, daß aas Berufungsgericht auf das gesamte tatsächliche Vorbringen der Beklagten im Rechtsstreit abgestellt hat« Wenn es hieraus andere Schlüsse gezogen hat, als sie die Beklagte für richtig hält, so läßt dies keinen Rechtsirrtum erkennen, denn in sei-* ner Würdigung d;es Parteivorbringens ist der Tatrichter an dje Ansichten der Parteien nicht gebunden®