BGH · VI ZR 86/68
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Von ihm verlangen die Kläger nach § 844 Abs„2 BGB Ersatz des Unterhaltsschadens, der ihnen durch den Unfalltod ihrer Mutter entstanden ist. Durch ihre Unterbringung in dem Landschulheim seien keine höheren Aufwendungen als bei Anstellung einer Ersatzkraft für ihre Mutter entstanden« Der Beklagte habe ihnen nicht nur den Unterhaltsbetrag, der sich bei Zugrundelegung des Einkommens ihrer Mutter ergebe, sondern auch den Wort der Dienstleistungen zu ersetzen, die ihnen durch den Tod ihrer Mutter entgangen seien« Dabei seien ihre eigenen Einkünfte und ihr Einkommen aus dem von ihren Eltern ererbten Vermögen zu berücksichtigen« Auf diese Weise haben die Kläger ihren Schaden für die Zeit vom #« 1963 bis 31. Ferner haben sie von ihm Ersatz von 360,36 DM für die vorprozessuale Tätigkeit des Rechtsanwalts Dr.Loflfl# Ha^fl aus Hfl# verlangt und um die Feststellung gebeten, daß der Be- Ferner hat es fest-gestellt, daß der Beklagte verpflichtet sei, den Klägern den weiteren aus dem Verlust ihrer Mutter entstehenden zukünftigen Schaden zu ersetzen. Io Den Klägern ist durch den Unfalltod ihrer Mutter das Recht auf Unterhalt entgangen« Daher hat der Beklagte als der für den Unfall Verantwortliche ihnen nach § 84-4 Abs «2 BUB insoweit Schadensersatz zu leisten, als die Mutter, wenn sie weitergelebt hätte, verpflichtet gewesen wäre, ihren Söhnen Unterhalt zu gewähren» lo Bei Bemessung dieser Unterhaltsverpflichtung der Mutter ist das Berufungsgericht zutreffend davon ausgegangen, daß Frau einmal die Pflicht hatte, von ihrem Gehalt und den Erträgnissen ihres Vermögens - insgesamt 1*108,64 DM im Monat - einen Teil für den Lebensunterhalt ihrer iöbne zu verwenden» Es hat ebenso wie das Landgericht rechtsfehlerfrei angenommen, daß den Klägern insoweit ein Unterhaltsanspruch von je 200 DM, zusammen also 400 DM im Monat gegen ihre Mutter zustand» 2. Das Berufungsgericht hat auch mit Recht angenommen, daß sich damit die Unterhaltspflicht der Frau nicht erschöpfte« Jie hat nach den Feststellungen des Berufungsgerichts den Haushalt der Familie geführt und ihre Söhne versorgt und betreut« Diese Arbeiten sind ebenfalls ein Teil der Unterhaltsleistungen, zu denen Frau DflB als Mutter der Kläger verpflichtet war0 Sie hat, wie sich aus § 1360 BGB ergibt, auch durch dmese persönlichen Leistungen ihre Verpflichtung erfüllt, durch Arbeit zu dem Unterhalt der Familie beizutragen« Da die Arbeitsleistling der Mutter im Haushalt den Klägern als gesetzlich geschuldeter Unterhalt zugute kam, können sie auch wegen des Ausfalls der persönlichen Leistungen ihrer Mutter von dem Beklagten nach § 844 Abs,2 BGB Schadensersatz beanspruchen (vgl» das Urteil des BGH vom 18« Mai 1965 -VI ZR 1/64 - NJW 1965, 1710 = VersR 1965, 787)« Als natürlicher Anhaltspunkt für die Bewertung der Leistungen, die Frau Bas anzurechnende Einkommen der Kläger beträgt, wie das Berufungsgericht auf Grund der Vormundschaftsakten und des von dem Sachverständigen erstatteten Gutachtens fest- 4- Die Revision kann sich nicht mit Erfolg darauf berufen, daß die Kläger nach dem Tode ihrer Mutter bei Verwandten mit einem geringeren Aufwand hätten unter-gobracht werden können« Selbst wenn sie von Angehörigen unentgeltlich aufgenommen worden wären* könnte das den Beklagten nicht entlasten« Mach §§ 843 Abs.4, 844 Abs«2 Satz 1 BGB wird ein Schadensersatzanspruch nicht dadurch ausgeschlossen, daß ein anderer dem Verletzten Unterhalt zu gewähren hat« Biese Regel ist Ausdruck eines über den unmittelbar geregelten Pall hinausgehenden Rechtsgedankens« Bcr Schädiger darf nicht deshalb entlastet werden, v/eil ein anderer den Unterhalt des Geschädigten sichert (vgl.BGHZ 9, 179» 191; 13» 360, 364? 5. Entgegen der Meinung der Revision kommt es auch nicht darauf an, welche Kosten durch die Unterbringung der Kläger im Landschulheim entstanden sind, denn der Umfang der Ersatzpflicht des Beklagten ist nicht nach dem Aufwand zu bemossen, der nach dem Tode der Mutter für den Unterhalt der Kinder tatsächlich aufgebracht wird. Der Kostenbetrag von 12.620,03 BM, den die Revision auf Grund der Auskunft des Landschulheims für das Jahr 1965 anführt, erhöht sich vielmehr um die Die Revision irrt, wenn sie meint, die monatlichen Raten von 500 DM aus dem Verkauf des Geschäfts seien, soweit sie nach dem Tode der Mutter den Klägern zugeflossen sind, auf deren Ersatzansprüche anzurechnen« Diese Kaufpreisraten waren Teil des ererbten Vermögens, dessen Stammwert bei der Ermittlung des Schadens, der den Erben durch den Tod ihres Ernährers entstanden ist, nicht herangezogen werden darf, wenn es, wie hier festgestellt ist, zu Lebzeiten des Erblassers nicht für Unterhalt szweckc herangezogen werden sollte (vgl« das Urteil des BGH vom 18. 7« Mit Recht hat das Berufungsgericht kein Mitverschulden der Kläger darin gesehen, daß sie einen Teil ihres Vermögens nicht zinsgünstiger angelegt haben. 8, Unberechtigt ist der Vorwurf der Revision, die Kläger hätten es schuldhaft unterlassen, aus dem Hause ihren beiden Stiefgeschwistern als Nacherben ihres Vaters erworben haben, ausreichende Einnahmen zu erzielen» Das Berufungsgericht hat auf Grund des Gutachtens, das der stattet hat, rechts Irrtums fr ei festgestellt, daß in den Jahren 1963 bis 1965 keine Überschüsse aus dem Anwesen erzielt worden sind, weil erhebliche Kosten für die Instandsetzung des Hauses erforderlich waren* Auch das Vormund Schaftsgericht hat die Verwaltung des Hauses durch die Vormünder der Kläger in diesem Punkte nicht beanstandet. II« Zu billigen ist die Ansicht des Berufungsgerichts, daß der Beklagte den Klägern auch die Kosten des Rechtsanwalts Br* in Höhe von 360,36 DM für dessen außergerichtliche Vergleichsverhandlungen mit dem Haftpflichtversicherer des Beklagten zu erstatten hat» Es ist unstreitig, daß Rechtsanwalt Dr. Haflp keinen Prozeßauftrag hatte, sondern nur beauftragt war, die Kläger über die Jach-und Rechtslage zu beraten und Ver-gleichsverh-indlungen mit dem Haftpflichtversicherer des Beklagten zu führen. Die Gebühren für diese Tätigkeit, die außerhalb des Rechtsstreits lag, sind keine Prozeßkosten, die im späteren Kostenfestsetzungsverfahren berücksichtigt werden könnten« Der Beklagte hat sie aber als Teil des materiellen Schadens zu ersetzen* Wer verpflichtet ist, einem anderen den aus einem Unfall erwachsenen Schaden zu ersetzen, hat grundsätzlich auch die Kosten zu erstatten, die der Geschädigte dem Rechtsanwalt bezahlen muß, den er mit der Durchsetzung seiner Ersatzansprüche beauftragt hat, denn auch diese Kosten sind ein adäquater und dem III* Soweit das Berufungsgericht die Verpflichtung des Beklagten zu dem Ersatz des über die Zahlungsanträge hinausgehenden zukünftigen Schadens der Kläger festge-stellt hat, bezweifelt die Revision, daß ein rechtliches Interesse an einer solchen Beststellungsklage gegeben sei« Ihr Zv/eifel ist jedoch unberechtigt« Allerdings hat der Beklagte nicht bestritten, für den Unfall, bei dem die Mutter der Kläger ums Leben kam, verantwortlich zu soin. Er hat aber abgestritten, daß den Klägern Ersatzansprüche aus § 844 Abs«2 BGB zustehen9 Zudem ergibt sich das Rechtsschutzinteresse der Kläger schon aus dem Erfordernis, die Verjährung der weiteren Ansprüche auszuschließen«