BGH · VI ZR 74/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
daß eine Leistungspflicht der Sozialversicherung gegenüber einem Unfallgeschädigten nicht besteht, so v/ird die Schadensersatz-Verpflichtung des verantwortlichen Schädigers gegenüber dem Geschädigten nicht dadurch berührt, daß dieser durch eigenes Verschulden (verspätete Anmeldung) ihm nach der Reichs versiehe*** ;i rungsordnung zustehende Ansprüche auf Versicherungsleistungen vorwirkt hat. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 3* Mai I960 unter Mitwirkung des SenatsPräsidenten Br. Engels und der Bundesrichter Br. Kleine-wefers, Hanebeck, Br. Bode und Br. Hauß für Recht erkannt: Eine Zahlung des Beklagten in Höhe von 2 000 DM ist bei Br-- ■ rechnung dieses Betrages berücksichtigt<> Ferner hat der • Kläger ein angemessenes Schmerzensgeld gefordert und um die Feststellung gebeten, daß der Beklagte allen zukünftigen Schaden aus dem Unfall zu ersetzen hat* Der Beklagte hat geltend gemacht, es liege für den Klager ein nach der Reichsversicherungsordnung entschädigungspflichtiger Arbeitsunfali vor, so daß Schadeusersatzansprüche auf die Berufsgenossenschaft übergegangen seien, soweit, deren Leistungspflicht in Betracht komme* Die der Erstattungspflicht des Sozialversicherungsträgers nicht kongruenten Ansprüche auf Ersatz des Sachschadens und auf Schmerzensgeld seien durch die Zahlung der 2 0Ö0 DM abgegolten, zu demal der Kläger den Unfall mitverschuldet habe» Der Beklagte hat in dem weiteren Verfahren vor dem Oberlandegericht unter Bezugnahme auf § 280 ZPO die Feststellung beantragt, daß der Unfall des Klägers als Arbeitsunfall gemäß den §§ 542, 537 Ziff.10 RVO anzusehen ist. Das Oberlandee-gericht hat durch Endurteil vom 24« Februar 1959 die Fest-stellungsv/iderklage abgewiesen und die Berufung dos Beklagten auch insoweit zurückgewiesen, als das Landgericht die Ansprüche auf Ersatz der Heilungskoston und des Erwerbsr Schadens dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und die weitere Schadensersatzpflicht des Beklagten feotgestolXt hat * Mit der Revision bittet der Beklagte um Abweisung der Ansprüche, über die in dem Endurteil des Oberlandesgerichte erkannt worden ist. Durch den Bescheid.der Berufsgenoasenschaft für den Einzelhandel, BezirksVerwaltung München, vom 19« Juni 1957 und den durch das Urteil des Sozialgerichts Regensburg vom 13« November 1958 bestätigten Bescheid der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Niederbayern/Oberpfaiz vom 4« Februar 1958 steht fest, daß dem Kläger Ansprüche auf Grund der Reichsversicherungsordnung aus dem Unfall gegen eine Berufsgenossenschaft nicht zustehen. Damit steht gleichfalls fest, daß die Forderung insoweit nicht nach § 1542 RVO auf den Sozialversicherungs-träger übergegangen ist, der Kläger seinen Schadensersatzanspruch also selbst geltend machen kann. Auch wenn der Kläger den Unfall verspätet (§1546 RVO) bei der Berufsgenossenachaft angemeldet oder zu seiner Anmeldung eine unrichtige Angabe über den fag des Unfalls gemacht hätte, könnte ein hierdurch eingetretenerVerlust seiner Rechte gegen einen Sozialversicherungsträger nicht dem Beklagten im Sinne einer Entlastung zugute kommen. Nur wenn die Verwirkung des Schutzes der Sozialversicherung, etwa bei der Heilbehandlung, zu einer Verteuerung der Kosten geführt hätte, könnte überhaupt für eine Prüfung des Sachverhalts unter dem Gesichtspunkt des § 254 BGB zugunsten des Beklagten Raum sein. Der vön der Rechtsprechung entwickelte Grundsatz, daß schon mit dem Unfall die SchadensersatzänsprUche eines Geschädigten dem Grunde nach auf den Sozialversicherungsträger übergehen, wenn normalerweise mit einer durch den Unfall bedingten Deistungspflicht eines Versicherungsträgers zu rechnen ist, will nur verhindern, daß über den Schadens-ersatzanspruch in der Zeit bis zur endgültigen Festlegung der Leistungen des Vefsicherungsträgers zu dessen Nachteil verfügt wird (BGHZ 19* 177 /T787; 28> 68). Die Auffassung, der Sdhääiger sei schon deshalb von seiner Schadensersatzverpflichtung frei, weil der Geschädigte seine Ansprüche gegen die Sozialversicherung bewußt oder aus Nachlässigkeit nicht verfolgt habe, verkennt grundsätzlich das Verhältnis des zivilrechtlichen Haftungsrechts zu dem Sozialversicherungsrecht o Diese Auffassung kann sich insbesondere nicht auf den Sinn und Zweck dea § 1542 RVO berufen, wie vom Berufungsgericht zutreffend dargelegt worden ist, Die Revision des Beklagten war daher mit der Kostenfolge des § 97 ZPO zurückzuweisen.