BGH · VI ZR 69/58
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- Prozeßbevollmächtigte* II«InstanzRechtsanwälte hat der VI« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 17« Februar 1959 unter Mitwirkung der Bundesrichter Br« Engels, Br«KoE«Meyer, Hanebeck Br« Bode und Br« Hauß für Recht erkannt: der zur Erwärmung des Öles Heißdampf durch den Kessel geleitet werden konnte; ein DampfÜberhitzer, der mit offenen Gasflammen zu betreiben war, befand sich vor dem Ölbehälter. Interessenten zu der Vorführung erschienen« Sie wurde in Abwesenheit des Dipl*-Ing, SflHHI v°n M4HHI geleitet» Die Anlage war mehrere Tage lang warm gehalten worden, da der Ehemann der Klägerin zu einer früher vorgesehenen Vorführung nicht hatte erscheinen können* Der Kessel wurde durch Heißdampf und mit dem Gasringbrenner unter dem Kesselboden beheizt« Hach etwa 40 Minuten wurde der Boden des Kessels plötzlich abgesprengt o Brennendes öl überschüttete die Zuschauer« Der Ehemann der Klägerin, MBBIP| und zwei weitere Personen kamen ums Leben« Die Klägerin hat wegen des Schadens, der ihr durch den tödlichen Unfall ihres Ehemannes und Ernährers entstanden ist und noch entsteht, mit einem Leistungs- und Peststellungsbegehren BeBBHHP, SflMMI und die Beklagte hat sie die Auffassung vertreten, die Gasflamme des Ringbrenners unter dem Kessel habe zu einer Überhitzung der unteren ölschichten im Kessel und einer Aufspaltung (Krackung) ihrer Moleküle geführt; hierdurch sei im Kessel ein Oberdruck entstanden, der, da der Kesselraum an allen Ein-und Austrittsöffnungen verschlossen gewesen sei, den Kessel gesprengt habe* Mit derartigen Gefahren hätten 3MB und MBMB rechnen müssen« Überdies habe der Kessel hinsichtlich der Schweißarbeiten, die unstreitig von einer bei der Beklagten eingesetzten Kolonne der Maschinenbau AG B(BHI unter Führung des Heizungsmonteurs ausgeführt worden sind, nicht den an einen Druckbehälter zu stellenden Anforderungen entsprochen« Die Beklagte hat bestritten, daß Preßluftleitung und Einfüllstutzen bei dem Versuch geschlossen gewesen seien« Sie hat unter Bezugnahme auf ein im Berufungsverfahren vorgelegtes Privatgutachten des Diplomchemikers Dr. de Ha^l in HBMMB das Geschehen damit erklärt, daß infolge Schwefelhaltigkeit des Öles unter dem Einfluß seiner Erwärmung Schwefelwasserstoff entstanden sei, der an der Kesselwand pyrophores Eisensulfid gebildet und sich über dem öl mit Luftsauerstoff vermischt habe; das Eisensulfid habe das explosible Gemisch gezündet« Die Beklagte hat die Ansicht vertreten, daß mit einem solchen Ablauf SflNMund mMMB nicht hätten rechnen können» Das Berufungsgericht hat in Übereinstimmung mit dem Landgericht die Schadensbaftung der Beklagten nach § 2 HaftpflG für begründet gehalten. Sie bemängelt, daß sich das Berufungsgericht dem Gutachten von Prof«Br,Sch4MI angeschlossen hat, ohne'sich zu verschiedenen punkten mit den entgegenstehenden Barlegungen von Br« de Ha^R auseinandergesetzt und sich eine eigene Meinung gebildet zu haben« Bs bedeute, so hebt die Revision hervor, eine Verkennung der Aufgabe, die dem Berufungsgericht obgelegen habe, daß es sich hierbei lediglich auf die fachliche Autorität des gerichtlichen Sachverständigen bezogen habe, statt sich die ihm fehlende Beurteilungsmöglichkeit durch Heranziehung eines Obergutachtens zu verschaffen« Bin Verstoß gegen § 286 ZPO liege auch darin, daß das Berufungsgericht nicht die Zeugen JflMÜ und EgjMt vernommen habe, durch deren Aussage habe unter Beweis gestellt werden sollen, daß entgegen der Meinung des Sachverständigen Prof «Br«Schd| die Preßluftleitung geöffnet gewesen sei; das Berufungsgericht habe wegen der Unzulässigkeit einer vorwegriehmen-den Beweiswürdigung die Vernehmung des Zeugen nicht mit der Begründung ablehnen dürfen, daß die Erinnerung des Zeugen - eine von der Beklagten.erwartete Aussage unterstellt - angesichts der chemisch-physikalischen Barlegungen des Sachverständigen Prof .Br.« ScbCNHI ungeeignet sei, die von dem Sachverständigen Br« de HaÜPan-genommene Explosion wahrscheinlicher zu machen« Als Verfahrensfehler rügt die Revision weiter, das Berufungsgericht habe nicht bedacht, daß sich am Kessel zur Mee~ sung des Innendrucks ein Manometer befunden habe, das* Auch nach der von Dr, de vertretenen Auffassung ist aber die Überhitzung des Öles durch den Gasringbrenner für die von ihm« angenommene Explosion ursächlich gewor-- den» Sie hat nach Ansicht dieses Sachverständigen bei der Schwefelhaltigkeit des Öles dazu geführt? Das Berufungsgericht hat dies hinsichtlich' beider mit Recht angenommen« Beide hätten, so hat es rechts-irrtumsfrei ausgeführt, damit rechnen müssen, daß die Be«* heizung des Kesselbodens mit einem starken Gasringbrenner zu einer Überhitzung der unteren ölschichten führe und daß die Erhitzung eines ihnen selbst unbekannten und in Deutschland nicht marktgängigen Öles chemische und physikalische Prozesse auslösen könne, die sie als Eicht-fachieute nicht beurteilen könnten« Es sei offenbar gewesen, daß es bei der besonders zähflüssigen Konsistenz des ölee zu einer Erhitzung der unteren ölschichten weit über die für erforderlich gehaltenen und vorgesehenen ■*65° hinaus habe kommen müssen und daß die Reaktion des Öles für einen Nichtfachmann unberechenbar gewesen sei« Die Versuchsbedingungen hätten daher von einem Ölchemiker festgelegt und vor Inbetriebnahme der Anlage gutachtlich gebilligt werdeh müssen» S(BMVh&be die Reaktion des Öles durch einen Fachmann prüfen lassen und die Entfernung des Brenners oder die Einstellung der Versuche anordnen müssen, bis er die Gewißheit gehabt habe, daß die .Direktbeheizung vom Gesichtspunkt der Sicherheit her unbedenklich sei» Es kann sie auch nicht entlasten, daß an der Vorführung vom 27« Mai 1955 durch Angestellte der Bfllchemie teilgenommen haben, die nach dem Vorbringen der Beklagten chemische Experten gewesen sein sollen« Die Beklagte behauptet selbst nicht, daß diese etwa von ihr oder SflHB und MflHHB zur sachverständigen Überprüfung der Anlage und des Versuchs hinzugezogen worden seien und sie gutgeheißen hätten; wie nach dem Sachvor-trag der Parteien nicht anders angenommen werden kann, sind sie vielmehr nur als Zuschauer erschienen« Wenn sie in dieser Eigenschaft keine Bedenken gegen die Vorführung geäussert haben, der drei gelungene, andere Versuche bereits vorangegangen waren, so hätten SBMHI und Urheber der Versuche aber doch Bedenken haben müssen« Daß die drei früheren Versuche gut abgelaufen waren, enthob sie auch nicht etwa der Notwendigkeit, wenigstens vor den weiteren Erprobungen die vorher versäumte Überprüfung durch einen Ölchemiker zu veranlassen und sich durch sie/ihrer Gefahrlosigkeit zu vergewissern; denn daß die Anlage nicht immer nur unter genau den gleichen Bedingungen in Betrieb genommen werden würde wie bei Jenen drei nur halbstündigen Versuchen, war offenbar« Bo hat die Frobe-Vorführung vom 27« Mai 1955 denn auch länger gedauert als jeder der vorangegangenen Versuche, und das öl war vorher schon tagelang warmgehalten worden» gebeten, den Gasringbrenner unter dem Kessel durch eine Isolierung zu ersetzen, weil er befürchtete, das Öl könne sonst verkoken und die Brenndüse verstopfen« Bern Berufungsgericht ist aber darin beizustimmen, daß er damit nicht den Erfordernissen genügte, denen er gerecht werden mußte« Wäre MflHH seiner Bitte nachgekommen, so würde das Unglück zwar vermieden worden sein« Ba bei den vorangegangenen Versuchen Folgen der gedachten Art nicht eingetreten waren, konnte S^MNI aber, wie das Berufungsgericht ohne Rechtsfehler erwogen hat, nicht voraussetzen, daß MlHMHI sich von seiner Befürchtung ohne weiteres überzeugen lasse; er durfte sich daher auch nicht darauf verlassen, daß MflHHftden Gasring- Das Berufungsgericht ist Überzeugt, daß bei einer Überprüfung durch einen Ölchemiker der Mangel,auf dem das Unglück beruht hat, ausgeschaltet worden wäre* Allerdings mögen, wie die Revision hervorhebt und das Berufungsgericht auch selbst in Betracht gezogen hat, die Gefahren der Überhitzung und Krackung eines Öles mit hohem Schwefelgehalt im Hinblick auf die Beaktion der Schwefelbestandteile mit Eisen im Mai 1955 noch unbekannt und auch später noch in mancher Beziehung unerforscht gewesen sein; trotzdem würde, so meint das Berufungsgericht, ein Ölfachmann, von dem eine umfassende Prüfung hätte er- wartet werden dürfen, auf Grund der vorgelegten, von der Birma KfBHi hinsichtlich des Schwefelgehalts richtig mitgeteilten Analyse vor den noch ungenügend erforschten Gefahren gewarnt haben« Diese Auffassung kann aus Rechts-gründen nicht beanstandet werden» Das Berufungsgericht konnte zu diesem Ergebnis im Hinblick auch darauf gelangen, daß die Beklagte selbst nicht etwa den Standpunkt vertreten hat, ein Ölfachmann würde die Art und Weise, mit der die Verbrennungs- und Verflü'ssigungsver-suche unter Verwendung des Gasringbrenners vorgenommen worden sind, gebilligt haben» M^BN^ein für den tödlichen Unfall des Ehemannes der Klägerin ursächliches Verschulden zur Last fällt» Da sie nach den irrtumsfreien und von der Revision auch nicht angegriffenen Darlegungen des Berufungsgerichts Repräsentanten der Beklagten im Sinne des § 2 HaftpflG gewesen sind und die Verflüssigungsund Verbrennungsversuche zu ihren Dienstverrichtungen gehörten, ist die Schadenshaftung der Beklagten begründet, ohne daß es darauf ankommt, ob MMHB, wie das Berufungsgericht meint, bei der Vorführung vom 27»Mai 1955 mangels eindeutiger gegenteiliger Weisungen des SWHKtt die Kesselzuleitungen sämtlich verschlossen gehalten und hierdurch eine ihm und SflHIzu dem Verschulden ge-