BGH · VI ZR 66/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Br war in das Gebäude gegangen, um einen Lieferschein unterschreiben zu lassen« Sein 19-jähriger Beifahrer, der' landwirtschaftliche Arbeiter der keine Fahrerlaubnis besaß, wartete beim Wagen« Der Gex’üstbauer Fritz der vor dem Oberfinanzpräsidium am J^^^platz eintraf, bat KflB-FflBHMHfc, den Lastwagen einige Meter vorzuziehen, da er an dieser Stelle Gerüstbretter aufladen wolle setzte sich ans Steuer und ließ mit dem von steckengelassenen Zündschlüssel den Motor an« Hierbei übersah er, daß der Huckwartsgang eingeschaltet war; der Last wagen bewegte sich daher rückwärts« Der hinter dem Wagen stehende wurde erfaßt und gegen eine Mauer gedrückt, er starb ah den erlittenen Verletzungen« Seine Witwe und seine drei Kinder bezogen und beziehen von der Klägerin und der Beruf sgenossenschaft Sozialrenten, Die Klägerin hat von Krf|^^ und Ersatz der den Hinterbliebenen d urch den Unfall entgangenen Unterhaltsansprüche im Kahmen des sozialrechtlichen Forde-rungsübergangs verlangt. Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangen*, daß der Fahrer eines Kraftfahrzeugs die erforderlichen Maßnahmen treffen muß, um eine Benutzung durch Unbefugte und damit eine Gefährdung Dritter zu vermeiden* Bs kommt dabei nicht dar auf an, ob das Kraftfahrzeug auf einem öffentlichen Weg oder Platz abgestellt war* Das Berufungsgericht konnte daher offen lassen, ob die Stelle, an der das Fahrzeug stand, ein öffent-licher Weg oder Platz im Sinne des § 2 StVG ist und daher das Fahrzeug an dieser Stelle nur von dem Inhaber einer Fahr-* I erlaubnis geführt werden darf* Auch wenn dies nicht der Fall 1 gewesen sein sollte, mußte der Beklagte als Führer des Fahr- I zeugs alles tun, um seine unbefugte Benutzung und die damit I verbundene Gefährdung dritter Personen zu verhindern. Hier handelt es sich nun nicht darum, daß betriebsfremde Personen den Wagen in Betrieb setzten, sondern der offensicht lieh zur Bewachung des Kraftfahrzeugs zurückgelassene Beifahrer hat den Wagen unbefugt benutzt» jgs kommt also darauf an, ob der Beklagte diesem Beifahrer einen fahrbereiten Wagen an-vertrauen durfte, oder ob er nicht wenigstens den Zündschlüssel hätte mitnehmen müssen, als er sich von dem Wagen entfernte* Mit Recht hat das Berufungsgericht ausgeführt, daß der Betrieb eines Kraftfahrzeugs durch eine des Führens nicht kundige Person besonders gefahrvoll ist* Der Beklagte hätte daher mindestens den Zündschlüssel abziehen und mitnehmen Es ist eine Erfahrungstatsache, daß ein fahrbereites Kraftfahrzeug von einem Unberechtigten eher, als ein - sei es auch nur durch Wegnahme des Zünd- Der Fahrer muß deshalb alles tun, was im Bereich des Möglichen liegt und ihm zuzu demuten ist, um eine Auswirkung dieser Gefahr zu unterbinden. Der Beklagte als berechtigter Fahrer kann sich demgegenüber nicht darauf bera-^ fen, er habe seinen Beifahrer für einen zuverlässigen Arbei- | Bewegung zu setzen oder einem Dritten zu gestatten, den Wagen zu bewegen« Die darin liegende Gefahr muß dadurch vermindert werden, daß der berechtigte Fahrer alles ihm Zumutbare tut, um die Inbetriebnahme des Fahrzeugs durch unbefugte Personen, auch durch solche, die er an sich für zuverlässig halten darf, zu verhindern. Zu dieser geringfügigen Forderung an den berechtigten Fahrer besteht umsomehr Veranlassung, als ein unberechtigt den V/agen benutzender Dritter meist keinen Versicherungsschutz genießt und weder der berechtigte Fahrer, noch der Halter zu dem Schadensersatz herangezogen werden könnte,