BGH · VI ZR 63/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 15° Juni 1965 unter Mitwirkung des Senats-Präsidenten Drc Engels sowie der Bundesrichter Dr« Bode, Heinr«, Meyer, Dr, Pfretzschner und Dr« Nüßgens für Hecht erkannt; Der Kläger ist der Alleinerbe seines am Io. Januar i960 verstorbenen Bruderso Dieser unterhielt zur Beklagten seit ihrer Scheidung von einen ägyptischen Staatsangehörigen im Jahre 1926 ein eheähnliches Verhältnis, das mindestens bis 1949 bestanden hat, 1952 heiratete die Beklagte zu dem zweiten Mal«, Die Parteien streiten um die Rechte an einem Separatkonto, das seit dem 11o April 1945 bei der Deutschen Bank in Berlin auf den llanon dos Erblassers geführt wurde« Weiteren Forderungen der Beklagten ist der Kläger im vorliegenden Rechtsstreit mit der Feststellungsklage entgegengetreten, daß sie keine Ansprüche gegen den Nachlaß aus Verfügungen des Erbluoeorj über ihr Vermögen habe. Die Klägerin hat Widerklage auf ZuJilvng von 37o878,35 EM nebst Zinsen erhoben, worauf die Parteier die Feststellungsklagc in der Hauptsache für erledigt erklärt h&ber Die Beklagte hat behauptet, der Erblasser habe die fraglichen Aktien als ihr Beauftragter oder Treuhänder aus Mitteln angeschafft, die sie ihm dafür zur Verfügung gestellt habe. "behauptet, die auf das Separatkonto eingczahlten 5o»ooo seien Teil einer vom Erblasser verdienten Provision aus einen Grundotücksgeochäft gewesen, wie sich aus nunmehr aufgefundenen Urkunden ergehe» Per Erblasser habe demnach die Aktien aus eigenen Mitteln und für sich selbst erworben; er habe sie auch niemals an die Beklagte abgetreten, Hit der handschriftlichen Erklärung habe nur oinverotändlich die ägyptische Staatsangehörigkeit der Beklagten dazu benutzt werden sollen, die Y.'ertc der Beschlagnahme zu entziehen» Nach der vorübergehenden Tarnung seien die wirklichen Eigentumsverhältnisse durch die beiderseitigen Vermögenssteuererkläruiigen zu dem 1» April 1949 offengclegt worden» Bas Kammergericht hat den der Beklagten obliegenden Be\ cis nicht als erbracht angesehen, daß sie Eigentümerin der Aktion gewesen sei oder zu demindest gegen den Erblasser als ihren Treuhänder einen Anspruch auf Eigcntumsvcrschaffung gehabt habe» Bi allein gegen diese Beweiswürdigung gerichteten Rügen der Revision greifen nicht durch» In dom handschriftlichen Vermerk des Erblasser», auf den ■ sich die Beklagte im wesentlichen stützt, hat das Berufungsgericht nur eine private Notiz über die Anmeldung der Verte gesehen, in der die Bemerkung, daß das Vermögen der Beklagten gehöre, keine selbständige Bedeutung haben sollte» Bie Erklärung habe nicht - so führt das Urteil aus - die Übertragung des Eigentums an den Wertpapieren oder die Abtretung der Zutci -lungsrechte an die Beklagte zu dem Gegenstand; die Eoklagtc habe selbst eingeräumt, daß durch das Anerkenntnis kein unnittcl- Der Vorv/urf, daß das Berufungsgericht diesen Sachverhalt verkannt habe, ist unbegründet» Die Eigentumsvernutung nach § 1oo6 Abs» '1 BGB erstreckt sich nicht auf die Art des Erwerbes» Sie swingt al3o entgegen der Meinung der Revision nicht zu der Annahme, daß die Beklagte den Brief vom Erblasser erhalten haben müsse» Selbst wenn aber davon nach den Umstünden auszugehen wäre, besagt dies noch nichts über den Zweck der Aushändigung» Daß mit der Notiz nicht die Abtretung der Rechte an den Wertpapieren (und dom Barguthaben) vollzogen und kenntlich gemacht werden sollte, hat das Berufungsgericht festge-stellt. Der Revision kann auch nicht darin bcigctrctcn werden, daß das Berufungsgericht an der sachlichen Richtigkeit der Notiz des Erblassers nur dann hätte zweifeln dürfen, wenn es den Grund für die Niederschrift eines nicht zutreffenden Sachverhalts positiv festzustollcn vermocht hätte» Allenfalls wenn ein solcher Grund schlechthin unerfindlich gewesen wäre, hätte sich der Tatrichter damit auseinandorsetzen müssen, ob deshalb die Richtigkeit des Erklärten zwingend angenommen werden mußte» Davon kann bei der naheliegenden Möglichkeit, daß der Erblasser die Beklagte als ägyptische Staatsangehörige vorschieben wollte, um der Beschlagnahme eigener Vermögenswerte zu entgehen, keine Rede sein«, Diese denkbare Absicht wird entgegen der Meinung der Revision nicht dadurch ausgeräumt, daß 3ich der Erblasser dabei auf einen Teil seines Y/crtpapiorbesitzcs beschränkt und daß er die Gefahr einer erheblichen Bestrafung auf sich genommen hätteo Er konnte seine Angaben für glaubwürdiger halten, wenn er sie nur auf das Separatkonto und die daraus bezahlten Papiere erstreckte 0 V/enn er beabsichtigte, sich hinsichtlich dieser Werte als Vcrmögensverwalter der Beklagten auszugeben, war auch die vollständige Form der (notfalls vorzuweisenden) Uotiz :r.gc~ messen«, Den von der Revision gewünschten Schluß, daß die Erklärung der Beklagten übergeben worden sollte, brauchte der Tatrichter deshalb nicht zu ziehen» Insgesamt ist hiernach nicht ersichtlich, daß das Berufungsgericht den mit der Notiz zusammenhängenden Streitstoff unvollständig oder in einer nicht möglichen Y/oise gewürdigt hätte» Dasselbe gilt von den Erwägungen über die Herkunft der Mittel, aus denen die Aktien angccchafft worden sind» Das Berufungsgericht hat auf Grund der aufgefundenen und vorgclegten Bankauszüge footgeatellt, daß der Erblasser das Separatkonto mit 50o000 P.I.1 aus einer verdienten Provision gebildet hat und nicht, v/ie die Beklagte behauptet hatte, mit von ihr zur Verfügung -gestellten Geldern,, Der abgev/andelten Darstellung der Beklagten, der Erblasser habe jedenfalls von ihr stemmende Mittel hinter sich gehabt, so daß die Herkunft des zu dem Ausgleich verwandten Eetrages unerheblich sei, ist das Kammergo-richt nicht gefolgt« Hierbei hat es freilich darauf hingowie-sen, daß die Beklagte keinerlei Unterlagen oder Belege für angeblich von ihr geleisteten Zahlungen vorzuweison vermöge Damit i3t jedoch nicht, v/ie die Revision rügt, das derzeitige eheähnlichc Verhältnis außer Acht gelassen worden, bei den solche Fixierungen als entbehrlich gegolten haben sollen« Das Berufungsgericht hat nämlich mit P.echt erwogen, daß der Erblasser bei den unstreitigen Aktienkäufon für Rechnung der Beklagten im Jahre 1943 sehr wohl schriftliche Aufzeichnurgen gemacht hat« Bei den viel höheren Betrag von 5o,ooo RM, den die Beklagte voll für sich in Anspruch nimmt, wäre dies daher ungeachtet der persönlichen Beziehungen erst rocht zu erwarten gewesen. nicht sustanden, d.h. daß eine etwa versuchte Tarnung durch den Erblasser damit aufgegeben worden war» Zu der von der Revision vermißten Befragung der Beklagten nach § 139 ZPO bestand unter diesen Umständen kein Anlaß»