BGH · VI ZR 57/86 vom 25.11.1986
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Bei rufschädigenden Meinungsäußerungen kann dem Verletzten auf negatorischer und deliktischer Grundlage ein Anspruch auf Veröffentlichung einer strafbewehrten Unterlassungsverpflichtung des Verletzten zustehen, wenn die unzulässige Meinungsäußerung Öffentlich erfolgt ist und die Publikation der Unterwerfungserklärung zur Beseitigung der noch andauernden Folgen der Äußerung für das Ansehen des Verletzten erforderlich ist. Das Berufungsgericht meint, die Beklagte habe mit der Bezeichnung als "Oberfaschist" den Kläger rechtswidrig und schuldhaft in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht Da die Ehrkränkung öffentlich erfolgt und als äußerst schwerwiegend anzusehen sei, stehe dem Kläger zur Unterstützung seines Hauptanspruchs auf Unterlassung auch der Hilfsanspruch auf Veröffentlichung der von der Beklagten abgegebenen Unterlassungserklärung zu. Daß die Beklagte zur Unterlassung nicht verurteilt worden sei, sondern sich dazu freiwillig bereit erklärt habe, rechtfertige in Bezug auf ihre Pflicht zur Veröffentlichung der Unterlassungserklärung keine abweichende Betrachtung; gleiches gelte für den Umstand, daß sich die Unterlassungsverpflichtung hier nicht auf ehrkränkende Tatsachenbehauptungen, sondern auf eine rechtswidrige Meinungsäußerung beziehe. 1. Ohne Rechtsverstoß und von der Revision unbean-'*■' standet gehen die Berufungsrichter als Grundlage für eine Veröffentlichungspflicht der Beklagten davon aus, daß dem Kläger gegen die Beklagte bis zu deren Erklärung vom 20. "für Deutschland geradezu schicksalhaft typische Art von Politikern") in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt und dadurch in seiner Ehre gekränkt wurde ( zu dem Begriff "Faschist" siehe u.a. BGH, Urteile vom 8. Dieser mit der Gefahr der Wiederholung verbundene Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Klägers war, wie das Berufungsgericht cechtsfehlerfrei ausführt, hier nicht durch das verfassungsrechtlich gewährleistete Recht auf freie Meinungsäußerung des Art. 5 Abs. 1 GG gedeckt (siehe dazu Senatsurteile vom 18. Mai 1986 - VI ZR 242/85 -VersR 1986, 992 f), insbesondere auch nicht durch ein "Recht zu dem Gegenschlag" (Senatsurteil vom 18. Für den Inhalt des Artikels war, wie unter den Parteien nicht im Streit ist, neben dem Verfasser auch die Beklagte als Herausgeberin und Verlegerin der Zeitung mitverantwortlich (Senatsurteil vom 27. 2. Rechtsfehlerfrei bejaht das Berufungsgericht auf dieser Grundlage auch eine Pflicht der Beklagten zur Veröffentlichung der von ihr abgegebenen Unterlassungserklärung. auch § 23 Abs.4 UWG a.F.) ausdrücklich bestimmt, daß dem Verletzten die Befugnis zugesprochen werden kann, auf Kosten des Verletzers den verfügenden Teil eines Unterlassungsurteils zu veröffentlichen (siehe BGHZ 14, 163, 172). In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist darüber hinaus anerkannt, daß auch bei Verletzungshandlungen, die - wie Verstöße gegen § 24 WZG - nicht unmittelbar unter das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb fallen, die Veröffentlichungsbefugnis ein geeignetes und angemessenes Mittel sein kann, um einer noch andauernden Störung der Rechte des Verletzten entgegenzuwirken (BGH, Urteile vom 29. Hat der Verletzer schuldhaft gehandelt und steht deshalb dem Verletzten ein Anspruch auf Schadensersatz zu, so kann er die Veröffentlichung auch aus § 249 Satz 1 BGB zu dem Zwecke der Naturalrestitution verlangen (RG HRR 1931 Nr. 1307; RG Kommt es nicht zu einer Verurteilung, weil der Verletzer eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben hat, kann dem Verletzten die Befugnis eingeräumt werden, die Unterwerfungserklärung veröffentlichen zu lassen; denn die Bekanntmachungsbefugnis setzt nicht eine Verurteilung des Verletzten zur Unterlassung voraus, sondern beruht auf seiner Verpflichtung, die rechtswidrig verursachte Störung zu beseitigen und ggfls, einen schuldhaft herbeigeführten Schaden des Verletzten auszugleichen (BGH, Urteil vom 14. • b) Ob diese für das Wettbewerbsrecht entwickelten Grundsätze auch auf den außerwettbewerblichen Bereich des zivilrechtlichen Ehrenschützes übertragen werden können, ist vom Bundesgerichtshof bisher noch nicht entschieden worden. zuerkannten Befugnis zur Veröffentlichung des ausgesprochenen Unterlassungsgebots ausgeführt, daß sie in gleicher Weise wie ein (dem Kläger deshalb als zusätzlicher Behelf versagter) Widerruf geeignet sei, die fortwirkenden schädlichen Folgen der Äußerung für den Verletzten zu beseitigen und seinen Ruf wiederherzustellen (vgl. Die dem Bundesgerichtshof seinerzeit nicht gestellte Frage, ob bei rufschädigenden Angriffen außerhalb des Wettbewerbsrechts dem Verletzten auf negatorischer oder deliktischer Grundlage die Veröffentlichung eines Unterlassungstenors oder einer ihn ersetzenden strafbewehrten Unterlassungserklärung zur Beseitigung der Auswirkungen der rechtswidrigen Störung zuerkannt werden kann, ist aber damit noch nicht beantwortet. aa) Gegen einen solchen Rechtsbehelf könnte sprechen, daß die Öffentliche Bekanntgabe einer Verurteilung oder freiwilligen Verpflichtung zur Unterlassung, vor allem dann, wenn sie - wie im Streitfall - dem Verletzer selbst abverlangt wird, in ihren Wirkungen'für diesen wie auch in ihrem Zweck für den Verletzten stark einem öffentlichen Widerruf unwahrer Behauptungen angenähert ist (BGH, Urteile vom 22. Gerade im Hinblick auf die besondere Belastung, die für die Person des Verletzers mit einem solchen Widerruf verbunden 1st, sind aber von der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs strenge Anforderungen an diese Form des Ehrenschutzes gestellt worden: grundsätzlich kann ein öffentlicher Widerruf nur verlangt werden, wenn und soweit er unter Abwägung der beiderseitigen Belange, vor allem der Schwere des Vorwurfs, zur Beseitigung Kann die Unwahrheit einer rufschädigenden Behauptung nicht festgestellt werden, so darf der Beklagte grundsätzlich zu einem "Widerruf auch dann nicht verurteilt werden,- wenn die Beeinträchtigung des Betroffenen die Verpflichtung des Beklagten trägt, eine Wiederholung seiner Behauptung in Zukunft zu unterlassen. Nicht zuletzt deshalb hat es der erkennende Senat abgelehnt, die Rechtsbehelfe des Verletzten durch Zulassung einer mit Veröffentlichungsbefugnis verbundenen gerichtlichen Feststellung der Rechtswidrigkeit einer Persönlichkeitsverletzung oder durch ein Urteil auf Feststellung der Unwahrheit einer Tatsachenbehauptung zu erweitern (BGHZ 68, 331, 332 ff); gleiches gilt für das Begehren, den Ehrenschutz durch einen eingeschränkten Widerruf in der Form weiterzuentwickeln, der Beklagte "könne seine Behauptung nicht aufrechterhalten, weil er sie nicht beweisen könne" (BGHZ 69, 181, 184 f). bb) Nach Auffassung des Senats stehen diese Gesichtspunkte jedoch der öffentlichen Bekanntgabe eines Urteils, das den Beklagten zur Unterlassung einer unzulässigen rufschädigenden Äußerung verpflichtet, nicht entgegen. Keiner abschließenden Entscheidung bedarf hier die Frage, ob bei Tatsachenbehauptungen, bei denen ein Widerrufsanspruch des Betroffenen an dem von ihm nicht zu führenden Nachweis der Unwahrheit der Behauptung scheitert, die Gefahr bestehen kann, daß diese Beweislastschranke vom Verletzten durch die Veröffentlichung einer vom Verletzer geschuldeten Unterlassungserklärung übersprungen und damit auf anderem Wege ein dem widerruf gleiches Ergebnis erzielt wird; auch in solchen Fällen spricht nach Ansicht des Senats jedoch mehr dafür, daß sich für den juristisch nicht vorgebildeten unbefangenen Durchschnittsleser der Veröffentlichung, auf dessen Verständnis abzustellen ist (Senatsurteil vom 20. Im Streitfall g'eht es indes allein um ein Werturteil, und bei einem solchen verlangt die öffentliche Bekanntmachung der Unterlassungserklärung dem Beklagten nicht den Widerruf einer Aussage über Tatsächliches ab, die ihm u.a. deshalb nicht zugemutet werden kann, weil seine Aussage wahr sein könnte. Schließlich sind etwaige schutzwürdige Belange der Beklagten auch dadurch hinreichend gewahrt, daß eine Veröffentlichung nicht ausschließlich zur Satisfaktion des Betroffenen, sondern nur dann verlangt werden kann, wenn gerade sie zusätzlich zu der Unterlassungserklärung zur Beseitigung der Störung erforderlich ist (BGH, Urteile vom c) Im Streitfall ist das Berufungsgericht, das dem Kläger neben einem Beseitigungsanspruch aus § 1004 BGB rechtsfehlerfrei und von der Revision unbeanstandet auch einen Schadensersatzanspruch gemäß §§ 823, 249 BGB zuerkannt hat, aufgrund einer sorgfältigen Abwägung der Interessen beider Parteien mit dem Landgericht zu der Überzeugung gelangt, daß eine Veröffentlichung der Unterlassungserklärung der Beklagten in der nach Rechtskraft des Urteils noch nicht abgeschlossenen nächsten Ausgabe der "Rajneesh Times" an entsprechender Stelle sowie in gleicher Größe und Aufmachung wie der Artikel "Dank fürs Selbstverständliche" zur Beseitigung der noch andauernden Beeinträchtigung des Ansehens des Klägers und zur Wiedergutmachung seines Rufschadens erforderlich und der Beklagten auch zu demutbar.ist. Die gegen sie von der Revision allein vorgebrachte Rüge, flüchtige Leser sähen die Veröffentlichung der Unterlassungserklärung als nichts Geringeres als einen Widerruf an, geht schon aus den oben dargelegten Gründen fehl und verkennt überdies, daß dem Kläger nicht lediglich etwas "Geringeres” zusteht, sondern daß er Anspruch auf eine dem Widerruf von Tatsachenbehauptungen gleichwertige, auf Meinungsbekundungen zugeschnittene und zur Beseitigung der Folgen der Äußerung erforderliche Leistung der Beklagten hat. Ob dem Kläger als Rechtsbehelf auch ein Anspruch auf Geldentschädigung zugestanden hätte, ist nicht entscheidend. Voraussetzung ist, wie gesagt,, nur, daß die Veröffentlichung dem Verletzten nicht zu seiner Satisfaktion dient, sondern zur Beseitigung einer Störung bzw. Daß das Berufungsgericht dem Kläger nicht nur eine Veröffentlichungsbefugnis, sondern einen Anspruch auf Bekanntmachung der Unterlassungsverpflichtung durch die Beklagte selbst .zugesprochen hat, was die Revision nicht angreift, ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden; der Urteilsausspruch wird von der Überzeugung des Tatrichters getragen, daß gerade dieses Mittel im Streitfall zur Beseitigung der Folgen der eingetretenen Störung erforderlich ist (vgl. d) Nicht zu folgen ist der Ansicht der Revision, die Beklagte könne dem Veröffentlichungsanspruch des Klägers gemäß § 242 BGB den Einwand der Verwirkung als Sonderfall unzulässiger Rechtsausübung entgegensetzen. August 1984 von der Beklagten zunächst.lediglich eine Unterlassungserklärung verlangt hat, ohne zugleich deren Veröffentlichung zu begehren, weder dem Sinne nach zu dem Ausdruck gebracht, daß die von ihm verlangte Unterwerfungserklärung bereits für sich allein seinem Interesse an der Störungsbeseitigung genüge, noch hat er der Beklagten Anlaß gegeben, sich darauf einzurichten, daß er einen Veröffentlichungsanspruch nicht mehr geltend machen werde; die Beklagte hat überdies nicht vorgetragen, daß und wie sie sich bis zu dem 10. Mit dieser Rechtsansicht dehnt die Revision den Regelungsgehalt des § 139 Abs. 1 ZPO auf eine allgemeine und umfassende Fragepflicht aus, die vom Gesetz nicht beabsichtigt ist. Überdies wäre die Beklagte, wenn sie bei gleichzeitiger Geltendmachung des Veröffentlichungsanspruchs die von ihr verlangte Unterlassungsverpflichtung verweigert hätte, nach den rechtsfehlerfreien und von der Revision auch nicht angegriffenen Ausführungen des Berufungsgerichts zu deren Abgabe verurteilt worden.