BGH · VI ZR 53/52
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeßbevollmächtigters Rechtsanwalt Br, hat der VIB Zivilsenat.des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 15* April 1953 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr* Delbrück, Dr, Gelhaar, Hanebeck, Drc Hauß und Dr«, Kaul ’ . hatte beim Zurückblicken festgestellt, dass der Stras-senbahnSchaffner des Anhängers B^P zwischen dem Anhänger und einem Lastkraftwagen eingeklemmt war, der auf der -in Fahrtrichtung des Strassenbahnzuges - rechten Strassenseite stando Der Lastkraftwagen war von der Beklagten als Fahrerin dort abgestellt worden, weil sich eine Reparatur als notwendig erwiesen hatte, die sie von einem Mechanikermeister ausführen liess, der hier seine Werkstatt Sie macht gegen die Beklagte Schadensersatzansprüche geltend, die nach ihrer Ansicht den Hinterbliebenen gegen die Beklagte erwachsen und in Höhe ihrer Versicherungsleistungen auf sie übergegangen sindv Sie wirft der Beklagten vor, den Lastkraftwagen schuldhaft verkehrswidrig abgestellt und hierdurch den tödlichen Unfall des B^H^ verursacht zu haben* Der Lastkraftwagen sei nämlich, so behaupte sie, nicht weit genug rechte abgestellt worden, sondern habe mit seiner rechten Seite 41 7- 46 cm vom Borstein entfernt gestanden, so dass nur ein Abstand von 20 - 25 cm zwischen dem Strassenbahnanhänger und dem Lastkraftwagen verblieben sei«, Sie hat eingeräumt, dass den Getöteten auch ein eigenes Verschulden an dem Unfall getroffen habe, und hat darum die den Hinterbliebenen entstandenen Ansprüche auf zwei Drittel des erlittenen Scha dens begrenzte Die Klägerin hat demgemäß Zahlung von Beträgen in Höhe bereits bewirkter und künftig zu entrichtender bezifferter Leistungen verlangt sowie um die Feststellung gebeten, dass die Beklagte verpflichtet sei ihr auch alle weiteren Aufwendungen im Rahmen von zwei Dritteln des nach § 1542 RVO Ubergangsfähigen Schadens. Er sei, so hat die Beklagte im landgerichtlichen Verfahren behauptet; von dem bereits fahrenden Strassenbahnzug in den Engpass zwischen Anhänger und Lastkraftwagen abgesprungen, um Fahrscheinblocks auf-zulesen, die ihm heruntergefallen seien* Möglicherweise sei er aber auch, so hat die Beklagte im Berufungsverfahren vorgebracht, auf den Anhänger aufgesprungen, als sich der Strassenbahnzug schon in Fahrt gesetzt habe, sei dabei mit dem Lederriemen seiner Schaffnertasche am Verschluß der hinteren Bordwand des Lastkraftwagens hängen geblieben, habe den Lastkraftwagen mitgerissen und hierdurch den Engpass verursacht, in den er eingeklemmt worden seip Bas Landgericht hat die Bestimmungen des Kraftfahrzeuggesetzes für unanwendbar gehalten, weil der Lastkraftwagen nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme infolge des eingetretenen Schadens und der Maßnahmen zu seiner Behebung an seinem Standort bewegungsunfähig gewesen und wie ein nichtmotorisiertes sonstiges Hindernis auf der Fahrbahn anzusehen sei«, Es hat eine Haftung der Beklagten auf Grund des § 823 BGB für begründet gehalten, diese jedoch in Anbetracht des eigenen Verschuldens des Getöteten nur zur Hälfte des entstandenen Schadens* Von dieser Grundlage aus hat es der Klägerin bezifferte Beträge zugesprochen und die Verpflichtung der Beklagten zu dem Ersatz weiterer Aufwendungen in Höhe der Hälfte des nach § 1542 RVO übergangsfähigen Schadens festgestellt0 Io Das Berufungsgericht hat als erwiesen angesehen, daß der Zwischenraum zwischen dem Lastkraftwagen und dem Stras senbahnanhänger höchstens 30 cm betragen und daß der Lastkraftwagen an seinem rückwärtigen Ende mehr als 30 cm vom Bordstein entfernt gestanden hat« Diese Aufstellung sei, so hat es augeführt, verkehrswidrig gewesen, da nach § 15 Abs i StVO der Führer eines Fahrzeuges so zu halten habe, daß der Verkehr nicht behindert oder gefährdet werde, da ferner nach § 8 Abs 2 Satz 2 StVO langsam fahrende Fahrzeuge die äusserste rechte Strassenseite einzuhalten hätten, ein Fahrzeug, das zu dem Halten gebracht werden solle, also erst recht auf die äusserste rechte Seite herangefahren werden müsse« Das Auf stellen mit einem Abstand vom Bordstein von mehr als 20 cm sei auf jeden Fall unzulässig gewesen« Der Unfall sei durch die fehlerhafte Aufstellung des Lastkraftwagens adäquat verursacht worden« Die Beklagte habe auch schuldhaft gehandelt« Das Berufungsgericht hat die Beklagte daher nach § 823 Abs 2 BGB in Verbindung mit den genannten Bestimmungen der Strassen-verkehrsordnung für schadensersatzpflichtig gehalten« Es hat jedoch auch ein eigenes Verschulden des B^J| bejaht« Dieser sei nach dem Anschieben des Motorwagens um den Lastkraftwagen herumgelaufen, um auf den Strassenbahn-anhänger zurückzukehren„ Wenn auch nicht festzustellen sei, wie er sich weiterhin genau verhalten habe, so sei doch ohne weiteres (prima- facie) anzunehmen, dass er, der die Stellung von Strassenbahn und Lastkraftwagen genau erkannt habe, sich irgendwie unvorsichtig verhalten habe und dass es ohne ein unvorsichtiges Verhalten seinerseits nicht zu dem Unfall hätte kommen können0 Bei der nach § 254 BGB gebotenen Abwägung des Maßes der beiderseitigen Verursachung und des beiderseitigen Verschuldens sei jedoch, da nicht feststellbar sei, wie sich genau ver- 1o Zu Unrecht vertritt die Revision die Ansicht, die Aufstellung des Lastkraftwagens, deren Verkehrswidrigkeit vom Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum bejaht worden ist und von der Revision auch nicht in Zweifel gezogen wird, könne nicht als adäquate Ursache für den tödlichen Unfall des Bä//} angesehen werdeno- Es braucht nicht er-örtert zu werden,*: ob mit der Möglichkeit einer Gefähr-;;* dung von Verkehrsteilnehmern zu rechnen ist, wenn ein Lastkraftwagen auf einer breiten Großstadtstrasse, wie es nach der Behauptung der Revision die Kjg^strasse in B^mm^sein soll, in der Weise abgestellt wird, daß der Abstand vom Bordstein mehr als 30 cm beträgt 0 Das Berufungsgericht hat zwar festgestellt, daß der Lastkraftwagen eine Breite von 2,33 m gehabt hat, es hat aber über die befahrbare Breite der K^^strasse und den Raum, den die Schuttmassen auf'der Strasse eingenommen haben, keine Feststellungen getroffen«, Von entscheidender Bedeutung ist, daß nach der Feststellung des Berufungsgerichts infolge der verkehrswidrigen Aufstellung des Lastkraftwagens der Abstand zwischen diesem und einer auf der Kjg^strasse vorbeifahrenden'Strassenbah n höchstens 30 cm betragen hato •Hierdurch ist zwar die Vorbeifahrt eines Strassenbahnzuges nicht schon unmöglich gemacht oder erschwert worden«. lichkeit, mochte auch die Enge des Abstandes zwischen Strassenbahn und Lastkraftwagen die Gefährlichkeit eines Aufsteigens bei anhebender Weiterfahrt erkennbar werden lasseno Bei dieser Sachlage läßt es sich nicht beanstanden, wenn das Berufungsgericht die Möglichkeit des Eintritts eines Unfalles, wie ihn erlitten hat, infol- ge der verkehrswidrigen Aufstellung des Lastkraftwagens nicht als eine so entfernt liegende angesehen hats daß sie nach der Auffassung des Lebens vernünftigerweise nicht habe in Betracht gezogen werden können* Wenn auch die Beklagte nicht mit der Möglichkeit eines Unfalles gerechnet hat, so war es nach allgemeinen Kenntnissen und Erfahrungen doch nicht überhaupt unmöglich, einen Unfall vorauszusehen, wie er hier eingetreten ist« Bei seiner Beurteilung des Sachverhalts hat sich das Berufungsgericht daher im Rahmen der in der Rechtsprechung*herrschenden Auffassung über das Wesen des adäquaten.Kausalzusammenhangs gehalten (vgl u0a«\RGZ 133, 126 168, 86 169S 1 BGH VerkRSamml 4, 569; 5, 81 )o Ein solcher Fehler ist vorliegend jedoch nicht zu erkennen« Das Berufungsgericht hat als erwiesen angesehen, daß der Strassenbahnschaffner abgeklingelt hat, während B^|£ nach dem Anschieben des Motorwagens um.den Lastwagen herumlief,” um zu dem Anhänger zurückzukehren« Schon darüber hat sich nach seinen Ausführungen jedoch keine Klarheit gewinnen lassen, ob B^f^ ais der Straosenbahnzug anfuhr, das Trittbrett bereits erreicht hat oder ob er erst im Begriff gewesen ist, es zu erreichen« Die weiteren Vorgänge sind vollends ungeklärt geblieben«. ohne dass die Revision hiergegen Einwendungen hat erheben können, haben sich keine Feststellungen darüber treffen lassen, wie sich der verunglückte genau, verhalten hat« Aus der ganzen Sachlage hat es nur den Beweis des ersten Anscheins dafür entnommen, daß er sich irgendwie unvorsichtig verhalten haben muß und daß es ohne ein unvorsichtiges Verhalten seinerseits nicht zu dem Unfall hätte kommen können« Der Beweis des ersten Anscheins für eine Schuld ist aber nicht, wie die Revision anzunehmen scheint, zugleich auch schon ein Beweis für einen schweren Grad der Schuld« Für solche Umstände, aus denen der Einwand einer überwiegenden Mitschuld, des B^J^ abgeleitet werden könnte, wäre die Beklagte beweispflichtig gewesen« Einen solchen Beweis hat das Berufungsgericht nicht als geführt angesehene Es hat demzufolge ausdrücklich hervorgehoben«, das Haß des für den Unfall ursächlichen Verhaltens und der Schuld des B^ft sei nicht schwerer zu bewerten als das Maß der Verursachung und der Schuld der Beklagten«, Dem laßt sich aus Hechtsgründen nicht entgegentretenc Ein Widerspruch zwischen Schuldabwägung und Schadensverteilung ist nicht ersichtlich« den Unternehmer verschuldet worden ist,' die auf Grund von § 1542 HVO klagende Berufsgenossenschaft sich von den neben dem Unternehmer am Unfall Schuldigen die Einwendungen entgegensetzen lassen müsse, die gegen den Betriebsunternehmer hätten erhoben werden können, wenn dieser, wie es ohne die Unfallversicherung seine Pflicht gewesen wäre, die Entschädigungsleistungen gemacht oder zu machen hätte«, Das Reichsgericht hat diese Auffassung in der späteren Entscheidung RGZ 153, 38 als unrichtig aufgegeben«, Wie hier ausgeführt ist, befreit die Berufsgenossenschaft, die einem durch Betriebsunfall Geschädigten Versicherungsleistungen bewirkt, den Betriebsuntemehmer nicht von einer Verbindlichkeit, die ihn getroffen haben könnte; vielmehr Der Revision kann nicht gefolgt werden„ Nach § 1 Abs 2 des Gesetzes vom 7* Dezember 1943 können, wenn ein Betriebsunfall bei der Teilnahme am allgemeinen Verkehr eingetreten ist, der Versicherte und seine Hinterbliebenen nicht in Betracht» Die Erwägungen der Revision scheitern daher, ohne dass noch darauf eingegangen zu werden braucht, ob ihr darin beigetreten werden könnte, daß im Falle des Bestehens von Ansprüchen gegen den Betriebsunternehmer auf Ersatz von Unfallschäden ein hierauf gegründeter Ausgleichsanspruch auch der Berufsgenossenschaft entgegengehalten werden kann»