BGH · VI ZR 49/61
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Februar 1958 beförderte der Zweitbeklagte als Kraftfahrer eine auf dem Anhänger eines .Lastzuges der Erstbeklagten verladene, 4,5 to schwere Spritzgussmaschine von Tailfingen in Richtung VHH um sie dort bei der Klägerin abzu-lieferno Auf der Gefällstrecke zwischen und Th^H^ kippte der Anhänger bei der Ausfahrt aus einer schar-fen Haarnadelkurve um, so daß die Maschine auf die Straße fiel und erheblich beschädigt wurde. Dieser stellte sie schräg auf den Anhänger und lud in die Zwischenräume Kisten mit Garn und Messingstreifen, die die Erstbeklagte ebenfalls für die Firma SchnBBB nach Ortschaften der Schwäbischen Alb befördern sollte. Über die Maschine mit Zubehör stellte die Firma Schn®-flP einen auf die Strecke B-VBHHfe lautenden Frachtbrief aus, der sie als Absenderin und die Klägerin als Empfängerin bezeichnete, und übergab den Frachtbrief dem Fahrer üu|^ der Erstbeklagten. Zu dem Unfall wäre es auch nicht gekommen, wenn der Zweitbeklagte anstatt Uber die 3?bBBBB SBI9» die ein Gefälle von 8 # und viele Kurven, davon 3 Haarnadelkurven aufweise, über £1BHB~BaBHBl gefahren wäre; diese Strecke habe ein weit geringeres Gefälle und sei vor allem nicht so kurvenreich. Sie haben ;jedes eigene Verschulden beim Verladen wie beim Transport der Maschine in Abrede gestellt,Für das Verladen der Maschine sei nach § 17 Abs, 1 Satz 1 der Kraftverkehrsordnung (KVO) ausschließlich die Firma Schn|^|P als Absenderin verantwortlich gewesen, da die Maschine nicht als Stückgut, sondern als Verladungsgut befördert worden sei und eine abweichende Vereinbarung nicht auf dem Frachtbrief vermerkt worden sei (§ 11 Abs« 2 Buchst« e, f KVO)* Die Verladung durch die Firma SchnflH^ sei nicht ordnungsgemäß erfolgt. Io Das Berufungsgericht bejaht ohne Rechtsirrtum eine Haftung beider Beklagter aus unerlaubter Handlung (§ 823 Abs» 1 BGB) wegen der Beschädigung der Maschine* Die Bestim- ^ mungen der KVO, die zu dem Inhalt des von der Erstbeklagten abgeschlossenen Beforderungsvertrages geworden sind, schließen die Anv/endbarkeit der Vorschriften über unerlaubte Handlungen nicht aus (vgl» BGHZ 32, 194, 203)» Durch die Annahme der Maschine zur Beförderung im Rahmen ihres Gewerbebetriebes hat die Erstbeklagte der Eigentümerin gegenüber, auch ohne mit ihr in vertraglichen Beziehungen zu stehen, eine Obhuts- und Uberwachungspflicht übernommen, deren schuldhafte, für eine Beschädigung der übernommenen Sache ursächlich gewordene Verletzung zu dem Schadensersatz nach § 823 Abs. 1 BGB verpflichtet. Auch wenn man mit dem Berufungsgericht zu Gunsten der Erstbeklagten unterstellt, daß nach § 17 Abs. 1 $ Satz 1 KVO nicht sie, sondern die Firma Sehnde als Absenderin für die ordnungsmäßige Verladung der Maschine einzustehen hatte, so gebot ihr doch die ihr der Eigentümerin gegen-über obliegende Obhutspflicht, im Rahmen des Zumutbaren dafür Sorge zu tragen, daß Beschädigungen der Maschine auf dem Transport vermieden würden» Hierzu gehörte zunächst, Fahrzeug und Xadung vor Antritt der Fahrt auf ihre Verkehrssicherheit zu prüfen* Diese Pflicht oblag ihr zudem nach § 17 Abs* 1 Satz 3 KVO, wonach der Fuhrunternehmer für die Verkehrssicherheit von Fahrzeug und Xadung auch dann einzustehen hat, wenn die Verladung dem Absender obliegt* Die Erstbeklagte war weiter verpflichtet, durch sorgfältige Auswahl, Unterweisung und Überwachung ihrer Fahrer nach Möglichkeit Verkehrsunfällen vorzubeugen* Sie war, wie das Berufungsgericht zutreffend darlegt, insbesondere verpflichtet, dafür zu sorgen, daß ihr Fahrer beim Transport der schweren Maschine, deren unzulängliche Verladung und Befestigung ohne weiteres erkennbar war, eine solche Fahrtroute wählte, die für die Beförderung die geringsten Gefahren aufwies* Die vom Fahrer der Erstbeklagten gewählte Strecke wies aber, wie das Berufungsgericht als gerichtsbekannt fest st eilt, an der ThdHH^ eine etwa 2* Für die Folgen der fehlerhaften Wahl der Fahrstrecke haftet die Erstbeklagte nach § 823 Abs* 1 BGB wegen Verletzung ihrer dem Eigentümer der Maschine gegenüber obliegenden Obhut spflicht ohne die Möglichkeit einer Entlastung nach § 831 BGB* Sie hätte durch entsprechende organisatorische und betriebliche Maßnahmen dafür sorgen müssen, daß vor Antritt der Fahrt die ladung auf ihre Verkehrssicherheit geprüft und Die Erstbeklagte hat es nach der Feststellung des Berufungsgerichts den Kraftfahrern überlassen, wie sie mit dem Umschlag der Güter in fertig wurden, und welche Fahrtstrecke sie wählten. Die Revision zieht nicht in Zweifel, daß die Erstbeklagte für die Wahl einer ungefährlichen Fahrt strecke verantwortlich war; sie wendet sich aber mit Verfahrensrügen gegen die Feststellung des Berufungsgerichts, die vom Zweit-beklagten gewählte Strecke sei erheblich gefährlicher gewesen als die Strecke über Eb^H^» Sie meint, die Abführungen des Berufungsgerichts ergäben, daß der Senat selbst eigene Sachkunde über die Beschaffenheit der beiden Strecken nicht besitzt, sondern sich aus Xandkarten hierüber Kenntnis zu verschaffen gesucht habe« Bas Berufungsgericht führe aus, es sei den Beklagten zuzu demuten gewesen, den "Umweg" über Eb^HII^ in Kauf zu nehmen, da er nicht erheblich sei « Bas sei aber ein offensichtlicher Irrtum; denn in Wirklichkeit sei die Strecke über Eb^H^ kein Umweg gewesen, sondern uin 5 km kürzer als die gewählte Strecke über die S®®- 4p« Biese Strecke sei aber, wie die Beklagten vorgetragen hätten, gewählt worden, weil dort die Straßenverhältnisse besser gewesen seien« Bieses Vorbringen habe das Berufungsgericht übersehen« Auf Frage des Gerichts (§ 139 ZPO) hätten die Beklagten außerdem vorgetragen, für die Wahl der Strecke über am Unfalltage sei noch bestimmend gewe- b) Die von der Revision angezogene allgemeine Behauptung der Beklagten, die Straßenverhältnisse auf der von ihnen gewählten Strecke über ThflHBM seien besser gewesen, vermag die Feststellung des Berufungsgerichts, diese Strecke habe wegen der starken Gefällstrecken und der Haarnadelkurven für den Transport der Maschine eine besondere Gefahr dargestellt und hätte daher gemieden werden müssen, nicht in Frage zu stellen« Mag auch die Fahrbahn in einem besseren Zustand und der Fahrzeugverkehr geringer gewesen sein, so verblieb trotzdem die erhebliche Gefährdung des Transportes durch das starke Gefälle und die scharfen Kurven, Waren im übrigen die Verhältnisse auf der Strecke über EbfUK derart, daß auch hier ein gefahrloser Transport der Maschine nicht möglich war, so war die Erstbeklagte auf Grund ihrer Obhutspflicht und ihrer Verantwortlichkeit für die Verkehrssicherheit der jjadung der Eigentumerin der Maschine gegenüber verpflichtet, von dem Transport der mangelhaft verstauten Maschine Abstand au nehmen, falls nicht eine gefahrlose Strecke zur Verfügung stand, pflicht, nicht aber wegen Verletzung andersartiger vertraglicher Pflichten nach § 823 BGB Schadensersatz verlangen kann, selbst wenn die Verletzung dieser Pflichten zu einer Beschädigung seines Eigentums geführt hat» Das Berufungsgericht hat im vorliegenden Pall die Schadensersatzpflicht der Erstbeklagten eindeutig und ausschließlich auf die Verletzung der Obhutspflicht gestützt, die ihr durch die Annahme der Maschine zu dem Transport im Kähmen ihres Gewerbebetriebes der Eigentümerin gegenüber erwachsen sind» 6„ Die Klägerin kann die Ersatzansprüche der Eigentümerin der Maschine, der Firma B^^^, geltend machen, da diese ihr die Ansprüche abgetreten hato Sie muß sich als neue Gläubigerin nach § 404 BGB - neben den gegen sie selbst begründeten -die Einv/endungen entgegenhalten lassen, die der Firma Bdd gegenüber zur Zeit der Abtretung begründet waren« Die Beklagten können sich, wie das Berufungsgericht zutreffend ausführt , nicht auf ein von der Firma B^^^ oder der Klägerin nach §§ 254 Abs« 2 Satz 2, 278 BGB zu vertretendes Verschulden der Absenderin, der Firma Schn^Hd* wegen mangelhafter Verladung berufen, da diese Firma weder Erfüllungsgehilfin der Firma Bdd noch der.