BGH · VI ZR 48/63 vom 12.05.1964
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Mit der Klage hat der Kläger 6,917?60 DM als Ersatz weiteren Schadens verlangt und vorgetragen, daß die Geltendmachung von Verdienstausfall und Schmerzensgeld Vorbehalten bleibe« Ferner hat er später - erstmals auf Grund des Schriftsatzes vom 26* Februar 1959 - beantragt, festzustellen, daß die Beklagten als Gesamtschuldner verpflichtet sind, ihm allen weiteren aus dem Unfall noch entstehenden Schaden zu ersetzen« Gegen das Urteil des Landgerichts haben die Beklagten Berufung eingelegto In der Berufungsinstanz haben die Parteien einen Teilvergleich geschlossen, nach dem die Beklagten an den Kläger als Ersatz für den Sachschaden an dem Lastkraftwagen und dem Krupp-Titan des Klägers statt der vom Landgericht zugcbil-ligten 3*500 DM einen Betrag von 1,750 DM zu zahlen haben. Der Kläger hat daraufhin durch seinen Prozeßbevollmächtigten mitteilen lassen, daß er das Gesundheitsamt der Stadt D^^H^ und den Obermedizinalrat Dr* Sturm nicht von der Schweigepflicht entbinde» Br hat vorgebracht: Für die Entscheidung des Rechtsstreits könne es auf das Gutachten des Dr» Sturm nicht ankommen, denn es sei ohne eingehende Untersuchung erstellt worden» Es habe sich um ein unverbindliches Privatgutachten gehandelt, das er sich für seine persönliche Angelegenheit beschafft habe» Das Gutachten könne auch nicht von ausschlaggebender Bedeutung sein, wenn berücksichtigt werden daß er, der Kläger, nach dessen Erstellung bis zu dem Zeitpunkt des Unfalls noch fast 6 Monate schwere körperliche Arbeiten verrichtet habe* Das Berufungsgericht hat das Urteil des Landgerichts geänderte Es hat die Beklagten verurteilt, an den Kläger 400 DM Schmerzensgeld zu zahlen, Ferner hat es festgestellt, daß die Beklagten verpflichtet sind, als Gesamtschuldner dem Kläger allen weiteren aus dem Unfall vom 27 <> Februar 1957 entstandenen und noch entstehenden materiellen Schaden zu ersetzen, soweit er nicht auf seine Herzerkrankung zurückzuführen ist und soweit der Anspruch des Klägers nicht auf öffentlich-rechtliche Veroicherungsträger übergegangen ist. Diese Ausführungen stehen im Einklang mit der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und rechtfertigen die Ansicht des Berufungsgerichts, daß der Kläger ein rechtliches Interesse daran hatte, die Schadensersatzpflicht der Beklagten festgesetllt zu wissen (§ 256 ZPO)» Soweit die Beklagten geltend machen, der Kläger habe schon zur Zeit der Einreichung des Feststellungsantrages Leistungsklage erheben können, setzen sie sich in Widerspruch zu den tatsächlichen Feststellungen dos Berufungsgerichts» Stand damals noch nicht fest, ob und in welcher Höhe die Berufsgenoasenschaft dem Kläger eine Unfallronto gewährte, so konnte er nicht errechnen, in welcher Höhe ihm ein Anspruch auf Ersatz von Verdienstausfall gegen die Beklagten verblieb» 2» Die Revision des Klägers wendet sich dagegen, daß das Berufungsgericht die Ersatzpflicht der Beklagten nicht auch für die Schäden festgestellt hat, die mit der Herzerkrankung des Klägers Zusammenhängen« Die Angriffe gegen diesen Teil des Urteils können ebenfalls nicht zu dem Erfolg führen» habe nach den Feststellungen seines Hausarztes bei dem Unfall eine Brustkorbprellung, einen Bruch der 10«, Rippe links und eine leichte Gehirnerschütterung erlitten• Biese Verletzungen seien an sich geringfügig und hätten erfahrungsgemäß nur eine Arbeitsunfähigkeit von kurzer Bauer zur Folge» Ber Kläger führe seine langdauernde Arbeitsunfähigkeit auch nicht auf diese Verletzungen, sondern darauf zurück, daß durch den Unfall eine schwere Herzerkrankung und eine Kreislaufstörung - möglicherweise begünstigt durch eine vorhandene Veranlagung - entstanden oder jedenfalls entscheidend verschlimmert worden sei«, Bamit könne er jedoch nicht gehört werden, weil er sich weigere, dem Gericht die Ausschöpfung aller Beweismittel zu ermöglichen» Bas Berufungsgericht verweist auf die zahlreichen medizinischen Gutachten, die in dem Unfallrentenverfahren zu der Frage des ursächlichen Zusammenhangs eingeholt worden sind« Es hat den wesentlichen Inhalt dieser Gutachten in seinem Urteil wiedergegeben und fährt dann fort: Bie Sachverständigen seien bei der Beurteilung der Zusammenhangsfrage zu unterschiedlichen und uneinheitlichen Ergebnissen gekommen«,. Hiernach sei es außerordentlich schwierig, festzustellen, ob die Krankheitserscheinungen des Klägers auf den Unfall zurückzuführen seien oder nicht» Ihre Abhängigkeit von dem Unfall anzuerkennen begegne von vornherein Bedenken, weil der Kläger bei der Erhebung der jetzigen Klage offenbar selbst nicht davon ausgegangen sei, daß seih Herz- und Kreislaufleiden durch den Unfall entstanden oder verschlimmert worden sei» Weiter spreche gegen die Richtigkeit seiner jetzigen Barstellung, daß er es abgelehnt habe, sich zu den Fragen des Be-weicbeschlusses vom 22» März 1962 als Partei vernehmen zu lassen» Entscheidend aber falle zu seinen Lasten ins Gewicht, daß er sich geweigert habe, das Gesundheitsamt der Stadt und den Obermedizinalrat Sturm von der Schweigepflicht zu ent- binden« Das Vorbringen, mit dem er seine Weigerung zu rechtfertigen versuche, greife nicht durch« In einem Palle wie dem vorliegenden, in dem das Gericht weitgehend auf die Beurteilung durch Sachverständige angewiesen sei, komme es entscheidend darauf an, daß der Geschädigte alles daran setze, zur Aufklärung aller erheblichen Tatsachen beizutragen« Es gehe nicht an, den Gegner dem Risiko einer Pehlentscheidung auszusetzen, nur weil der Kläger sich weigere, dem Gericht die Ausschöpfung aller Beweismittel zu ermöglichen« Das Berufungsgericht hat deshalb davon abgesehen, die Beweise zu erheben, die der Kläger für seine Arbeitsleistung vor dem Unfall angetreten hat« Es wertet die Weigerung des Klägers, das Gesundheitsamt der Stadt D^Ufe und den Oberraedizinalrat Dr« Sturm von der Schweigepflicht zu entbinden, dahin, daß der Kläger damit rechne, im Prozeß zu unterliegen, wenn das Ergebnis der von Dr« Sturm erhobenen Untersuchung bekannt würde« Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, daß die Herzerkrankung und die Kreislaufstörung schon vor dem Unfall bestanden habe und durch den Unfall auch nicht verschlimmert worden sei« Der Peststellungsantrag des Klägers sei demgemäß nur mit dieser Einschränkung gerechtfertigt« b) Die Frage, ob der Kläger durch den Unfall eine Herzerkrankung erlitten oder sich eine Verschlimmerung eines Herzleidens zugezogen hat, betrifft nicht den Haftungsgrund, sondern den Ursachenzusammenhang zwischen dem Haftungsgrund und dessen weiterer schädigender Auswirkung« Hierüber ist daher nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht nach § 286, sondern nach § 287 ZPO zu entscheiden« Das hat entgegen der Meinung der Revision auch das Berufungsgericht nicht übersehen» Es hat zwar in den Entscheidungsgründen seines Urteils keine dieser beiden Bestimmungen ausdrücklich angeführt» Zu Unrecht bezweifelt die Revision, daß das Berufungsgericht berechtigt war, aus dem Verhalten des Klägers im Prozeß Schlüsse zu seinem Nachteil zu ziehen« Grundlage der Entscheidung ist neben dem Ergebnis einer etwaigen Beweisaufnahme der gesamte Inhalt der Verhandlungen« Das Gericht hat daher auch die Handlungen, Erklärungen und Unterlassungen einer Partei Das muß erst recht gelten, wenn eine Partei, die sich wie der Kläger für den Ursa-chenzuoammenhang zwischen dem behaupteten Schaden und dem Unfall beruft, es ablehnt, sich hierzu als Partei vernehmen zu lassen, und sich ferner weigert, einen Arzt, der sie untersucht hat, von der Schweigepflicht zu entbinden» Auch im Rahmen von § 287 ZPO kann das Gericht nur entscheiden, wenn ausreichende tatsächliche Grundlagen vorhanden sind» Die Parteien müssen daher nach ihren Kräften die für die Entscheidung erforderlichen Unterlagen beibringen» Erschwert die darlegungspflichtige Partei die Entscheidung, indem sie es ablehnt, sich vernehmen zu lassen, und es unmöglich macht, oino ärztliche Untersuchung zu verwerten, so muß zu ihren Lasten gehen, wenn dem Gericht die für eine Schätzung vorhandenen Unterlagen nicht ausreicheno Daß dem Kläger kein triftiger Grund für seine Yfeigerung zur Verfügung stand,hat das Berufungsgericht zutreffend dargelegt p Y/as die Revision hiergegen vorbringt, kann nicht durchgreif cn„ wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigte Das Berufungsgericht hat nicht übersehen, daß das Sozialgericht die Präge der Ursächlichkeit zwischen Unfall und Herzerkrankung im Sinne des Klägers entschieden hat* Es hat diese Entscheidung im Tatbestand seines Urteils ausdrücklich erwähnt» Das Berufungsgericht war an die Entscheidung des Sozialgerichts nicht gebunden, sondern hatte die Präge des Ursachenzusammenhangs selbständig zu entscheiden» Es war auch nicht verpflichtet, sich mit der Ansicht dos Sozialgerichts ausdrücklich auseinanderzusetzen. Antrages entnommen, daß der Kläger mit ihm alle Ansprüche, die er nicht mit dem bezifferten Antrag geltend gemacht hatte, rechtshängig machen wollte« Diese Auslegung des Antrages ist rechtlich nicht zu beanstanden« Sie entspricht den Grundsätzen, die der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 15o Oktober 1953 - Ill ZR 34/52 - IM § 847 BGB Nr« 5 entwickelt hat (vgl» auch BGHZ 50, 7» 18)o Die Herzerkrankung und die Kreislaufstörung des Klägers können auch bei der Festsetzung des Schmerzensgeldes nicht berücksichtigt werden« Dafür sind die Gründe, die schon zu dem Festst ellungsanspruch dargelegt wurden, in gleicher Weise maßgebend«, Daß der Kläger sich geopfert hat, um das Beben der durch den Beklagten gefährdeten Radfahrerinnen zu retten, ist nicht festgestellto Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts ist der Kläger vielmehr nach rechts äusgewichen, um einen Zusammenstoß mit dem Lastzug der Beklagten zu vermeiden«