BGH · VI ZR 43/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Beklagte hatte seinen, ihm vom Schwager des Jagdpächters, dem Bauer zugewiesenen Stand auf einem Weg, der sich am westlich, talwärts gelegenen Rand des Waldes verliefe Stand er mit dem Blick zu dem Wald, so kam die Treiberkette von links nach rechts (von Norden nach Süden) an seinem Standort durch den Wald vorbeio Der talwärtige, außerhalb des Treibens liegende westliche Wegrand war mit Buschwerk bestandene Weiter talwärts schlossen sich Wiesen an, in einiger Entfernung rückwärts lag ein Gehöfte Als die Treiber im Wald schon am Beklagten vorbei waren und sich weiter südwärts bewegten, lief ein Hase aus dem Wald den Hang herunter und nordwärts am Beklagten vorbei auf die Wiese zu. Drei Schützen, die nach dem Passieren der Treiberkette ihren nordwärts vom Beklagten gelegenen Stand verlassen hatten, um in Richtung des Jagdvex*laufs aufzuschließen, befanden sich ebenfalls im Wiesengelände. Bei Beobachtung der erforderlichen Sorgfalt habe der Beklagte ihn sehen können, jedenfalls habe er aber damit rechnen müssen, daß die nordwärts aufgestellten Schützen in dem Wiesengelände der Richtung der Jagd entsprechend nachrücken würden» Erkennbar hätten sich auch die Frau des Jagdpächters und mehrere Kinder in dem Wiesengelände auf-gehalten« Der Beklagte hat gebeten, die Klage abzuweisen» Er ist der Auffassung, der Kläger habe sich den Unfall selbst zuzuschreiben, da er nicht in der Reihe der Treiberwehr in dem Waldstück östlich des Weges geblieben sei, sondern es vorgezogen habe, außerhalb des Treibens den bequemeren Weg durch das Wiesengelände im Tal zu nehmen» Für die Annahme, daß in diesem Gelände andere Personen seien, habe jeder Anhaltspunkt gefehlt» Die Schützen hätten bei jagdlich richtigem Verhalten vor dem Abblasen des Treibens ihre Stände nicht verlassen dürfen. Der Kläger hat zu dem Vorwurf des Eigenverschuldens geltend gemacht, er habe auf Anweisung von Schützen die Büsche am Wegesrand abgeklopft, um Wild aufzustöbern« Da in seiner unmittelbaren Nähe drei Jäger gegangen seien, habe er mit einer Gefahr nicht rechnen können« Der Ansicht der Revision, die Haftung des Beklagten sei nach §§ 898, 899 RVO ausgeschlossen, kann nicht gefolgt werden» Der Beklagte als ein vom Jagdherr eingeladener Jagdgast hatte gegenüber den Treibern nicht die Stellung eines Betriebs- oder Arbeiteraufsehers» Er war für den organisatorischen Ablauf der Jagd nicht verantwortlich und konnte auch den Treibern nicht selbständig generelle Weisungen über ihren Einsatz geben» Bei einem Jagdgast, der als Schütze an einer Treibjagd, teilnimmt, fehlen alle Merkmale, die nach der Rechtsprechung für einen ,fBetriebsäufseher” im Sinne des § 899 RYO kennzeichnend sind (vgl» BGHZ 19, 114 /~117l7; LM RV0/i*r?^?3) • Erst recht kann keine Rede davon sein, daß die eingeladenen Schützen und die vom Jagdherxgn angestellten Treiber Arbeitskameraden in demselben Betriebe waren und daß deshalb gemäß den in der Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen (SAGE 5, 1; BGHZ 27, 62) nur eine eingeschränkte Haftung Platz greift» Mit dieser Betrachtung wird der Unterschied zwischen dem als Gast eingeladenen Schützen, der in keinem Arbeitsverhältnis zu dem Jagdherrn steht, und dem vom Jagdherrn angestellten Treiber verkannt» Im übrigen würde schon der Umstand, daß für den Jäger ein gesetzlicher Zwang zur Eingehung einer JagdhaftpflichtverSicherung besteht (§ 17 Abs» 1 Hr. 6 des BundesJagdgesetzes), der Einschränkung der Deliktshaftung entgegenstehen (vgl» BGHZ 27, 62)^ 2o) Sowohl das Landgericht wie das Ober1andesgericht sehen mit Recht eine Außerachtlassung der für einen Jäger erforderlichen Sorgfalt darin, daß der Beklagte einen Schuß in einen Raum abgegeben hat, in dem mit einer Gefährdung von Menschen zu rechnen war, Wie das Oberlandesgericht zutreffend ausführt, durfte der Beklagte nur gegen eine sichere Deckung oder aber in eine Richtung schießen, in der er die Fläche, in die der Schuß ging, bis zur Tragweite seiner Waffe überblicken konnte« Schoß der Beklagte aber durch die Büsche auf eine nicht überschaubare Wiesenfläche, so konnte er keineswegs darauf vertrauen, er werde keinen Schaden anrichten. Tatsächlich waren in dem Wiesengrund auch mehrere Personen, nämlich außer dem Kläger noch drei Jäger und die Bäuerin VflHBP« Der Beklagte räumt zudem selbst ein, daß er nach Abgabe des Schusses, als er mit dem Gewehrlauf dem Hasen folgte, mehrere Personen in dem Wiesengrund erblickt hat* Er hätte sich aber vor Abgabe des Schusses vergewissern müssen, daß in der Schußrichtung keine Menschen waren« War ihm insoweit eine sichere Beobachtung nicht möglich, so mußte er den Schuß unterlassen« Darauf, ob der Beklagte in der Schußrichtung mit dem Herannahen gerade eines Treibers rechnen mußte, kommt es ebenso wenig an, wie auf die vom Beklagten angeschnittene Frage eines Verschuldens der Jagdleitung, das er in der Anordnung des Aufschließene der Jäger vor Abblasen des Treibens an dieser Stelle sieht« Es bedurfte daher keiner sachverständigen Überprüfung der Anlage und Durchführung der Treibjagd.