BGH · VI ZR 39/63 vom 21.04.1964
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Kläger hat behauptet: Als er vom Bürgersteig der zu dem Bahnhofsgebäude führenden Zufahrtsstraße auf die Fahrbahn getreten sei, sei er mit dem linken Fuß in eine Spalte des an den Bordstein liegenden Gully-Deckels gerutscht und dadurch zu Fall gekommen«. Sie that behauptet: Der Kläger sei nicht an dem Gully-Deckel zu Fall gekommen, sondern an der für den öffentlichen Zugang zu dem Bahnhof nicht be^g.mmiJ^^V'ieHrampe, die er zur Abkürzung benutzt habe, ... Io Das Berufungsgericht hat dahinstehen lassen, wo der Kläger zu Ball gekommen ist« Es verneint eine Haftung der Beklagten schon deshalb, weil der Kläger nicht den Bev/eis erbracht habe, daß sich der Gully-Deckel zur Zeit des Unfalles in einem verkehrswidrigen Zustand befunden habe« Würdigung des Berufungsgerichts, das Fehlen einer Rippe ^ im Deckel zur Zeit des Unfalles sei nicht erwiesen, greift die Revision nicht an« Sie meint, das angefochtene Urteil habe nicht beachtet, daß die Verkehrswidrigkeit des Gully-Deckels jedenfalls in dem Höhenunterschied zwischen den wieder zusammengefügten Teilen, des zerbrochenen Rostes begründet gewesen sei« Hierzu ergebe eine vom Berufungsurteil insoweit unterlassene Würdigung der Zeugenaussagen, daß der Höhenunterschied zwischen den Bruchstücken 2-3 cm / . betragen habe; dies sei verkehrsv/idrig« Einen Verstoß gegen die Verkehrspflichtenf stelle es aber auch dar, wenn der Unterschied nur 2-5 mm betragen habe, wie der Zeuge Sch^lP in Abänderung seiner erstinstanzlichen Aussage vor dem Berufungsgericht bekundet Jp&e,« Für einen verkehrswidrigen Zustand spreche im übrigen bereits der Beweis des ersten Ansoheins, weil der von der Beklagten inzwischen zur Verschrottung veräußerte Gully jedenfalls zerbrochen und infolgedessen uneben gewesen sei« weisen hato Entgegen der Meinung der Revision wird ihm die Führung dieses Beweises nicht durch den ersten.Anschein erleichtert o Der Beweis des ersten Anscheins beruht auf der Erfahrung, daß bestimmte Ursachen typische Folgenrizu zeitigen pflegen, wobei der festgestellte Sachverhalt der Art sein muß, daß er unter Verwertung allgemeiner Erfahrungssätze, besonders der allgeäfieinen Lebenserfahrung, die Überzeugung des Richters in vollem Umfange begründet (BGH Urt« vom 10« Dezember 1952« vi «ZR 26/52 jnliMv§286 C ZPO Nr« 1 mit weiteren Nachweisen)« Davon kann bei dem zu beurteilenden Sachverhalt aber keine Rede sein« Denn in diesem Rechtsstreit ist nicht eine Schadhaftigkeit schlechthin von Belang und ausreichend, sondern nur ein Zustand, der sich als Verkehrswidrigkeit darstellt« Es besteht indessen kein Erfahrungssatz des Inhalts, daß jede Unebenheit eines beschädigten Gullydeckels die Verkehrssicherheit gefährdet; entscheidend ist vielmehr die Art und das Ausmaß der Beschädigung im Einzelfall« b) Entgegen der Meinung der Revision geht das "Berufungsgericht nicht davon aus, eine Verkehrswidrigkeit des Gullydeckelo könne sich nur beim Fehlen einer Rippe im.Deckel ergeben« Der Eingang der Entscheidungsgründe zeigt vielmehr klar, daß das Berufungsurteil den Zustand des Guilds schlechthin, insbesondere auch hinsichtlich des Höhenunterschiedes zwischen den Bruchstücken geprüft hat« Daß eine Unebenheit von 2-3 cm an der Bruchstelle einen verkehrswidrigen Zustand darstellen könnte, darf auf sich beruhen; das Berufungsgericht hat nämlich nicht feststellen können, daß eine Unebenheit dieser Höhe Vorgelegen hat« Hierbei hat es berücksichtigt, daß der Zeuge Sch^H^ nach der Niederschrift Bekundung vor dem Landgericht ausgesagt hat, an der Bruchstelle sei ein Höhenunterschied von 2-3 cm vorhanden gewesen, während er bei seiner Vernehmung vor dem Berufungsgericht eindeutig und bestimmt von einem Unterschied von 2-3 mm gesprochen und Stürzens zu bringen« Diese Gefahr ist aber bei einem Unterschied von 2-35 mm so geringfügig, daß sie vom Fußgänger durch eine entsprechende Gehweise ausgeglichen werden kann und muß« Das gilt umsomehr, als die Abdeckung eines Gullys auf der Fahrbahn hart an der Grenze des Bürgersteiges wegen der Art ihrer technisch erforderlichen Ausbildung als einsmit Rillen versehener in sich nach innen gewölbter Rost ohnehin eine gewisse unvermeidbare Gefahrerhöhung darstellt, der in zu demutbarer Weise durch die gebotene Vorsicht beim etwa erforderlichon Betreten begegnet werden kann«