BGH · VI ZR 30/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision der Kläger wird das Urteil des 2. Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe vom 13« Juli 1967 wird auf die Berufung der Kläger geändert? (Tatbestand Die Kläger verlangten in einem Rückerstattungs-Verfahren vor dem Landgericht L^|^ mit nachfolgender Berufung an das Oberlandesgericht TflHP von den Eheleuten die Rückgewähr eines Hausgrundstücks. EflBi in einem Rechtsstreit vor dem Landgericht Ke^|auf Schadensersatz in Anspruchs, weil sie ihnen über die Prist zur Einlegung der Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichts eine unrichtige Auskunft erteilt habe und die Kläger hierdurch gehindert worden seien, beim Obergericht für Rückerstattungssachen in RflHIB eine ihnen günstigere Entscheidung darüber zu erreichen, welche Beträge sie ihrerseits den Eheleuten VfP für zwischenzeitliche Verwendungen auf das Grundstück zu zahlen hatten. Das Landgericht bejahte die Schadensersatzpflicht der Rechtsanwältin Dr. und verurteilte sie zur Zahlung von 11.340,21 XH nebst Zinsen. Die Kläger haben den Schaden, der ihnen durph das entsprechende Unterliegen mit ihren Ansprüchen gegenüber der Hechtsanwältin Dr. He^BP entstanden ist, auf 5*453>95 DM, mindestens jedoch 5-430,50 DU mit den entsprechenden Zinsen zuzüglich 4-043?51 DM Kostennachteilen beziffert und Rechtsanwalt Dr.UflBf 9 und nach seinem Tode die jetzige Beklagte als seine Alleinerbin auf Zahlung von 9-497,46 DM nebst Zinsen in Anspruch genommen. Die Berufung der Kläger wurde zunächst durch das Urteil des Oberlandesgerichts KaflBBl vom 2. Auf die Revision der Kläger wurde dieses Urteil durch das Urteil des erkennenden Senats vom 20. In dem erneuten Verfahren vor dem Berufungsgericht haben die Kläger ihren Anspruch in Höhe von (4.430,50 SM + 4.043,51 SM 9.474,01 E2J nebst 4 $ Zinsen aus 5-430,50 DM seit dem 1. tungsausgaben und werterhöhende Anschaffungen zusam-mengezählt und dabei übersehen, daß der Sachverständige verschiedene Aufwendungen sowohl unter den einen als auch dem anderen dieser Gesichtspunkte betrachtet und sie zugleich in die betreffenden Kategorien eingereiht hatte» Auf diese Weise sind, wie das Berufungsgericht festgestellt hat, zugunsten der Eheleute Vogt 5»430,50 DM zuviel in Ansatz gebracht und die Kläger bei der Entscheidung des Oberlandesgerichts über ihre Schadensersatzansprüche gegen die Hechtsanwältin Br. He^HP um diesen Betrag nebst Zinsen verkürzt worden. Dem Berufungsgericht ist darin beizutreten, daß es sich hier um einen Fehler in den Verfahren des Oberlandesgerichts gehandelt hat, das in der Begründung der Revision gegen dessen Urteil hätte aufgedeckt und dargelegt werden müssen, damit das Revisionsgericht in den Stand gesetzt wurde, dem Fehler abzuhelfen (§§ 559* 454 Abs.3 Ziff.2 b ZPO). Februar I960 jedoch an einer den Erfordernissen entsprechenden hinreichend deutlichen und substantiierten Rüge der JSehrfachberechnung fehlen lassen, obwohl er nach den Feststellungen des Berufungsgerichts durch den Korrespondenzanv/alt der Kläger vorher ausdrücklich darauf hingewiesen worden war, daß das Oberlandesgericht bei der Ermittlung der zu erstattenden Aufwendungen mehrere Rechnungsposten doppelt berücksichtigt hatte. Durch sein Versäumnis hat der frühere Beklagte, wie das Berufungsgericht rechtsirrtumsfrei ausgeführt hat, die Sorgfaltspflichten verletzt, die ihm aufgrund des AnwaltsVertrages mit den Klägern bei der Vertretung ihrer Interessen Wäre der Fehler des Oberlandesgerichts in der Revisionsbegründung prozeßordnungsmäßig gerügt worden, so hätte die Revision nach der rechtsfehlerfreien Beurteilung des Berufungsgerichts insofern Erfolg haben müssen, als den Klägern gegen die Rechtsanwältin Pr«, Hef|^ ein um 5«430,50 DM höherer Schadensersatzanspruch - nit 4 #igen Zinsen seit dem Io Januar 1954 - zuerkannt worden wäre» Das Berufungsgericht hat hiernach mit Recht angenommen, daß der frühere Beklagte den Klägern für diesen Ausfall schadensorsatzpflichtig geworden ist» Dazu treten die Kostennachteile, die den Klägern aus der Aberkennung dieses Betrages in dem Rechtsstreit gegen die Rechtsanwältin Dr. er- Die Verpflichtung zu dem Ersatz dieser Schäden einschließlich der beanspruchten Prozeßzinsen von den eingeklagten Kosten (§ 291 BOB) ist mit dem Tode des früheren Beklagten nach § 1967 Abs«. Y/enn auch nach Ablauf der Begründungsfrist die Geltendmachung neuer Revisionsgründe nicht zulässig ist (§ 554 Abs.6 ZPO) und nachträglich vorgebrachte Verfahrensrügen bei der Entscheidung unberücksichtigt bleiben müssen - soweit nicht Mängel des Verfahrens (was hier außer Betracht steht) von Amts wegen zu beachten sind (§ 559 ZPO) -, ergibt sich regelmäßig doch erst aus dem das Verfahren abschließenden Urteil, ob der Partei durch die Versäumung der Rüge ein Schaden entstanden ist. Selbst wenn aber auch sollte angenommen werden können, daß die Kläger schon vor Erlaß des Revisionsurteils vom 15o Dezember I960 einen Schadensersatzanspruch gegen ihren Prozeßbevollmächtigten erlangt haben, so hätte dieser die Einrede der Verjährung doch nicht erheben können, ohne daß hierin eine unzulässige Rechtsausübung gelegen hätte. Nach dem unstreitigen Inhalt der vorgelegten Handakten des früheren Beklagten hatten ihm die Kor-rospondenzanwälto der Kläger Mitte November I960 ein Schreiben des Erstklägers vom 4» November I960 zur Kenntnis gebracht, in den dieser hervorhob, er betrachte in Übereinstimmung mit den Korrespondenz-anwälten nach wie vor als den eigentlichen und sichersten Pfeiler der Revision den Umstand, daß das Oberlandesgericht die Aufnahme einer Rei- he von Posten in mehreren Rubriken des Gutachtens Ha|^P übersehen habe und daß es nicht angängig gewesen sei, die Summe der Aufwendungen durch Addition der Rubriken zu ermitteln; dies müßte nach seiner An sicht mehr in den Mittelpunkt gerückt werden, als es in der Revisionsbegründung geschehen sei« Aus den In halte dieses Schreibens ergab sich für den früheren Beklagten begründeter Anlaß, die nicht fernliegende Möglichkeit eines Regreßanspruchs der Kläger gegen ihn selbst in Betracht zu ziehen» Nach den oben dargelegten Grundsätzen war er verpflichtet, die Kläger auf diesen Regreßanspruch hinzuv/eisen. zur Beendigung des Mandatsverhältnisses* längstens also bis zur Verkündung des Revisionsurteils vom 15» Dezember I960« Da der frühere Beklagte somit wenigstens bis zu diesem Zeitpunkt seinen Verpflichtungen aus dem Anwalts vertrag zuv/idorgehandelt hat, würde ein hierauf gegründeter Anspruch der Kläger auf Ersatz des durch Verjährung eingetretenen Schadens bei Einreichung der am 14«. 3» Der gegenüber dem Klagebegehren hilfsweise erhobene Einwand mitwirkenden Verschuldens ist unbegründete Wie das Berufungsgericht festgestellt hat* ist der frühere Beklagte in dem Vorprozeß gegen die Rechtsanwältin Dr» Hengstl durch den Berufungsanwalt der Kläger auf die fehlerhafte Mehrfachberechnung in dem Berufungsurteil des Oberlandesgerichts ausdrücklich hingewiesen worden; den Klägern kann daher nicht zu dem Vorwurf gemacht werden* daß sie es unterlassen hätten* für eine etwa nötige Information des früheren Beklagten zu sorgen« Den gekennzeichneten Fehler in der RevisionsBegründung in der gebotenen Weise darzulegen und zu rügen* war Aufgabe des früheren Beklagten« Im übrigen würde den Klägern* wenn ihrem Berufungsanwalt ein Pflichtverstoß zur Last gefallen wäre, der Berufungsanwalt nur neben dem Beklagten gesamtschuldnerisch mit ihm schadensersatzpflichtig geworden sein«