BGH · VI ZR 24/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
sodann begaben sich alle auf den Muhlburger Sportplatz, um einem Fußballspiel beizuwohnen, das bis gegen 17 Uhr dauerte ~ Anschließend trafen sie sich verabredungsgemäß in der Gastwirtschaft und begaben sich dann in das Gasthaus mehr übernahm die Klägerin, die nach Hause fahren wollte, sehen ihm und der Klägerin. Die Klägerin verlangt mit der Klage von den Beklagten als Erben R Ersatz ihres Vermögensschadens, ein ange- Das Landgericht hat die Klage abgewiesen« Es hält zwar eine grob fahrlässige Verursachung des Unfalls durch *4» f*r erwiesen« Die Klägerin sei sich aber der alkoholbedingten Fahruntüchtigkeit bewußt «'gewesen, sie habe daher auf eigene Gefahr gehandelt, gis'sie trotz Verdrängung vom Steuer weiter mitgefahren sei. Auf die Berufung der Klägerin hat das Oberlandesgericht die Zahlungsansprüche in Höhe von zwei Dritteln des entstandenen Schadens dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und die begehrte Feststellung in demselben Umfang getroffen« Entscheidnngsgründeg Die Annahme des Berufungsgerichts, der Erblasser der Beklagten, R^gpfc, bei dem ein Blutalkoholgehalt von 2,27 festgestellt worden sei, habe den Unfall grobfahrlässig verschuldet, wird von der Revision nicht angegriffen und läßt einen Rechtsirrtum nicht erkennen. Die Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe die Grundsätze über stillschweigenden Haftungsverzicht und Handeln auf eigene Gefahr verkannt, kann keinen TSrfolg haben« VRS 7, 6; VersR 1955, 278; 1957, 299)* Streit herrscht nur darüber, ob das Verhalten der Klägerin nach den gesamten Umständen und unter Berücksichtigung der Regeln von Treu und Glauben als stillschweigenden Haftungsverzicht oder Handeln auf eigene Gefahr auffassen konnte und mußte. allein seien noch keine hinreichenden Anhaltspunkte für ein Handeln auf eigene Gefahr oder einen stillschweigenden Haftungsverzicht zu entnehmen« Bie Revision meint, aus dem der Klägerin bekannten Umstande, daß die Geschäftsfahrten in Bierreisen auszuarten pflegten, müsse der Schluß gezogen werden, daß die Klägerin sich der ihr aus der Teilnahme an einer solchen Fahrt drohenden Gefahren bewußt gewesen sei und daher von vornherein auf eigene Gefahr gehandelt habe« Bemgegenüber stellt das Berufungsgericht fest, daß die Klägerin - als Berufsfahrerin - .*" damit rechnen konnte, werde bei der Heimfahrt ihr das Stexier überlassen, wie er es nach Verlassen der lokale und R^HBHP äa auch get An habe« Konnte sie aber hiermit rechnen, so fehlte ihr das Bewußtsein der möglichen Gefährdung, zu demal die Beklagten selbst nicht behaupten, sie habe selbst bei solchen Fahrten dem Alkohol übermäßig zugesprocheno Sie haben im Gegenteil durch die Zeugen und V^RHRB deren Nicht Vernehmung die Revision rügt, unter Beweis gestellt, daß rBRB bei einer solchen Fahrt ausdrücklich erklärt habe, er nehme die Klägerin mit, um einen zuverlässigen Fahrer zu haben, wenn er «einen draufgemacht habe«* Mit der mangelnden Kenntnis der möglichen Gefährdung entfällt aber eine wesentliche Voraussetzung für einen Haftungsverzicht und ein Handeln auf eigene Gefahr* (Vgl* die oben zitierten Entscheidungen) „ Bas Berufungsgericht hat danach ohne Rechtsverstoß von der Vernehmung der von den Beklagten dafür benannten Zeugen, daß die Geschäftsfahrten rBRRR) in Bierreisen auszuarten pflegten, und daß dies der Klägerin zufolge häufiger Teilnahme an solchen Fahrten bekannt gewesen sei, abgesehen* Ba die Klägerin bei der Wegfahrt von den lokalen und RRRBRR ab spräche gemäß den Wagen selbst steuerte und nach der Feststellung des Berufungsgerichts nicht unter Alkoholeinwirkung stand, kommt insoweit ein Handeln auf eigene Gefahr nicht in Betracht* Es kommt somit ausschlaggebend auf die Sachlage gegen 5 Uhr früh an, als nach der Feststellung des Berufungsgerichts rBRR* au^ der Kaiserstraße plötzlich die Handbremse zog und die Klägerin nach einer heftigen und lauten Auseinandersetzung zwang, das Steuer ihm zu überlassen, .wobei er sie auf forderte, den Wagen zu verlassen und mit der Eisenbahn oder einem Mietwagen nach Hause zu fahren* zicht auf die weitere Mitfahrt als Frau zur Nachtzeit und die Straße gestellt sah, sei schwerlich zu erwarten gewesen, sie werde dem auf sie ausgeübten Bruck mit einer Freistellung von der Verantwortlichkeit für die daraus entstehenden Folgen beantworten® Es liege im Gegenteil hei unbe- dem ?/illen der Klägerin, wenn er sich ohne triftigen Grund des Steuers bemächtigte und sie unnötig und gegen ihren Willen einer Gefahr aussetzte, auch dafür einstehen müssen<> Klägerin als Einwilligung in eine als möglich erkannte Schädigung zu verstehen ist, sind jedoch die gesamten Umstände, insbesondere auch die geschilderte, von lUHHfc selbst in rücksichtsloser Weise herbeigeführte Zwangslage der Klägerin maßgebend«, Diese Umstände hat das Berufungsgericht unter Berücksichtigung der Regeln von Treu und Glauben zutreffend dahin gewürdigt, daß das Verhalten der Klägerin nicht als stillschweigende Freistellung von jeder Haftung ver- Die Srwägung des Berufungsgerichts, daß die Klägerin zufolge eigenen Mitverschuldens nach § 254 BGB einen Teil ihres Schadens selbst tragen müsse, sowie die Schadensabwägung sind frei von Rechtsirrtum« Sie werden von der Revision auch nicht angegriffen«