BGH · VI ZR 22/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VI* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 18« März 1969 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Engels sowie1 der Bundesrichter Hanebeck, Dr, Bode, Dr, Weber und Dr, Nüßgens für Recht erkannt: Von Rechts wegen Am 10, April 1963 ist der Bi er Verleger Heinz , Ehemann der Klägerin Lieselotte und Vater der Klägerinnen Heidrun und Birgit WflHHfc bei einem Verkehrsunfall verunglückt, Er hatte seinen Lastkraftwagen in Winz-Lembeck auf der Isenbergstraße außerhalb der geschlossenen Ortschaft in einer Linkskurve am Stx’aßenrand abgestellt, um Ware zu einem auf der anderen Straßenseite gelegenen Haus zu bringen. Mit der klage haben die Klägerinnen als Ersatz für den ihnen entgangenen Unterhalt ( § 844 Abs, 2 BGB) von den Beklagten als Ge samt Schuldnern für die Zeit vom 10, April 1963 bis zu dem 17, September 1999 monatliche Renten verlangt, die für die einzelnen Zeitabschnitte der Höhe nach gestaffelt waren, Ferner haben sie um die Feststellung gebeten, daß die Beklagten verpflichtet seien, ihnen allen Schaden zu ersetzen, der ihnen nach dem 17, September 1999 aus dem Unfall entstehen werde. Sie haben erwidert, Heinz habe sein Fahrzeug nicht in dieser scharfen Linkskurve abstellen dürfen; deshalb mußten sich die Klägerinnen ein Eigenverschulden des Verunglückten von 25 anrechnen lassen. für die Zeit vom 10 Januar 1965 bis 31» Juli 1965 an Lieselotte monatlich 432,23 DM für die Zeit von 1 Monat nach Rechtskraft des Urteils bis zu dem 17. # Zinsen seit dem 19» November 1965 bezüglich der zu diesem Zeitpunkt bereits fälligen Renten und vom Tage der Balligkeit bezüglich der später fällig gewordenen Renteno Ferner hat das Landgericht dem Feststellungsantrag der Klägerinnen stattgegebeno Gegen dieses Urteil haben die Beklagten Berufung eingelegt mit dem Antrag lo Hinsicht der bezifferten Anträge die Klage gegen beide Beklagte insoweit abzuweisen, als a) für die Zeit vom 10, April 1963 bis 19» November 1964 mehr als 1/2, die bezifferte leistungsklage abzuweisen, bb) hinsichtlich der Klägerinnen Lieselotte und Birgit Y/fHI® die Klage abzuweisen, insoweit diesen Klägerinnen mehr als 1/4 dej ihnen zuerkannten Beträge zugesprochen worden sind, der Kl zu Feststellungsklage gegen die beklagte Firma nur im Nahmen des Straßenverkehrsgesetzes Die Klägerinnen haben sich der Berufung angeschlos-sen0 Sie haben mit ihrem Rechtsmittel für die Zeit ab 1 Monat nach Rechtskraft des Urteils bis zu dem 17« September 1999 höhere Renten beansprucht und hilfsweise beantragt 1. die Rente der Klägerin Lieselotte Wzu erhöhen, soweit die Renten der Klägerinnen Heidrun und Birgit gekürzt werden sollten, Im Berufungsrechtszug haben die Klägerinnen anerkannt, daß sich die beklagte Birma Hans Sinne des § 851 Abs» 1 Satz 2 BGB entlastet hat« Sie haben gegen sie als Halterin des Beton-Misch-Lastkraft-v/agens nur noch Ansprüche aus dem Straßenverkehrsgesetz hergeleiteto Bas Oberlandesgericht hat auf die Berufung der Beklagten und die Ansehlußrevision der Klägerinnen das Urteil des Landgerichts teilweise geändert« Es hat, soweit die beklagte Firma Hans KflHIV a^-s Ge-samtschuldnerin neben dem Beklagten haftet, die vom Landgericht zugesprochenen Rentenbeträge so gekürzt, v/ie es von den Beklagten beantragt war (Urteilsspruch unter I) „ Der Beklagte &flHHfeist darüber hinaus verurteilt worden, die im Urteils sprach des Oberlandesgerichts unter II genannten Rentenbeträge an die Klägerinnen zu zählen« Ferner hat das Berufungsgericht festgestellt, daß die Beklagten als Gesamtschuldner - die beklagte Firma Hans jedoch nur im Rahmen der Höchstbeträge des Straßenverkehrsgesetzes - verpflichtet seien, den Klägerinnen allen weiteren Schaden aus dem Verlust ihres Rechts auf Unterhalt infolge des Unfalltodes ihres Ehemannes und Vaters zu ersetzen, soweit die Ansprüche nicht auf einen öffentlich-rechtlichen Versicherungsträger ub er gegen gen sind. I, Der unstreitige Sachverhalt rechtfertigt die Annahme des Berufungsgerichts, daß der Beklagte Großheim nach den Delikts vor Schriften ( §§ 823, 844 Abs, 2 BGB) und die beklagte Birma Hans KdP als Halterin des an dem Unfall beteiligten Lastkraftwagens nach dem Straßenverkehrsgesetz ( §§ 7, 10 Abs, 2, 12 StVG) verpflichtet sind, den Klägerinnen den Unterhaltsschaden zu ersetzen, der ihnen durch den Tod ihres Ernährers entstanden ist, ßflHBP konnte den auf der rechten Straßenseite haltenden Lastkraftwagen auf eine Entfernung von etwa 100 m sehen, Er mußte mit Rücksicht auf die Straßenkurve mit Gegenverkehr rechnen und die Geschwindigkeit seines schweren Fahrzeugs soweit herabsetzen, daß er nötigenfalls rechtzeitig hinter dem Lastkraftwagen des Heinz hätte anhalten können. IIIo Lie Revision macht zu dem Grund des Anspruchs nur geltend, die Ersatzansprüche der Klägerinnen seien zu kürzen, weil sich auch die Betriebs ge fahr des am Straßenrand haltenden Lastkraftwagens des Heinz W^B^bei dem Unfall ausgewirkt habe» Liese Rüge kann keinen Erfolg haben» Las Berufungsgericht hat nicht übersehen, daß der Unfall durch den haltenden Lastkraftwagen mit verursacht wurde» Es hat diese Tatsache bei seiner Abwägung nach § 17 StVG berücksichtigt und angenommen, die Betriebsgefahr des haltenden Wagens trete bei dem groben Verschulden des Beklagten GflBl und der erhöhten Betriebsge-fahr seines Fahrzeugs so sehr zurück, daß sie außer Betracht bleiben müsse» Liese Erwägung ist rechtlich nicht zu beanstanden» Sie rechtfertigt die Ansicht des Berufungsgerichts, daß die Beklagten -die Eirma Hans KflHH Rahmen des Straßenverkehrsgesetzes - für den vollen Unterhaltsschaden der Klägerinnen aufzukommen haben» IVo Bel der Ermittlung des UnterhaltsVerlustes, den die Beklagten den Klägerinnen zu ersetzen verpflichtet sind, hat das Berufungsgericht zutreffend darauf abgestellt, welche Beträge seines Einkommens Heinz wenn er am Leben geblieben wäre, hätte aufwenden müssen, um seiner Ehefrau und seinen beiden Töchtern den Lebensunterhalt zu verschaffen, auf den sie nach den familienrechtlichen Vorschriften des Unterhaltsrechts Anspruch gehabt hätten» Die Berechnung der sich hiernach ergebenden Unterhalt srenten der Klägerinnen hält sich im Rahmen der Befugnisse, die § 287 ZPO dem Tatrichter für die Festsetzung der Schadenshöhe gewährt» Sie ist rechtlich nicht zu beanstanden, 1, Die Revision beanstandet, daß das Berufungsgericht auf den Schadensersatzanspruch der Klägerinnen nur die Rendite aus dem Verkauf des Geschäfts angerechnet hat. Sie ist der Ansicht, hier habe anders als bei einer Erbschaft das Kapital angerechnet werden müssen, das die Klägerinnen bei dem Verkauf des Geschäfts erv/orben haben (9.000 DM) 0 2. Dem Berufungsgericht ist auch darin zuzustimmen, daß die Renten der Klägerinnen nicht sofort, sondern erst für die Zeit nach Rechtskraft des Urteils um die aus dem Geschüftseriös erzielbaren Zinsen zu kürzen sind. sind, hat das Berufungsgericht für verständlich und glaubhaft gehalten, daß die Klägerinnen den in monatlichen Raten von mindestens 200 DM gezahlten Kaufpreis für ihren Lebensunterhalt verwandt haben. Baß die Ünterhaltsraten nach dem Berufungsurteil ab 19ö November 1965 zu verzinsen sind, ist eine Folge des Verzugs, in den die Beklagten mit der Zahlung geraten sind, und kann entgegen der Meinung der Revision keine andere Beurteilung rechtfertigen. 4o Schließlich bemängelt die Revision, daß das Berufungsgericht der Klägerin Lieselotte Renten bis zu dem Jahre 1999 zugesprochen hat. Sie meint, für einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren sei das Rechtsschutzinteresse der Klägerin zu verneinen, weil ihr das Feststellungsurteil zur Seite stehe und die Rechtslage in seiner so fernen Zukunft noch nicht in einem Leistungsurteil präzisiert zu werden brauche. Diese Rüge greift nicht durch« Hach § 258 ZPO kann bei wieder kehr enden Leistungen auch wegen der erst nach Erlaß des Urteils fällig werdenden Leistungen Klage auf künftige Eubr iehtung erhoben werden« Dabei kann sich, wie der Revision zuzugeben ist, eine zeitliche Beschränkung als nötig erweisen, wenn in der zukünftigen Entwicklung eine so starke Unsicherheit liegt, daß das Gericht sich kein ausreichendes und auch nur einigermaßen zuverlässiges Bild davon machen kann» So liegt die Sache hier nicht« Gewiß wird die Einschätzung der zukünftigen Entwicklung immer eine gewisse Unsicherheit mit sich bringen» Das allein ist abex’ noch kein Grund, von dieser Einschätzung abzusehen, wenn sie nach der Lebenserfahrung und der Lage zur Zeit des Urteils mit einiger Gewißheit möglich ist« Im vorliegenden Pall hat sich das Berufungsgericht in der Lage gesehen, die Höhe der Heilte für einen längeren Zeitraum mit ausreichender Sicherheit festzusteilen« Diese tatrichterliehe Entscheidung ist rechtlich nicht zu beanstanden«