BGH · VI ZR 21/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ten Lastzug geschnitten und sei hierdurch - also nicht wegen des einbiegenden Lastkraftwagens - ins Schleudern geraten» Werde gleichwohl eine ursächliche Beteiligung ihres eigenen Fahrzeugs bejaht, so habe jedenfalls den Unfall ausschließlich verschuldet» Er sei leichtfertig mit weit überhöhter Geschwindigkeit zwischen den beiden Lastzügen hindurchgefahren und habe sich hierdurch außerstande gesetzt, die vor ihm liegende Boelckestraße auf angemessene Entfernung zu überblicken und auf die dortigen VerkehrsVorgänge richtig zu reagieren» So habe er vor dem einbiegenden Lastkraftwagen weder gebremst, noch habo er ihn nach Vorschrift links überholt, obwohl beides möglich gewesen wäre und den Unfall verhindert hatte» Umgekehrt sei für den Erstbeklagten , als er sich vor dem Einbiegen vergewissert habe, der rechts von ihm liegende Teil der Boelckestraße auf beiden Eahrbahnhälften besetzt gewesen, nämlich bergauf durch jenen nicht festgestellten Lastzug und die ihm nachfolgenden Wagen, bergab durch den von gesteu- Bei dieser Verkehrslago habe der Erstbeklagte einbiegen dürfen» Er habe nicht damit rechnen können und brauchen, daß der bislang für ihn unsichtbare Mercedeswagen in einem waghalsigen und unstatthaften Überholmanöver zwischen den beiden Lastzügen hindurchgesteuert würde, um dann überschnell aufzutauchen und heranzukommen» Überdies habe der Erstbeklagte das Einbiegen beendet gehabt und sich schon in Geradeausfahrt befunden, als er von eingeholt wurde, so daß er dessen Vor- Die Kläger haben erwidert, SflHHIV habe auf der breiten und gut ausgobauten Boelckestraße den Lastzug trotz des Gegenverkehrs überholen und dabei auch mit der festgestellten Geschwindigkeit fahren dürfen» Er habe den Übcrholvorgang bereits beendet gehabt, als der bislang durch die entgegenkommenden Wagen verdeckte, schräg über die Straße fahrende LKW der Beklagten in rund 40 m Entfernung erstmals für ihn sichtbar geworden sei» In dieser Lage sei Bremsen zwecklos und der Versuch, rechts stoßes verunglückt sei, sondern deshalb, weil er den von Bm gesteuerten Lastzug nach dem Überholen "geschnitten" habe und dabei ins Schleudern geraten seio Auf diese Behauptung sind die Beklagten jedoch vor dem Berufungsgericht nicht zurückgekommen<> Ihre allgemeine Rüge, das Landgericht habe sich nicht mit den vorhan-denen Beweismitteln auaeinandergesetzt, schloß entgegen der Meinung der Revision die Wiederholung des tatsächlichen Vorbringens nicht ohne weiteres einQ Schon deshalb läßt 3ich dem Berufungsgericht nicht vorwerfen, es habe den hierfür erbotenen Sachverständigenbewoio fehlsam nicht erhoben» Davon abgesehen konnte es auf das Vorbringen der Beklagten auch sachlich nicht ankommen„ Daß sein Fahrzeug dicht vor dem überholten Lastzug scharf nach rechts gezogen hat, wie da3 Berufungsgericht nicht verkennt, war nur ein Teil seiner Ausweichbewegung vor dem plötzlich von links einbiegenden Lastkraftwagen der Beklagteno Ohne ihn hätte 0/^^ bei der festgestellten Verkehrslage keine Veranlassung gehabt, die rechte Straßenseite anders als in einem abgeflachten, der hohen Geschwindigkeit entsprechenden Bogen zurückzugewinneno So aber sah er sich genötigt, auf kürzeste Entfernung sogar bis auf das rechte Bankett auszuweicheno Unter diesen Umständen bleibt es sich gleich, ob schon die jähe Bewegung nach rechts oder erst das Befahren des Randstreifens den nachfolgenden Schleudervorgang ausgelöst hato Ebenso ist es unerheblich, ob die Fahrweisc als ei- haupt nur deshalb scharf nach rechts gezogen hat, weil der verkehrswidrig einbiegende LKW jäh als Hindernis vor ihm auftauchte» Das Berufungsgericht hat mithin nicht nur die Fahrlässigkeit des Erstbeklagten, sondern auch die Ursächlichkeit seines Verhaltens für den Unfall ohne Rechtsoder Verfahrensverstoß bejaht• Die Eintrittspflicht der Beklagten steht dem Grunde nach außer Zweifel« Hierbei verkennt die Revision, daß die von ihr her-vorgehobene Unübersichtlichkeit erst durch das Fahrzeug der Beklagten in die Verkehrslage hineingetragen worden ist, und zwar zu einem so späten Zeitpunkt, daß SflHHHB darauf nicht mehr gefahrlos reagieren konnte» Ehe der einbiegende LKW für sichtbar wurde, gestatteten die Verhältnisse nach der ausdrücklichen Feststellung des Berufungsgerichts sowohl die hohe Geschwindigkeit von 120 km/st als auch das Überholen zv/ischen den beiden Lastzügen hindurcho Baß Gegenverkehr herrschte, machte weder die Verkehrslage noch das befahrene Straßenstück unübersichtliche Die Straße verlief auf der kritischen Strecke völlig gerade, und der Raum zwischen den sich begegnenden Lastzügen war nach der Schilderung von Blass, der da3 Berufungsgericht gefolgt ist, breit genug, um die Hindurchfahrt des tier cedes wagen gut zu ermöglichen. Er konnte, als er den Entschluß zu dem Überholen faßte, weder den von links einmün-denden Feldweg noch den darauf herankommenden LKW der Beklagten wahrnehmenj selbst während des Überholvorganges bestand nach der eigenen Darstellung des Erstbeklagten noch keine Sichtverbindung wegen der auf der Boelckc-straße bergauf fahrenden Wagen, Gegenüber unsichtbaren Verkehrsteilnehmern, die etwa einbiegen wollten, durfte darauf vertrauen, daß sie ihrer Wartepflicht genügen würden. beklagten verursachten Bestürzung zwar nicht als Verschulden anzurechnen v/ar, die aber bei der sehr hohen Geschwindigkeit kaum gut ausgehen konnte und tatsächlich zu dem Tode des Fahrers geführt hato Unter diesen Umständen ist die Meinung des Berufungsgerichts berechtigt, daß ein besonders geistesgegenwärtiger Fahrer statt dessen versucht hätte, auf der Fahrbahn zu bleiben und un- ter gleichzeitigem Bremsen link3 an dem Hindernis vorbeizugelangen o Die Anochlußrevision sieht es grundlos als feststehend an, daß die beiden Fahrzeuge dann zu-sammcngestoßen wären« Als die Position rechts neben dem LKW der Beklagten erreicht hatte, befand sich dieser unstreitig bereits in Geradeausfahrt auf der rechten Fahrbahnhälfto» Br wäre also jetzt auch links zu überholen gewesen; daß dabei der Gegenverkehr mehr gehindert hätte als kurz zuvor bei der Hindurchfahrt zwischen den beiden Lastzügen, ist nicht ersichtliche Soweit S^HH^dic ^eit bis zu dem Einholen des Hindernisses durch seine Hechtsbewegung hinausgezögert hat, wäre dies beim Geradeausbleiben wahrscheinlich durch Bremsen möglich gewesene Ein etwa noch erforderliches Linksauobiegen hätte flacher ausgeführt werden können, weil sich °*me*lin schon auf der Straßenmitte befand» Die Schleudergefahr wäre dabei auf der festen Fahrbahn mit Sicherheit geringer gewesene Das Berufungsgericht hat also entgegen der Meinung der Anschlußrevision sehr wohl ein bestimmtes Verhalten aufgezeigt, das SflHBHfe offengestanden hätte und seiner Fahrweise vorzuziehen gewesen wäre» Die Kläger hätten dartun müssen, daß sich der schädliche Erfolg auch auf diesem Wege nicht hätte hintanhalten lassen; erst dann wäre der Entlastungsbeweis geschlossen gewesen» Im übrigen kann bei der Frage, ob der Unfall für SfliHHP unvermeidlich war, seine Fahrweise bis zu dem Auftreten der akuten Gefahr nicht schlechthin außer Betracht bleiben» Wenn auch die Hindurchfahrt zwischen den beiden Lastzügen mit 120 km/st Geschwindigkeit nach den Feststellungen statthaft war, so lag sie doch sicher an der Grenze des noch Erlaubten0 Gewiß brauchte mit der unvorhersehbaren Verletzung seines Vorfahrtrechts durch den Erstbeklagten nicht zu rechnen» Ein besonders sorgfältiger Kraftfahrer hätte jedoch ganz allgemein bedacht p wie gering seine Abwehrraöglichkeiten gegenüber irgendwelchen Zwischenfällen - etwa dem versuchten Aus-scheron eines entgegenkommenden Fahrzeugs - werden mußten, wenn er in der gegebenen Lage mit unvermindert hoher Geschv/indigkeit überholte» Er hätte diese deshalb nach der Annäherung auf einen angemessenen Betrag herabgesetzt und damit zugleich die besonders kritische Begegnung der beiden großen Lastzüge abgewartet» Es liegt auf der Hand9 daß es dann wesentlich leichter gewesen wäre, der plötzlich auftretenden Gefahr auf dem vom Berufungsgericht erörterten Wege zu entgehen» Eine Unvermeidbarkeit des Unfalls ist demnach auch für ohne Hechtsirrtum verneint worden, so daß es bei der Anrechnung der Betriebsgefahr des Mercedeswagens verbleiben muß»