BGH · VI ZR 21/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Er hat vorgetragen: Er sei mit einer Geschwindigkeit von nur 25 bis 50 km/st an die Kurve herangefahren« Daboi habe er einen Abstand von 1,20 m zur rechten Straßenrinne ei^gehalten* Weiter rechts zu fahren sei wegen der Beschaffenheit der Fahrbahn nicht möglich gewesen* Der Omnibus, den er erst im letzten Augenblick habe sehen können, sei mit einer viel zu hohen Geschwindigkeitn nämlich 40 km/st um die Kurve gefahren» Der Beklagte LHUphabe außerdem eine besondere Gefahrenquelle dadurch geschaffen, daß er mit seinem Fahrzeug auf die für ihn linke Fahrbahnhälft0 gekommen sei« Er habe zu demindest ein Warnzeichen geben müssen, Der Kläger will sich 1/6 seines Schadens als Mithaftungsquote anrechnen lassen und hat nach Abzug der Leistungen der sozialVersicherungsbeträge (4«077,40 DM) und der Zahlungen des Haftpflichtversicherers der Beklagten (6»000 DM) einen Schadensersatzanspruch von 4«537,63 DM errechnet» Mit der Klage hat er diesen Betrag von beiden Beklagten als Gesamtschuldnern und außerdem von dem Beklagten ein der Höhe nach vom Gericht fcotzusotzendes Schmerzensgeld verlangt» Ferner hat er die Feststellung beantragt, daß die Beklagten verpflichtet seien, ihm 5/6 aller Schäden zu ersetzen, die ihm nach dem 31 o März I960 noch erwachsen sollten» Die Beklagten haben um Abweisung der Klage gebeten und geltend gemacht: Der Unfall sei allein vom Kläger verschuldet worden und für sie ein unabweisbares Ereignis (§7 Abs» 2 StVG) gewesen« Der Kläger habe, wenn er nicht ganz auf der linken Straßenseite gefahren sei, den Omnibus auf rund 48 m sehen können» Fr habe jedoch nicht auf den entgegenkommenden Verkehr geachtet» Bei seiner polizeilichen Vernehmung habe er ausgesagt, daß er den Omnibus erst gesehen habe, als er nur 1,50 m von ihm entfernt gewesen sei» Später habe er diese Entfernung mit 6 m angegeben» Aus beiden Aussagen gehe hervor, daß der Kläger in einer kaum zu überbietenden Weise leichtsinnig gefahren sei« Hinzu komme, daß er auf der Straßenmitte und nach der Bere chnung des Sachverständigen Malkomesius mit einer Geschwindigkeit von 59 km/st, also viel zu schnell gefahren sei» Der Kläger habe sich mithin in mehrfacher Hinsicht grob verkehrswidrig verhalten» Dagegen könne dem Beklagten hflHR) kein Vorwurf gemacht werden» Das Landgericht hat den bezifferten KlageanSpruch sowie den Schmerzensgeldanspruch zu 2/5 dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und festgestellt, daß die Beklagten als Gesamtschuldner verpflichtet sind, dem Kläger 2/5 des weiteren Schadens aus dem Unfall zu ersetzenc Im übrigen hat es die Klage abgewiesen« I«, Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts ist der Omnibus beim Vorbeifahren an der vorspringenden Rathausecke mit seiner vorderen linken Stoßstange bis zu einem Punkt in die Gegenfahrbahn geraten, der 1,70 bis 1,75 ra von dem - in der Fahrtrichtung des Omnibusses gesehen - linken Fahrbahnrand (=Beginn der Straßenrinne) entfernt war« Da die Straße an dieser Stolle 4,80 m breit ist, hat er also 65 bis 70 cm von der für ihn linken Fahrbahnhälfte 5u Anspruch genommen» Bas war, wie Fahrvorouche ergeben haben, nicht zu vermeiden» sich mit dem Omnibus so weit rechts gehalten, wie es möglich war» Bie Kurve konnte nicht besser ausgefabren werden» Ba3 sieht auch der Kläger ein» Er hat seinen Vorwurf, Lichter habe gegen § 8 StVO verstoßen, schon im Berufungsrechtszug nicht mehr aufrecht erhalten» Das Berufungsgericht sieht das Verschulden darin, daß er diese unübersichtliche Kurve, in der durch das Hinüberfahren auf die Gegenfahrbahn eine besondere Gefahrenlage entstand, mit einer zu hohen Geschwindigkeit durchfahren hat» Sie betrug nach den Feststellungen des Berufungsgerichts im Zeitpunkt des Zusammenpralls etwas Es hat dem Kläger aber nur einen Teil seines Schadens zugebilligt, weil auch er sich verkehrswidrig verhalten und dadurch zu dem Entstehen des Unfalls beigetragon habe» Er habe erkennen können und müssen, daß sich die Fahrbahn in der S-Kurvc am Rathaus so verengte, daß entgegenkommende Omnibusse oder Lastkraftwagen gezwungen waren, beim Umfahren der Rathausocke die Gegenfahrbahn mit in Anspruch zu nehmen» Deshalb habe er nicht nur auf der rechten Seite der Fahrbahn fahren, sondern wegen der Unübersichtlichkeit der Strecke die äußerste rechte Seite der Fahrbahn benutzen müssen (§8 Abs» 2 Satz 2 StV0)o Er sei aber beim Zusammenstoß mit dem Omnibus mindestens 1,70 m vom rechrr ten Fahrbahnrand entfernt gewesen» Ferner sei der Kläger mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 km/st viel zu schnell gefahren» Er habe bei der Annäherung an die Rat-hauseckc mit einem plötzlich auftauchenden größeren Fahrzeug rechnen und deshalb seine Geschwindigkeit so weit herafesetzen müssen, daß es ihm möglich gewesen wäre, recht-zeitig anzuhalten oder wenigstens wirksam zu bremsen oder auszuweichen» Schließlich habe der Kläger es auch in einer daß er den Omnibus erst auf 1,5 m gesehen habe« Zwar habe er die Entfernung, aus der er den Omnibus gesehen haben will, später - in der Straf Verhandlung vor dem Amtsgericht - mit etwa 6 ra angegeben« Aber auch diese Angabe zeige, daß der Kläger die erforderliche Aufmerksamkeit in grober Weise außer acht gelassen habe« Eenn die Augenscheinseinnahme und die damit verbundenen Fahrversuche hätten ergeben, daß der Kläger den Omnibus so rechtzeitig habe bemerken können, daß ihm noch zwei Sekunden Zeit bis zu dem Erreichen der stelle zur Verfügung standen, an der es zu dem Zusammenstoß kam« Er habe daher die Möglichkeit gehabt, so zu reagieren, daß der Zusammenstoß vermieden wurde« Indessen habe er - v/ie das Fehlen jeder Bremsspur des Motorrades zeige - überhaupt nicht reagiert« Bei der Abwägung der Unfallursachen (§17 StVG) hat das Berufungsgericht die von dem Omnibus ausgehende Be-triebsgofahr höher bewertet als die Betrieb3gefahr des Motorrades, andererseits aber das Verschulden des Klagers als weitaus schwerer angesehen als das des Beklagten IiHHV° Baker hielt das Berufungsgericht für angemessen, daß der Kläger 3/5 seines Schadens selbst zu tragen habe und demgemäß nur für 2/5 seines Schadens Ersatz von den Beklagten beanspruchen könne« b) Zu Unrecht bezweifelt die Revision, daß die Straßenstrecke an der Unfallstelle unübersichtlich war (§ 8 Abo- 2 Satz 2 StVO)« Es mag sein, daß der Kläger die Strecke besser übersehen konnte als der Omnibusfahrer« Das steht aber nicht der Annahme entgegen, daß es sich auch für ihn um eine unübersichtliche Straßenslzectoe gehandelt hat, die es ihm zur Pflicht machte, die äußerste rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten« c) Daß der*Zustand der Straße dem Kläger erlaubt hätte weiter rechts zu fahren, ist ebeiifalls rechtsfehlerfrei festgesteilt worden« Das Berufungsgericht hat nicht übersehen, sondern ausdrücklich erwähnt, daß die Fahrbahn gewölbt war und am Rande zur gtraßenrinnc hin Unebenheiten aufv/ies« Es hat aber von dem Kläger nicht verlangt, daß er dort, also scharf am Rande der Straßenrinne entlang hätte fahren müssen, sondern hat mit Recht angenommen, daß es ausreichend gewesen wäre, wenn der Klager einen Abstand von etwa 60 bis 80 cm zu dem rechten Rande der Fahrbahn ein-gehalten hätte« Daß diese Fahrweise bei dem Zustand der Straße möglich gewesen v/äro, konnte das Berufungsgericht den vorliegenden Lichtbildern und den Feststellungen entnehmen, die das Landgericht im Augenseheinstermin getroffen hat« Die Revision meint, dem Kläger komme der Vertrauensgrundsatz zugute, weil er nicht damit habe zu rechnen brauchen, daß ihm entgegenkommende breite Fahrzeuge öeine eigene Fahrbahn in Anspruch nehmen mußten» Diese Rüge greift nicht durch» sie scheitert an der Feststellung des Berufungsgerichts, der Kläger habe, als er auf die S-Kurve am Rathaus zufuhr, die Verengung der Fahrbahn und auch erkennen können, daß entgegenkommende Lastkraftwagen oder Omnibusse an der Ecke des Rathauses nur unter Inanspruchnahme seiner Fahrbahn vorbeifahren konnten» Allerdings konnte der Kläger darauf vertrauen, daß in erster Linie die aus Richtung Lonsingen sich nähernden Kraftfahrer auf die hier bestehende Gefahrenlage Rücksicht nehmen würden» 3o) Da der Unfall durch mehrere Kraftfahrzeuge verursacht worden ist und auf beiden Seiten die Voraussetzungen für eine Schadenshaftung gegeben sind, hat das Berufungsgericht mit Recht eine Ausgleichung des Schadens nach den in § 17 StVG ausgesprochenen Grundsätzen für geboten «alten« Dabei hat es entgegen der Meinung der Revision nicht verkannt, daß der Umfang des zu leistenden Ersatzes in erster Binie davon abhängt, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden ist« Daö Berufungsgericht hat eine weuerrt liehe Ursache des Unfalls darin gesehen, daß der Omnibus einen Teil der Gegenfahrbahn benutzen mußte, um in der Kurve an der Ecke des Rathauses vorbeifahren zu können« Es hat bei seiner Abwägung ausdrücklich hervorgehoben, daß durch diese Inanspruchnahme eines Teiles der Gegenfahrbahn für den Kläger eine besondere Gefahrenlagc geschaffen wurde Dio Revision irrt, wenn sie meint, dieser Umstand stehe bei der Frage der Verursachung so ira Vordergrund, daß er allein als ursächlich für den Unfall angesehen werden könneo Das Berufungsgericht hat mit Recht angenommen, daß auch das Motorrad und die Fahrweise des Klägers erheblich zu dem Entstehen des Unfalls beigetragen haben» Zu Unrecht bemängelt die Revision, das Berufungsgericht habe bei der Abwägung des Verschuldens nicht ausreichend dem Umstand Rechnung getragen, daß LflHHB die Fahrstrecke kannte» Allerdings ist diese unstreitige Tatsache in den Entscheidungsgründen des Berufungsurteils nicht ausdrücklich hervorgehoben worden«, Es besteht aber kein Grund zu der Annahme, daß das Berufungsgericht sie übersehen hätte« Es wertet ersichtlich gerade die Tatsache, daß sich der Beklagte obwohl er wußte, daß er in der Kurve wegen der Breite seines Fahrzeuges die Gegenfahrbahn mit in Anspruch nehmen würde, keine Gedanken über die Gefährlichkeit der Kurve und die Möglichkeit von Gegenverkehr gemacht hat, als schuldhafte Ursache seiner verkehrswidrigen Föhrweise«