BGH · VI ZR 307/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Er erstrebte ein Ziel von 30 Tagen nach Erteilung der Rechnung über den effektiven Monatsbezug, was der Einräumung eines Kredits von 300*000 EM oder mehr gieichgekommen wäre* konnte das Gesuch jedoch nur an die Londoner Zentrale der Klägerin zur Entscheidung weiterleiten, weil seine eigenen Vollmachten auf Kredite bis zu 100*000 DM begrenzt waren«, Bei der Erörterung, ob sich zwischenzeitlich wenigstens dieser Betrag ausschöpfen ließe, legte dar, daß das Grundkapital der AoGo” soeben von 100*000 DM auf Unter diesen Umständen, so hat die Klägerin geltend gemacht, hätte der Beklagte nicht bescheinigen dürfen, daß die Kapitalerhöhung durch Zahlung durchgeführt sei« Hätte er zutreffend von Sacheinlagen gesprochen, so hätte die Klägerin hierin keine ausreichende Grundlage für die nachgesuchte Kredit aus weitung gesehen, das Verlangen KrflPfr abgewiesen und beim Konkurs der "AHP" keinen oder doch nur einen wesentlich geringeren Ausfall erlitten Der Beklagte habe gegen seine Amtspflicht, nur richtige und eindeutige Urkunden zu errichten, zu demindest grob fahrlässig verstoßen und miisse der Klägerin daher den eingetretenen Schaden ersetzen- Die Klägerin hat als Teilbetrag 7-000 DM gefordert« Der Beklagte hat um Klageabweisung gebetenEr hat behauptet, er habe KrflPHPAdie Bescheinigung nur zur Vorlage bei der Bank für Gemeinwirtschaft erteilt; die übrigen neun Stücke seien zur internen Verwendung bestimmt gewesen« Da die Hausbank der "AlHHP" über die Vorgänge vollständig unterrichtet gewesen sei, habe er sich eines abgekürzten Wortlauts bedient« Daraus könne die Klägerin nichtsherleiten« Sie habe ebenfalls gewußt, daß die Kapi-talerhöhung im Zusammenhang mit dem Erwerb der beiden Elugzeuge gestanden habe» iur diesen wirtschaftlichen Erfolg sei es gleich gewesen, ob die Mittel für den Ankauf vorgestreckt und dann gegen die neuen Aktien verrechnet wurden, oder ob sie zunächst als weiteres Grundkapital in die Gesellschaftskasse flössen, um sogleich in der vorgesehenen Weise verwandt zu werden9 Daß in kei« nem lalle eine Verbesserung der Liquidität bewirkt wurde: habe die Klägerin überdies durch die gleichzeitige, offei Erklärung Krukenbergs erfahren, daß die "AflHH^" Zahlui Schwierigkeiten habe und Kredit nehmen müsse, wo sie ihn bekommen könne» B^J^habe denn auch die Kreditzusage scJ verbindlich abgegeben, ehe ihm die Bescheinigung des Bek ten vorlag, und sich dabei allein von seinem geschäftlich Interesse an den steigenden Umsätzen der lassen« Da dies grob leichtfertig gewesen sei, könne die Klägerin von 3^^^ Schadenersatz fordern und den Beklagt« auch aus diesem Grunde nicht in Anspruch nehmen« Zuminde; müsse sie sich ein überwiegendes Selbstverschulden entgegenhalten lassen« er eine durch Zahlung bewirkte Kapitalerhö um t« 100«000 DM bescheinigt hat, obwohl er selbst die Au rechnung mit Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Höhe *5 «057*000 DM protokolliert und eine Einzahlung der restl 43o000 DM nicht wahrgenommen hatte» Es hat den Beklagten besonders im Hinblick auf die ex-teilten zehn Ausfertigun nicht damit gehört, daß die Bescheinigung ausschließlich zur Verlage hei der Hausbank der be- rin über die Tatsache der Kapitalerhöhung hinaus auch deren bescheinigtes Zustandekommen "durch Zahlung" entscheidend gewesen sei; das Berufungsgericht hält es vielmehr für wahrscheinlich, daß die Klägerin der "Aerotour" den nach« gesuchten Kredit ebenso eingeräumt hätte, wenn ihr eine inhaltlich richtige Urkunde vorgelegt worden wäre* Unbegründet ist die Rüge, das Berufungsgericht habe übersehen, daß der Beklagte nicht nur eine Kapitalerhöhung durch Zahlung, sondern auch deren bereits erfolgte Burch-führung fälschlich bestätigt habe. Das Berufungsgericht hat deshalb seine Entscheidung zutreffend darauf abgestellt, ob es für die Kreditzusage der Klägerin eine Rolle gespielt hat, daß der Beklagte gerade eine im Wege der Zahlung erfolgte Kapitalerhöhung bescheinigt hat» Die Würdigung der Gesamtumstände dahin, daß dieö nicht erwiesen, das Gegenteil sogar wahrscheinlich sei, läßt keinen Verfahrensverstoß erkennen» Das Berufungsgericht durfte sich von der Erwägung leiten lassen, daß die Klägerin Aufschluß Uber die näheren Umstände der Kapitalerhöhung verlangt hätte, wenn ihr die Tatsache der beschlossenen Aufstockung allein nicht genügte. Die herausgegriffene Feststelluhg, daß Boeck am 23° Juni 1958 (als die Bescheinigung vorlag) die Frage der Art der Kapitalerhöhung nicht angeschnitten hat, bildet nur den Abschluß einer umfassenderen Darlegung» Diese geht davon aus, daß Bg|^schon seine Erklärung vom 2g,» Juni, es komme ein “PersonalkreditM bis zu 10 des Grundkapitals in Betracht, ohne Einschränkungen hinsichtlich der Art der Kapitalerhöhung abgegeben hat, Uber die er derzeit nur durch die allgemeine, mündliche Mitteilung Krukenbergs unterrichtet war. wobei sie aus der Dringlichkeit des Kreditgesuchs ersah, daß die aufgebrachten Mittel offenbar schon überwiegend oder ganz darin investiert worden waren* Wenn sie diese Entwicklung sowohl als Kreditgeberin wie im Hinblick auf die Steigerung ihres Umsatzes nach einem vorgelegten Aktenvermerk als "nur günstig" beurteilte, so ließ das den Eiickachluß zu? daß sie kein Gewicht darauf legte, auf welchem Wege der wirtschaftliche Erfolg herbeigeführt wurde, d0h0 ob der neue Sachwert eingebracht, durch Darlehn vorfinanziert oder unmittelbar aus der aufgefüllten Gesellschaftskasse bezahlt wurde« Das Berufungsgericht konnte daraus folgern, daß die ¥*orte "durch Zahlung" in der schließlich vorgelegten Bescheinigung bei der Klägerin nicht die irrige Vorstellung erweckt haben, die "Aerotbur" sei wesentlich liquider und durch die Möglichkeit des jederzeitigen Zugriffs auf beträchtliche flüssige Mittel entsprechend kreditwürdiger geworden«, ln diesem Sinne bietet die Bareinzahlung von Kapital für sich allein niemals eine beständige Sicherheit, während andererseits auch bei Sach-und Nachgründungen überwacht wird? Die von ihrem Hausjuristen beratene Klägerin konnte entgegen ihrem von der Revision wiederholten Vortrag auch nicht der Meinung sein, daß eine Kapitalerhöhung “durch Zahlung“ ihr insofern günstiger sei, als dann bei der geplanten Anlage der neuen Mittel in Betriebseinrichtungen keine Schwierigkeiten mehr auf« treten konnten«. Das Berufungsgericht hat mit Recht darauf hingev/iesen, daß in dieser Hinsicht praktisch kein Unterschied zwischen einer Kapitalerhöhung mit Sacheinlagen (§ 150 AktG) und einer Nachgrundung (§ 45 AktG) bestand, wie sie unstreitig beim Erwerb der Flug« zeuge mit neu eingezahltem Kapital Vorgelegen hätte„ In beiden Fällen konnte die vorgeschriebene Prüfung zur Ablehnung der Eintragung führen (§ 155 Abs«, 4, § 45 AbSo 6 AktG)* Das Eegistergericht hat sogar, wie sich aus der Stellungnahme des Beklagten vom 29» August 1958 ergibt, den Erwerb der Maschinen mittels später verrechnet er Darlehn einer Nachgründung gleichgeachtet und ausschließlich unter diesem Gesichtspunkt beanstandet. Das Hindernis hat nach der Darstellung der Klägerin zur Folge gehabt, daß die “AjBHlHP” au^ Betreiben ihrer Hausbank die Kapitalerhöhung rückgängig machen und wieder die Form einer GmbH annehmen mußte« Die Revision rügt zu Unrecht, daß das Berufungsgericht diesen Vortrag übergangen habe«, Sie verkennt, daß es zu diesem Scheitern der gesamten Transaktion völlig unabhängig davon kommen konnte und tatsächlich auch gekommen ist, ob die Ausweitung des Unternehmens durch den Erwerb weiterer Flugzeuge mit zunächst bar eingezahltem Kapital (wie bescheinigt) oder im Wege der Vorfinanzierung unter späterer Konsolidierung der Darlehensschuld versucht wurde«» daß die fehlsame Bescheinig gung einer Kapitalerhöhung "durch Zahlung” den Kreditentschluß der Klägerin nicht erweislich beeinflußt hat* braucht auf die Prägen eines eigenen Verschuldens der Klägerin oder ihrer Vertreter nicht mehr eingegangen zu werden.