BGH · VI ZR 304/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ten Erbfolge ihren Grundbesitz gegen Gewährung eines Altenteiles übertragene Zu diesem Zweck bestellte sie am 17oiJärz 1933 den Beklagten zu sich nach LfHiHHto An diesem Tage beurkundete der Beklagte auf Wunsch der Beteiligten folgenden Vertrag (Urkunde Nr«^p/1953): ist« Er hat vorgetragens Der Beklagte habe die von Frau bcH^und dem Kläger gewünschte Übertragung des gesamten Grundbesitzes nicht ordnungsgemäß beurkundete Er sei als Notar verpflichtet gewesen., den Parteiwillen unzweideutig und in übersichtlicher Form zu beurkunden und sich auch über die Eintragungen im Grundbuchs vor allem das Bestandsverzeichnis, zu unterrichten« Diesen Pflichten sei der Beklagte nicht nachgekommenc Er habe den ersten Vertrag ohne eine genaue katastermäßige Bezeichnung des zu übertragonaen Grundbesitzes nicht ordnungsgemäß beurkundet«, Sodann habe er den Ergänzungsvertrag vom 29« Mai 1954 nicht entsprechend dem Parteiwillen protokolliert« Aus dem Grundbuch sei hervorgegangen, daß das Hausgrundstück H^B^s^ra^eflBun^er öen Nummern 75 A und 75 B geführt worden sei« Infolge falscher Einsicht des Grundbuchs habe der Beklagte in dem Ergänzungovertrag nicht - wie dies beabsichtigt gewesen sei - die Auf-lassung des gesamten Grundbesitzes der Witwe Sc^p^t sondern nur der Grundstücke beurkundet, die unter Hr. 4 und 8 des Bestandsverzeichnisses eingetragen .»aren« Diesen Fehler habe der Beklagte selbst dann noch nicht bemerkt, als das Grundbuchamt ihm mitgeteiit habe, daß das Grundbuchblatt inzwischen auf das Reichskataeter zurückgeführt worden sei und daß die frühere Anbauerstelle Nr. 75 b wieder hergestellt werden müsse, damit die in dem Vertrag vom 29« Mai 1954 Überträge“ nen Flurstücke unbeschrieben werden könnten« All das zeige, daß der Beklagte es an der erforderlichen Sorgfalt habe feix-* len lassen« Er, der Kläger, sei überzeugt gewesen, daß er der alleinige Eigentümer des gesamten Grundbesitzes seiner Großmutter geworden sei. de er durch einen Prozeß dazu gezwungen werden könneno Der Kläger hat beantragt, festzusteilen, daß der Beklagte verpflichtet ist, den Kläger dafür schadlos zu halten, daß er nicht der Aileineigentümer des jetzt noch im Grundbuch von Band III Bl« eingetragenen Grundbe- sitzes geworden istc Der Beklagte hat um Klageabweisung gebeten« Er hat bestritten, schuldhaft seine Amtspflichten verletzt zu haben, und hat geltend gemacht: Der Vertrag vom 17» Mörz 1953 habe nach dem ausdrücklichen Wunsch der Witwe Sc^^pauch ohne katastermäßige Bezeichnung der Grundstücke beurkundet werden sollen« Auch bei Abfassung des Zusatzvertrages vom 29o Mai.1954 sei er seinen Pflichten uachgekommen« Das Grundbuch sei von ihm oder von seinem Bürovorsteher eingesehen worden« Es sei aber äußerst unübersichtlich gewesen« Ira übrigen treffe nicht ihn, sondern den Kläger die Schuld dafür, daß nicht alle Parzellen auf ihn - den Kläger - übertragen worden seien« Dieser hätte spätestens aus den grund-buchamtliehen Benachrichtigungen ersehen müssen, daß nur ein feil des Grundbesitzes seiner Großmutter auf ihn umgeschrieben war; damals sei immer noch Gelegenheit zur Richtigstellung gewesen, an der gegebenehfalls auch Prau Sc|m^ohne weiteres mitgewirkt haben würde« Schon bei Abschluß des Ergänzungsvertrages vom 29o5o1954 habe sich der Kläger vergewissern müssen, ob die im Vertrag aufgeführten Parzellen den gesamten Grundbesitz der Witwe umfaßten« eingetragenen Grundstücke0 Außerdem stehe ihm ein Schadensersatzanspruch gegen die Rechtsanwälte und in HflHPZUo Hierzu ist unstreitig, daß der Kläger, der damals in arbeitete, diese Anwälte aufgesucht hat, als ihm vom Grundbuchamt eine Abschrift der oben erwähnten Zwischenverfügung vom 5« Mai 1954 zugegangen war«, Eie Rechtsanwälte und i^^phaben in einer Eingabe an das Grundbuchamt vom 25« Mai 1954 gebeten, die Frist für - die Bearbeitung der Sache zu vei’längern, weil ihr Mandant zur Zeit abwesend sei« Der Beklagte hat behauptet, der Kläger habe die Rechtsanwälte beauftragt, die Frage zu klären, welche der unter den verschiedenen Nummern des Bestandsverzeichnisses eingetragenen Grundstücke auf ihn, den Kläger, übertragen werden sollten und müßten«. Demgegenüber hat der Kläger vorgetragen, er habe die Rechtsanwälte Paschotta und Koch nicht mit Nachforschungen darüber oeauftragt, ob die vom Beklagten eingeleiteten Schritte zur Übertragung des gesamten Grundbesitzes führen«, sondern habe sie nach Erhalt der grundbuchamtlichen Zwischenverfügung nur aufgesucht, um eine Beschleunigung der Angelegenheit zu erreichen. Da sich die Vorgänge, aus denen der Kläger seinen Schadensersatzanspruch gegen den Beklagten herleitet, in den Jahren 1953 und 1954, also vor dem Inkraft treten der Bundesnotarordnung vom 24o Februar 1961 (BGBl I 97 ff) abgespielt haben, kommt als rechtliche Stutze des Klageanspruchs nur § 21 der damals geltenden Beichsnotarordnung (RNotO) vom 13o Februar 1937 (RGBl I 191) in Betracht« Nach dieser Bestie raung hat ein Notar, der schuldhaft die ihm einem anderen gegenüber obliegende Amtspflicht verletzt, diesem den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen» Fällt dem Notar bei einem Beurkundungsgeschäft, wie es hier in Rede steht, nur Fahrlässigkeit zur last, so kann er nur dann in Anspruch genommen werden, wenn der Geschädigte nicht auf anaere Weise Ersatz zu erlangen vermag (§ 21 RNotO in Vgj uindung mit § 839 Abs. 1« Zuzustimmen ist der Ansicht des -vufungsgerichts, daß der -“eklage bei der Beurkundung der crundstücksauflas-sung fahrlässig seine Amtspflichten verletzt hat» Obwohl Frau schwing dem Kläger ihren gesamten Grundbesitz {fprtragen wollte, hat der Beklagte in dem Ergänzungsvertrag vom 29»Hai 1954 nicht sämtliche Grundstücke der Witwe aufge- führt o Er hat damit bewirkt, daß entgegen dem Wunsch seiner Auftraggeber feile des Grundbesitzes im Eigentum der Witwe Sqd^verblieben« Das ist, wie das Landgericht mit Billigung des Berufungsgerichts mit Recht angenommen hat, nur darauf zurückzuführen, daß der Beklagte sich nicht mit der erforderlichen Sorgfalt über den Grundbuchstand vergewissert hat (vgl» § 41 der Dienstordnung für Notare)« Daß hierin eine fahrlässige AmtspflichtVerletzung liegt und damit die Voraussetzungen des § 21 Abs« 1 Satz 1 RNotO gegeben sind’, zweifelt auch die Revision nicht an« der dem Kläger durch diese Amtspflichts-Verletzung erwachsen ista besteht in erster Linie darin, daß er nicht Eigentümer des gesamten Grundbesitzes seiner ^roß-mutter geworden ist, sondern sich hinsichtlich eines 'feiles dieses Grundbesitzes in die Stellung des Miterben neben seinem Stiefonkel Karl verwiesen sieht» Für diesen Schaden kann der Kläger den Beklagten nicht zur Verantwortung ziehen, v/eil nicht dargetan i3t, daß er nicht auf andere Weise Ersatz dieses Schadens zu erlangen vermago las -Berufungsgericht hält es für möglich, daß der Kläger von seinem Stief onkel Karl eine Mitwirkung bei der Umschreibung des gesamten Grundbesitzes der Witwe Schwing auf ihn, den Kläger, beanspruchen kann* Zutreffend legt es den notariellen Vertrag vom 17*> März 1953 dahin aus, daß er in seinem § 1 die schuldrechtliche Verpflichtung der Witwe cmmP ent hält, ihren gesamten Grundbesitz dem Kläger zu übertrageno La die volle Erfüllung dieser Verpflichtung noch aus3teht, ist sie als Nachlaßverbindlic■keit der Witwe bc|H| von der Erbengemeinschaft zu bewirken«, s/so von Karl Schwing mitzuvollziehen* Daß dieser es ablehnt, -er Übertragung des Alleineigentums auf den Kläger zuzustimm*n, schließt nicht aus, hier von einer anderweitigen Ersatzmöglichkeit im Sinne des § 859 Abs«. 1 Satz 2 BGB zu sprechen Aus dieser Bestimmung ergibt sich, daß der Kläger zunächst versuchen muß, seine Ansprüche gegen Karl Sc|^^ notfalls im Wege der Klage zu verfolgen«» Solange er diesen Versuch nicht unternommen hat, kann er wegen des Schadens, der im nicht-' erwerb des Alleineigentums an dem gesamten Grundbesitz der Witwe ScJ^H^besteht, den Beklagten nicht in Anspruch nehmen«. Biese Ansicht des Berufungsgerichts kann nicht gebilligt werden« Ob der Beklagte in irgend einer Eorm zu dem Schadensersatz verpflichtet ist, kann endgültig erst beurteilt werden, wenn der Prozeß gegen Sc^H^entschieden ist« Solange es möglich ist, daß der Kläger auf diesem Woge Ersatz seines Schadens erlangt, fehlt die Rechtsgrundlage für 3©den Schadensersatzanspruch gegen den Beklagten« Die Unmöglichkeit anderweitiger Ersatzbeschaffung bildet einen Teil des Tatbestandes, aus dem der Ant shaftungsanspruch hergeleitet wird« Sie begründet erst ien Anspruch« Solange möglicherweise ein anderer haftet, ist der Notar, der fahrlässig gehandelt hat, überhaupt nicht schadensersatzpflicht: (BGHZ 4, 10; 28, 297, 301; 31, 148, 151 bind 37, 175). Das Berufungsgericht hat die Ersatzpflicht des Beklagten nicht nur in diesem begrenzten Umfang festgestellt, son-dex'n ist mit der Zurückweisung dei* Berufung des Beklagten der Feststellung des Landgerichts beigetreten» daß der Beklagte verpflichtet sei, den Kläger dafür schadlos zu halte] daß er nicht der Alleineigentümer der auf dem Grundbuchblatt Bana III Bl«flB eingetragen gebliebenen Grundstücke Nr. 11 und Nr. 12 ist. don Htmtpschaden des Klägers umfassende FestStellung für gerechtfertigt, weil der Kläger für den Fall, daß er den Prozeß gegen ^arl Schwing verlieren sollte, seinen Anspruch auf das Alleineigentum einbüßen würde und alsdann vom Beklagten Ersatz des vollen Schadens beanspruchen könnte« Buß sich das Berufungsgericht von diesem Gedanken hat leiten lassen, zeigen die Ausführungen, mit denen es für diesen Anspruch das rechtliche Interesse an einer alsbaldigen Feststellung bejaht (14 Seite 14 des Urteils)« Seine Erwägungen beruhen indes auf einem Rechtsirrtum« Sollte der Kläger den Roches-.streit gegen Karl verlieren,. ohne daß ihn daran ein Verschulden trifft, so würde ihm freilich auch für den oben erörterten Haupt schaden ein Amt shaftungsanspruch gegen den Beklagten zustehon, denn dann stände fest, daß er auf "andere neise” keinen Ersatz zu erlargen vermag (Urteil des BGH vom 23« Oktober 1958 - III ZR 91/57 - IM § 839 B^B E ?)« Solange es aber an dieser Voraussetzung des Arntshaftungsan-spruchs fehlt, ist aus den gleichen Gründen, wie sie oben (unter Nr« 3) dargelegt wurden, weder eine Leistungs- noch eine Feststellungsklage gegen den Notar ^ex^echtfertigt« Die *eststellungsklage läßt sich entgegen der Meinung des Berufungsgerichts auch nicht mit der Erwägung recht-fertigen, daß dem Amtshaftungsanspruch des Klägers die Verjährung drohe« Da die Unmöglichkeit, anderweit Ersatz zu erlangen, Voraussetzung dieses Anspruchs ist und zur Begründung der Klage gehört, beginnt die Verjährungsfrist des § 852 BGB erst, wenn der Geschädigte Kenntnis davon erhält.« Lie Rechtskraft dieses jetzt ergehenden Urteils steht der Geltendmachung eines künftigen Amtshaftungsanspruches nicht entgegen« Da der Anspruch mit der Begründung abgesprochen wird, daß der Kläger anderweit Ersatz zu erlangen vermöge, ist die Klage nur als “zur Zeit unbegründet“ abgewio-sen. Der Kläger kann, wenn sein versuch, anderweit Ersatz zu erlangen, mißlingt, auf Grund dieses neuen Tatbestandes eine zweite Amtshaftungsklage erheben, ohne daß die Rechts-kraft des im jetzigen Verfahren ergehenden Urteils entgegensteht (BGHZ 37» 375 und 35» 338)«