BGH · VI ZR 279/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zwischen den Parteien ist die Verantwortlichkeit der Beklagten für den Unfall unstreitig, über die im Jahre 1952 entstandenen Schäden ist zwischen dem Kläger und der Versicherungsgesellschaft der Beklagten ein Vergleich abgeschlossen worden, durch den auch Schmerzensgeldansprüche des Klägers erledigt worden sind. Er hat von den Beklagten wegen seiner im Jahre 1953 erlittenen Schäden 2 400 DM Schadensersatz verlangt und weiter die Feststellung begehrt, daß die Beklagten( die Beklagte zu 1) nur im Halmen des Straßenverkehrsgesetzes) ihm auch zu dem Das Berufungsgericht ist in Übereinstimmung mit den Sachverständigen davon ausgegangen, daß organische unmittelbar auf den Unfall zurUckzufUhrende Schädigungen der linken Hand des Klägers nicht zurückgeblieben sind. Von dieser Feststellung geht auch die Bevision aus» Andererseits ist eine heute bestehende Schwächung der Hand festgestellt, die auf eine lang-^| jährige Schonung der Hand zurückgeht» Es besteht also ein wirklicher Schaden des Klägers, der nach Ansicht des Berufungsgerichts auf einem unangemessenen Kichtgebrauch der Hand beruht, vorstellungsmäßig bedingt ist und zu demalSals Auswirkung von BegehrensvorStellungen des Klägers zu erklären ist» Das Berufungsgericht hat mit BUcksicht auf die Entscheidung des erkennenden Senats BGHZ 20, 137, zu der es selbst nicht Stellung genommen hat, es aber offen ge- . für den jetzigen Zustand des Klägers zu verneinen ist«, der zur Zeit nicht arbeitsfähig im Sinne seines gelernten Schreinerberufes ist«, Vielmehr hat das Berufungsgericht ebenfalls auf Grund der im einzelnen angeführten zahlreichen Sachverständigengutachten angenommen, daß der Kläger bei pflichtmäßiger und ihm seiner Persönlichkeit nach zu demutbaren Anstrengung seiner Willenskräfte und Möglichkeiten die gegen eine Wiederaufnähme der Arbeit sprechenden Umstände zeitig hätte wirksam überwinden können? möglicherweise erforderlichen besonderen und vielleicht schmerzhaften Anstrengungen dann, wenn die ganzen Schwierigkeiten letztlich auf das Verschulden eines dritten zurückgehen, nicht selten gegen die Versuchung angekämpft werden müssen, beizugeben und sich auf die Verpflichtung des anderen zu verlassen, den wirtschaftlichen Schaden zu decken« Aber der seelisch Gesunde darf einer solchen Einstellung nicht nach-geben, ohne sich dem Vorwurf eines mitverursachenden Verschuldens auszusetzen, das gegebenenfalls das Verschulden des Schädigers von einem gewissen Zeitpunkt an weit überwiegen " kann« Diese'augenscheinlich den Erwägungen des Berufungsgerichts zugrunde liegenden Ausgangspunkte werden auch von der Revision nicht angegriffen« Sie ist aber der Ansicht, daß sowohl das Berufungsgericht wie auch die Sachverständigen zu einer irrigen Wertung des kiägerischen Verhaltens auf Grund einer mangelhaften Pallaufklärung unter übersehen von Beweisanträgen gelangt seien und daß namentlich die Sachverständigen zu einem anderen Ergebnis gelangt wären, wenn ihnen die vollen Umstände bekannt gewesen wären (§ 286 ZPO)« Bern kann nicht zugestimmt werden«. Die Revision rügt insbesondere, daß nicht dem Beweisantritt durch 13 Zeugen nachgegangen worden sei, der Kläger habe nach dem Unfall und nachdem die hundertprozentige Ar-, beitsunfähigkeit. behoben war, zunächst wieder als Schreiner gearbeitet, und zwar noch bis zu dem 15« Januar 1954 und daß er seine ganze Energie eingesetzt habe, um die dabei auftretenden starken Schmerzen zu überwinden« Ohne diese Beweisaufnahme hätte ein Verschulden des Klägers nicht festgestellt werden können« Dies trifft nicht zu« Dennoch muß nach dem Ausgefiihrten davon ausgegangen werden, daß die volle Arbeitsfähigkeit noch nicht sogleich bestand und daß iiiehr oder weniger bald nach einem Arbeitsbeginn Ermüdungserscheinungen und auch Schmerzen eintraten. Mehr können aber die Zeugen, so wie der Kläger sie benannt hat, nicht bekunden. an lieh für den Kläger/zu demutbar waren, ob eine systematische langsame Ausweitung des möglichen Arbeitsvoluraens in einer gewissen Zeit zur volleren und unbegrenzten Arbeitsfähigkeit geführt hätte, das kann nicht in das Wissen der Zeugen gestellt werden, die weder in der Lage waren, den objektiven Befund beim Kläger festzustellen und zu beurteilen noch’ ohne diese Kenntnis wissen könnten, ob das Bachgeben des Klägers für einen seelisch gesunden Mann unvermeidlich war« Darauf allein aber kann es ankommen» Das kann unterstellt werden.-Ob er aber, wie es in dem Beweisantritt heißt, «keine Anstrengungen gescheut hat, um die Beweguiiesfähigkeit des Armes möglichst schnell Wiederzuge-winnen", ist kein Thema für eine Zeugenbekundung, sondern erfordert eine Würdigung des Verhaltens des Klägers, die ein Laie ohne Kenntnis des objektiven Befundes überhaupt nicht abgeben kann« Das ergibt sioh gerade aus der Rüge der Revision;, daß es nur Vermutungen der Sachverständigen seien, der Kläger habe nicht die notwendige . am allerwenigsten von einem Zeugen, dem weder das objektive Nichtvorhandensein von Schäden noch die Gesamtpersönlichkeit des Klägers bekannt war« Ein Nichtvernehmen von "Zeugen« zu diesem Beweisthema stellt also keinen Verstoß gegen § 286 ZPO dar« Die Revision greift weiter an, daß die von den Sachverständigen gegebene Beurteilung des Klägers und seiner psychischen Veranlagung nur auf Grund ambulanter Behandlung und nicht eingehender stationärer Krankenhausbehandlung erfolgt sei, was für ein abschließendes Urteil nötig sei« Der Kläger ist gerade zu diesem Punkte von der Nervenklinik der Universität Köln, von den Neurologen der Medizinischen Universitätsklinik Bonn und von der Neurochirurgischen Abteilung der Chirurgischen Klinik der Medizinischen Akademie Düsseldorf begutachtet worden« Wenn diese fachlich hochqualifizierten Stellen es nicht für erforderlich hielten, eine stationäre Behandlung durchzuführen, sondern sich ohne diese be- | recht*igt fühlten» auf Grund ihrer allgemeinen Kenntnisse un<i der ambulanten Untersuchung über die ihnen aufgegebenen Prägen su antworten, so kann es nicht als Verletzung des § 286 ZPO angesprochen werden, wenn das Berufungsgericht von der vom Kläger angeregten weiteren Begutachtung (es handelt sich hierbei nicht um einen Beweisantrag im technischen Sinne) durch einen Pacharzt für Seelenheilkunde abgesehen hat« Nachdem die Tatsachenrichter eine aussergewöhnlich große Anzahl von Sachverständigen gehört hatten, nicht nur die oben ange-