BGH · VI ZR 253/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auch wenn für den Übernehmer eines in einem Grundstück bestehenden Vermögens eine Auflassungsvormerkung eingetragen oder deren Eintragung beantragt war, haftet er nach § *+19 BGB für die vor der .Stellung des Antrags entstandenen Verbindlichkeiten des übertragenden, wenn er zur Zeit seiner Eintragung als Eigentümer des erworbenen Grundstücks gewußt hat, daß es so gut wie das gesamte Vermögen des Veräußerers bildete, oder doch die Verhältnisse gekannt hat, aus denen sich dies ergab» Am 4* Mai 1961 erwirkten die Kläger gegen Aulenbacher, der sich mittlerweile davongemacht hatte und unbekannten Aufenthalts war, ein inzwischen rechtskräftig gewordenes Versäumnisurteil des Landgerichts Saarbrücken, durch das verurteilt wurde, an die Erstklägerin 33*518,58 DM und an den Zweitkläger 15*840 DM - jeweils mit 4$ Zinsen seit dem 16. Sie haben die Auffassung vertreten, daß ihnen der Beklagte gemäß § 419 BGB zur Zahlung verpflichtet sei, da außer den Hausanwesen keine nennenswerte Habe besessen und der Beklagte daher mit dem Hausanwesen dessen Vermögen übernommen habe. Mit einem Hilfsbegehren haben die Kläger auch die Umwandlung der damals noch eingetragenen Arresthypothek in eine Sicherungshypothek erstrebt und im Berufungsverfahren auf Grund Anfechtung nach § 3 Abs. 1 Ziff.1 AnfG weiter beantragt, den Beklagten zu verurteilen, wegen der genannten Urteilsforderungen gegen APBHHHP in die Zwangsvollstreckung in die erworbenen Grundstücke einzuwilligen. V/ie das Berufungsgericht zutreffend herausgestellt hat, gehört es, wenn nur ein einzelner Gegenstand übertragen wird, zu den vom Gläubiger zu beweisenden Voraussetzungen für den Eintritt der Schuldenmithaftung des Übernehmers, daß dieser weiß, daß es sich dabei um das ganze oder so gut v/ie das ganze Vermögen des Übertragenden handelt, oder daß er doch wenigstens die Verhältnisse kennt, aus denen sich dies ergib'»}. Ist es anscheinend auch mit dem Landgericht davon ausgegangen, daß der Beklagte durch den Grundstückserwerb objektiv so gut v/ie das ganze Vermögen des übernommen hat - ausge- Das Berufungsgericht meint, die Umstände«aus denen die Kläger ableiteten, daß der Beklagte die für den Eintritt seiner Mithaftung erforderliche Kenntnis gehabt haben müsse, reichten für einen solchen Schluß nicht aus. 2o Die Revision greift die Würdigung des Berufungsgerichts als rechtsirrtümlich an» Angesichts der Tatsache, daß der Beklagte bei dem Grundstückskauf von dem Strafverfahren gegen gewußt und nach eigener Parteiaussage angenommen habe, müsse den Verkauf vornehmen, um sich auf diese Weise die Mittel zur Beschaffung der durch das Strafverfahren entstandenen Kosten zu beschaffen, habe schon, so macht die Revision mit Verfahrensrügen eines Verstoßes gegen § 286 ZPO geltend, die allgemeine Lebenserfahrung dafür gesprochen, daß neben dem Anteil an dem von ihm und seiner Familie bewohnten Anwesen kein nennenswertes Vermögen besessen habe, zu demal es wenig wahrscheinlich gewesen sei, daß als Maurer zur Bildung weiteren nicht völlig unbeträchtlichen Vermögens im Stande gewesen sei» Das Berufungsgericht habe unberücksichtigt gelassen, mit welch auffallender Eile das Grundstücksgeschäft zustande gekommen und sofort nach der notariellen Beurkundung der gesamte Käufer ei 3 in bar gezahlt worden sei; wenn die Eheleute nur durch den Verkauf ihres Familienwohnheims so schnell in den Besitz einer größeren Menge Bargeld hätten gelangen können, so lasse auch dies nach der allgemeinen Lebenserfahrung den Schluß zu, daß ihnen andere Vermögenswerte hierfür eben nicht zur Verfügung gestanden hätten* Wie die Kläger im Berufungsverfahren vorgetragen hätten, sei der Grundbesitz von den Eheleuten nur für einen Bruchteil seines wirklichen Wertes an den Beklagten veräußert worden; das habe das Berufungsgericht zu Unrecht durch das in den Akten 6 0 25o/6o = 12 0 1*37/61 LG Saarbrücken befindliche Gutachten für widerlegt erachtet; das Gutachten habe nicht verwertet werden dürfen, ohne daß die Kläger von seinem Inhalt hat- tan Kenntnis nehmen können; die Kläger wurden die mündliche Vernehmung des Gutachters verlangt haben* Ausweislich des Inhalts der genannten Akten Uber den Schadensersatz« prozeß des Beklagten gegen Notar und Hechtsanv/alt Dr« der als dessen amtlich bestellter Vertreter bei der Beurkundung des in Rede stehenden Grundstücksgeschäfts tätig gewesen ist, sei dem Beklagten nach seinem eigenen Vorbringen zu demindest im Zeitpunkt der Erhebung sei-ner Klage im Herbst i960 bekannt gewesen, daß die gesamthänderische Beteiligung des Aulenbacher an dem veräußerten Grundbesitz nahezu dessen gesamtes Vermögen dargestellt habe; schon am 3o« Juni i960 habe der Beklagte nach seinem eigenen Vorbringen in jenem Prozeß auch die Benachteili- • gungsabsicht des gekannt« Das Berufungsgericht habe verkannt, daß es für die Kenntnis des Beklagten von der Vermögensübernahme im Sinne des § **19 BGB und der Benachteiligungsabsicht des A^|im Sinne des § 3 Abs« 1 Ziff« 1 AnfG nicht sowohl auf den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses vom 28« Juni i960 als vielmehr auf den Zeitpunkt angekommen sei, in dem sich der Grundstückserwerb durch die Eintragung dos Beklagten als Eigentümers im Grundbuch vollendet habe« a) Die Ausführungen des Berufungsurteils sind darauf ausgerichtet, ob der Beklagte bei Abschluß des Vertrages vom 280 Juni i960 die für den Eintritt der mitschuldneri-schen Haftung des Vermögensübernehmers erforderliche Kenntnis gehabt hat und ob ihm zu diesem Zeitpunkt die Benachteiligungsabsicht des bekannt gewesen ist« sen Gläubiger von dem Abschluß des Vertrages an ihre zu dieser Zeit bestehenden Ansprüche auch gegen den Übernehmer geltend machen können» Als Vertrag im Sinne dieser Vorschrift ist aber, da eine Vermögensübernahme niemals durch einen schuldrechtlichen Vertrag, sondern nur durch Erfüllungsge-schäfte zustande kommen kann, die Gesamtheit der die Vermö-gensübernahme betreffenden Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäfte zu verstehen (BG3 RGRK 11» Aufl» § *fl9 Anm» 5; Danckel» mann in NJW 1956, 793)° Dabei braucht es auf das Vorliegen eines Verpflichtungsgeschäfts nicht einmal anzukommen» Nach dem Grundgedanken des § ^-19 BGB soll der Gläubiger seine Befriedigung aus dem übertragenen Vermögen da suchen können, wo es geblieben ist (vgl» BGHZ 27, 257, 26o; Esser, Schuldrecht 2» Aufl» So *+32)o Es genügt daher dessen dingliche Übertragung auf den Erwerber» Die Mitschuldnerhoftung des Erwerbers ist infolgedessen auch dann begründet, wenn er im Zeitpunkt des dinglichen Erwerbes weiß, daß er das Vermögen oder so gut wie das gesamte Vermögen des Veräußerers übernommen hat, oder wenn er zu diesem Zeitpunkt die Verhältnisse kennt, aus denen sich dies ergibto Erworben hat der Beklagte die in Rede stehenden Grundstücke aber erst am 2b<, Januar 1961 mit seiner grundbuchlichen Eintragung als Eigentümer» Dementsprechend ist denn auch anerkannt, daß der Übernehmer des Vermögens nicht nur für die im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses beroits bestehenden, sondern auch für die nachträglich bis zu dem dinglichen Vollzug der Vermögensübertragung entstandenen Schulden des Übergebers haftet (RGZ 13o, 3^5 36 f; BGHZ 33, 123, 126 liegt die Vermögensübernahme in dem Erwerb eines Grundstücks, so gilt nach der Entscheidung BGHZ 33, 123, 128 f allerdings eine Ausnahme für den Fall, daß für den Erwerber eine Auflassungs-vorrcerkung eingetragen oder auch die Eintragung einer Auflas sungsvormerkung beim Grundbuchamt beantragt worden ist, Aus dieser Ausnahme kann aber nicht etwa, wie die Revisionserwiderung meint, gefolgert werden, daß, wenn für den Übernehmer eine AuflassungsVormerkung eingetragen oder beim Grundbuchamt der Antrag auf Eintragung einer Auflassungsvormerkung gestellt worden ist, für die Frage, ob der Übernehmer die nach § 419 BGB erforderliche Kenntnis gehabt hat, nur noch auf die Zeit bis zur Stellung des Antrages auf Eintragung der Vormerkung abzustellen und eine nachher eingetretene, bei der Vollendung des Eigentumserwerbs gegebene Kenntnis dem Erwerber unschädlich sei. Die Auflassungsvormerkung und der Antrag auf ihre Eintragung haben nur darum die Wirkung, daß der Übernehmer des in Grundeigentum bestehenden Vermögens nicht auch für nachträglich entstandene Schulden des Übertragenden haftet, weil die Haftung des Übernehmers voraussetzt, daß der Gläubiger im Zeitpunkt der Entstehung seiner Forderung wegen dieser Forderung das Vermögen des Schuldners noch mit Erfolg hätte in Anspruch nehmen können. Durch eine Auflassungsvormerkung und die Stellung des Antrags auf Eintragung einer solchen wird nichts daran geändert, daß der Übernehmer neben dem Auch wenn für den Übernehmer eines in * einem Grundstück bestehenden Vermögens eine Auflassungsvormerkung eingetragen oder die Eintragung einer solchen beantragt worden war, haftet er also nach § 419 BGB für die vor der Stellung des Antrags entstandenen Verbindlichkeiten des Übertragenden, wenn er zur Zeit seiner Eintragung als Eigentümer des erworbenen Grundstücks gewußt hat, daß dieses so gut wie das gesamte Vermögen des Veräußerers bildete, oder doch die Verhältnisse gekannt hat, aus denen sich dies ergab. b) Die Fehlerhaftigkeit der Betrachtungsweise, die füi die Frage nach der Kenntnis des Vermögensübernehmers und Anfechtungsgegners auf den Zeitpunkt des Vertragsabschlüsse, abstellt und den des .dinglichen Vollzugs außer Betracht läßt, wäre freilich unschädlich, wenn dem Berufungsgericht mit Bezug auf diesen Fragenbereich, v/ie die Revisionserwiderung meint, als Prozeßstoff nur der Sachverhalt vorgetragen worden wäre, wie er beim Abschluß des Vertrages vom 28. Als unstreitig hat das Berufungsgericht festgestellt, daß der Beklagte in der Zeit nach Abschluß des Vertrages beantragt hat, hinsichtlich der auf Antrag der Kläger eingetragenen Arresthypothek einen Widerspruch gegen die Richtigkeit des Grundbuchs einzutragen. Juni 196( erwachsenes weiteres Erkenntnismaterial, das dem Berufungsgericht zur Frage der Kenntnis des Beklagten von der V.ermögensübernahme oder den sie ergebenden Verhältnissen des Aulenbacher unterbreitet worden ist. Das gilt aber namentlich auch für die von der Revision angezogene eigene Darstellung des Beklagten in seinem Rechtsstreit gegen und Dr. j2 v 473/cl'vTC;- • Saarbrücken). Das Berufungsgericht hat wegen des - im Tatbestand seines Urteils nicht ausdrücklich wiedergegebenen - v/eiteren Vorbringens der Parteien auf den Tatbestand des erstinstanzlichen Urteils Bezug genommen, in dem hinsichtlich des ParteiVorbringens im übrigen auf den Inhalt der Akten 12 0 473/61 verwiesen und festgestellt worden ist, daß sie Gegenstand der mündlichen Verhandlungen gewesen sind.