BGH · VI ZR 252/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
BGB § 249 Ca, Gb, Hd Bei der Bemessung dos Schadensersatzes für ein zerstörtes Kraftfahrzeug ist in der Regel von dem Preis auszugehen, den der Geschädigte aufv/enden muß, um ein gleichwertiges gebrauchtes Fahrzeug zu erwerbeno Das gilt grundsätzlich auch dann, wenn der Geschädigte es vorzieht, sich einen neuen Wagen anzuschaffeno Vom Schädiger kann nicht deshalb generell ein Risikozuschlag verlangt werden, weil beim Ankauf eines gebrauchten Wagens mit verborgenen Mängeln zu rechnen ist» Die Beklagte, deren Ersatzpflicht dem Grunde nach unstreitig ist, hat dem Kläger zu dem Ausgleich des Sachschadens, der Kredit- und GutachtSS’kosten, sowie zur Abgeltung der Aufwendungen für die Anmietung eines Ersatzwagens einen Betrag von 4 559941 DM gezahlt. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision bittet der Kläger, das Berufungsurteil insoweit aufzuheben, als die Klage in Höhe weiterer 250 DM abgewiesen worden ist* Io Das Berufungsgericht legt seiner Beurteilung zugrunde, es habe dem Kläger angesichts der schweren Beschädigung seines Wagens nicht zugemutet werden können, diesen in Reparatur zu geben und alsdann weiter zu benutzen. Rach Ansicht des Berufungsgerichts wird der Kläger für den Verlust seines Wagens dadurch genügend entschädigt, daß ihm die Beklagte den Betrag zur Verfügung stellt, der für die Anschaffung eines gleichartigen Gebrauchtwagens aufzuwenden war. Von dom Betrag von 6 700 DM hat das Berufungsgericht 1 950 BM für den Restwert des beschädigten Wagens und 50 BM für ein Boppoltonhorn abgezogen, 30 daß ein Betrag von 4 700 Bll für die Schadenberechnung bleibt. zogen werde, 3ei ein solcher Kauf ein Risiko, da im Ge-brauchtwaronhandol die Haftung für Sachmängel allgemein ausgeschlossen werde«, Die Beklagte könne nicht verlangen, daß der Kläger, der sonst nur neue Wagen gekauft habe, das Risiko eines Gebrauchtwagenkaufs eingehe«, Erkenne man an, daß der Kläger berechtigt gewesen sei, sich ein nßues Fahrzeug anzuschaffen, 30 brauche er sich nur den Mehrwert anrechnen zu lassen, der über dem individuellen Gebrauchswert des gefahrenen Wagens liege«, Dieser vom Landgericht auf 750 DM geschätzte Mehrwert sei wesentlich geringer als die Differenz, die zwischen dom Neuwert und dom Marktwert dos beschädigten Fahrzeugs vor dom Unfall bestehe0 Da der Kläger seinen gefahrenen Wagen zu dem weiteren Gebrauch bestimmt habe, sei der Marktwert keine geeignete Grundlage zur Berechnung seines Schadens«> Die Revision meint, die Schadensberechnung unter Zugrundelegung eines Neuv/agenankaufs müsse dahin führen, daß dom Kläger mindestens noch v/eitere 250 DM zuzusprochen seien0 Durch den Aufschlag auf den vom Sachverständigen geschätzten Zeitwert dos vom Zusammenstoß betroffenen Wagens ist der Kläger in die Lage versetzt worden, einen ähnlichen Wagen nach einer gründlichen technischen Überprüfung von einem seriösen Gebraucht-wagonhändler zu erwerben und sich von diesem Händler für eine gewisse Zeit eine Workstättengarantie geben zu lassen» Indem das Berufungsgericht die Beklagte außerdem zur Vergütung von Finanzierungskosten verurteilt, hat es dem Kläger einen den Anforderungen des § 249 BGB gerecht werdenden Ersatz seines Schadens zugebilligt» Ob der Kläger diesen Betrag zu dem Ankauf eines Gebrauchtwagens verwandte oder ob er den Unfall zu dem Anlaß nahm, einen Neuwagon anzuschaffen, war seine Sache» Der Kläger kann aber nicht verlangen, daß ihm die Beklagte deshalb einen höheren Ersatzbetrag zahlt, weil er von der Möglichkeit, einen gleichwertigen und technisch überprüften Gebrauchtwagen zu kaufen, aus persönlichen Gründen keinen Gebrauch gemacht hat» Maßgebend ist nicht, wie gerade der Kläger den Wert seines alten und den Y/ert eines Ersatzfahrzeugs ansetzt, sondern ob eine Schätzung unter objektiven Wertmaßstäben zur Feststellung einer wirtschaftlichen Gleichwertigkeit führt» Dabei geht es nicht an, den Schädiger generell deshalb mit einem Risikozuschlag zu belasten, weil beim Kauf eines gebrauchten Wagens stets damit gerechnet v/erden müsse, daß dpr Wogen verborgene Mängel aufweise.( so mit Recht OLG Hamburg, VersR 1965, 963; a.M» KG NJW 1966, 735)» Einmal trägt in aller Regel schon die Bemessung des Kaufpreises für einen Gebrauchtwagen diesem Risiko Rechnung» Sodann ist zu bedenken, daß sich auch bei dem unfallbetroffenen Wagon später Mängel hätten zfeigen können, wenn er nicht zerstört, sondern weiter benutzt worden wäre«, Boi einem Vergleich kann auch nicht ohne weiteres davon ausgegangen worden, daß hinsichtlich der bisherigen Wartung und Pflege wesentliche, für die Bemessung ins Gewicht fallende Unterschiede bestehen0 Eine subjektive Abneigung des Klägers gegen den Ankauf und die Benutzung eines gebrauchten Wagens rechtfertigt es allein noch nicht, vom Schädiger einen höheren Ersatz zu verlangen«, Bei der Bewertung solcher Sachschäden ist eine gewisse Objektivierung, die von individuellen Sonderheiten ab-sicht und sich an die im Vorkehr geltenden Wertmaßstäbo hält, unerläßliche Diese Objektivierung führt vielfach auch zu einer Begünstigung dos Ersatzbercchtigton, dem etwa der im Handel anerkannte merkantile Minderwort selbst dann ersetzt wird, wenn er den Wagen weitorbe-nutzt und ausfährt, ohne daß sich Unfallfolgen zeigen (BGHZ 35? 396)o Eine gewisse, dem Ersatzberechtigton günstige Objektivierung der Schadensberechnung ergibt sich ferner aus dOr Rechtsprechung zu dem Ausgleich der gestörten Gebrauchsmöglichkeit eines Personenkraftwagens (BGHZ 40, 345; ferner das zu dem Abdruck in der amtlichen Sammlung vorgesehene Urteil des Senats - VI ZR 271/64 - vom 15» April 1966 = Ve'rsR-'u 1966, 497«) «, Der Senat vermag daher dem Standpunkt der Revision nicht zu folgen, der Grundsatz der vollständigen Behebung des Schadens erfordere es, daß die Beklagte dem Kläger die Kosten für die Anschaffung eines Nouwagens des gleichen Typs ersetze und den Wertzuv/achs nur mit einem geringen Abzugobetrag berücksichtige, der vom individuellen Gebrauchswert des betroffenen Wagens ausgehe«, Indem der Senat diesen Standpunkt ablehnt, verkennt er nicht, daß es durchaus Schadensfälle geben kann, in denen der Sachschaden nur unter Einschätzung eines vom Zeitwert abweichenden Gebrauchswertes sachgemäß bemessen werden kann» Zu denken ist insbesondere an teuere Wagen, die Die Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe dem Kläger für eine längere Zeit Kosten für die Beschaffung eines Mietwagens zusprechen müssen, wenn es ihm die Beschaffung eines Gobrauchtv/agens zu demute, ist unbegründet» Der Kläger hat in der Tatsacheninstanz nicht geltend gemacht, daß ihm der Kauf eines gleichwertigen Gebrauchtwagens in der Zeit von zehn Tagen nicht möglich gewesen wäre.