BGH · VI ZR 236/67 vom 19.11.1968
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Für den Kraftwagen bestand eine Haftpflichtversicherung bei der Klägerin zu 1), einem amerikanischen Versicherungsunternehmen mit selbständiger Zweigniederlassung in Die Klägerin zu 1} bemühte sich alsbald nach dem Unfall, den Beklagten zur Annahme einer Abfindungssumme von 12o000 DM zu bewegen.» erwarten, daß der Beklagte nach der Rückkehr der Kläger in die USA dort mit einer Schadensersatzklage gegen sie vorgehe, um mit Hilfe amerikanischer Gerichte höhere Ansprüche durchzusetzeno Dabei drohe den Klägern der Verlust der in der Bundesrepublik zur Verfügung stehenden Beweismittel für ein mitwirkendes Unfallverschulden des Beklagten. übersehbar, weil er von dem weiteren Heilungsverlauf und insbesondere davon abhänge, ob und in welchem Umfang ihm für die Zeit nach seiner Entlassung aus der Armee eine Eingliederung in das Zivilerwerbsleben möglich sein werde« Auch die Höhe des ihm zustehenden Schmerzensgeldes lasse sich erst dann überblicken, wenn eine vollständige Ausheilung eingetreten oder zu demindest ein Dauerzustand erreicht sei, was im Hinblick darauf, daß er sich nach wie vor in ständiger ärztlicher Behandlung befinde, noch nicht der Pall sei. Er habe lediglich geäußert, daß nach seiner Überzeugung das angemessene Schmerzensgeld sich um den Betrag von 12.000 DM bewegen werde, ohne jedoch bestimmte Angaben über die ihm als angemessen erachtete Schmerzensgeldhöhe gemacht zu haben; weitergehende Ansprüche habe er ausdrücklich davon abhängig gemacht, daß ein Dauerschaden verbleibe. Ent schei dung: sgründ Das Berufungsgericht hat ebenso wie das Landgericht die Peststellungsklage für unzulässig gehalten« Zwar seien die Zulässigkeitsvoraussetzungen des § 256 ZPO insofern gegeben, als eine tatsächliche Unsicherheit und Ungewißheit über den Umfang der Schadensersatzansprüche bestehe, die dem Beklagten auf Grund des Unfalls erwachsen seien« Doch sei weiter erforderlich, daß der Beklagte die Ungewißheit durch sein Verhalten herbeigeführt habe« Dazu genüge nicht, daß er sich auf das Abfindungsangebot der Klägerin zu 1) nicht eingelassen habe« Sin Peststellungs-interesoe daran, daß Ansprüche der hier in Rede stehenden Art alsbald verneint würden, könne seine Rechtfertigung in aller Regel nur darin finden, daß der Beklagte sich eines Anspruchs der geleugneten Höhe berühme oder berühmt habe« Das sei hier nicht geschehen« Daraus, daß der Beklagte es abgelehnt habe, zur Abgeltung seiner gesamten Ansprüche 12«000 DM anzunehmen, könne nicht geschlossen werden, daß er höhere Ansprüche behaupte. So habe er insbesondere auch nicht mit Bestimmtheit behauptet, daß aus dem Unfall Spätschäden hervorgehen würden, für die er die Kläger in Anspruch nehmen wolle. Nur habe er es auch nicht für ausgeschlossen gehalten, daß ihm infolge der UnfallverletZungen je nach dem Heilungsverlauf und bei seinen beruflichen Verhältnissen höhere Ansprüche entstehen könnten, als die Klägerin ihm habe zugestehen wollen, und sei aus diesem Grunde nicht bereit gewesen, das Klagebegehren als berechtigt anzuerkennen. nicht die Annahme eines Peststellungsinteresses « Die Ungewißheit sei in erster Linie auf das Unfallereignis selbst zurückzuführen; es könne nicht anerkannt werden, daß die Weigerung des Beklagten, sich abfinden zu lassen oder eine verbindliche, den Umfang seiner etwaigen Ansprüche beschränkende Erklärung abzugeben, ein rechtsschutzwürdiges Interesse für die negative Peststellungsklage begründe« Die Ungewißheit der Kläger auf diese Weise zu beseitigen, sei der Beklagte nicht verpflichtet gewesen« Er sei bei dem Unfall verhältnismäßig schwer verletzt worden; nach der Lebenserfahrung könne bei einem komplizierten Beinbruch, wie er ihn unstreitig erlitten habe, die generelle Möglichkeit eines Spätschadens nicht ausgeschlossen werden« Ob Polgeschäden wahrscheinlich seien, lasse sieh oft erst geraume Zeit nach dem Unfall zuverlässiger beurteilen« Die Chance, zu einem späteren Zeitpunkt ein obsiegendes Urteil zu erlangen, dürfe dem Geschädigten, wenn er wie hier verhältnismäßig schwere Verletzungen erlitten habe, schon deshalb nicht genommen werden, weil es in der Pegel um lebenswichtige Belange des Verletzten gehe« Seinem freien Willen unterliege es, ob er sieh wegen seiner Ansprüche pauschal abfinden lassen und das Risiko eingehen wolle, mögliche Spätschäden selbst tragen zu müssen« Zu bedenken sei auch, daß bei einer negativen Peststellungsklage der beklagte Gläubiger darzulegen und zu beweisen habe, daß ihm das vom Kläger verneinte Recht zustehe« Die Übernahme des darin begründeten Prozeß- und Kostenrisikos müsse aber der eigenen Entscheidung des Verletzten Vorbehalten bleiben, wenn er sich nicht schon bestimmter Ansprüche berühmt und hierdurch Anlaß zur Klage gegeben habe. Dieser Beurteilung ist beizutreten» Sie verquickt nicht, wie die Revision meint, die Präge der Klagezulässigkeit mit Gesichtspunkten der materiellrechtlichen Begründetheit des Klagebegehrens, sondern stellt zutreffend darauf ab, ob bei einem Unfall mit ungewissen Schadensauswirkungen ein rechtsschutzwürdiges Interesse des Ersatzpflichtigen an einer den Schadensumfang betreffenden negativen Feststellung anerkannt werden kann, wenn der Verletzte es abgelehnt hat, sich wegen seiner Ersatzansprüche für alle bereits entstandenen und künftigen Schäden durch einen ihm angebotenen Betrag abfinden zu lassen» Das Berufungsgericht hat dies rechtsirrtumsfrei verneint» Der Verletzte berühmt sich nicht schon eines bestehenden Ersatzanspruchs, wenn er sich durch die Ablehnung eines Abfindungsbetrages die Möglichkeit wahrt, wegen künftig entstehender Schäden Ersatzansprüche zu erheben. Freilich könnte der Verletzte gegen den Haftpflichtigen auf die Feststellung seiner Ersatzpflicht für alle nicht schon abschließend bezifferbaren Schäden und insbesondere auch künftige Schäden klagen, wenn nur die Itfög— Daraus kann aber entgegen der Annahme der Revision nicht gefolgert werden, daß eine negative Peststellungsklage ebenso auch dem Haftpflichtigen offen stehen müsse. So scheidet für die negative Peststellungsklage des Haftpflichtigen gerade der Grund völlig aus, der das rechtliche Interesse des Verletzten an einer von ihm zu erhebenden Peststellungsklage besonders zu begründen vermag, daß nämlich ohne die Klage seine Ansprüche - und zwar auch die erst aus künftigen Polgeschäden hervorgehenden Ersatzansprüche - verjähren würden. Auch das Interesse des Haftpflichtigen an baldiger Klärung der auf ihn zukommenden Schadenslast kann es aber nicht rechtfertigen, daß der Verletzte genötigt wird, sich unter Preisgabe etwaiger weitergehender künftiger Anspruchsmöglichkeiten auf eine bestimmte Anspruchshöhe festzulegen. habe» Die Kläger haben auch weder vorgebracht, daß ein Mitverschulden des Beklagten auf die Bemessung der ihm angebotenen Abfindungssumme von Einfluß gewesen sei, noch haben eie mit ihrem Klagebegehren geltend gemacht, daß wegen Mitverschuldens des Beklagten eine Schadensverteilung vorzunehmen sei und festgeotellt werden möge, zu welchem Anteil sie dem Grunde nach für den Unfsllschaden aufzukommen hätten. Auch wenn auf der anderen Seite die Kläger sich durch das Abfindungsangebot und die nachfolgende negative Peststellungsklage davor bewahren wollten, in den USA möglicherweise zu höheren Schadensersatzleistungen herangezogen zu werden, als es bei einer Entscheidung durch ein deutsches Gericht der Pall wäre, brauchte sich der Beklagte aber bei der Ungewißheit über den Umfang der Unfallschäden auf eine Bezifferung seines Gesamtschadens nicht einzulassen und vermochte die Ablehnung des Abfindungsangebots das Rechtsschutzinteresse für die negative Peststellungsklage nicht zu begründen. Diese Beurteilung wird nicht dadurch berührt, daß der Beklagte im Laufe des Revisionsverfahrens in den USA eine Schadensersatzklage gegen die hier klagenden Eheleute angestrengt hat, Wenn wie hier das rechtliche Interesse an alsbaldiger Feststellung beim Schluß der letzten latsachenverhandlung gefehlt hat? so kann die vom Gericht ausgesprochene Prozeßabweisung nicht durch Tatsachen infrage gestellt werden, die erst im Laufe des Revisionsverfahrens eintreten (vgl, BGHZ 18, 98, 106}., Ohnehin würde die Erhebung der Leistungsklage das Interesse an der negativen Peststellungsklage, wenn es vorhanden gewesen wäre, höchstens zu dem Erlöschen gebracht haben.