BGH · VI ZR 235/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
In der Nähe von Eschenbach kreuzt ein foroteigencr Holzabfuhrweg die Landstraße in der Fahrtrichtung des Klägers von rechts in einem Winkel von 65-70°» Dieser V/eg ist von der Landstraße aus durch einen dazwischengelegenen Kiefern-wald mit Unterholz schwer erkennbar. dp^;'Klägerr-den; Beklagten schadens-orsotzpflichtig gemacfxt 9 Er iöt der Ansicht 5 dem Beklagten falle eine schuldhafte Verletzung des Varfahrtarechts zur Last das dom Kläger zugostanden habe? . Hie Haftpfliehtvorsicherung dos Beklagten hat den Kläger, einen gelernten Sattler und Polsterer, der zur Unfallzeit allerdings;nicht in seinem erlernten Beruf, sondern als Hausmeister bei einer Isinheft der amerikanischen Streitkräfte in beschäftigt war, für seinen Verdienstauefall bis zu dem 31* .Bezember 1956, für die Sachschäden am Motorrad und für seine Körperschäden einsehlioßliqh Schmerzensgeld insgesamt 16*000 BM gezahlt 0 Hit der Klage hat der Kläger weitere Schäden ersetzt verlangte Heben anderen Unfallausvärkungen, die sich darauf beziehen;, daß er zur Wiedereingliederung in das Arbeitsleben; infolge seiner UnfallboSchädigung eines Personenkraftwagens bedürfe, hat er für die Zeit ab 1* Januar 1957 unfallbedingten v/eiteren Verdienstausfall und vermehrten Bedarf insbesondere an Schuhwerk und sonstiger Kleidung geltend gemacht, Jo mit dem Verlangen nach Zahlung;: e iner -Ban t e, deren Höhe er in das Bf messen des Gerichts gestellt hat 0 ^ : . : Ber Beklagte hat en tgegnet, bei dem Pehlen vorfahrtregelnd er Verkehrszeichen sei er als von rechte kommender ^ VQfkehrsteilhehmer vorfahrtboreehtigt gewosen« Br habe ;j mit seinem Lastkraftwagen 1,5 m vor der Kreuzung gehal- Bas Landgericht hat durch Teilurteil zunächst nur über die Rentonansprüche des Klägers zu dem Ersatz von Verdienot-ausfall und Mehraufwendungen für die Zeit vom 1. Januar 1957 bis 3I0 Dezember 1961 entschieden, Ba hat seinen Einkommenssusfall auf monatlich 300 DM geschätzt und angenommen , daß ihm infolge des Unfalls ein Mehraufwand für Kleidüng■ und insbesondere Schuhwerk von,monatlich 10 DM entstanden sei5 hat auf den Verdienstausfall ange-rochnot, was Sor Kläger bei weiterer Arbeit an Pahrt-kosten mit jährlich 125 DM hätte ausgeben müssen und was er in den 5 Jahren mit 2 054,05 DM vom Arbeitsamt und 4 719 9 60 DM yori der Landesversicherungsanstalt erhalten haty und hat'den Beklagten im Ergebnis zur Zahlung von Auf die Borüfüng.des Beklagten hat das Oberlandss-,/ geriehty unter Zurückweisung des Rechtsmittels im übrigen, diese Entspheidung nur in Höhe von 6 366,35 DM aufrecht erhalten und den Kläger mit dem vom Landgericht zuorkann-ten Mehrvorlungen abgewiesen, Mit:;dpr Revision erstrebt der Beklagte die Abweisung ■ V des Klägerq auc|^ insoweit, als das Oberlandesgericht die Verurteilung des -Beklagten bestätigt hat* Der Kläger sucht mit;so iner ^hschlußrevi si on zu erreichen, daß unter :; ^urüdkweiiJTiJig j:der,;^rufungv; des Beklagten; das landgori cht-' 1 i che Urteil ih ' Vol J:8j^^a^a33g wi oder her ge stellt wird * . A1d sich der Beklagte der Kreuzung näherte, für die durch koine Verkehrszeichen eine Vorfahrtregclung getroffen war9 hielt er seinen Lastkraftwagen etwa 1 bis 1 l/2 m vor der Landstraße an«, Im Fükrerhauo dos Laotkraftwagens konnte er von hier aus die von links;heranführende Landstraße wogen der Sichthehindorung durch den. stoß anhielt«, Len Kläger, hat er erst im letzten Augenblick gesehen» Für den Kläger war der Lastkraftwagen boi dem Anhalten vor der Kreuzung mit seinem Wagenvoifderteil auf eine Entfernung von 60-7O m deutlich erkennbar gev/esen» Als der Lastkraftwagen anfuhr? so beruht es nach Ansicht des Berufungsgerichts, auf einer Vernachlässigung der im Vorkehr erforderlichen Sorgfalt, daß er den Lastkraftwagen nicht früher bemerkt und: rpaktionsbereit im Auge behalten hat; der Unfall wäre, so. wenn der Kläger nach links aüsgebogen wäre; schon ein Warnzeichen allein auf etwa 30 m Entfernung hätte den Beklagten in die Lage versetzt, noch vor der Stelle des Zusammen-stossos zu halten«> .. :vfHolzabfuhrweg ein &ivatwpg,; der jrpn der Staatpforstvorwaltung mindestens den Holzkäufcrn zur Abfuhr des gekauften poizes freigegeben worden war, Da die wechselnden Käufer des Holzes keinen festumrisoenen Peroononkrcjis bildeten, der sich von der Allgemeinheit in abgegrenzter Bestimmbarkeit abgehoben hätte, hat das Berufungsgericht die Annahme für gerechtfertigt gehalten, daß der Weg zu demindest einem be-schrankt öffentlichen Verkehr gewidmet und von der Geltung dos Straßonverkchrarechts mit seihen Bestimmungen über die Vorfahrt nicht ausgenommen gewesen ist« Diese Beurteilung steht im Einklang mit den Grundsätzen der Entscheidung des erkennenden Senats vom 26» Februar 1963 - VT ZR 57/62 -(VorsH 1963, 627)? Es besteht kein Anlaß, von ihnen abzugehen* Das Gutachten eines Sachverständigen brauchte das Berufungsgericht nicht einzuholen; zur Beurteilung des vorwiegend auf rechtlichem Gebiet liegenden Fragenborheichs bedurfte es keiner fremden Hilfe 0 Daß die Por31verwa1tung den Weg nach dem Unfall für den gesamten Fährverkehr gesperrt hat, konnte die vorherige Sachlage nicht rückwirkend umgestalten« Da die Bandstraße fostge-otcllterraaßen nicht nach § 13 Abs. 2 Satz 1 StVO als Vor-fahrtstraßo gekennzeichnet und die Vorfahrt an der Kreuzung nicht nach § 13 Abs, 2 Satz 2 StVO ^durch Verkehrszeichen besonders geregelt war, hat das Berufungsgericht hiernach zutreffend angenommen, daß dem Beklagten als dem von rechts kommenden Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt vor dem Kläger zu-** stand» Sein Vorfahrtrecht ging ihm auch nicht schon dadurch verloren, daß er vor der Kreuzung kurz ähhieit; hieraus erwuchs für ihn nur die Pflicht zu besonderer Vorsicht bei der Weitorfahrt auf die Bandstraße (Urteil des erkennenden Senats vom 5o November 1957 - vJlSZB 246/56 - VorsH 1957, 820)o Da dor vor der Kreuzung haltende Lastkraftwagen nach don unangefochtenen Feststellungen des Berufungsgerichts für den Kläger auf eine Entfernung von mindestens 60 m als solcher ddhtlich erkennbar war, begegnet es auch keinem rechtlichen Bedenken, daß das Berufungsgericht zu der Auffassung gelangt ist, der Kläger hätte ihn bei Anwendung verkchrserforderlicher Aufmerksamkeit bemerken und rcak- tionsboreit im Auge behalten müssen» Wie das Berufungsgericht hierzu im einzelnen erwogen hat, hatte der Kläger auch bei Unkenntnis von dem Vorhandensein der Kreuzung da- trauen dürfen, er habe das Hecht der Vorfahrt vor dom Lastkraftwagen« Aus dem Stehen des Lastkraftwagens habe er zwar entnehmen können, daß dessen Bahrer gehalten habe, um sich zu überzeugen, ob die Landstraße frei von Verkehr sei« Für den Kläger sei aber deutlich erkennbar gewesen, daß die Sicht des Lastkraftwagenfahrers in seine, des Klägers, Richtung behindert gewesen sei* Der Kläger habe daher mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß ihn der Lastkraftwa-genfahrcr vielleicht nicht rechtzeitig sehen und daß er woiterfahren werde» Darum habe der Kläger bei seiner Woitorfahrt den Lastkraftwagen mindestens im Auge behalten müssen, um entsprechend reagieren zu können, wenn dieser doch an- Diese Beurteilung beruht auf einer tatrichtorlichon Würdigung des Sachverhalts, die aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden ist und das gewonnene Ergebnis rochtlicher Wertung trägt» Mit Recht hat das Berufungsgericht hiernach dem Kläger auch keine Schrecksekunde zugebilligt» Dem Berufungsgericht ist darin boizustimmen, daß: der Kläger ap seinem Unfall nicht schuldlos ist» daß er das Vorfahrtrocht nicht ausnutzen werde (vgl* Senatsurteil vom 5« November 1957 aaO), Daher hatte er nicht nur auf den .von rechts , kommenden Verkehr zu achten, der ihm gegenüber bevorrechtigt war? wenn or auf die Kreuzung führ» Den eigenen Angaben des Beklagten folgend hat das Berufungs-/ ;. bis der Beklagte nach seinem Anhalten vor der Kreuzung vom Blick nach links über den Blick nach rechts im ersten (Jang v/ieder anfuhrf Wie es hervorgehoben hat? Der Beklagte wendet sich mit seiner Revision vor allem dagegen/daß das Berufungsgericht sein Fehlverhälten als g r o b fahrlässig gewertet hat/ 0,tf im Einzelfall eine Fahrlässigkeit als einfach oder als grob zu beurteilen ist, gehört.jedpeh im wesentlichen zur tatrichterlichen Wiirdigung, doren Hach|>rüfung dem Revisionsgericht grundsätzlich verschlossen ist« Nachprüfbar ist nur, ob das Berufungsgericht etwa den Rechtobegriff der groben Fahrlässigkeit verkannt hat (BGH Urteil vom 19» Januar 1959 - III ZR 194/57;- Bll; Rr« 1 zu § 277 BGB)« Hier spricht nichts für eine solche Annahme« V er schulden des Beklagt en aber erho blich groß or gev;c ö on ist als, das de3 Klägers, und den Unfall überwiegend verursacht hat o Die von der, Revision beanstandete vergleichende Einschätzung der Betriobsgefahr wäre nur dann angreifbar P wenn sie gegen Benkgesetze oder Erfahrungssätzc verstieße« Das ist nicht, dp^^^ Das Berufungsgericht könntc sehr wohl,zu, der Auffassung gelangen ?. da sich die etwaige Erhöhung nach den Feststellungen, dos Berufungsgerichts auf die Entstehung dos Unfalls nicht ausgov/irkt hat; der Kläger hat vor dom Zusammenstoß überhaupt nicht reagiert und das Berufungsgericht hat nicht fcststollen können? daß der Kläger infolge seines Unfalls in der Zeit .vom .1» Januar 1957 bis zu dem 31o Dezember 1961 einen Verdienstausfall von 18 «>000 DM abzüglich 625 DM ersparter Fahrtkoston = 17o375 EM erlitten hat« Ent^ sprechend der Schadensverteilung hat es den Beklagten daher für verpflichtet erachtet? Die Revision wendet weiter ein, der Kläger hätte, um durch seine ITnfallboschädigung nicht länger an der Wiederaufnahme einer Arbeit verhindert zu sein, die von dem Haftpflichtvoroicherer des Beklagten gezahlten'Betrüge zur Anschaffung des benötigten Personenkraftwagens verwenden sollen« Auch hierin kann der Revision kein Erfolg beschioden sein» Es gehört dem Bereich der vom Tatrichter nach § 207 ZPO vorzunehmenden Schadenscrmittlung an, ob und inwieweit der Kläger es im Sinne des § 254 Abs» 2 BGB schuldhaft unterlassen hat, den Schaden abzuwCndcn oder zu mindern« Das Berufungsgericht hat sich mit dieser Präge eingehend befaßt und eie verneint« Bevor der Haftpfliohtveroicheror des Beklagten, so hat es erwogen, dem Kläger 1965 vorschußweise 5 000 DM für den Ankauf eines Personenkraftwagens gezahlt habe, hätten er und der Beklagte pine Schadensor-satzloistung dieser Art wiederholt abgelohnt« Mit don früher m geleisteten Zahlungen seien im Wege dos Vergleichs nur andere Schäden ausgeglichen word on, Sachschäden an Kraftrad und Kleidung, Transport-, Heilungo-, und Prothesenkosten, Verdienstausfall und immaterieller Schaden« Was der. 2« Den Anspruch auf Ersatz von Mehraufwendungen hat da3 Berufungsgericht nur in Höhe von insgesamt 240 DM für begründet erachtet« Dem Gutachten der orthopädischen Klinik des Wichernhauses in Altdorf hat es entnommen, daß der Kläger infolge des Unfalls zwar erhöhten Bedarf an Schuhwerk hat, ein ins Gewicht fallender Mehrbedarf an sonstiger Kleidung aber nicht eingetreten ist« Auf ‘der Grundlage der eigenen Angaben dos Klagers und der , von ihm vorgelegten spärlichen Belege hat es die Mehraufwendungen, die dem Klager infolge des Onfalls über den sonst gegebenen angemessenen Bedarf an Schuhwerk hinaus entstanden sind, für die hier in Rede stehende Zeit von 1957 bis 1961 auf.jährlich 60 OM geschätzt, wovon er 1/5 selbst zu tragen hat« 3. Das Berufungsgericht hat von den ermittelten Haftungsbetrögen 1 000 DM abgerechnet, die der Haftpflicht-Versicherer des Beklagten laut Schreiben vom 3« Oktober 1957 als Vorschuß auf weiter geltend' gemachte Ansprüche des Klägers gezahlt hat* Die Anschlußrevision des Klägers halt diesen Abzug nicht für gerechtfertigt«, Sic weist daraufhin, daß der Kläger die Zahlung bei seinem Klageantrag,zu la berücksichtigt hat, der sich auf die in gerichtliches Ermessen gestellten’Aufwendungen für die Anschaffung eines Personenkraftwagens hezieht, und meint, auch aus dem Zusammenhang des Schreibens vöm 3«* Oktober 1957 mit dein Schreiben des Klägers vom 16« Juli 1957 über die Weiter geltend gemachten iSchadehsersatzansprüche ergebe sich nicht, daß die Zahlung in-der vom Berufungsgericht vorgenommenen Weise habe verrechnet worden dürfen, Daß der Kläger nach diesem Klageantrag einen Teil der mit ihm geltend gemachten Schadensersatz-forderung durch die Zahlung der 1 000 DM hat als getilgt angesehen wissen wollen, konnte nach § 366 BGB nicht maßgebend sein. ersatzleistung zur Anschaffung eines Wagons hatten Haft-pflichtvorsicherer und Beklagten jedoch festgestelltermaßen vor wie nach dem Zeitpunkt dieses Schreibens ausdrücklich abgeiehnto Mit Recht hat das Berufungsgericht daher in der Zahlung keinen Vorschuß auf diesen Sohadens-crsatzanspruch erblickte Bor Betrag ist, so führt das Berufungsgericht aus, bestimmungsgemäß auf den ersetzt verlangten Verdienstausfall in der hier fraglichen Zeit ■ gezahlt und vom .Kläger nach seiner eigenen Behauptung auch zur Deckung seiner täglichen Bedürfnisse verwendet worden 0 Die hierin liegende Auslegung des Schreibens vom 3° Okt-tober 1957 ist recht1ich nicht zu be ans t anden„ Sie rechtfertigt die vom Berufungsgericht vorgonommeno Verrechnung. Sowohl die Revision als auch die Ahschlußrevision sind hiernach unbegründeto Nach §§ 92* 97 ZPO haben Beklagter und Kläger die Kosten des RevisionsVerfahrens nach dem Vcx’heltils ihroo Unter1logons zu tragen, Hanebeck Dr* Hauß Bundosrichtcr Dr« Reinhardt ist beurlaubt*