BGH · VI ZR 230/62 vom 10.03.1964
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Nach Beendigung des 2» Weltkrieges übernahm der Kläger durch notariellen Vertrag vom 16« November 1945 das Geschäft des Beklagten mit Werkstattraum und Leiterschuppen sowie einer bis dahin vom Beklagten benutzten 3-Zimmerwohnung« Er hatte als Gegenleistung dem Beklagten und seiner Ehefrau auf Lebenszeit monatlich 60 RM zu zahlen« Als der Kläger im Frühjahr 1959 erfuhr, daß der Beklagte seine Tochter Christine zur Alleinerbin eingesetzt hatte, sah er sich in seiner Erwartung gotäuscht, auch das Haus de3 Beklagten, in dem das Geschäft betrieben wurde, zu erhalten« Er nahm deshalb den Beklagten auf Nachzahlung des Tariflohns für die Zeit vom 16» Marz 1926 bis zu dem 9« April 1940 in Anspruch und begehrte fernor die Feststellung, daß der Beklagte ihm zu dem Ersatz des aus der Unterlassving von Beitragszahlungen zur Sozialversicherung entstandenen Schadens verpflichtet sei« Nach Verweisung des Rechtsstreits an das Landgericht übertrug der Beklagte das Hausgrundstück gegen Einräumung eines Wohnrechtes und Zahlung von monatlich 200 DM auf seine Tochter« Die ent- Bas Landgericht hat dem Kläger 1 « 000 DM zugesprochen und die Klage im übrigen abgewiesen« Mit der Berufung hat der Kläger über den zuerkannten Betrag hinaus weitere 15*000 BM als Schadensersatz wegen Vertragsverletzung, hilfsweise nach Bereicherungsrecht beansprucht * Für den Fall der Verneinung vertraglicher Schadensersatzansprüche hat er ferner beantragt, ihm zu dem Ausgleich des durch die Hichtversicherung entstandenen Schadens 3«750 BM zuzucprsehen, hilfsweise festzustellen, daß der Beklagte den aus dem Verlust der Anwartschaft auf Sozialversicherungsleistungen hervorgehenden Schaden zu ersetzen habe« .V ein Dienstvertrag zwischen den Parteien bestanden habe, behauptet auch die Revision nicht» Ansprüche aus dem familien-rechtlichen Verhältnis hat das Berufungsgericht aus dem tatsächlichen Grunde verneint, daß insoweit noch nichts vereinbart gewesen sei; die bloße Hoffnung des Klägers, später Geschäft und Haus zu erhalten, ist ohne Rechtsirrtum als nicht ausreichend angesehen worden, um aus seiner Mitarbeit eine zweckbestimmte Leistung im Sinne von § 812 Abs» 1 Satz 2 BGB zu machen» Damit hat das Berufungsgericht entgegen der Meinung der Revision nicht verkannt, daß die unbezahlte Arbeit eines ausgebildeten Meistersohnes im väterlichen Handwerksbetrieb häufig anders zu beurteilen sein wird» Es hat lediglich hinsichtlich des Zeitpunkts, in dem sich die pflichtgemässc Hilfe durch die Zusage der späteren Geschäftsübertragung zur eigen-wirtschaftlichen Tätigkeit gewandelt hat, auf die erstmalige dahingehende Abrede der Parteien im März 1931 abgestellt» 2» Ohne Erfolg greift die Revision die Auffassung des Berufungsgerichts an, daß diese Abrede nicht als Dienstvertrag, sondern als ein Rechtsgeschäft anzusehen sei, durch das die Fortsetzung der familienrechtlichen Mitarbeit gegen das Versprechen künftiger Schadloshaltung vereinbart worden ist» Richtig ist allerdings, daß die Deutung als Dienstvertrag nicht schon wegen der Unbestimmtheit der Vergütung entfallen mußte * Insoweit hätte es nach der Rechtsprechung genügen können, daß aus der in Aussicht gestellten Übertragung von Geschäft und Haus die gewollte Entgeltlichkeit der Dienstleistungen zu entnehmen war (vgl» BAG AP § 612 BGB Nr» 13)» Der Tatrichter hat jedoch rechtsbedenkenfrei das Fehlen jeglicher Anhaltspunkte dafür festgestellt, daß die Parteien an dem bisherigen fomi-lienrechtlichen Verhältnis etwas ändern und den Kläger etwa zu dem Arbeitnehmer des Beklagten machen wollten» Folgerichtig sam angesehenen Zusage entgegenzuhalten» Der Kläger hat das Geschäft des Beklagten und damit den Kern der erhofften Existenzgrundlage, auf die er in den früheren Jahren hinge-arbeitet hatte, tatsächlich erhaltene Es ist ihm unstreitig auch gelungen, sich nach einer zeitgemäßen Umstellung einen einträglichen Betrieb zu schaffen und zudem ein eigenes Haus zu baueno Mit dem alterlichen Hause ist dem Kläger lediglich eine wertvolle Ergänzung entgangen, nicht aber Ziel und Sinn seines Lebenswerks«Der Kläger ist damit weit entfernt von der untragbaren Lage eines Bauernsohnes, der den versprochenen väterlichen Hof lange Jahre hindurch unentgeltlich bewirtschaftet hat und dann unter Berufung auf die Formnichtigkeit der Übertragungszusage zu dem Abzug gezwungen werden soll» Deshalb ist die Rechtsprechung, die in solchen krassen Fällen den Grundsatz von Treu und Glauben (§242 BGB) über die Formvorschriften stellt, vorliegend unanwendbar» Schadensersatzansprü-che wegen einer vom Beklagten zu vertretenden Unmöglichkeit der geschuldeten Leistung (Übertragung des Grundeigentums) stehen dem Kläger mithin nicht zu; 5o Den Wert der vom Kläger empfangenen Naturalleistungen hat das Berufungsgericht in Anlehnung an seine eigenen Angaben, die zwischen 90 und 150 HM schwankten, unter Berücksichtigung der Zeitverhältnisse auf einen Mittelwert von 120 HM geschätzt (§ 287 ZPO)« Hiergegen kann aus Rechtsgründen nichts eingewandt werden. stand im Einklang mit der Entscheidung des Klägers, nicht in fremde Dienste zu treten, sondern nach der erlangten Zusage der Betriebsüberlassung sein Berufsziel in der Stellung eines selbständigen Unternehmers zu erblicken, der auf den Schutz der Sozialversicherung verzichten konnte» Das Ziel der Selbständigkeit hat der Kläger mit der Geschäftsübertragung im Jahre 1945 erreichte Er kann also nicht geltend machen, daß es vom Beklagten, der ihm lediglich das Haus vorenthalten hat, vereitelt worden wäre«, Die der unterlassenen Versicherung zugrunde liegende Annahme, daß der Kläger nicht in abhängiger Stellung tätig sein werde, ist vielmehr unverändert richtig geblieben» Unter diesen Umständen kann der Kläger zwar anstelle des Hauses, soweit er es als Vergütung erwartet hat, für seine Dienste Wertersatz in Höhe des ersparten Lohnes beanspruchen» Er kann aber nicht verlangen, darüber hinaus auch wegen der Folgen der Nichtversicherung schadlos gestellt zu werden, weil er nun anstelle des erhofften Grundbesitzes lediglich eine Nachzahlung des Barlohnes erhalte» Denn das Absehen von der Sozialversicherung hing nicht mit dem Vorhandensein des Hausgrundstücks, sondern mit der erwartungsgemäß erfüllten Möglichkeit zusammen, Inhaber des väterlichen Betriebes und damit selbständiger Unternehmer zu werden»