BGH · VI ZR 228/60
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Juli 1955 in Stillstand geriet; Da der Kläger trotz vorheriger besonderer Aufforderung die Klageansprüche nicht spezifiziert und ebenso die Beklagte trot2 besonderer Aufforderung ihre Gegenforderungen nicht genauer begründet und unter Beweis gestellt hatte, hat das Landgericht im Verhandlungstermin von diesem Tage den Beschluß verkündet, daß ein neuer Termin erst anberaumt werden solle, wenn die Parteien diesen Auflagen nachgekommen seien. Nach dem Ende der Unterbrechung hat die Verjährungsfrist mit dem 5« Juli 1955 von neuem zu laufen begonnen (§§ 211 &bp* 2, 187 Abs. 1 BGB)» Vor ihrem Ablauf ist aber nichts geschehen, was geeignet gewesen wäre,' die Verjährung wieder zu unterbrechen. Erst mit Schriftsatz vom 15« Juli 1958 hat er die Aufnahme ei*klärt und neuen Verhandlungstermin beantragt , die Xlageansprüchc aber sogar erst noch spater, nämlich mit einem am 4° Februar 1959 eingegangenen Schriftsatz vom 2'7o Januar 1959 spezifiziert, nachdem ihm das Landgericht auf den Antrag vom 15« Juli 1958 anheim gegeben hatte, zunächst der früher erteilten Auflage nachzukommen« Frühestens mit der Einreichung des Schriftsatzeo vom 15» Juli 1958 ist der Prozeß weiterbetrieben worden und die Voraussetzung für eine neue Verjährungsunterbrechung nach .§ 211 Abso 2 BGB eingetreteno Inzwischen hatte sich die Verjährung aber bereits vollendete Die Revision weist darauf hin, daß der Kläger vorgebracht hat, er habe sich wegen Gesundheitsschäden infolge der Tat der Beklagten sehr häufig in ärztlicher Behandlung befunden, sei durch besondere Umstände, insbesondere Krankheit daran gehindert gewesen, den vom Gericht erteilten Auflagen nachzukommen, habe sich namentlich am 1« Juli 1955? wegen eines akuten Herz- und Kreislaufkollapses ins Krankenhaus begeben müssen und habe sich aus gesundheitlichen Gründen um die Geltendmachung seiner Ansprüche gegen die Beklagte nicht kümmern könneno Die Revision legt eine Reihe von ärztlichen Attesten und Belegen vor, die der Kläger auch schon dem Berufungsgericht zu dem Nachweis dafür vorgolegt habe, daß er sowohl in den ersten Jahren nach den erlittenen Verletzungen als auch in der Folgezeit wiederholt zwecks stationärer Beobachtung oder Behandlung Krankenhäuser ha$?e auf3uchen müssen«, Mit all diesem Vorbringen, so bemängelt die Revision, habe sich das Berufungsgericht nicht hinreichend auseinandergesetzt* Auch habe es das Berufungsgericht unter Verstoß gegen § 139 ZPO verabsäumt, den Klager danach zu fragen, ob er nicht ein Attest auch für dio Zeit um den 5» Juli 1958 beibringen könne» Die Revision legt eine ärztliche Bescheinigung des Br» Brümmer vom 20* April 1961 vor, die der Kläger, wie sie vorträgt, auf derartiges Befragen bereits im Berufungsverfahren beschafft hätte; in ihr heißt os, der Kläger sei vom 2» bis 14» Juli 1958 wegen schwerer Lebererkrankung infolge übermäßiger körperlicher Belastung durch einen Umzug bettlägerig und vollkommen in der Ausübung jeglicher Willensäußerung behindert gewesen» Die Verjährungsfrist, die am 13» Februar 1952 begonnen hatte und durch das Mahnverfahren unterbrochen worden war, ist durch die neue Verjährungsfrist abgelöst worden, die mit dem 5» Juli 1955 einsetzte» Allein die Tatsache, daß der Prozeß nicht betrieben wurde und in Stillstand geriet, hat die Unterbrechung der vorherigen Verjährungsfrist mit dem Beschluß des Landgerichts vom 4» Juli 1955 beendet und die neue Verjährungsfrist in Lauf gebracht» aus welchen Gründen es dazu gekommen ist, daß der Kläger den Prozeß nicht betrieb, ist unerheblich» Auch wenn er durch Krankheit behindert gewesen sein sollte, seinem Prozeßbevollniäch-tigten die nötigen Informationen zu erteilen, hat dies nichts daran geändert, daß die frühere Verjährungsuntor-brechung endete» Den Interessen dessen, der solchenfalls den anhängig gewordenen Rechtsstreit nicht weiterbotroiben kann, ist vollauf damit gedient, daß das Gesetz dio Verjährungsfrist ganz neu beginnen läßt» ihm nach den Umständen des Falles gerechterweise zuzu demutenden Sorgfalt die Verhinderung nicht abwenden konnte (vglo Enneccerus/Nipperdey, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts i£o Auflo § 234 j\nin0 9 und die dort angeführten Entscheidungen) <> Schwere Erkrankung ist noch kein Hemmungsgrund im Sinne dos § 203 AbSo 2 BGB; sie ist es erst dann, wenn dem Berechtigten infolge seines Zustandes (Bewußtlosigkeit, Fieberdelirien) die Versorgung seiner Angelegenheiten schlechthin unmöglich wird (vgl» BGB RGRK llo Auflo § 203 Anm» 9)«» Daß der Kläger während der letzten sechs Monate der Verjährungsfrist in einem.'Ausmaß dieser Art krank gewesen sei, hatte er im landgerichtlichen Verfahren und im Berufungsverfahren nicht behauptet» Hat er sich seit der Verletzung durch die Beklagte im Jahre 1932 häufig in ärztlicher Behandlung befunden und wiederholt auch ein Krankenhaus zu stationärer Beobachtung und Behandlung aufsuchen müssen, so lagen Krankheit srtickfälle nicht außer der Vorhersehbarkeit, die ihm eine vorsorgende Regelung unaufschiebbarer Angelegenheiten nahelegen mußteo Umso mehr hätte es daher der Darlegung bedurft, inwiefern es ihm auch bei äußerster zu demutbarer Sorgfalt nicht möglich gewesen sei, den Rechtsstreit durch seinen Frozeßbevollraächtigten vor Ablauf der Verjährungsfrist weiter betreiben zu lasseno Zu Unrecht wirft die Revision dem Berufungsgericht vor, gegen § 139 ZPO verstoßen &U habeno Es war Sache de9 Klägers, den Tatsachenstoff vorzubringen, auf den er sich im Prozeß, vertreten und beraten durch seinen Anwalt, glaubte berufen zu können.