BGH · VI ZR 222/61
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 21« Dezember 1951 setzte das Landgericht Hagen auf.Antrag der Beklagten gegen den Kläger eine Geldstrafe von 2o.ooo DM fest und verurteilte ihn wegen der Gefahr weiterer Zuwiderhandlungen zur Leistung einer Sicherheit von loouboo DM, weil er den Abbau entgegen der einstweiligen Verfügung weiterbetrieben hatte. Im Betragsverfahren hat der Kläger die Klage auf lf 1.^25,56 EM erhöhte Er hat behauptet, in den letzten Monaten vor der Stillegung habe er arbeitstäglich 60 bis 80 Tonnen Kohle verkauft und je Tonne 6-7 UM, täglich also rund Uoo DM verdient« Diesen Verdienst würde er auch in den folgenden Jahren erzielt haben« Von einer Absatzkrise für Haldenkohlen im Jahro 1952 könne keine Hede sein» Eine solche würde ihn zudem nicht berührt haben, da er feste Abnehmer gehabt habe« daß die Beklagte nach § 9k5 ZPO dem Kläger zu dem Schadensersatz verpflichtet ist, veil die Stillegung seines.Betriebes auf den Vollzug der einstweiligen Verfügung zurlickzuflihren ist, die sich als ungerechtfertigt erwiesen hat. Aus dem mit besonderer Sorgfalt erstatteten Gutachten des Sachverständigen Dr» Bubenzer, der alle maßgeblichen Umstände, nicht zuletzt auch die Eigenheiten des Betriebes des Klägers berücksichtigt habe, ergebe sich zur Oberzeugung des Gerichts, daß der Kläger etwa vom 1. Mai 1952 ab aus dem Verkauf der von ihm gewonnenen Kohlen keinen Gewinn mehr hätte erzielen können; denn von diesem Zeitpunkt an hätten die erzielbaren Preise für derartige Kohlen nach dem Gutachten im Durchschnitt 17,5o DM je Tonne betragen, /während die Kosten der Gewinnung sich durchschnittlich auf.mehr als 23 DM pro Tonne belaufen hätten« Den Gewinn, den der Kläger noch bis Ende April 1952 hätte erzielen können, ermittelt das Berufungsgericht folgendermaßen: Nach dem Gutachten Dr. Bubenzer, so erwägt es, hätten die Preise für Kohlen der vom Kläger gewonnenen Art in der Zeit von Dezember 1951 bis Ende April 1952 bei etwa 32,25 DM je Tonne gelegen, .während die Gewinnungskosten im Durchschnitt 23*77 DM betragen hätten; der Kläger hätte also pro Tonne einen Gewinn von 8,*f8 DM erzielen können,, Nach dem anhand der schriftlichen Unterlagen des Klägers erstatteten Gutachten des Sachverständigen Moldenhauer sei im Betrieb des Klägers an durchschnittlich 25 Tagen im Monat gearbeitet worden 9 so daß für die Ermittlung seines Gewinnausfalls insgesamt rund loo Arbeitstage einzusetzen seien» Es bleibe jedoch fraglich, wie viele Tonnen der Kläger im Durchschnitt täglich hätte absetzen können» Nach der Aufstellung des Sachverständigen Moldenhauer hätten Förderung und Absatz ihr Höchstmaß im Oktober 1951 erreicht, um dann in steigendem Maße zu dem Jahresende hin abzunehmen, wie es auch der allgemeinen Entwicklung nach dem Gutachten Dr0 Bubenzer entsprochen habe» Es sei daher davon auszugehen, daß Förderung und Absatz in dem Zeitraum von Januar bis April 1952 nicht weiterhin gleich geblieben wären, um dann plötzlich Ende April ganz aufzuhören, sondern es wäre mit einem mehr oder weniger stetigen Nachlassen zü rechnen gewesen, das allerdings so erheblich gewesen wäre, daß schon nach b Monaten die vollständige Einstellung des Betriebes wegen Unwirtschaftlichkeit notwendig geworden wäre» Mangels hinreichender anderer Anhaltspunkte erscheine es daher angemessen, für diese b Monate den Absatz, den der Kläger erzielt haben würde, im Gesamtdurchschnitt auf die Hälfte des VJ)ezember-Absatzes zu schätzen, der nach dem Gutachten Moldenhauer 8l? a) Die Revision rügt, das Berufungsgericht habe dem Gutachten des Sachverständigen Dr« Bubenzer nicht den Vorzug geben dürfen vor der schriftlichen. Wenn das Berufungsgericht unter diesen Umständen dem Gutachten Br. Bubenzer gefolgt ist und der Auskunft der Firma Geitling keinen Beweiswert .beigemessen hat, so ist das aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden. b) Aus den gleichen Gründen konnte das Berufungsgericht entgegen der Meinung der Revision im Rahmen seines pflichtgemäßen Ermessens nach § 287 ZPO auch davon absehen, die beiden Unterzeichner der Auskunft der Firma als sachverständige Zeugen zu vernehmen, wie es die Beklagte beantragt hatte» 17 DM abgenommen» Der Zeuge Ca^pihat diese Aussage bestätigt, aber den von ihm bezahlten Preis mit 27 DM angegeben« Die Revision meint, das Berufungsgericht habe diesen Widerspruch auf klären müssen« Dem kann nicht beigetreten werden« Das Berufungsgericht ist zugunsten des Klägers für die Monate Januar bis April 1952, über die Preisangabe des Zeugen CsÜ^ hinausgehend, von einem erzielbaren Preise von 32,5o EM pro Tonne ausgegangen« Im übrigen decken sich die Aussagen der beiden Zeugen gerade in dem ausschlaggebenden Punkt, daß der Kläger ab Januar 1952 nur noch zu stark herabgesetzten Preisen Absatz für seine Kohlen gefunden haben würde; denn der Zeuge weiter bekundet, er würde in der Folgezeit für derartige Kohlen nur noch 13 bis lh DM gezahlt haben« Der V/ider spruch zwischen den beiden Aussagen ist danach für die Entscheidung unerheblich« Er lägt sich zudem durch die Aussage der Zeugin klären, sie habe von dem Preis, den sie von den Abnehmern erhalten habe, für' Provision und die von ihr gezahlten Frachten 12 DM pro Tonne einbehalten dürfen» d) Ohne Erfolg beanstandet die Revision, das Berufungsgericht habe der Schätzung für die Monate Januar bis April 1952 nicht den Absatz vom Dezember 1951 zugrunde legen dürfen, da sich auf ihn, was das Berufungsgericht übersehen habe, die einstweilige Verfügung bereits ausgewirkt habe« Das Gericht ist hier ersichtlich dem Gutachten Moldenhauer gefolgt, das anhand der schriftlichen Unterlagen des Klägers für den Dezember 1952 ebenso wie für den November 2b Arbeitstage angegeben, jedoch für den Monat Dezember einen erheblich geringeren Absatz als für den November ermittelt hat« e) Im Hinblick auf diese Feststellung, die mehrerwähn-ten Aussagen der Zeugen CaflBP und F^^und die Angaben der Sachverständigen Moldenhauer und Dr« Helbig, wonach bereits Anfang 1952 erhebliche Absatzschwierigkeiten für Haldenkohle, bestanden haben, kann der Revision auch nicht zugegeben werden, die Schätzung des Berufungsgerichts, der Kläger würde von Januar bis April 1952 im Gesamtdurchschnitt nur mehr die Hälfte des Dezember-Absatzes erreicht haben, entbehre jeder Grundlage« Da das Berufungsgericht seine Schätzung auf die im wesentlichen übereinstimmenden Äußerungen von drei Sachverständigen und *;zwei Zeugen stützen konnte, hatte es entgegen der Meinung der Revision keinen Anlaß, zu diesem Punkte ein weiteres Gutachten einzuholen« f) Die Revision rügt endlich, das Berufungsgericht habe bei der Schadensschätzung übersehen, daß sich durch Säumniszuschläge, Zinsen und Vollstreckung skosten die Schulden des Klägers an Steuern und Sozialabgaben erheblich erhöht hätten, wie er dies in seinem Schriftsatz vom 11« August 1959 vorgetragen habe« Die Einzelheiten ergäben sich aus den zu diesem Schriftsatz eingereichten Anlagen, durch die Schadensbeträge in Höhe von insgesamt 1«90^,96 DM spezifiziert worden seien« Auch diese Rüge ist nicht gerechtfertigt« Die Beklagte hatte vorgetragen, neben den Absatzschwierigkeiten würden auch die aus der Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben entstandenen "nachlaufenden Verbindlichkeiten" des Klägers sei- nen Betrieb spätestens im ersten Drittel des Jahres 1952 zu dem Erliegen gebracht haben* Der Kläger entgegnete unter Vorlage von Bescheinigungen der Steuerbehörden und Sozialversicherungsträger aus dem Jahre 1959 über die Höhe der Rückstände samt Zinsen und Kosten, die Beklagte könne sich auf diese nachlaufenden Verbindlichkeiten nicht berufen, da diese von ihr selbst durch die einstweilige Verfügung verursacht worden seien« Daß die ihm in Rechnung gestellten Säumniszuschläge, Zinsen und Kosten zur Grundlage seiner Schadensersatzklage dienen sollten, hat der Kläger dagegen nicht vorgetragen« Aus den von ihm überreichten Belegen geht zudem hervor, daß ein erheblicher Teil der Rückstände, wegen derer Zuschläge, Zinsen und Kosten gefordert werden, erst aus den Jahren 1955 und 1956 stammt, in denen der Kläger seinen Betrieb nach Aufhebung der einstweiligen Verfügung zeitweilig wieder auf genommen hatte» Es läßt sich aus den Belegen nicht ermitteln, welcher .Teil der dem Kläger angelasteten Zinsen und Kosten auf die Schließung seines Betriebes zurückzuführen ist, zu demal der genaue Zeitpunkt der Entstehung der Schulden im einzelnen nicht anzugeben ist und in dem Kontoauszug der Berufsgenossenschaft, die allein Kosten und Zinsen in Höhe von insgesamt 1.612,31 EM auf führt, nicht* einmal Zeitangaben enthalten sind» Die überreichten Belege können daher nicht als hinreichende Spezifizierung für eine.