BGH · VI ZR 218/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Unfallfürsorge und -Versorgung auch aus einer für den Bienstunfall des Beamten ursächlich gewordenen Verletzung der beamtenrechtlichen Fursorgepflicht verpflichtet sein kann« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat i: auf die mündliche Verhandlung vom 15« Dezember 1964 'unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr« Engels und der Bundesrichter Hanebeck, Dr» Bode, Dr. Hauß und Dr. Ffretzachner für Hecht erkannt: Die Klageansprüche zu 2 und 3 sind dem Beklagten, Schmolke gegenüber dem Grunde nach zur Hälfte der mit ihnen geltend gemachten Schäden des Regierungs- •; schulrates Meuer und seiner Hinterbliebenen aus dem vorbeseichneton Verkehrsunfall gerechtfertigt. Das klagende Land hat wegen der Aufwendungen * die ihm an Ünfallfürsorge und -Versorgung für den Verunglückten undL seine Hinterbliebenen erwachsen sind und weiter entstehen werden, auf Grund des Forderungsübergsmgs nach § 15$ des Hessischen Gesetzes vom 11. Weiter hat das Land vom Beklagten Schadensersatz auch wegen der Sachschäden beansprucht, die an dem Personenkraftwagen • des Landes eingetreten sind. Hinsichtlich dieser Schäden hat es jedoch-der schuldhaften Mitverursachung;des Unfalls durch den eigenen Fahrer Rechnung getragen und mit dem Verlangen nach Zahlung von 1 386,08 BM nebst Prozeßzinsen. 1» Bas Berufungsgericht hat die Schadens ersatzpflichtig des Beklagten'für die mit der Klage geltend gemachten Schäden dem Grunde nach bejaht» Bei den Fahrzeugsohädeh hat es den Anspruch auf Ersatz eines Viertelt der noch festzustollenden Schadensbeträge nach §§ 7, 17 StVG für gerechtfertigt gehalten» Bei den Schäden, die in der Person des verunglückten Mci^fe und seiner Hinterbliebenen entstanden sind, hat es eine Schadensersa.tzpflichi des Beklagten auf Grund der Haftungsvorschriften des Straßenverkehr egesetzes wie des Bürgerlichen Gesetzbuches über unerlaubte Handlungen als begründet angesehen und den Beklagten zufolge dos gesetzlichen Forderungsübergangs nach § 136 HBG dem klagenden Lande gegenüber in vollem Umfang zur Ersatzleistung für verpflichtet erachtete Zu der Ursache, die der Beklagte gesetzt hat, sind allerdings andere hinzugetreten; insbesondere hat der Fahrer des Regierungsfahrzeugs durch seine - unstreitig schuldhafte - Fahrweise zu der Entstehung des mit der Klage geltend gemachten Unfallschadens beigetragen* Das nimmt dem Fehlvorhalten des Beklagten aber nicht seine ursächliche Bedeutung für den Eintritt dieses Schadens* Das gilt auch insoweit, als das Regierungsfahrzeug auf.den Lastkraftwagen aufgefahren ist» Hatte dessen Fahrer auch nach den Feststellungen des Berufungsgerichts ebenso wie; vor ihm einige andere Fahrer noch rechtzeitig das Fahrt- ' hindornis auf der Autobahn bemerkt und sein Fahrzeug zu dem Stehen bringen können, — bei einem Abstand’ von ungefähr 65 m zwischen ursprünglicher Unfallstelle und Anstoß des Rcgierungsfahrzeugs -, so war er doch eben darum zu dem Anhalten genötigt gewesen, v/eil der Beklagte durch den von ihm angeri elite ton Unfall die Autobahnblockierung herbeigeführt hatte» Damit hatte er aber die große Gefahr heraufbeschworen, die: ein auf der Autobahn haltendes Fahrzeug auch, bei ordnungsmäßiger Schlufibeleuchtung, besonders bei Sicht-bchinderung durch eine Nebelwand, für den nachfolgenden .Verkehr begründet (vgl* das bereits erwähnte Urteil des erkennenden Senats vom 9« Dezember 1958)» Der durch das Auffahren des Regierungsfahrzeugs auf den Lastkraftwagen entstandene Schaden liegt nicht außerhalb des Bereiches der Folgen, zu deren Ausgleichung die vom Beklagten verletzten Haftungsnormen ( § 823 Abs» 1 und § 823 Abs» 2 BGB i»V»m» § 9 StVO, § 7 StVG) bestimmt sind» Unter Berufung auf den im Verkehrsrech^ geltenden Vertrauensgrundsatz meint die Revision, ein grob fahrläör siges Verhalten, wie es dem Fahrer des Regierungsfahrzeugs zur Last falle, stehe der Annahme.des ursächlichen Zusammenhangs entgegen» Mit dem Vertrauensgrundsatz hat die ;y, J*ragc dos ursächlichen Zusammenhangs jedoch nichts zu tun. besondere Umstände dagegen sprechen, erwarten -und sich darauf einrichten, daß andere Verkehrsteilnehmer die für sie geltenden Vorschriften beachten und nicht durch pflichtwidriges Vorhalten den Vorkehr gefährden« Hier geht es aber nicht darum, wie der Beklagte im Hinblick auf das zu erwartende Verkchrsverhalten anderer seine Fahrweise gestalten durfte, sondern um die Frage, für welche Folgen sein verkchrswidrigcs Verhalten ursächlich geworden ist « Baß der Beklagte es bei seiner Fahrt in den Hebel auf einen Aufprall auf voraus befindliche Fahrzeuge im Vertrauen darauf hätte ankommen lassen dürfen, nach-folgende Fahrer würden schon aufpassen, daß ihnen nicht möglicherweise Gleiches widerfahre, kommt nicht in Betracht und wird auch von der Revision nicht vertreten« 3, Da mit der Möglichkeit zu rechnen war, daß bei dem : herrschenden Nobel ein vom Beklagten, verursachter Auffahr Unfall gleichartige Unfälle nachfolgender Fahrzeuge nach sich zog, und bei Anwendung der verkehreerforderlichen Sorgfalt auch der Beklagte hiermit rechnen mußte., hat das Berufungsgericht mit Rocht angenommen, daß von dem Verschulden, das den Beklagten trifft, auch der Auffahrunfall des " Rcgierungofahrzcugs mit seinem Folgeschaden umfa&t wird«: 4« Bei dem Anspruch des klagenden Landes auf Schadensersatz wegen der an dem Regierungsfahrzeug entstandenen Sachschäden hat das Berufungsgericht in Anwendung des § 17 StVG den Anteil an der SchadensVerursachung auf Seiten des Beklagten wie des klagenden Bandes gleich hoch veranschlagt » Daß os hierbei die Grundlagen der Schadens-abv/ägung rcchtsfohlerhaft verkannt habe, kann der Revi-r sion nicht zugegeben werden» Zutreffend hat das Berufungsgericht darauf abgcstellt, wie sich die Betriebsgefahr der beiden Fahrzeuge bei dem schuldhaften Verhalten der beiden; Fahrer schadensursächlich ausgewirkt hat» Wenn es in dem Ausmaß des beiderseitigen Verursachungsbeitrags und Verschuldens keine wesentlichen Unterschiede gesehen hat, so läßt sich dies rechtlich nicht beanstanden» Die Begründung der SchadensVerteilung genügt den an sie zu stellenden Anforderungen, Die Bevision muß daher - mit der in der Urtcilsfornol vorgenommenen Verdeutlichung - zurück-gev/iesen v/erden, soweit über den Anspruch des Bandes auf: Ersatz eines Viertels seiner Sachschäden dem Grunde nach erkannt ist» ' ' 5o Obwohl bei den Schäden, die in der Person des Be-; gierungsschulrats Me*® und seiner Hinterbliebenen entstanden sind, beide Kraftfahrzeuge und die schuldhafte Fahrweise beider Fahrer ursächlich beteiligt waren, ist das Berufungsgericht trotz der von ihm selbst hervorgehobenen Härte dos Ergebnisses zu der Auffassung gelangt, daß für die den Verletzten entstandenen und auf das klagende Band gegangenen Schadensersatzansprüche der Beklagte voll ein- ;; zustehen habe» Die rechtliche Möglichkeit einer Schadens-Ausgleichung zwischen dem Beklagten und dem Bande, so hat das Berufung|gericht erwogen, scheitere daran, daß für Me^ffPund s e ine Hint erblichenen Schadenser sät zanspfiibbe nur gegen den Beklagten, nicht aber auch gegen das Band entstanden seien, und daß der Beklagte selbst gleichfalls fahrzougs gewesen sei ( § 8a StVG) 1 Bine Schadensersatz“ pflieht aus unerlaubter Handlung scheide aus, da sich das Regierungsfahrzeug auf einer hoheitlichen Bienstfahrt befunden habe und die Verletzten wegen der ihnen aus der schuldhaften Pahrweise des Fahrers entstandenen Schäden das klagende Land nach § 839 BGB ioVerbo mit Art» 34 £0 nur dann in Anspruch nehmen könnten, wenn sie nicht auf andere Weise Ersatz zu verlangen vermöchten$ eine anderweitige Ersatzmöglichkeit bestehe aber auf Grund der Schadenersatzpflicht des Beklagteno Lie Subsidiarität der Staatshaftung.schließe es auch aus, daß der Beklagte wegen der Schadenslast, die ihn auf Grund des Unfalls des Be-giorungsschulrats Meflp trdffe, seinerseits einen Schadensersatzanspruch gegen das klagende Land aus schuldhafter Amtspflichtverletzung des Regierungsfahrers erheben könne, ganz abgesehen davon, ob dem Fahrer eine Amtspflicht gegenüber dom Beklagten obgelegen habe» Fraglich könne nur sein, ob dom Lande nicht eine Schadensersatzpflicht gegenüber Me^Pi und seinen Hinterbliebenen daraus erwachsen sei,-daß die boamtenrechtliche Fürsorgegflicht, die das Land gegenüber Mopp gehabt habe, durch den Regierungäfahrcr vorletzt worden sei, für dessen Verschulden das Land nach a:,den entsprechend anwendbaren Grundsätzen des § 273 BGB cinzustehen habe» Bas Berufungsgericht hat diese Frage jedoch verneint» Es hat sich der Auffassung angeschlossen, die der III". Weiter-gehende Ansprüche auf Grund allgemeiner gesetzlicher Vorschriften , so war in § 122 Abs» 2 HBG ( von 1954) bestimmt, können gegen einen öffentlichen Dienstherfn im Geltungsbereich dos Gesetzes oder die in seinem Dienst stehenden und in Ausübung der ihnen anvertrauten Öffentlichen Gewalt handelnden Personen nur dam geltend gemacht werden, wenn der Bienstunfall durch eine vorsätzliche unerlaubte Handlung einer solchen Person verursacht oder bei Teilnahme am allgemeinen Verkehr - im Sinne des Gesetzes über die erweiterte Zulassung von Schadensersatzansprüchen bei Dienst*- und Arbeitsunfällen vom 7 * 10.1943 (RGBl I, 674) - eingetreten ist«. Aus diesen Bestiramungon, deren übereinstinunende Regelung revisibles Recht im Sinne des § 549 3P0 darateilt, kann aber nicht gefolgert werden, daß die dargelegte Schadenshaftung dos klagenden Bandes gegenüber Meffll und seinen Hinterbliebenen-ausgeschlossen und ausnahmsweise nur dann gegeben wäre, wenn der Dienstunfall,, was nicht der Pall ist, durch vorsätzliche unerlaubte Handlung verursacht worden oder,was bei dom innerdienstlichen Charakter der Fahrt ebenfalls nicht 2Utrifft (vgl* BGHZ 17, 65, 66), . -Versorgung gewährt hat und weiter gewähren wird* Wi^itergehende Ansprüche des Verletzten und seiner Hinterbliebenen gegen das Land sind nicht im Spiel* Ihre Grundlage findet die dargelegte .Schadenshaftung auch ebenso wie die gewährte und weiter zu gewährende Unfallfürsorge und -Versorgung in dein öffentlich-rechtlichen Beamtenverhältnis, in dem Meufr zu dem klagenden Lande gestanden^hat* Es war im besonderen die Fürsorgepflicht des Landes gegenüber seinem Beamten und dessen Hinterbliebenen, aus der sich die Verpflichtung des Landes zur Gewährung der in Rede stehenden Leistungen ergab* Wie die gesetzliche Regelung der Unfallfürsorge und Unf^liver cor gung Ausfluß- der Fürsorgepflicht des Landes gegenüber seinen Beamten und ihren Hinterbliebenen, ist, so beruht e$ gleichfalls * auf dieser FUrsorgepflicht des Landes, daß ver-mögc Anwendung allgemeiner-Grundsätze des, deutschen Rechts . im Öffentlichen Dienst für einen durch Dienstunfall betroffenen Beamten und seine Hinterbliebenen Ansprüche auf die Unfallfürsorge und -Versorgung auch, bei schuldhafter Verletzung der.»beamtenrechtlichen Fürsorgepflicht bestehen* Es läuft auf dasselbe hinaus, wenn das Land zu den Leistungen die;es in Erfüllung seiner Fürsorgepflicht bewii^t und weiter zu bewirken hat, auch aus der Verletzung der Fürsorgepflicht durch das. Denn ob das klagende Band dem Regierungsschulrat LleÄ* und seinen Hinterbliebenen in Höhe der Leistungen an Unfall-fürcorge und -Versorgung, die es vom Beklagten zurückverlangt, aus dem Gesichtspunkt schuldhafter Verletzung der; boamtenrechtlichen Fürsorgepflicht zu Schadensersatz verpflichtet war, ist hier nur eine Vorfrage in dem bürgerlichen Rechtsstreit über den Schadensausgleieh zwischen dem lande und dem Beklagten wegen der entstandenen Verkehr sunfallSchäden* Sie unterliegt zivilgerichtlicher Beurteilung und muß bejaht werden« Für die Schäden, die dem Regierungsschulrat MeWB und seinen Hinterbliebenen entstanden und durch Gewährung von Unfallfu'rsorge -und -Versorgung auf das Land übergeleitet sind, hat hiernach eine gesamtschuldnerische Schadenshaftung des Landes und des Beklagten bestanden« infolgedessen sind Land und Beklagter einander nach § 426 BGB zur Schabensausgleichung verpflichtet (BGHZ 6, 3, 25; Bocballi, Bundesbeamtengesetz 2« Aufl« 1958 § 151 Anm« Die Schadensauogieichung hat nach den Grundsätzen des § 254 BGB entsprechend dem Maße der.Schadens-verursachung und Schuld zu erfolgen, für die Land und Be?clagter einzutreten haben« Es greifen die gleichen Maßstäbe Blatz, wie sie bei der Schadensausgleichung. anspruch des klagenden Landes hinsichtlich der an seinem Fahrzeug entstandenen Schäden wegen der Beschränkung seines Ersatzbegehrens für die Sachschäden auf ein Viertel auch nur zu einem Viertel dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt worden sein., so hat bei den Schadeneer-satzansprüchen, die es kraft des gesetzlichen Forderungs-Übergangs unbeschränkt geltend macht, doch eine hälftige Teilung des vom Forderungsübergang ergriffenen Schadens des verunglückten MdB und seiner Hinterbliebenen einzu-treteno Hit dem weitergehenden Ersatzverlangen mußte das klagende Land abgewiesen werden«,