BGH · VI ZR 214/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
gers versichert, er brauche keinen Einspruch einzulegen, die Beklagte werde aus dem Titel nicht Vollstrecker ^it der gleichwohl betriebenen Zwangsvollstreckung, so hat der Kläger ausgeführt, mache die Beklagte unzulässigen Gebrauch von einem erschlichenen Urteil* Sie habe durch ihre falschen Zusicherungen bewußt verhindert, daß der Klager einen Anwalt bestellte und durch ihn seine Hechte wahren ließ.-, hat, vermochte der Tatrichter nicht mit Sicherheit festzu-eteilen; er hält es für naheliegend» Das Berufungsgericht ist zu der Überzeugung gelangt, daß die beiden Zusagen den Kläger sowohl davon abgehalten haben, den Termin ordnungsgemäß wahrzunehmen, als auch später Einspruch gegen das Ver-säuranisurteil einzulegen» Das Berufungsgericht führt aus, die Beklagte habe dadurch, daß sie das rechtskräftige Urteil auf solche Weise erwirkt und anschließend dem Versprechen zuwider aus ihm vollstreckt habe, gegen die guten Sitten verstoßen und den Kläger vorsätzlich geschädigt» Der Schaden liege im Bestehen des Urteils, das nicht ergangen wäre, wenn sich der Kläger nach eingelegtem Einspruch auf.__ BGHZ 15> 71 > 26, 391 )<> Das gilt sowohl dann, wenn die Partei den Titel oder seine Rechtskraft durch eine rechtsoder sittenwidrige Handlung herbeigeführt, insbesondere erschlichen hat, als auch ohne einen solchen Sachverhalt dann, wenn besondere Umstände die Ausnutzung des Urteils in hohem Maße anstößig erscheinen lassen (vgl« zu diesen beiden Fällen BGH Urteil vom 25. Stets ist jedoch Voraussetzung, daß das betreffende Urteil sachlich unrichtig ist, und daß die es erwirkende oder verwertende Partei das weiß« Denn der tragende Gedanke dieser Rechtsprechung ist seit ihrem Beginn, daß die Wirkung der ürteilsrechtskraft aufhören muß, wenn sie bewußt rechtswidrig zu dem Zweck herbeigeführt worden ist, dem Unrecht den Stempel des Rechts zu geben (KGZ 61, 364)» Dieser Gesichtspunkt ist später von der Herbeiführung auf die mißbräuchliche Ausnutzung der Rechtskraft erstreckt worden» Das vorliegende Versäumnisurteil würde der materiellen Rechtslage zuwiderlaufen und damit sachliches Unrecht aussprechen, wenn der Beklagte die darin titulierte Forderung nicht oder nicht in voller Höhe zustände» Hierüber hat das Berufungsgericht, wie die Revision mit-Recht rügt, keine Feststellungen getroffen» Dementsprechend ist auch ungeprüft geblieben, ob die Beklagte das Urteil in dem Bewußtsein erschlichen oder doch benutzt hat, daß sie keinen Anspruch auf den zuerkannten Betrag hatte» Das Berufungsgericht hat insoweit offenbar die Feststellung für ausreichend erachtet, daß der Schaden im Vorliegen des Vei'säumnisurteils bestehe, das bei rechtzeitiger Geltendmachung der Zusicherungen der Beklagten nicht ergangen wäre. Für die Frage, wie die richtige Entscheidung anstelle des erschlichenen Urteils hätte lauten müssen, kommt es allerdings auf die Ansicht des mit dem Schadensersatzanspruch befaßten Gerichts an» Dieses befindet nach § 287 Abs» 1 ZPO darüber, ob ein Schaden entstanden ist (BGH Urteil vom 17o Dezember 1955 - IV ZR 219/55 = LM Nr» 6 zu § 826 (Fa) BGB)» Der Nachprüfung durch das Revisionsgericht sind entsprechend enge Grenzen gezogen» standen haben sollte« Mangels einer abweichenden leststel-* lung muß davon für die Revisionsinstanz ausgegangen werden« Alsdann verbliebe nur, daß sieh die Beklagte entgegen ihrer Zusage und unter anstößiger Ausschaltung des Klägers einen rechtskräftigen Titel wegen eines bestehenden Anspruchs verschafft hätte« Zu beanstanden wäre dann lediglich ihr Verfahren, während ihr nicht der Vorwurf gemacht werden könnte, mit Hilfe des Urteils eine vom Kläger nicht geschuldete Zahlung erlangen zu wollen« Mit blossen, wenn auch berechtigten Einwendungen gegen das Verfahren ist jedoch noch keine sittenwidrige Vermögensschädigung dargetan (vgl« BGIIZ 26, 391)« Wer mit Mitteln, die gegen die guten Sitten verstoßen, ein sachlich richtiges Urteil erwirkt, kann deshalb nicht nach § 826 BGB angehalten werden, die Vollstreckung zu unterlassen « Das Berufungsgericht hält das Urteil freilich auch insofern für Unrecht, als es nach seiner Meinung nicht ergangen wäre, wenn sich der Kläger nach erfolgtem Einspruch auf die Zusage der Beklagten berufen hätte, keinen Titel erwirken zu wollen« Dieses Versprechen bezog sich indessen - der Irage des Klägers entsprechend, ob er Jen Vermin wuhrneh.^i müsse - nur auf die mündliche Verhandlung am 27« September 1961« Um eine Klageabweisung zu erreichen, hätte der Kläger beweisen müssen, daß eine klageweise Geltendmachung der Forderung vertraglich ausgeschlossen worden sei« Ein so weitgehender, den Anspruch selbst verändernder yerzieht hätte in den Erklärungen des Angestellten l^P jedoch nicht gefunden werden können« Ebenso wenig hätte sich ihnen eine Stundung der Schuld entnehmen lassen« Das Berufungsgericht hat denn auch etwas derartiges nicht festgestellt« Alsdann bewirkte das Versäumnisurteil im Ergebnis jedoch kein materielles Unrecht dadurch, daß es einen bestehenden Anspruch der Beklagten durch eine gerichtliche Entscheidung verstärkte« Einleitend hat das Berufungsgericht allerdings auch bemerkt, der Kläger halte der Beklagten mit Recht deren Ver-zicht auf eine Vollstreckung aus dem Versäumnisurteil entgegen» Baß die Beklagte unter diesen Umständen nicht vollstrecken dürfe, ist indessen an dieser Stelle ebenfalls aus dem Gesichtspunkt der sittenwidrigen Schädigung hergeleitet worden, d.h, wiederum fehlsam ohne Rücksicht auf das ße~ stehen der titulierten Forderung» Die andere, von der Revision vorsorglich bekämpfte Möglichkeit, daß die Zwangsvollstreckung durch eine rechtsgeschäftliche Vereinbarung beschränkt worden sein könnte, hat das Berufungsgericht nicht erörtert» Dementsprechend fehlen insoweit auch die wesentli chen tatsächlichen Feststellung^»Wenn der Angestellte m den Kläger nur über die Absichten der Beklagten fälschlich dahin unterrichtet haben sollte9 sie wolle keine Volistrecl betreiben,' so wäre dies noch keine rechtsgeschäftliche Verzichtserklärung o Ob nach seiner Stellung, den ihm er- teilten oder beizulegenden Vollmachten in der Lage gewesen wäre, einen Verzicht mit bindender Wirkung für die Beklagt auszusprechen, ist ebenfalls offen» Die tatsächlichen Vora Setzungen einer Vollstreckungsgegenklage nach § 767 ZPO stehen insgesamt nicht fest» Das Revisionsgericht vermag deshalb auch nicht die Entscheidung des Berufungsgerichts unter diesem veränderten rechtlichen Gesichtspunkt als richtig zu erkennen (§ 563 ZPO)» Soweit der Kläger sein Begehren weiterhin auf § 826 BGB stützt, wird das Berufungsgericht zu prüfen haben, ob er der Beklagten die Urteilssumme tatsächlich nicht oder nicht in voller Höhe schuldete, und ob die Beklagte dies wußte.