BGH · VI ZR 210/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Kosten der Revision werden den Beklagten aufcrlegto Von Rechts wegen Am 23o November 1959 fuhr der Erstbeklagte mit seiner Zugmaschine und angehängter Strohpresse von nach 1:1111 üie Strohpresse dort bei dem Mophanikermeister D(^B^ in Reparatur zu geben» Nach Benutzung eines Feldweges bog er gegen Der Kläger hat die Beklagten für seinen Unfall verantwortlich gemacht und mit dem Verlangen nach Zahlung von 12.386,17 DM nebst Prozeßzinsen auf gesamtschuldncrischö Ersatz seines Unfallschadens in Anspruch genommen, soweit dieser nicht bereits durch Sozialversicherungsleistungen und durch.eine Vorschußzahlung von 4000 DM von seiten der Beklagten abgedeckt worden ist:» Auch hat er ein Schmerzensgeld gefordert, hierüber am 1. Die Beklagten1 haben ihre Schadensersatzp'flicht nicht in Abrede gestellt, aber eingewendet, der Kläger habe durch eigenes Verschulden zu seinem Unfall beigetragen» Da der Erstbeklagte nur noch ein kurzes Stück auf der Bundesstraße zu fahren gehabt habe, wäre es nicht zu dem Unfall gekommen, wenn der Kläger ihn nicht angehalten hätte» Es sei nicht Aufgabe des Klägers gewesen, erzieherisch auf den Erstbeklagten einzuwirken und polizeiliche Befugnisse wahrzunehmen » Allenfalls hätte er zur Sicherung dos rackfolgen- , den Straßenverkehrs hinter der unbeleuchteten Strohpresse herfahren und den Erstbeklagten erst nach Verlassen der Bundesstraße zur Rede stellen sollen; nachdem er die Strohpresse überholt hatte, hätte er diese Zweckmäßig an sich vorbeifahren lassen und sich mit seinem Wagen sodann wieder hinter sie gesetzt» Die haltende Strohpresse sei für den, nachfolgenden Verkehr noch gefährlicher gewesen als die fahrende» Sich selbst habe der Kläger noch dadurch einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, daß er sich neben der Zugmaschine mitten auf die Straße gestellt habe» I» Unter den Parteien besteht kein Streit darüber, daß' die Beklagten dom Kläger nach den Haftungsbestimmungen dos Straßenvcrkohrsgesetzes und der Erst- und Zweitbcklagte darüber hinaus auch nach.den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs über unerlaubte Handlung schadenseroatzpflichtig geworden sind» Streitig ist nur, ob sich der Kläger wegen mitwirkenden Unfallverschuldens nach § 9 StVG, § 254 BGB -eine Kürzung seiner Schadensersatzansprücho gefallen lassen muß» Beide vorinstanzlichen Gerichte haben diese Präge verneint» Während das Bandgericht gemeint hat, ein eigenes Verschulden könne dem Kläger nicht zu dem Vorwurf gemacht werden, ist das Berufungsgericht zu der Auffassung gelangt, daß es jedenfalls nicht grob fahrlässig gewesen sei, wie sich der Kläger verhalten habe» Bin geringeres Verschulden brauche er sich aber nicht anrechnen zu lassen» Durch sein Handeln habe der Kläger nämlich eine dringende Gefahr abzu-v wenden bezweckt, durch die wegen der unbeleuchteten Strohpresse nachfolgende Verkehrsteilnehmer und der Erstbcklagtc selbst bedroht gewesen seien» Ir habe ein Geschäft im Interesse der Beklagten besorgt und brauche daher nach § 680 BGB Fas gelte auch für die Frage, ob ihm ein mitwirkendes Verschulden an seinem Unfallschaden entgegengehalten werden könne, Fanach sei es aber nicht gerechtfertigt, dem Kläger einen Selbstbehalt seines UnfallSchadens aufzuerlegen. 1, Entgegen der Ansicht der Revision kann es nicht zweifelhaft sein, daß in dem Händeln des Klägers eine Geschäftsführung ohne Auftrag im Sinne des § 680 BGB gelegen hat o Pie verfahrensrechtlichen Einwendungen, mit denen die Revision dieser Würdigung entgegentritt, sind •unbegründet» Paß der Kläger mit seinem Eingreifen bezweckt hat, die y Gefahr eines Zusammonstosses nachfolgender Verkehrsteilnehmer mit der unbeleuchteten Strohpresse abzuwenden, konnte das' Berufungsgericht.aus dem festgestellten Verhalten des 7 Klägers schließen, auch wenn 'der Kläger,;, äem nach den An- % .gaben bei seiner persönlichen. bereits das Eingreifen selbst zu erblicken» licht zu bean- '7 standen ist endlich die Feststellung des Berufungsgerichts, daß es eine dringende Gefahr gewesen ist, deren Abwendung jy das Eingreifen des Klägers bezweckte» Wie gefährlich die V unbeleuhfcetc Strohpresse für den nachfolgenden Fahrzeug- 7 verkehr auf der Bundesstraße war, bedurfte keiner weiteren Barlegung; der Kläger selbst war ihr nur gerade noch entgangen» Festgcstelltermaßen war die Strohpresse auf der kurzen Strecke, die sie auf der Bundesstraße erst zurück- gelegt hatte, "bereits von drei Personenkraftwagen außer dem des Klägers überholt worden» Ohne Rechtsverstoß konnte das Berufungsgericht daher annehmen, daß bei dem lebhaften Verkehr jeden Augenblick ein anderer Verkehrsteilnehmer auf die Strohpresse auffahren konnte» Bei diesem Sachverhalt hat das Berufungsgericht mit Recht in dem Handeln des Klägers eine Geschäftsführung im Sinne des § 680 BGB erblickt» Der Kläger hat ein Geschäft . für den Zweitbeklagten als Fahrer und den Brittbeklagten als Halter des nachfolgenden Kraftfahrzeugs geführt, als er es sich angelegen sein ließ, sie vor der Gefahr zu bewahren, die ihnen von der unbeleuchteten Strohpresse auf der dunklen Straße drohte» Baß sie ihm der Person nach noch nicht bekannt waten,^verschlägt nichtsj es genügt, daß sie diejenigen waren, die es anging» Ein Geschäft für den Erstbeklagten..ist es ferner gewesen, daß ihn der Kläger auf das Pehlen der notwendigen Rückbeleuehtüng seiner Strohpresse aufmerksam machta\ er hat sich hierdurch einer Sorge angenommen, die dem Erstbeklagten oblag und deren Versäumung diesen sowohl strafrechtlicher Sanktion als auch insbesondere eigener Schädigung und der Belastung mit dem Schaden anderer aussetzen konnte» 2. Bas Eingreifen des Klägers hat freilich das Auffahren des herannahenden lastkräfiwägehs auf die Strohpresse nicht verhindert; vielleicht wäre die Fahrbahn doolastkraft wagens von der Strohpresse sogar bereits geräumt gewesen, wenn der Kläger den Erstbeklagten nicht aufgehalten hätte» Trotzdem war es ein Geschäft, das der Kläger in der Sorge um die Sicherung nachfolgender Verkehrsteilnehmer für diese und den Erstbdclagten zu führen unternahm» Für die Die Gefahr ist nicht, wie die Revision es hinstellt, durch den Kläger überhaupt erst geschaffen worden, sie hat sich vielmehr als so dringlich herausgestellt, daß sie sich schon zu dem Schaden der Beklagten auswirkte, bevor noch der Kläger und der Erstbeklagte geeignete Maßnahmen zu ihrer Beseitigung 1 ergreifen konnten. Wer ein Geschäft für einen anderen besorgt, ohne von ihm beauftragt oder sonst ihm gegenüber dazu berechtigt zu sein, hat das Geschäft nach § 677 BGB allerdings so zu führen, wie das Interesse des Geschäftsherrn mit Rücksicht auf dessen wirklichen oder mutmaßlichen Willen es erfordert» Die Geschäftsführung ist unberechtigt, wenn os an diesen Voraussetzungen fehlt» Bei aller Vor- Solche Behauptungen haben die Beklagten Jedoch im bisherigen Verlauf des Rechtsstreits selbst nicht aufge-otellt« Sie stellen ein im Revisionsverfahren nicht mehr zulässiges neues Vorbringen dar, das zudem in Widerspruch steht zu den fostStellungen, die in der polizeilichen Un-fallskizze bei den von den Vorinstanzlichen Gerichten antragsgemäß herangezogenen Strafakten Ds 29/60a-b des Amts- j gerichts Ehingen niedergelegt sind' und die das Berufungsgericht weiterhin getroffen fhat« Danach hat der Kläger seine Wagen rechts an der Straße angehalten; über die Hälfte der 7 , 30 m breiten Fahrbahn blieb zur Vorbeifahrt für die 2,67 m breite Strohpresse frei«''Es-:spricht nichts dafür, daß sich der Kläger mitseinem Wagen so dicht vor das.Fahrzeug des Irstbeklagten gesetzt hätte, daß dieser hierdurch unmittelbar zu dem Anhalten genötigt gewesen wäre- | Erst nachdem der Kläger den angehaltenen Wagen verlassen hatte und'zu dem Fahrzeug des Irstbeklagten zurückgegangen war, hat dieser nach den festätellungen des.Berufungsgerichts nun ebenfalls angehaitenV lach seiner eigenen Dar- i Stellung (im Schriftsatz vom 27« «Juni 1963) hat der Erst- J beklagte' angehalten, '""weil iläv'der Klägef.'nach seinem Ausstoigen ein Haltezeichen gab« Wie die Feststellungen in der erwähnten Polizoiskizze zeigen, hat sich der Personenkraftwagen des Klägers so weit von der Stolle dos Unfalls entfernt befunden, daß dieser sich ohne seine Berührung hinter dlirv"'abgespielt hat, als der Bastkraf twagß* auf die Strohpresse auftraf und sie mit dem Traktor vor sich her rechts in den Graben schob« .Für die Annahme der Revision, daß eine vom Kläger su vertretende Betriebsgefahr seines Kraftwagens am Unfall ursächlich beteiligt gewesen sei., fehlt es hiernach schon an tatsächlicher Grundlage* Keine Rede kann daher davon sein, daß die Betriebsgofahr durch schuldhaftes Verhalten auch noch erhöht gewesen sei* Auf diese Weise kann nicht die Anwendbarkeit des § 680 BGB ausgeschaltet und eine Mithaftung des Klägers begründet werden* 5« Die Revision vertritt di® Ansicht, für die Anwendung des § 680 BGB sei jedenfalls kein Raum, wenn es, wie im vorliegendem Falle,, nicht um Ansprüche gegen den Geschäftsführer, sondern um 'Ansprüche des Geschäftsführers gegen den Geschäftsherrn und um die Frage gehe, ob der Geschäftsführer den entstandenen Schaden im Sinne .. Bio Bestimmung des § 680 3GB steht allerdings im Zusammenhang mit den weiteren Bestimmungen der §§ 678: ff.., in denen das Gesetz besondere Vorschriften für den Fall getroffen hat, daß dom Geschäftsherrn aus der Geschäftsführung ein Schaden erwächst«, Teils haftungs schärf end, teils haftungsmindernd wird hier die Schadensersatzpflicht modifiziert, die den Geschäftsführer bei unberechtigter Geschäftsführung nach deliktischen Grundsätzen treffen • würde.'Bs - ist aber Ausdruck eines allgemeinen Rechtsge-dankens, daß nach § 680 BGB der Geschäftsführer nur Vor- ■ satz und grobe Fahrlässigkeit zu vertreten hat, wenn die Banach muß aber angenommen werden, daß nach den Maßstäben des § 680 BGB auch die Frage zu beurteilen ist, ob sich der Kläger ein unfallursächlichoEb Mitver-schuiden entgegenhalten lassen muß'i Bas Berufungsgericht hat sie rechtsirrtumsfrei verneint. seinen Wagon vor einen Radfahrer, der ihm ohne sein Verschulden plotzlic.li in die Fahrbahn geriet,; zur Seite riß und hierbei verun— ■ glückte« Eer Senat hat anerkannt, daß dem Kraftfahrer angesichts seiner Entlastung nach § 7 Abs« 2 StVG gegen den Radfahrer ein Entschädigungsanspruch aus Geschäftsführung ohne Auftrag ( § 685 BGB) zustand, hat ihm jodocli . et hat« Hierbei war für den erkennenden Senat maßgebend, daß der Schaden durch eine für beide Beteiligten zufällige Gefahrenlage ausgclöst worden war, der Radfahrer entgegen dem sonst geltenden Verschuldensgrundsatz alleiri ■ auf Grund der Verursachung des Unfalls zu dem AufwendungS'-ersatz herangezogen, werden konnte, der Kraftwagenfahr er* ' aber ebenfalls durch sein Kraftfahrzeug eine Ursache zu der Gefahr gesetzt hatte» Eer Senat hat auf die Eigenaect hingewiesen, die Fälle dieser Gestaltung kennzeichnet und es erfordert, daß der Richter bei der Bemessung des Schadensersatzes den besonderen Umständen muß Rechnung tragen können« Eer vorliegende Fall ist hiervon völlig verschiedeno Hier ist der Schaden vor allem nicht durchi