BGH · VI ZR 210/62 vom 12.11.1963
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Der Beklagte hat Verjährung der Ansprüche oingewandt und um Klageabweisung geboten* Br hat behauptet, der Verletzte coi unraitteibar nach dem Unfall noch hinlänglich klar bei Bewußtsein gewesen, um den Unfallhergang erfassen und von der Person des Schädigers Kenntnis nehmen zu können; das erlittene Hirntrauma habe sich erst später - wenn auch dann sehr schwer - ausgewirkt * Dio Klägerin ist dieser Auffassung entgogengetroton* Sie hat auch darauf hingerissen, daß der Eaftpflichtv ersieh er or des Beklagten bis zu dem 4. Entscheidungsgrundes Das Berufungsgericht ist zu dem Ergebnis gelangt, daß der Verletzte unmittelbar nach dem Unfall nicht in der Lago war, sich über den Unfallhorgang und die Person des Schädigers im Sinne oinor "Kenntnis" nach § 852 Abs* 1 BGB zu vergewissern und daß es deshalb allein auf die entsprechende Kenntnis der Klägerin ankommt, die sie unstreitig so spät erlangt hat, daß die von ihr geltend gemachten Ansprüche bei Klageerhebung noch nicht verjährt waren* den entscheidenden Erwägungen wird die Präge vielmehr zutreffend dahin gestellt, oh die geltend gemachten Ansprüche mit oder ohne Belastung durch eine Kenntnis des Verletzten im Sinne von § 852 EGB auf die Klägerin übergegangen sinda Bie Revision räumt denn auch seihst ein, daß das Berufungsgericht hoi seiner Entscheidung davon ausgogangen ist, daß der Porderungsüber-ang im Unfallzeitpunkt erfolgt ist» Bor Beklagte ist mithin durch die voraufgogangenen Erörterungen nicht beschwerte Wie dio Revision; sieht es auch das Berufungsgericht als unzweifelhaft an, daß sogleich nach dem Unfall dessen Bergang offenkundig war und der Schadenstiftor in der Person des Beklagten feststand, so daß koin objektives Hindernis bestand, dio zur Vcrfo]^ung der Ansprüche erforderliche Kenntnis der Tatsachen auf der Stollo zu gewinnen„ Bo ist auch nicht übersehen worden, daß der Verletzte nicht aofort ohnmächtig war, sondern das Bcwuß$ooin später verloren hat, nachdem er sich noch mit eigener Kraft aus soinom umge stürzten Wagen hatte befreion kennen und danach für eine Weile beschränkt ansprechbar geblieben wer» Bas Berufungsgericht ist jedoch zu der Überzeugung gelangt, daß der Verletzte in diesem Zwischensustand nicht mehr in der läge war, aas Unfallgeschehen in einem normalen Cr ed ankenab lauf zu erfassen und zu überdenken, und hat deshalb dio Erlangung der in § 852 Abs«, 1 BGB vorausgesetzten Kenntnis verneint0 Biese Beurteilung enthält keinen Rechtsfehlor0 Ber erkennende Senat hat wiederholt ausgesprochen, daß nicht nur eino völlige Bewußtlosigkeit die sofortige und ausreichende Orientierung dos Verletzten aucschließt, sondern auch schon eine Beeinträchtigung seines Auffaosungs- und Denkvermögens, die $8: ihn verwehrt, sich sogleich ein für die Erhebung der Klage ans% reichendes Bild von dem Schaden und der Person des Schädigers zu machen (vgl* das vom Berufungsgericht herangesogene Urteil vom 80 April i960 - VI ZR 72/59 = VersR 60, 630; ferner Urteil von 16. Ob ein solcher Zustand bestanden hat, ist eine Präge der tatrichter-liehen Bcweiowürdigung» Alles dies verkennt ersichtlich auch di Revision nicht; denn sie rügt lediglich Verfahrensverstöße bei der Ermittlung und Beurteilung des Sachverhalts« Diese Angriffe sind jedoch unbegründet, Das Berufungsgericht hat die beigezogenen Akten des Strafverfahrens gegen den Beklagten in der zulässigen und gebotenen V/eioo verwertet» Es hat die Zeugen anhand ihrer früheren Bekundungen nochmals vernommen und ihnen die geeigneten Vorhaltungen gemachto Daß dies geschehen ist, und was die Zeugen darauf erklärt haben, ergibt die Vernehmungsniederschrift vom 27» April 1962, die den Parteien abschriftlich zugegangon ist» Darauf brauchte im Urteil nicht nochmals im einzelnen eingegangen zu werden» Der Tatrichter hat beachtet, daß nach dem Bowoisergebnis der Verletzte ohne Hilfe aus seinem Wagen gekrochen ist und daß ex* sowohl mit dem "vernehmenden" Polizoi-boamten wie mit dem Beklagten noch einige Worte gesprochen hat, Das Berufungsgereicht hat jedoch auch d.argelcgt, weshalb ihm dieso "wie im Traum" gesprochenen Worte des auf Prägen "nur ganz schwach ro agier enden", stark aus dem Mund blutenden und "nicht eigentlich vernehmungsfähigen" Verletzten nicht die Überzeugung von seiner hinlänglich ungetrübten Auffassungs« und Donkfähigkeit zu vermitteln vermochten» Mit der Rüge, daß der entgegengesetzte Schluß gezogen werden müsse, ersetzt die Revision die tatrichterliehe Bewoiswürdigung unzulässig durch ihre eigene. oino rechtsgeschäftliche Erklärung absugeben0 Die Revision will denn auch ersichtlich die ’'Vollmacht11 alloin aus dem Anspruehssehreiben her leiten«, daß die Ehefrau dos Verlöt st en in seinem Namen drei Tage nach dem Unfall verfaßt hat* Dieser Schluß ist jedoch keineswegs geboten? Auffassungs- und Denkfähigkeit dos Vorletzten in dem Intervall zwischen Unfall und oinseizendor Bewußtlosigkeit entscheidend herabgesetzt, gewesen sei» Bei der Beurteilung dieser Frage wäre auch ein medizinischer Gutachter auf die Angaben der vom Berufungsgericht gehörten Augenzeugen übor Zustand und Verhalten des Verletzten in dem fraglichen Zeitraum angewiesen gewesen« Hiernach war aber der Verletzte? Es ist auch wiederholt ausgesprochen worden, daß dio Kenntnis von dor Person des Ersatzpflichtigen schon dann gegeben ist, wenn dor Verletzte dessen Namen und Anschrift anhand bekannter Umstände ohne besondere Mühe zu erfahren vermag (vgl«, BGH LM § 852 BGB Nr, 4). ausgesprochen hat, kann aber von einem Schwerverletzten grundsätzlich nicht•erwartet werden, daß er die Personalien des Schädigers am Unfallort fest stellt 9 Auch vorliegend war es dem Verletzten/* nicht an-susinnon, ungeachtet seines bedenklichen Zustandes sein Interesse sogleich auf die rechtlichen Folgen des Unfalls zu richten und trotz dor Schädel- und Kieferbräche sowie dor starken Blutung aus dem Mundo nach den Personalien des Beklagten zu forschen«, War ihm dies aber nicht zuzu demuten, so verbleibt es dabei, daß er dieso ihm in jedem Palle fehlende Kenntnis noch nicht erlangt hatto, als sein'o Ansprüche teilweise auf dio Klägerin übergingen» Daß es alsdann auf dio Kenntnis dor Klägerin ankommt und daß sie dieso so spät erlangt hat, daß bei Klageorhebung weder die zwei- noch die dreijährige Verjährungsfrist abgelaufen waren, verkennt auch die Revision nicht*