BGH · VI ZR 209/61 vom 10.07.1962
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Ist die gewollte, von der Tilgungsreihonfolgo nach § 366 Abs* 2 BGB abweichende Beziehung einer Gcldloistung auf einen bestimmten Teil der Schuld nicht ohne weiteres ersichtlich, so muß der Schuldner die Zuordnung vornehmen und kenntlich machen, wenn er den Erfüllungsswock erreichen will«, Das Landgericht hat die Klage abgewiesen» Das Oberlande cgericht hat den Anspruch insoweit dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt, als er auf den Ersatz von Verdienst-ausfall in der Zeit vom 17» Januar 1955 bis zu dem 16» Juli 1961 gerichtet ist» Die Revision des Beklagten, um deren Zurückweisung die Klägerin bittet, wendet sich nur noch dagegen, daß die empfangenen 20»250 DM nicht auf den der Klägerin zuorkannten Rentenanspruch angerechnet worden sind und daß das Urteil keinen Vorbehalt wegen des Forderungs-Übergangs auf Sozialversicherungsträger ausspricht» Wäre die Klägerin geschäftsfähig gewesen, so hätte es zur Tilgung, da die Parteien sich über den Zweck der Zahlung einig waren, lediglich noch des rechtswirksamon Erfüllungsgeschüfts bedurft, also der Übereignung des Geldes oder, bei der Überweisung auf ein Konto der Klägerin, der Annahme an Erfiil-lungs Statt, Daß der Vergleich die ursprünglichen Ansprüche der Klägerin in Höhe von 20,250 DM bestehen lassen wollte, kann jedoch nach seiner festgeotelltcn Unwirksamkeit nicht dazu führen, der Zahlung der ’'Vergleichs*'summe Tilgungswirkung hinsichtlich eines gleich hohen Teiles dor unberührt gebliebenen Gosamtansprücho der Klägerin - überdies nach der nachträglichen Bestimmung dos Schuldners - beizu demesson. der Vergleichserfüllung, noch sollte die gesetzliche Til-gungsroihenfolge nach § 366 Abs«, 2 BGB gelten» Wenn die Beziehung der Leistung auf einen bestimmten Teil der Schuld nicht ohne weiteres ersichtlich ist, muß der Schuldner die Zuordnung vornehmen und kenntlich machen (vgl» RGRK, 11» Aufl» § 362 BGB Anm» 5)? wenn er den Erfüllungszwec3c erreichen will» Eine solche Zuordnung kann der Haftpflicht-Versicherer des Beklagten nicht einmal gewollt haben, weil er lediglich die Erfüllung des Vergleichs beabsichtigte, die keine Festlegung auf bestimmte Einzelansprüche der Klägerin erforderte» Überdies stand die Zahlung, weil sie zur Vergleichserfüllung erfolgte, unter dem Vorbehalt des Ausschlusses weiterer Ansprüche der Klägerin, so daß sie die Tilgung der Rentenansprüche vom 17» Januar 1955 ab auch deshalb nicht bewirken konnte, weil sie nicht obligationsgemäß im Sinne von § 362 Abs» 1 BGB gewesen wäre» Unter diesen Umständen kommt es nicht mehr darauf an, ob auch die Klägerin einen entsprechenden Annahmewillen hätte haben müssen, den sie wegen ihrer Geschäftsunfähigkeit nicht rcchtswirksam hätte bilden und betätigen können» Damit entfällt zugleich der von der Revision hervorgehobene Gesichtspunkt einer stillschweigenden Genehmigung der Annahme durch den später bestellten Vormund» Der Beklagte hat denn auch eine teilweise Tilgung der Klageansprüche durch die ,,Vcrgloichs,,zahlung niemals behauptet, sondern im Gegenteil stets die Ansicht vertreten, daß sein Haftpflichtvcrsichcrcr diese Leistung im Falle der Unwirksamkeit des Vergleichs als ungerechtfertigte Bereicherung zurückfordern könne» Er hat sich diesen Anspruch cogar abtreten lassen und damit die Aufrechnung im Prozeß erklärt, und zwar wogen eines Betrages von 46,52 DM mit Erfolg» 2» In übrigen hat das Berufungsgericht allerdings die Aufrechnung nach § 394 BGB als unzulässig angesehen, weil sie sich gegen unpfandbare (§ 850 b Abs» 1 Nr» 1 ZPO) Ren-tcnancprücho der Klägerin richte» Auch das rügt die Revision vergeblich» Entgegen der Ansicht der Revision ist es ohne Bedeutung, daß die Aufrechnung nur gegenüber dem Anspruch auf rückständige, gegebenenfalls in einer Summe nachzuzahlende Rentcnleiotungen erklärt worden ist» Auch solche Rückstände werden durch das Pfändungsund Aufrechnungsverbot geschützt (vgl» HO JYf 1936, 2403)? 152 entschiedenen Pall -die Arglisteinrede gegenüber der Berufung auf die Schutz-bcstimraungcn durchgreifen müsste» Der angezogenen Entscheidung liegt der Gedanke zugrunde, daß die Verteidigung mit dem Pfändungsund Aufrechnungsverbot niemals arglistig sein könne, v/eil cs gerade der Zweck der Bestimmungen sei, die Durchsetzung der bevorrechtigten Forderungen ohne Rücksicht auf etwa vorhandene Gegenansprüche zu gev/ährleisten» Zwar war derzeit die .Arglist nur darin erblickt worden, daß der Gläubiger eine Leistung verlangte, die er dem Schuldner alsbald zurückgewähren musste» Vorliegend kann die Revision zusätzlich darauf verweisen, daß die Klägerin sich die Aufrechnung nur insoweit gefallen lassen soll, als die erbrachten Leistlingen den Zweck der Bevorrechtigung ihrer Ansprüche, nämlich die UnterhaltsSicherung, schon erfüllt haben» Indessen vermag auch dieser Gesichtspunkt keine Durchbrechung dos allgemeinen gesetzlichen Verbots zu rechtfertigen» Wie die Revision nicht verkennt, ist es unter den Parteien streitig, ob und inwieweit die Klägerin durch den Empfang der "Vergleichs”summe noch bereichert ist, insbesondere ob sie tatsächlich aus ihr einen Teil des Unterhalts bestritten hat» Vor Klärung dieser Frage könnte keinesfalls sachlich über die Aufrechnung entschieden werden, so daß die Klägerin bis dahin mit der Durchsetzung ihrer Rentcnancprüche zuwarten müsste» Zweck des gesetzlichen Aufrechnungsverbots ist es jedoch nicht zuletzt, eine solche Verquickung und Verzögerung abzuschneiden» 3o Daß es - v/ie die Revision in ihrer mündlichen Begründung geltend gemacht hat - nicht einmal der Aufrechnung bedürfte, sondern an einem Schaden fehlen würde, soweit die Klägerin das empfangene Geld zur Bestreitung ihres Unterhalts verwandt haben sollte, ist freilich möglich» Das hätte der Entscheidung, daß der Ersatz von Verdienstausfall für die Zeit vom 17 o Januar 1955 bis 16» Juli 1961 dem Grunde nach gerechtfertigt ist, jedoch nur dann entge-genstchen können, wenn die Klägerin in diesem Zeitraum den schon im Juni 1950 erhaltenen Betrag anstelle des entzogenen Einkommens verlebt hätte» Eine tatsächliche Behauptung diesen Inhalts hatte der Beklagte indessen nicht aufge-stollt» 4» Schließlich kann die Revision nicht mit Erfolg rügen, daß das Berufungsgericht fehlsam den Übergang eines Teils der Klageansprüche auf Sozialvorsicherungstrüger unberücksichtigt gelassen habe» Denn ihre Begründung stellt neues tatsächliches Vorbringen dar» Der Beklagte hat nämlich bis zu dem Schluß der mündlichen Verhandlung im.