BGH · VI ZR 207/83 vom 23.04.1985
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BGB § 852 Abs. 1 Zur Kenntnis des Patienten von einem schuldhaften Behandlungsfehler des Arztes gehört das Wissen von den wesentlichen Umständen des Behandlungs-verlaufs (hier: Wahl der Narkosemethode und Maßnahmen der Wiederbelebung nach Herzstillstand). Auf die Revision der Kläger wird das Urteil des 7. Das Berufungsgericht verneint vertragliche Ansprüche der Kläger, weil diese nicht in den Schutzbereich des zugunsten des Kindes Eckhard abgeschlossenen Behandlungsvertrages einbezogen gewesen seien. Mai 1976, in dem dieser dem Beklagten u.a. vorgeworfen hat, seinen Sohn zu spät behandelt zu haben, ihm die Verursachung des Herzstillstands anlastet und eine nicht fachgerechte Vernähung der Operationswunde rügt. Das zeige, so meint das Berufungsgericht, daß die Kläger spätestens in diesem Zeitpunkt die für das Ingangsetzen der dreijährigen Verjährungsfrist des § 852 BGB erforderliche Kenntnis vom Schaden und der Person des Ersatzpflichtigen gehabt hätten. Juni 1978 erhalten hat, ausgeführt habe, der Beklagte habe Fehler bei der Wahl der Anästhesiemethode und bei der Wiederbelebung gemacht (weshalb der Beklagte schließlich wegen fahrlässiger Körperverletzung - Herbeiführung eines Hirnschadens des Kindes - im Strafverfahren verurteilt worden ist). Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichtes waren Schadensersatzansprüche der Kläger gegen den Beklagten aus unerlaubter Handlung im Zeitpunkt der Klageerhebung noch nicht verjährt, weil die Kläger die nach § 852 Abs. 1 BGB erforderliche Kenntnis vom Schaden und der Person des Ersatzberechtigten erst nach Zuleitung des Gutachtens von Prof. Eine Kenntnis der Kläger von solchen Tatsachen, die ausreichten, um den Schluß auf ein schuldhaftes Fehlverhalten des Beklagten als des Schädigers und auf die Ursache dieses Verhaltens für den Schaden als nahelegend erscheinen ließen, ergab sich nicht schon daraus, daß ihr Sohn Eckhard im Anschluß an seine zweite Einlieferung in das Krankenhaus des Beklagten erst nach einigen Tagen operiert wurde, daß es am Ende dieser Operation zu einem längeren Herzstillstand gekommen und daß dann eine Insuffizienz der Operationsnaht aufgetreten war. Indessen weisen Mißerfolge und Komplikationen im Verlauf einer ärztlichen Behandlung nicht stets schon auf ein Fehlverhalten des Arztes hin, weil der Erfolg einer solchen Behandlung nicht berechenbar ist, vielmehr vom Jeweiligen Deswegen gehört zur Kenntnis des Patienten von einem schuldhaften Behandlungsfehler des Arztes das Wissen von den wesentlichen Umständen des Behandlungsverlaufes, wozu u.a. ein Abweichen vom üblichen ärztlichen Vorgehen und die jeweils zur Vermeidung oder Beherrschung von Komplikationen getroffenen ärztlichen Maßnahmen gehören (vgl. 2. Uber den Behandlungsverlauf war den Klägern zunächst nur bekannt, daß der Beklagte ihren Sohn erst 4 Tage nach seiner Wiedereinweisung ins Krankenhaus zu dem zweiten Mal operiert hat. Kenntnis von Tatsachen, die auf einen schadensursächlichen Narkose-fehler des Beklagten und etwaige Versäumnisse beim Versuch der Wiederbelebung des Kindes hindeuten könnten, erhielten die Kläger aber erst, nachdem ihnen das im staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren gegen den Beklagten erstattete Gutachten von Prof. Aus dem Operationsbericht ergab sich Jedenfalls nicht deutlich genug, daß in Maskennarkose operiert worden ist, daß dem Beklagten kein Anästhesist, sondern nur ein Narkosepfleger assistiert hat und wie lange sich der Beklagte auf die Wirkung des von ihm verwandten Narkosemittels Coramin verlassen hat (vgl. gab tatsächliche Hinweise darauf, daß der Beklagte nicht nur, wie die Kläger von Anfang an vermutet hatten, vielleicht zu spät operiert hat, sondern daß ihm bei der Durchführung der Operation schwerwiegende Fehler unterlaufen sein konnten, indem er eine für die zeitaufwendige Operation aller medizinischen Erfahrung nach ungeeignete Narkosemethode anwandte, die dazu führen konnte, die Gefahr eines Herzstillstandes bei dem Kind zu vergrößern, und indem er nicht die aus ärztlicher Sicht geeignetsten Maßnahmen zu dessen Wiederbelebung nach Eintritt des Herzstillstandes anwandte. Daß die Kläger schon vorher argwöhnten, der Beklagte habe etwas falsch gemacht, ist demgegenüber für den Beginn des Laufs der Verjährungsfrist ohne rechtliche Bedeutung, weil bloße Vermutungen ohne tatsächliche Grundlage einer Kenntnis des tatsächlichen Nach der Rechtsprechung des Senats für den Fall eines Chefarztzusatzvertrages zugunsten eines Kindes (BGHZ 89, 263, 266) liegt die Annahme eigener vertraglicher Schadensersatzansprüche der Kläger gegen den Beklagten, wie sie im Streitfall geltend gemacht werden, freilich eher fern. Bei der erforderlichen Neuverhandlung und sachlichen Prüfung der Klageansprüche wird das Berufungsgericht, sofern es für seine Entscheidung darauf ankommen sollte, noch folgende rechtliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen haben: Soweit es sich um mögliche Behandlungsfehler des Beklagten bei der zweiten Operation des Sohnes der Kläger handelt, die nicht die Narkose und die Wiederbelebung betreffen, kann den Klägern nicht eine frühere Kenntnis von der Person des Schädigers entgegengehalten werden. ein einheitlicher Lehensvorgang, der im Hinblick auf die Verantwortung des Beklagten im Streitfall nicht sinnvoll in einzelne Handlungsabläufe mit verschiedenen Verjährungsfristen aufzuteilen ist. Die Vermutung des Geschädigten, der Arzt habe den Fehler bei der Operation schuldhaft verursacht, hat sich vielmehr in einem solchen Fall erst durch die weitere Kenntnis vom Operationsverlauf so verstärkt, daß der Geschädigte nunmehr mit einiger Aussicht auf Erfolg klagen kann.